Die Bedeutung der Gürtelfarben im Karate

Im Karate, einer Kampfkunst aus Japan, symbolisiert der Gürtel (Obi) den Fortschritt und die Entwicklung des Schülers. Die Gürtelfarbe gibt Auskunft über den Ausbildungsstand des Karateka. Dieses Thema ist insbesondere für Anfänger immer von großer Bedeutung, denn sie möchten möglichst schnell den weißen Gürtel (Obi) um den Bauch gegen einen farbigen Obi eintauschen.

Die Schülergrade (Kyū)

Man unterscheidet beim Karate zum einen zwischen Schülern und Meistern (Kyu- und Dan-Grade), zum anderen aber auch noch einmal unter den Schülern nach deren Graduierung, ausgedrückt durch die verschiedenen Gürtelfarben. Als Karate-„Meister“ gilt, wer die Dan-Prüfung, d.h. die Prüfung zum Schwarzgurt, abgelegt und das Dan-Diplom erhalten hat.

Es gibt insgesamt 9 Dan- und 9 Kyu-Grade. Zudem gibt es noch einige Zwischengürtel (z.B. gelb- orange), sie liegen jeweils zwischen den einzelnen farblichen Gurten. Die Schüler-Grade (Kyu) unterscheiden die Trainierenden in Schüler und Meister. Man beginnt beim 9. Kyu (weißer Gürtel) und steigt dann mit jeder Prüfung auf bis zum 1. Kyu (brauner Gürtel).

Hier ist eine Übersicht über die Schülergrade und ihre Bedeutung:

  1. Weißer Gürtel (9. Kyu): Anfänger - Schnee liegt auf der Landschaft. Der Beginn des Lernens. Hier legt der Meister (Prüfer) noch keinen Wert auf Geschwindigkeit und Kraft, dafür aber auf die richtige Ausführung und Endstellung der Techniken. Die Farbe Weiß symbolisiert die Reinheit, das Klare, das Saubere und steht insbesondere in Asien als Farbe für den Anfang.
  2. Gelber Gürtel (8. Kyu): Der Schnee schmilzt, die gefrorene Erde leuchtet gelb. Der gelbe Gürtel symbolisiert die Sonne, Licht, Wärme sowie deren Wachstumseigenschaften, das den Weg nun begleiten soll. Das erste Lehrjahr hat begonnen.
  3. Oranger Gürtel (7. Kyu): Die Sonne erwärmt die Erde. Sie ist fruchtbar. Der Orange Kyugrad wird mit der Farbe des Feuers verglichen, denn er verbrennt in dem Schüler die Angst, erwärmt ihn und schützt seine Entfaltung und Entwicklung im Karate. Das zweite Lehrjahr beginnt.
  4. Grüner Gürtel (6. Kyu): Der Samen keimt, ein Pflänzchen kommt. Hier prüft nun der Meister bei seinem Schüler, inwieweit Geschwindigkeit, Anspannung in der Endphase und Koordination übereinstimmen. Auch die wechselweise Schwerpunktverlagerung spielt eine größere Rolle bei der Vergabe dieses Gürtelgrades. Das dritte Lehrjahr beginnt.
  5. Blauer Gürtel (5. - 4. Kyu): Die Pflanze wächst zum Himmel. Sie wird langsam stark. Der blaue (DKV) oder violette Gürtel soll an die Reinheit und Klarheit des lebensspendenden Wassers erinnern, aber auch an seine ungezügelte und gefährliche Kraft.
  6. Brauner Gürtel (3. - 1. Kyu): Der Baum hat eine starke Borke. Er ist jetzt ausgewachsen. Die Farbe des braunen Gürtels soll den Schüler an die Macht der Berge erinnern und daran, dass es nun an der Zeit ist, sich mit dem Kosmos, dem Himmel zu befassen, damit ihm der Aufstieg zur Meisterschaft bewusster wird.

Die Meistergrade (Dan)

Hat man die Meister-, also Dangrade einmal erreicht, gibt es noch lange keinen Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Die Dangrade begleiten die Meister(-innen) auf ihrem Do, und zeigen, was es noch zu lernen, zu erkennen und zu überwinden gibt, wo welche Schwächen und Stärken liegen und wie der Weg des Karate erfolgreich fortgesetzt werden kann.

Lesen Sie auch: Das Karate Gürtelsystem

Hier ist eine Übersicht über die Meistergrade und ihre Bedeutung:

  1. Schwarzer Gürtel (1. Dan): Meister: Das Wandeln der Stille. Der erste Dan bedeutet Anfang, Ausgangspunkt und kündet von Einsamkeit, Isolierung im Erfolg, ist aber auch von Egoismus und Egozentrik gekennzeichnet.
  2. Schwarzer Gürtel (2. Dan): Meister: Das Wandeln der Stille. Dieser Dan ist das Symbol der Zweiheit, des Doppelten, das sein Positives und Negatives in sich trägt, seine Männlichkeit und Weiblichkeit. Der Träger des zweiten Dan ist der treue, seinem Meister ergebene Diener.
  3. Schwarzer Gürtel (3. Dan): Meister: Das Wandeln der Stille. Dieser Dan gilt als das Sinnbild für das Gleichgewicht der guten und bösen Kräfte des Ichs. Es steht für die Rückkehr zu Frieden, Ruhe und Harmonie, nach einer Periode von Freuden und Kümmernissen.
  4. Schwarzer Gürtel (4. Dan): Meister: Das Wandeln der Stille. Der vierte Dan im Karate symbolisiert das Materielle, Konkrete und Solide. Er wird deshalb als besonders solide betrachtet, da er materielle und spirituelle Vollkommenheit besitzt.
  5. Schwarzer Gürtel (5. Dan): Meister: Das Wandeln der Stille. Der 5. Dan steht für das gesamte Karate-Leben, denn er repräsentiert die Bewegungen - die Kraft, Ausdauer, Gewandtheit, Schnelligkeit und Freiheit.
  6. Schwarzer Gürtel (6. Dan): Meister: Das Wandeln der Stille. Schönheit, Harmonie, Vollkommenheit der Technik und auch des Charakters werden mit dem sechsten Dan in Verbindung gebracht. Verankerung von Tradition, Meditation, Konzentration und Intuition sind in ihm enthalten.

Der höchste Meistergrad ist der 10. Dan, dessen Träger auch an einem rot-weißen Gürtel zu erkennen sein können. Bis dorthin ist es ein sehr langer Weg und nur sehr wenige Menschen haben den 10. Dan im Karate zu Lebzeiten erreicht.

Die folgende Tabelle fasst die Gürtelfarben und ihre Bedeutungen zusammen:

Gürtelfarbe Kyu/Dan Bedeutung
Weiß 9. Kyu Anfang, Reinheit, Unwissenheit
Gelb 8. Kyu Sonne, Licht, Wärme
Orange 7. Kyu Feuer, Schutz, Entfaltung
Grün 6. Kyu Wachstum, Vielseitigkeit
Blau/Violett 5./4. Kyu Wasser, Konzentration
Braun 3./1. Kyu Erde, Stabilität, Reife
Schwarz 1.-10. Dan Meisterschaft, Wissen, Erfahrung

Letztendlich ist der Karate-Gürtel ein wichtiges Symbol der Tradition und Hierarchie im Karate. Er steht für den Weg, welchen du gegangen bist, für Abläufe & Techniken, die du erlernt hast, für eine Stufe, welche Du nun erreicht hast. Es ist ein Zeugnis, eine Auszeichnung.

Lesen Sie auch: Alles über Diamant-Karat

Lesen Sie auch: Reinheitsgrad von Gold erklärt