Die Anforderungen für den ersten Karate Gürtel

Wie in den meisten asiatischen Kampfsportarten gibt es auch im Karate verschiedenfarbige Gürtel, die den Leistungsstand des jeweiligen Karateka widerspiegeln sollen. Diese Stufen geben einerseits dem Schüler eine Orientierung darüber, wo er oder sie steht, was aktuell zum Lernen anliegt, und wo der Weg hinführt. Andererseits helfen die Gürtelfarben Trainingspartnern und Trainern, den Leistungsstand grob einzuschätzen. Somit erhält man eine Orientierung, was vom Gegenüber verlangt werden kann. Um die genannten Funktionen sicherzustellen, muss zur jeweiligen Gürtelprüfung ein entsprechendes Niveau verlangt werden, unter anderem zur eigenen Sicherheit des Prüflings.

Man unterscheidet zwischen Meistern (schwarze Gürtel, Dan-Grade) und Schülern (farbige Gürtel, Kyu-Grade). Als Karate-"Meister" gilt, wer die Dan-Prüfung, d.h. die Prüfung zum Schwarzgurt, abgelegt und das Dan-Diplom erhalten hat. Bei den Graduierungen wird zwischen den Kyu- und den Dan-Graden unterschieden. Während letztere die Meisterstufe bezeichnen, stellen die Kyu-Grade die Stufen der Schüler dar. Jeder dieser Stufen wird eine Farbe zugeordnet. Der 9. Kyu ist hierbei die unterste Stufe.

Regelmäßig fallen Shotokan-Gürtelprüfungen an, mit denen das Fortschreiten der Schüler dokumentiert werden soll. Im Wesentlichen hat der Gürtel (jap. Obi) zwei Funktionen. Der Karategürtel ist nicht nur das schließende Element des Karateanzugs, sondern signalisiert auch euren Kenntnisstand über die Kampfsportart.

Die Kyu-Grade im Detail

Jeder Kyu-Grad stellt unterschiedliche Anforderungen an den Karateka. Die Prüfungsordnung setzt Schwerpunkte in der Ausbildung. Hier eine Übersicht über die einzelnen Grade:

Unterstufe (9. - 7. Kyu)

Wie jeder Anfänger lernt man zunächst die Basics dieser Kampfkunst. Für diese Grundlagen verwendet man den Begriff Kihon - Grundschule. Hier legen die Trainer besonderen Wert darauf, dass man sicher und korrekt steht und geht, dass die Arm- und Beintechniken sauber ausgeführt werden und das die Ausholbewegungen richtig umgesetzt werden. Dabei ist die aufrechte Haltung des Oberkörpers ein wichtiges Merkmal guten Trainings. Von der Unterstufe erwartet man gute Ansätze der inneren und äußeren Spannung beim Ausführen der Techniken.

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Beim Kumite - einer Trainingsform mit Partner - wird eine kontrollierte Ausführung der Techniken und die richtige Distanz zum Partner erwartet. In der Unterstufe erlernt der Prüfling die Grundform der einzelnen Techniken. Prüfer und Prüfling achten vor allem auf sichere Stände, korrekte Techniken und Ausholbewegungen.

Die Selbstverteidigung ist ein natürlicher Bestandteil des Karate. Das Erlernen der Sportart soll den Karateka zur Selbstbehauptung und zur Selbstverteidigung befähigen.

Die Karate Prüfung zum 9. Kyū, dem Weißgurt, enthält grundlegende Techniken und ist die einzige Prüfung, welche übersprungen werden kann. Sie dient als Zwischenstufe, überwiegend für Kinder, um den Einstieg in Kihon und Kata zu erleichtern und enthält nur 6 Techniken sowie eine einfache Kata namens Taikyoku Shodan. Im Kumite müsst Ihr einen Fauststoß des Partners auf zwei Arten abwehren können.

Die meisten von Euch werden mit der Prüfung zum Gelbgurt, dem 8. Kyū, beginnen. Hier erwarten Euch einige Einzeltechniken sowie eine neue Fußposition im Kihon und die Kata Heian Shodan. Das Kumite bleibt unverändert.

Der 7. Kyū mit dem orangefarbenen Gürtel bildet das Ende der Unterstufe. Diese Karate Prüfung enthält im Kihon eine erste Kombination und die Kata Heian Nidan. In der Kumite Prüfung müsst Ihr nun auch die ersten Fußtritte abwehren können.

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Mittelstufe (6. - 4. Kyu)

Mit der Mittelstufe werden die Ansprüche größer. Die Grundtechniken werden kombiniert und die Haltung, Spannung und Bewegung sollte langsam die Feinform annehmen. Bei den Kombinationen wird sich die Geschwindigkeit erhöhen, wobei die Qualität in der Umsetzung der Einzeltechniken sich nicht verschlechtern darf. Das bewusste Einsetzen der Hüfte, die Atemtechnik und das Kime nehmen hier eine wichtige Rolle ein. Als Kime bezeichnet man die angespannte Energie beim Ausführen der Techniken.

