Japanische Kampfsportarten: Eine umfassende Übersicht

Von asiatischen Kampfsportarten geht eine große Faszination aus. Sie versprechen häufig nicht nur eine kämpferische Überlegenheit gegenüber (nicht selten körperlich stärkeren) Gegnern, sondern fast immer auch philosophische Ansätze, die zur Entspannung, Meditation und sogar zur geistigen Erleuchtung dienen.

Japanische Kampfkünste werden unter dem Oberbegriff Budo zusammengefasst. Im Gegensatz zu reinen Kriegskünsten ist der Budo Kampf auch stets durch eine innere Do-Lehre geprägt. Heutzutage wird asiatischer Kampfsport im Übrigen auch in sportliche und rein kämpferische Elemente getrennt.

Hier findest du eine nach dem ABC sortierte Liste japanischer Kampfsportarten, die einen Einblick in die Vielfalt dieser Disziplinen bietet:

  • Aikido: Die einst blutigen japanischen Kampfsportarten wurden im Aikido zu einer pazifistischen Körperkunst umgewandelt. Das Ziel ist nicht mehr der Sieg. Aikido ist eine japanische Kampfkunst aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Kampfsportart Aikido ist defensiv: Hauptziel ist, die Bewegunsgenergie, die in einem Angriff steckt, abzuleiten und es dem Gegner oder der Gegnerin zu erschweren, den Angriff fortzuführen. Dazu gibt es spezielle Wurf- und Haltetechniken. Auf einen Gegenangriff wird verzichtet. Die Grundidee beim Aikido ist nicht, die angreifende Person zu bezwingen, sondern sie zur Aufgabe zu bewegen. Beim Aikido gibt es weder Alters- oder Gewichtsklassen noch eine Aufteilung nach Geschlechtern. Alle trainieren miteinander.
  • Iaido: Iaido ist die japanische Kunst des Schwertziehens und stammt aus der Zeit der Samurai. Das Besondere ist, während des Schwertziehens bereits einen effektiven Angriff zu starten.
  • Jiu Jitsu: Eine mit dem japanischen Jiu Jitsu verwandte Kampfkunst. Die Bewegungen eines Angreifers werden blockiert und dann wird die Kontrolle über ihn übernommen. Ein Grundprinzip im japanischen Kampfsport Jiu Jitsu ist: Nachgeben, um zu siegen. Wie verteidige ich mich, wenn ich keine Waffe trage? Nicht mit brachialer Gewalt, sondern mit Technik und Prinzipien. Jiu Jitsu war einst die waffenlose Kampfkunst der Samurai. Die Kampfsportart Jiu Jitsu geht auf die japanischen Samurai zurück. Die Grundidee ist „Siegen durch Nachgeben“. Deshalb ist die erste Verteidigungsmaßnahme beim Jiu Jitsu schnelles und geschicktes Ausweichen, um dann die Kraft eines Angriffs gegen die angreifende Person selbst zu verwenden. Dazu stehen verschiedene Wurf-, Griff-, Hebel- und Schlagtechniken zur Verfügung. Je nach Art des gegnerischen Angriffs gehören zur Selbstverteidigung beim Jiu Jitsu auch Tritte und Würgen. Es gibt verschiedene Schulen des Jiu Jitsu, in denen jeweils unterschiedliche Techniken bevorzugt werden.
  • Jo-Do: Jo-Do ist ein alter japanischer Kampfsport mit dem Kurzstock, dem „Jo“. Der Kurzstock wird dabei nur zur Verteidigung gegen das Samurai Schwert (Katana) eingesetzt.
  • Judo: Der Weg des Judo beginnt mit einer Fallschule. Der Übende muss fallen können, ohne sich zu verletzen, bevor er richtig mit diesem japanischen Kampfsport beginnen kann. Wurde aus dem Kampfsport Judo entwickelt. Konzentriert sich vor allem auf den Bodenkampf. Der Jiu-Jitsu-Lehrer Jigoro Kano entwickelte Judo (deutsch: der „sanfte Weg“) Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jiu Jitsu. Kano setzte den Schwerpunkt beim Judo auf Griffe, Hebel und Würfe - gefährliche Kampftechniken wie Schläge und Tritte strich er zugunsten von Fallübungen aus dem Training. Bei einem Judo-Wettkampf ist das Ziel, den Gegner oder die Gegnerin zu Boden zu bringen und dort für eine bestimmte Zeit festzuhalten. Außerdem gibt es Punkte für eingesetzte Wurf- und Grifftechniken.
