Die Geschichte des Judo in Bad Belzig

Der Kampfsport kommt aus Japan und hat inzwischen Millionen Anhänger in aller Welt gefunden - auch in Bad Belzig und Umgebung.

Anfänge des Sports in Belzig nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg sehnten sich die Menschen wieder nach sportlicher Betätigung in Vereinen, wie sie es in der Geschichte von Belzig zahlreich gegeben hatte: Mehrere Turnvereine, Fußballverein, Schwimmverein… Doch mit der Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrates der Besatzungsmächte vom 17. Dezember 1945 waren alle Sportvereine in Deutschland aufgelöst worden. Nur auf lokaler Ebene mit lose organisierten Sportgemeinschaften konnten sportliche Aktivitäten stattfinden.

1947 gab es in Belzig ein erstes Stadtsportfest auf dem Turnplatz Brandenburger Straße (Leichtathletik, Kleinfeldhandball und Faustball). Ab 1948 fanden sich Gruppen zum regelmäßigen Training in den Sportarten Handball, Faustball, Turnen, Gymnastik, Fußball, Tischtennis und Schach zusammen.

Der Kreissportausschuss Zauch-Belzig vermeldete am 10.10.1948 im Amtlichen Kreisblatt, dass der Aufbau von Sportgemeinschaften vollzogen werden soll/kann. So fand am 7.1.1949 die Gründungsversammlung der Sportgemeinschaft Belzig mit den Gründungsmitgliedern Rading, Hanse, Pahl, Korbitzky, Kirchner, Cieslik und Preuß in der „Gerichtslaube“ (heute Whisky-Destillerie Eggenstein) statt.

Im März 1949 wurden dann auch konfiszierte Sportgeräte von der sowjetischen Kommandantur in Belzig freigegeben.

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Gründung der BSG Einheit Belzig

Die Gründung der BSG „Einheit“ (und hier steht das B für Betrieb und nicht für Belzig wie in der heutigen Abkürzung) erfolgte etwas später mit den Sektionen Tischtennis, Schach und Schwimmen am 14.12.1950; der erste Vorsitzende war Waldemar Cieslik. Als Träger fungierte die BGL (Betriebs-Gewerkschaftsleitung) der Kreisverwaltung Zauch-Belzig.

Diese Gründung erfolgte zeitgleich mit vielen anderen Betriebssportgemeinschaften in der DDR entsprechend dem Beschluss des Deutschen Sportausschusses (ab 1957 Deutscher Turn- und Sportbund DTSB) vom 3.4.1950 „Über die Reorganisation des Sports auf Produktionsebene“.

Die sogenannten Trägerbetriebe übernahmen für ihre BSG die Finanzierung; in vielen Fällen wurden auch Sportanlagen durch die Betriebe errichtet.

Dieser ist nicht frei gewählt worden; alle Betriebssportgemeinschaften der DDR erhielten zentral ihre Namen nach 16 Produktionsbereichen; z. B. „Traktor“ für die Landwirtschaft, „Stahl“ für die Metallurgie, „Turbine“ für die Energiewirtschaft, „Empor“ für Handel und Nahrungsgüterwirtschaft - und eben „Einheit“ für die staatliche und kommunale Verwaltung. („Vorwärts“ und „Dynamo“ standen außerhalb des BSG-Systems und waren Sportorganisationen der NVA bzw. der Volkspolizei/MfS).

Am 21.3.1951 kam es zur Verschmelzungsversammlung der BSG Einheit Belzig mit der SG Belzig zur größeren BSG Einheit Belzig; somit kamen Fußball, Leichtathletik, Kegeln als Sportarten hinzu. Helmut Kirchner übernahm den Vorsitz.

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Weitere Entwicklungen im Sportgeschehen

Im Jahr 1952 wurden allerdings weitere Betriebssportgemeinschaften neben der BSG Einheit gegründet und einige Sportarten/Sektionen waren mehrmals vertreten:

  • BSG Aufbau Belzig: Fußball, Tischtennis
  • BSG Post Belzig: Tischtennis
  • BSG Empor Belzig: Handball
  • BSG Lok Belzig: Tischtennis, Faustball
  • SG Dynamo Belzig: Tischtennis, Leichtathletik, Volleyball und Judo

Herbert Beyer, seit 1956 Vorsitzender von „Einheit“, beklagt in einem Artikel in der Märkischen Volksstimme vom 23.4.1958 die Zersplitterung der Sportorganisationen, die zu einem Rückgang der sportlichen Qualität geführt hatte.

1958 schlossen en sich alle Betriebssportgemeinschaften (außer Dynamo Belzig) wieder unter dem Namen „BSG Einheit“ zusammen, Trägerbetrieb war der Rat des Kreises Belzig.

Der Judoclub Bad Belzig 93 e.V. heute

Hier gibt es den Judoclub Bad Belzig 93 e.V., in dem alle Interessierten den Sport erlernen können. Die Mitgliederzahl schwankt immer wieder.

„Nach Corona haben wir viele Mitglieder verloren, obwohl anfangs ein extremer Zuwachs zu verzeichnen war“, sagt Pressesprecherin und Trainerin Maria Joechen, „aber viele sind wieder abgesprungen“.

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Trainiert wird in verschiedenen Altersgruppen. Die Jüngsten sind noch im Vorschulalter. Sie nennen sich „Kampfzwerge“ und erlernen den Sport auf spielerische Art und Weise.

Donnerstag trainieren die Schulkinder. Bei denen ist noch einmal in Anfänger und Fortgeschrittene unterteilt. Jeder kann selbst bestimmen, ob er zusätzlich noch zu den Fortgeschrittenen gehen möchte.

