Japanische Kampfkunst Jiu Jitsu: Geschichte und Techniken

Jiu Jitsu ist eine japanische Kampfkunst, deren Gründungslegenden bis in das 17. Jahrhundert zurückreichen. Es ist eine Technik der waffenlosen Selbstverteidigung mit dem Grundsatz der wirkungsvollsten Kraftanwendung.

Ursprünge und Entwicklung des Jiu Jitsu

Die genauen historischen Ursprünge der Kampfkunst sind unbekannt. Den Ursprung der meisten Budo-Sportarten vermutet man in einer über 3000 Jahre alten indischen Massagekunst, der schon über 100 schmerz- und lebensempfindliche Stellen am menschlichen Körper bekannt waren. Ebenso steht fest, dass schon die Samurai in früher Zeit waffenlose Kampfsysteme kannten, mit denen sie sich verteidigen konnten, wenn sie vom Pferd gefallen oder entwaffnet worden waren.

Die älteste japanische Schrift über den Zweikampf, „Takanogawy“, weist bereits auf das Bestehen eines waffenlosen Kampfsystems um 70 v. Chr. hin. Dieses frühe System gilt als erster historisch gesicherter Vorläufer des heutigen Jiu-Jitsu. In folgender Zeit bestanden in Japan zwei Arten dieser Kampfkunst: das sogenannte Bu-Gi kam als Kriegskunst bei realen Kämpfen zur Anwendung, während das Kyo-Gi für Vorführungen und Wettkämpfe an kaiserlichen Höfen gebraucht wurde.

Ein zentraler Impuls ging dann 1638 von einem Chinesen Namens Chin-Gen-Pin aus, der sich in Japan niederließ und dort Samurai in einer Art chinesischen Boxens unterrichtete. Diese Samurai verbanden die neuen Techniken mit den ihnen bereits bekannten und nannten es „Jiu-Jitsu“, die „nachgiebige Kunst“.

Die Rolle der Samurai und des Bushido

Jiu-Jitsu fand unter den Samurai rasche Verbreitung und wurde bereits Ende des 17. Jahrhunderts als eine der ersten Samurai-Pflichten im Bushido (Ehrenkodex der Samurai) festgelegt. Es wurde in einer zunehmenden Zahl von Schulen, die ihre speziellen Techniken jedoch geheim hielten, vermittelt. In Büchern und Schriftrollen waren die verschiedenen Techniken zwar beschrieben, diese Dokumente verblieben aber innerhalb der einzelnen Schulen und wurden immer nur dem jeweiligen Oberhaupt übergeben. Während der Tokugawa-Zeit gab es über 100 Schulen für Jiu-Jitsu. Aus diesem Umstand erklärt sich die große Vielfalt des Jiu-Jitsu.

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Die Samurai lernten eine Kunst des waffenlosen Kampfes von Akiyama, einem Arzt aus Nagasaki. Er hatte in China die traditionelle Medizin und die dortige Kampfkunsttradition studiert und fügte den chinesischen Lehren ein Konzept hinzu, das den Berichten zufolge auf eigenen Erkenntnissen basierte. Es heißt, er habe eine Weide im Sturm beobachtet, die sich unter dem Druck beugte und danach wieder aufrichtete, und dadurch die Überzeugung gewonnen, daß ein Sieg durch Nachgeben errungen werden könne.

Stilrichtungen des Jiu Jitsu

Eigenständige, voll entwickelte Stile des Jiu-Jitsu entstanden in Japan bereits seit dem 12. Jahrhundert, beeinflußten und bereicherten sich gegenseitig und brachten neue Systeme hervor. Besonders in der folgenden „Kamakura-Periode“ (1185-1336) entstanden komplexe Stile mit versierter Technik und reichem theoretischem Hintergrund. Eine auch für die Zukunft japanischer Kampfkunst entscheidende Schule war das Aiki-Jutsu von Shinra Saburo Yoshimitsu.

Zu den führenden Schulen dieser Zeit gehörten neben dem Yoshin-Ryu auch das Shin-No-Shindo-Ryu, das Kito-Ryu, das Jikishin-Ryu und das Tenshin-Shinyo- oder Yanagi-Ryu. Yamamoto Tamizaemon fügte dabei zum Stilkonzept des Yoshin-Ryu eigene Techniken, allem voran Haltegriffe hinzu und schuf das Shin-No-Shindo-Ryu auf der Basis dieser Verknüpfung. Etwa ein Jahrhundert später wurden seine Ideen von Mataemon Iso, einem japanischen Samurai, aufgegriffen, und wiederum mit neuen Inhalten kombiniert.

Die Schule des Kito-Ryu hingegen stützte ihr Konzept auf Elemente aus dem alten Aiki-Jutsu sowie auf Techniken des japanischen Schwertkampfes und betonte die Kontrolle des Geistes. Nach intensivem Studium dieses Stils wandelte Meister Kanemon Terada das komplexe System entsprechend eigener Ideen ab und entwickelte daraus das Jikishin-Ryu.

In Japan selbst wurde der Ausdruck Jiu-Jitsu zunehmend weniger geläufig als die unter diesem Sammelbegriff subsummierten traditionellen Schulen beziehungsweise Stilrichtungen, so z. B. Takeuchi, Tai Jitsu, Yoshin ryu, Shinyo ryu, Yawara, Aiki Jitsu der Daito ryu oder Hakko ryu. Viele dieser Stile sind im Laufe des 20. Jahrhunderts auch nach Europa gekommen, die meisten erreichten uns jedoch erst nach dem 2. Weltkrieg.