  • Karate: Der Kampfsport Karate ist der Weg der „leeren Hand“. In ihm sind chinesische Kung Fu Techniken und japanische Kampftraditionen zu einem neuen System verschmolzen. Um 500 nach Christus erschufen chinesische Mönche aus gymnastischen Übungen eine waffenlose Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich diese Kampftradition in Japan unter dem Namen Karate als Sport mit eigenem Regelwerk. Beim Karate erlernt man Stoß-, Schlag- und Tritttechniken. Schläge und Tritte müssen aber im Training und im Wettkampf abgestoppt werden, bevor sie den Gegner oder die Gegnerin berühren. Das erfordert eine gute Körperbeherrschung, die bei dieser Kampfsportart systematisch trainiert wird.
    • Shotokan Karate: Ist der verbreitetste Stil. Zeichnet sich besonders durch seine tiefen Stände aus.
    • Fudokan Karate: Ist ein recht neuer Stil. Ist ein erweitertes Shotokan Karate.
    • Kyokushin Kaikan: Ist eine Karate Organisation, welche sich auf den Vollkontakt konzentriert. Sie gilt als einer der härtesten Karate Stile weltweit.
  • Kendo: Moderner japanischer Schwertkampf. Ist mehr ein Zen Weg des Schwertes. Kendo „Der Weg des Schwertes“ basiert auf dem Kenjutsu der japanischen Samurai. Der Unterschied zum Fechten im Westen besteht darin, dass Kendo die Selbstverteidigung durch Angriff lehrt, und Parieren darin so gut wie gar nicht vorkommt.
  • Kenjutsu: Kenjutsu ist der Oberbegriff aller Formen der japanischen Schwertkunst. Es geht ebenso um die innere Haltung, Wachsamkeit und Spontanität im Schwertkampf.
  • Kyudo: Im starken Gegensatz dazu steht Kyudo, das japanische Bogenschießen, dessen viele rituell festgelegte Abläufe einen stark meditativen Charakter besitzen. Wie viele Kampfkünste in Japan hat auch diese als Basis eine Philosophie, die dem Zen ähnelt. Durch Aufgabe der eigenen Wünsche und Gedanken, Achtsamkeit, Verschmelzung mit dem Bogen und präzise Verinnerlichung der motorischen Abläufe soll Perfektion erreicht werden. Die ausgeübte Kunst des japanischen Bogenschießens beeindruckt durch den präzisen Bewegungsablauf, die Zeremonie und die traditionelle Kyudo Kleidung.
  • Naginatado: Naginata nennt man eine über zwei Meter lange stockähnliche Waffe, die ein Kurzschwert an der Spitze hat. Beim Naginatado müssen Kämpfer die Bogu tragen.
  • Ninjutsu: Ninjutsu war früher die Art der japanischen Spionage und wird heute mit der Kampfkunst der Ninja umschrieben. Mit den Kampftechniken haben sie sich Zugang zum Wissen geschaffen. Für den Fall, dass es doch zu einem Kampf kam, mussten sie allerlei Techniken der Selbstverteidigung beherrschen, die zur jeweiligen Situation passen. Unter Taijutsu versteht man die unbewaffnete Kampfkunst der Ninja - mit Bogen, Speer und Schwert umzugehen war aber ebenso Teil ihrer Ausbildung. Besonders Wurfgeschosse wie die sternförmigen Shuriken und kleine Dolche mit dem Namen Kunai werden mit den Shinobi assoziiert.
  • Sumo: Das japanische Sumo Ringen verbindet Wettkampf mit Tradition. Obwohl es einfache Regeln besitzt, können 82 Techniken zum Sieg führen. Ein Kampf dauert meist wenige Sekunden. Ganz ähnlich ist es beim Sumo, das zwar ohne Waffen auskommt, aber eher aggressiv in der Anwendung ist.