Im Kinderbereich gibt es keinen Ligabetrieb, aber die Kinder fahren regelmäßig zu Wettkämpfen im Land Brandenburg und in den angrenzenden Bundesländern.

Beim Training der Kinder geht es vor allem auch um Grundlagen. „Die Fallschule ist ganz wichtig, damit sich niemand verletzt“, so Maria Joechen.

Und so zeigt Trainerin Anja Zwank genau, wie man sich beim Fallen verhalten muss. Die Judokas trainieren in der Halle in der Puschkinstraße.

Der Verein zahlt an die Stadt eine Pacht für die Halle. Dabei sind für Erwachsene und Kinder unterschiedliche Preise festgelegt. Mit den Hallenzeiten sind die Sportler sehr zufrieden, es sind ausreichend.

„Judo ist für jeden geeignet“, sagt Maria Joechen. Das sieht man auch an der Altersstruktur im Club. Die jüngsten Mitglieder sind gerade einmal drei Jahre alt. Dem gegenüber steht Michael Traus mit 69 Jahren.

Nachwuchs ist bei den Judokas immer gern gesehen. Man kann aber auch einfach vorbeikommen, mit Trainingshose und T-Shirt, zugucken und mit dem Trainer sprechen.

Erfolge des Judoclub Bad Belzig 93 e.V.

Der Vereinsvorsitzende des Judoclub Bad Belzig 93, Mathias Köpping, war in diesem Jahr beim eigens veranstalteten Dekra-Turnier nicht nur als Kampfrichter dabei, sondern kämpfte auch selbst auf der Tatami in der Albert-Baur-Halle mit.

Das machte er mit vier Vereinskollegen genauso gut, wie drei Belziger Nachwuchskämpfer bei einem Turnier in Naumburg, so dass der JCBB auf ein erfolgreiches Wettkampf-Wochenende zurück blicken kann.

Beim am Samstag ausgetragenen 7. Dekra-Turnier für Judo-Routiniers kämpften 38 Judoka von befreundeten deutschen Vereinen und auch aus Polen um Pokale und Medaillen.

Von den fünf gemeldeten Judoka des Ausrichters kämpfte in der Altersklasse U 30 der Potsdamer Sportschüler Lucas Zwank, der erst kürzlich sein Debüt in der 1. Judo-Bundesliga erlebt hatte, in der Gewichstklasse bis 81 Kilogramm mit. Zwank konnte in all seinen Auseinandersetzungen überzeugen die erste Goldmedaille für seinen Heimatverein erkämpfen.

Die Altersklasse Ü 30 wurde von den JCBB-Sportlern Martin Lehmann (bis 100 kg) und Marcel Maneck (über 100 kg) besetzt.

Während letzterer erst seit kurzem am Wettkampfbetrieb teilnimmt und mit Bronze überzeugte, sicherte Lehmann das zweite Gold für den Bad Belziger Veranstalter.

Dann war neben seiner eigentliche Rolle als Kampfrichter Vereinschef Köpping an der Reihe. Er kämpfte in der AK Ü50 (bis 81 kg) mit, konnte sich den zweiten Platz sichern und mit Silber belohnen.

Er und der JCBB waren am Ende sehr zufrieden mit ihrer 7. Auflage. „Wir bedanken uns bei unserem langjährigen Sponsor Dekra Automobil GmbH und allen Helfern aus den eigenen Reihen, die einen reibungslosen Ablauf des Turniers ermöglichten“, sagte Köpping.

Zeitgleich nahm eine JCBB-Abordnung unter der Leitung von Lea Naruhn und Maria Jöchen am 2. Naumburger Randori-Kinderturnier teil. Für zwei der drei mitgereisten Nachwuchskämpfer war es ihr erster Wettkampf überhaupt.

In der Altersklasse U7 kämpfte Rookie Raphael Stumpp in der Gewichtsklasse bis 25,7 kg mit. Tapfer ging er auf die Matte, vergaß seine anfänglichen Zweifel und konnte seine erlernten Kenntnisse toll anwenden. Somit konnte er sich am Ende über Silber freuen.

Debütant Liam Kranepuhl (bis 23,1 kg) stand dreimal auf der Tatami und stellte seine erlernten Techniken sowohl im Stand als auch im Bodenkampf unter Beweis, so dass seine Bemühungen letztlich mit Gold belohnt wurden.

„Obwohl beide Kämpfer erst seit kurzem für den Wettkampfsport trainiert wurden, überzeugten sie bereits gekonnt mit Würfen, Festhalten und Befreiungen“, beobachtete Betreuerin Naruhn.

Ihre bereits erfahrene Vereinskameradin Sanna Hofmeister bekam es in der Altersklasse U9 (bis 28,1 kg) mit drei Gegnern zu tun.

Sonderausstellung im Museum Burg Eisenhardt

Ab 6.7.2024 wird Sportgeschichte im Museum Burg Eisenhardt ausgestellt: Die BSG Einheit Belzig - viele Sektionen unter einem Dach. Den weiteren Weg von der Betriebsportgemeinschaft zum heutigen Verein BSG „Einheit“ können Sie in der Sonderausstellung „Zeitgeschichte(n) der Belziger SG Einheit“ im Museum der Burg Eisenhardt erleben, die auf Initiative von Uwe Moritz, unterstützt von Thomas Schmöhl, Bärbel Kraemer und Monika Schwarz, erarbeitet wurde . Die Eröffnung findet am Sonnabend, dem 6.7.2024 um 10 Uhr statt.