Im Kumite drücken sich die technischen Fertigkeiten des Karatekas in seiner Bewegungsvielfalt, in seinem Kampfgeist und in der Kontrolle und Respekt vor dem Partner aus. Die Grundtechniken, die jetzt häufig in Kombinationen gezeigt werden, sollen sich von der Grundform zur Feinform entwickeln. Ausführung der Kombinationen ist wichtig, dass sich die Qualität der Einzeltechnik nicht verschlechtern darf. Kontrolle ausdrücken.

Der 6. Kyū trägt den grünen Karate Gürtel und muss überwiegend Kombinationen erlernen, welche langsam die Einzeltechniken verdrängen. Weiterhin müsst Ihr die Kata Heian Sandan beherrschen, eine neue Variante des Kumite lernen und einen neuen Prüfungsteil, die Partnerübung zum Freikampf, vorführen. Diese gehört von nun an zum Prüfungsprogramm dazu.

Der 5. Kyū trägt je nach Verband den violetten oder blauen Gürtel (manchen Verbänden ist das auch egal) und besteht im Kihon ausschließlich aus Kombinationen. Die benötigte Kata nennt sich Heian Yondan und im Kumite findet Ihr die Sonderform, dass der Partner, welcher den ersten Angriff ausführt, auch den Treffer landet. Ab dem 5. Kyū kann der Prüfer alle vorher gelernten Kata auf Wunsch vorführen lassen.

Der zweite blaue Gürtel, der 4. Kyū, muss für seine Prüfung den aus Filmen bekannten Rückwärtstritt Ushiro-Geri lernen und die Kata Heian Godan beherrschen. Das Kumite bleibt unverändert und im Freikampf werden nun erstmals Tritte eingesetzt.

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Oberstufe (3. - 1. Kyu)

Die Ansprüche der Oberstufe sind wie zu erwarten hoch. In der Grundschule werden eine Vielzahl komplexer Kombinationen vorausgesetzt. Dabei wird auf die Qualität in den Einzeltechniken, Rhythmus in den Verbindungen, Standfestigkeit und nicht zuletzt auf die Ausdauer geachtet. Nicht umsonst kommt man erst nach jahrelangem Training in die Oberstufe. Sie spiegelt den Fleiß und die Intensität des Trainings des einzelnen Karatekas wider.

In den Oberstufen wird der Karate Schüler im Kumite sowohl auch im Jiyu-Ippon-Kumite, geprüft. Nur wer exakte Technik mit Kampfgeist und Kontrolle kombiniert, wird den Anforderungen der Prüfung gerecht. Sieg oder Niederlage ist beim Kumite nicht prüfungsrelevant. In der Kata muss der Karateka der Oberstufe den Zusammenhang von Kata und sinnvollen Anwendungen verstehen. Die Grundschule der Oberstufe zeichnet sich durch eine Vielzahl schwieriger Kombinationen aus. Einzeltechniken, Rhythmus in den Verbindungen, Standfestigkeit und nicht zuletzt Ausdauer zu zeigen.

Der erste braune Karate Gürtel, der 3. Kyū, muss die Kata Tekki Shodan beherrschen und erstmals das Bunkai (die Anwendung einer Kata am Gegner) der Kata Heian Godan vorführen können. Im Kumite sind von hier an keine Kontertechniken mehr vorgegeben, sondern von Euch frei zu wählen.

Der 2. Kyū, weiterhin braun, benötigt die Kata Bassai Dai und deren Bunkai zum Bestehen. Das Kumite sollte inzwischen mit deutlich mehr Geschwindigkeit und Improvisation ausgeführt werden können.

Der 1. Kyū ist der letzte braune Gürtel und bildet das Ende der Oberstufe. Hier könnt Ihr erstmals Eure Kata selbst wählen, wobei Euch einige zur Auswahl vorgegeben werden. Diese müsst Ihr laufen können und im Bunkai anwenden.