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Der Einfluss von Jigoro Kano und die Entstehung des Judo

So sank auch die Popularität der japanischen Kampfstile, so daß sie am Ende des 19. Jahrhunderts vollends in Vergessenheit zu geraten drohten. Im Sommer des Jahres 1876 reiste der deutsche Medizinprofessor Dr. Erwin Bälz nach Japan, um an der Universität in Tokio zu unterrichten. Zeitgleich begann er mit großem Interesse das Studium der fast untergegangenen japanischen Kampfsysteme und motivierte auch seine Studenten, sich der Kunst des Jiu-Jitsu zu widmen. Unter ihnen befand sich Jigoro Kano (28.10.1860 – 04.05.1938), der in den folgenden Jahren verschiedene Jiu-Jitsu-Stile erlernte, um sie schließlich zu einem eigenen Konzept zusammenzufügen.

Aus seiner Kombination dieser Systeme entfernte er anschließend die gefährlichen Techniken und systematisierte die effektivsten Methoden 1881 in einem Stil, den er Kodokan-Judo nannte. Seine moderne Interpretation der klassischen Kampfkunst betonte vor allem die pädagogische Komponente und wurde schon bald als Unterrichtsfach an japanischen Schulen eingeführt.

Die Verbreitung des Jiu Jitsu

In den folgenden Jahren gelangte Judo dank der Öffentlichkeitsarbeit Kanos und Bälz‘ zu weltweiter Beachtung und wird bis heute als Erziehungs- und Wettkampfsport parallel zum Jiu-Jitsu geschätzt. In Deutschland begann die Verbreitung des klassischen Jiu-Jitsu durch Erich Rahn, der von japanischen Meistern gelernt hatte und zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Versuch unternahm, die Kunst in seiner Heimat zu etablieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Verbot der Kampfkünste durch die Besatzungsmächte im Jahre 1944, begann erst in neuerer Zeit wieder ein beachtenswerter Aufschwung des Jiu-Jitsu in Deutschland.

Jiu-Jitsu hat inzwischen eine weltweite Verbreitung gefunden. Das Weltzentrum für Jiu-Jitsu, die Nippon Seibukan Academy in Kyoto, Japan, wurde 1968 durch die UNESCO als B-Mitglied international anerkannt.

Brasilianisches Jiu-Jitsu (BJJ)

Auch andere Länder haben sich Techniken japanischer Kampfkünste abgeschaut. Brasilianisches Jiu Jitsu etwa ist eine Abwandlung des japanischen Originals, die sich auf den erbarmungslosen Bodenkampf konzentriert.

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Techniken des Jiu Jitsu

Jiu Jitsu ist eine der umfassendsten Kampfkünste. Sie beinhaltet sämtliche Entfernungen der waffenlosen Verteidigung. Jiu Jitsu umfasst Tritte und Schläge, wie man sie auch im Tae Kwon Do oder Karate kennt, es umfasst Würfe, wie man sie aus dem Judo kennt, Hebel wie im Aikido, Würgetechniken und Bodenkampf.

Das heutige, europäische Jiu Jitsu versteht sich als adaptives System. Wir benutzen nicht nur traditionelle Techniken sondern haben auch Techniken aus anderen Systemen reimportiert. Dies ist kein Bruch der Tradition. Jiu Jitsu war auch in Japan nie ein geschlossenes System. Es gab dort immer unterschiedliche Stile und Schulen.

Zu den wichtigsten Techniken gehören:

  • Schlagtechniken
  • Tritttechniken
  • Wurftechniken
  • Hebeltechniken
  • Würgetechniken
  • Bodenkampftechniken

Das "Ju" Prinzip

Der Begriff Jiu Jitsu setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Jitsu bedeutet Technik, handwerkliches Können, Kunst. Jiu Jitsu wird daher gern als „Die Kunst des Ausweichens“ oder „Die sanfte Kunst“ übersetzt. Gemeint ist, dass im Jiu Jitsu nicht Kraft gegen Kraft gesetzt wird, wie in einem einfachen Schlagabtausch. Jiu Jitsu versucht hingegen die Kraft des Gegners umzuleiten, ins Leere laufen zu lassen oder durch Ausnutzung von Hebelgesetzen und Schwung gegen ihn selber zu richten.

Jiu Jitsu heute

Jiu Jitsu hat inzwischen eine weltweite Verbreitung gefunden. Das Weltzentrum für Jiu-Jitsu, die Nippon Seibukan Academy in Kyoto, Japan, wurde 1968 durch die UNESCO als B-Mitglied international anerkannt.

Jiu Jitsu ist eine relativ alte Kampfkunst, aus der einige andere Kampfkünste und Kampfsportarten hervorgegangen sind. Hier ist zunächst Judo zu nennen. Judo wurde von Jigoro Kano Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Kano hatte selber einen Jiu Jitsu Stil erlernt. Während seiner Studienzeit entwickelte er aus diesem Stil eine Wettkampfsportart, indem er alle Techniken, die ihm als zu gefährlich für den Wettkampf erschienen, aus dem System entfernte, darunter insbesondere sämtliche Schläge und Tritte und einen Teil der Hebel.

Weltweit haben sich viele kleinere Schulen japanischer Kampfsportarten herausgebildet, die einen eigenen Stil und Grundsatz lehren. Sie werden durch nationale und internationale Organisationen verwaltet, die Wettkämpfe austragen und Regeln festlegen.