In der Meji-Zeit Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte in Japan ein gesellschaftlicher Wandel von der Feudalzeit zu einem moderneren, westlich geprägten Lebensstil. Die Idee einer gesundheitsfördernden sportlichen Erziehung fand hier Eingang. Es gab Bestrebungen, die traditionellen japanischen Kampfkünste zu sportlicher Körperertüchtigung umzuformen, was ein mühsamer Prozess war, der viele Gegner hatte.

In den Bezeichnungen der japanischen Kampfsportarten tauchen oft bestimmte Begriffe auf. Z.B. „Ju“, das Sanftheit bedeutet, aber auch Nachgiebigkeit. „Do“ bedeutet Weg, und soll die ständige Entwicklung des Schülers der Kampfkünste verdeutlichen.

Lesen Sie auch: Traditionelle japanische Kampfkünste

Über den Wert der einzelnen Kampftechnik für die Selbstverteidigung hinaus wird Im Kampfsport allgemein die sogenannte Kraftausdauer trainiert, also die Fähigkeit über längere Zeit dynamische oder statische Muskelarbeit oberhalb von 30-50% der Maximalkraft durchzuhalten. Daneben werden Reaktionsschnelligkeit, Koordination, Beweglichkeit und der Gleichgewichtssinn geschult.

Schon Erwin von Baelz erkannte die erzieherische, wertevermittelnde Wirkung der Kampfkunst. Ihn beeindruckte die Selbstbeherrschung, die Ruhe und Würde der Kämpfer, gleich ob man Sieger oder Besiegter war.

Die verschiedenen Sportformen sind vor allem Partner-Sportarten.

Auch andere Länder haben sich Techniken japanischer Kampfkünste abgeschaut. Brasilianisches Jiu Jitsu etwa ist eine Abwandlung des japanischen Originals, die sich auf den erbarmungslosen Bodenkampf konzentriert.

Weltweit haben sich viele kleinere Schulen japanischer Kampfsportarten herausgebildet, die einen eigenen Stil und Grundsatz lehren. Sie werden durch nationale und internationale Organisationen verwaltet, die Wettkämpfe austragen und Regeln festlegen.

Lesen Sie auch: Überblick über japanische Kampfsportarten

Wenn man selbst eine japanische Kampfkunst erlernen möchte, muss man dieser nicht seine ganze Freizeit widmen. In der Freizeit ist es ein Weg, die eigene Stärke und Geschicklichkeit, Koordination und Körperbeherrschung, Konzentration und Reaktion zu trainieren. Nicht zuletzt ist man so für Situationen gewappnet, in denen man sich und andere verteidigen muss.

Tabelle: Übersicht ausgewählter japanischer Kampfsportarten

Kampfsportart Ursprung Merkmale
Aikido Japan (frühes 20. Jahrhundert) Defensive Techniken, Ableitung der Angriffenergie, keine Gegenangriffe
Judo Japan (Ende des 19. Jahrhunderts) Griffe, Hebel, Würfe, Fallübungen
Karate Okinawa (Japan) Stoß-, Schlag- und Tritttechniken, Körperbeherrschung
Kendo Japan Schwertkampf, Selbstverteidigung durch Angriff
Sumo Japan Ringen mit Tradition, schnelle Kämpfe

Lesen Sie auch: Entwicklung des Joshi Puroresu