Die folgende Tabelle fasst die Gürtelfarben und zugehörigen Prüfungsinhalte zusammen:

GürtelfarbePrüfungsinhalt
Weißer GurtGrundlegende Techniken, Taikyoku Shodan Kata, Abwehr eines Fauststoßes
Gelber GurtEinzeltechniken, neue Fußposition, Heian Shodan Kata, Abwehr eines Fauststoßes
Oranger GurtErste Kombination, Heian Nidan Kata, Abwehr von Fußtritten
Grüner GurtKombinationen, Heian Sandan Kata, neue Kumite Variante, Partnerübung zum Freikampf
1. Blauer GurtAusschließlich Kombinationen, Heian Yondan Kata, Sonderform im Kumite
2. Blauer GurtRückwärtstritt Ushiro-Geri, Heian Godan Kata, Einsatz von Tritten im Freikampf
1. Brauner GurtTekki Shodan Kata, Bunkai der Kata Heian Godan, freie Wahl der Kontertechniken
2. Brauner GurtBassai Dai Kata, Bunkai, Kumite mit mehr Geschwindigkeit und Improvisation
3. Brauner GurtFreie Katawahl, Bunkai Anwendung

Die Dan-Grade im Detail

Karate Meister darf sich erstmals nennen, wer die Prüfung zum 1. Dan abschließt, wobei das Hintergrundwissen an Bedeutung gewinnt. Hier steigt nicht nur die Schwierigkeit des Kihon enorm an, sondern auch der Wert der Kata und des Bunkai. Von größter Wichtigkeit ist es für einen Karate Dan, den Sinn hinter den Techniken einer Kata korrekt zu erkennen.

Eine Kata darf der Anwärter selbst wählen, die er erst läuft und anschließend im Bunkai vorführt. Es darf jedoch nicht die Gleiche sein, die er bereits für den 1. Kyū wählte. Das Kumite bleibt unverändert.

Die Karate Prüfung zum 2. Dan ist die letzte Prüfung, deren Programm noch weitestgehend vorgeschrieben ist. Ihr müsst diverse Techniken im Kihon beherrschen, eine Kata nach eigener Wahl laufen und analysieren und bekommt 2 weitere vom Prüfer genannt. Das Kumite bleibt unverändert.

Ab der Prüfung zum 3. Dan bestehen die Prüfungsinhalte im Kihon zum Teil aus von Euch gewählten Techniken, bei denen Ihr Eure Stärken demonstrieren könnt und zum Teil aus vom Prüfer Gewählten. Bei der Kata bleibt das Verhältnis einer selbst Gewählten zu zwei vom Prüfer ausgesuchten Kata bestehen, wobei der angehende Karate Meister hier den Ablauf einer Kata erklären muss. Das Kumite besteht ausschließlich aus vom Prüfer vorgegebenen Techniken.

Die Prüfungen der Dan Grade 4 bis 9 kennzeichnen sich dadurch, dass der praktische Teil der Prüfung schrumpft, während der theoretische Teil, das Wissen um die Anwendung der einzelnen Kata, weiter an Bedeutung gewinnt. Dass Fehler bei der Ausführung der Techniken in diesen Prüfungen nicht mehr toleriert werden, sollte sich als selbstverständlich erweisen. In den oberen Schwarzgurt-Graden spielt auch das Alter eine Rolle und diese Ehre kommt nur erfahrenen Lehrern mit überdurchschnittlichen Leistungen zuteil.

Ein 10. Dan wird nur im japanischen System vergeben, dort endet die Ausbildung mit dem 9. Dan. Ab dem 7.

Weitere Informationen zum Karategürtel

Der Obi im Karate besteht aus vielen Lagen an Material, ist normalerweise etwa 4 cm breit und muss lang genug sein, um ihn zweimal um den Körper zu wickeln und an der Vorderseite mit einem traditionellen Knoten zu binden.

Es gibt die folgenden Farben, aufsteigend nach dem Grad angeordnet:

  • weiß
  • gelb
  • orange
  • grün
  • blau
  • violett (je nach Verband und Dojo werden blau und violett auch gleichwertig verwendet)
  • braun
  • schwarz
  • weiß-rot (nur 10.

In der Regel sind die Karategürtel aus reiner Baumwolle gefertigt, können in einigen Fällen allerdings auch Seide beinhalten. Für die Haltbarkeit macht das keinen Unterschied, da dem Gürtel während des Karatetrainings keine große Belastung zukommt.

Diverse Shops bieten die Möglichkeit, natürlich gegen Aufpreis, persönliche Schriften, Zeichen oder sogar Bilder auf den Gürtel aufzusticken. Hier bestimmt in der Regel die Menge der Schrift oder die Komplexität des Bildes den Preis.

Euer Karategürtel ist nicht auf häufiges Waschen ausgelegt, was sich auch in den meisten Waschanleitungen widerspiegelt. Normalerweise steht hier ausschließlich die Handwäsche und selbst diese ist nur kalt zu empfehlen. Traditionell werden Karategürtel nicht gewaschen, da der Gürtel mit dem Schüler zusammen „an Erfahrung gewinnt“.

In erster Linie müsst Ihr Eure Gürtellänge bestimmen, was einfach über die Körpergröße geschieht. Die Hersteller halten hier Tabellen bereit.