Deutscher WWE-Wrestler Ludwig Kaiser: Eine Karriere im Rampenlicht

Der deutsche WWE-Wrestler Ludwig Kaiser sorgt immer wieder für Aufsehen in der Welt des Wrestling. Seine Karriere, Erfolge und die jüngsten Ereignisse rund um seine Rolle bei WWE stehen im Fokus dieses Artikels.

Der Schocker bei Monday Night RAW

Bei der aktuellen Ausgabe der TV-Show Monday Night RAW hat sich Ludwig Kaiser nach einer Niederlage gegen The New Day gegen seinen langjährigen Tag-Team-Partner Giovanni Vinci gewandt und ihn bitterböse verprügelt. Die Serie turbulenter WWE-Wendungen in den Wochen nach WrestleMania setzt sich fort - und diesmal steht Deutschlands erfolgreichster Showkampf-Export im Zentrum.

Die Gruppierung Imperium um Österreich-Phänomen Gunther scheint in ihrer bisherigen Form Geschichte: Anführer Gunther wurde bei RAW als Brandstifter hinter Kaisers Attacke dargestellt, der hinterher zufrieden lächelte, dass der Sohn der deutschen Catch-Legende Axel Dieter in seinen Augen einen Schwachpunkt ausgemerzt hat.

Mit Kaiser und Vinci an seiner Seite regierte Schwergewicht Gunther genau 666 Tage als Intercontinental Champion, so lange wie niemand vor ihm. Bei WrestleMania verlor er den Titel an Sami Zayn, nun hat der „Ringgeneral“ bei RAW ein neues Ziel ins Visier genommen: Er verkündete seine Teilnahme am King-of-the-Ring-Turnier, das am 25. Mai bei der Großveranstaltung King and Queen of the Ring im saudi-arabischen Dschidda enden wird.

Die Geschichte von Imperium

Imperium hatte sich im Jahr 2019 im damaligen WWE-Europakader NXT UK formiert, zwischenzeitlich ergänzt durch Kaisers deutschen Landsmann Alexander Wolfe. Im Jahr 2022 schien das Bündnis schon einmal am Ende, als der damalige WWE-Boss Vince McMahon Gunther und Kaiser, aber nicht den Südtiroler Vinci (Fabian Aichner) in den Hauptkader berief und den Namen „Imperium“ nicht mehr erwähnen ließ.

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Im September 2022 - als McMahon nach den ersten Skandal-Vorwürfen zeitweise zurücktrat - formierte der neue starke Mann „Triple H“ Paul Levesque Imperium mit Vinci neu. Nun scheint auch der inzwischen endgültig allein regierende Levesque die Geschichte als auserzählt zu betrachten, zumindest in ihrer jetzigen Form.

Der Imperium-Split bewegt sich im Kontext des am Freitag bei SmackDown beginnenden WWE Drafts 2024, der Neuordnung der RAW- und SmackDown-Kader - für den sich auch schon Gunthers und Kaisers deutschrussischer Weggefährte und alter Rivale Ilja Dragunov angemeldet hat.

Was WWE nun vorhat mit seinen deutschsprachigen Stars, könnte im Lauf der nächsten sieben Tage dann klarer werden.

Ludwig Kaisers Weg zur WWE

Am Samstag stieg Ludwig Kaiser (32, eigentlich Marcel Barthel) als erster Deutscher in das riesige „Royal Rumble“-Match. Über Jahre arbeitete er sich hoch, schaffte den Sprung von kleinen deutschen Ligen bis in die WWE. Dort tritt er jede Woche bei „RAW“ auf - gehört dort zu den wichtigsten Stars.

Als einziger Deutscher macht es mich stolz, ein Teil von diesem Hype zu sein. Wir befinden uns wieder in einer goldenen Ära, wie Ende der 90er Jahre.

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Auch in Deutschland spürt man den Hype … Kaiser: „Die letzte Tour im Herbst war unfassbar. So voll waren die riesigen Hallen noch nie. Jeder Fan ging mit einem Lächeln nach Hause. Darum geht es bei uns: Den Menschen eine geile Show liefern. Action, Drama, Spannung. Die perfekte Unterhaltung.“

Vorurteile über Wrestling

Es gibt immer noch viele Vorurteile über Wrestling. Viele sagen: Ist ja nicht echt, alles fake. Wie reagierst du, wenn du sowas hörst?

Kaiser: „Beim Fußball sagen die Leute, dass die immer nur am Boden rumliegen und simulieren. Jede Sportart hat seine Neider. Bei uns geht es darum, die Leute zu unterhalten. In meinen mittlerweile 16 aktiven Jahren, kam noch nie einer zu mir und sagte, dass es uncool sei, was ich tue. Wenn man sich darauf einlässt, was wir im Ring machen, dann hat man eine gute Zeit. In Deutschland haben wir jetzt die Chance, dass noch mehr Menschen sich für diesen tollen Sport begeistern.“ Viele kennen die WWE noch als WWF in den 80er und 90ern. Was ist der größte Unterschied zu früher?

Kaiser: „Ich erlebe, wie sich die WWE als Firma entwickelt. Wir Wrestler werden vor Verletzungen mehr geschützt, medizinische Checks gehören zum Alltag. Man kümmert sich einfach sehr gut um uns. Dies ist ein riesiger Vorteil gegenüber den 80ern und 90ern. Nach außen präsentiert sich die WWE mittlerweile als Welt-Firma, nicht mehr nur als US-Firma. Wir haben dieses Jahr Mega-Events in Australien, in Frankreich und mit ‘Bash in Berlin’ endlich auch einen in Deutschland.“

Die Rolle des Bösewichts

In der WWE gibt es die Guten und die Bösen. Du spielst einen Bösen. Wie viel Spaß macht das, von allen Fans gehasst zu werden?

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Kaiser: „Ich habe viel Spaß an dem, was ich mache. Ich weiß, wie ich rausgehe und was ich darzustellen habe. Da fühle ich mich sehr wohl mit. Das ist alles auch sehr viel von mir selber inspiriert. Man glaubt ja immer, dass die WWE das ganz streng vorgibt - ist aber gar nicht so. Wenn sie dir vertrauen, bekommst du viel Spielraum. Den habe ich von Anfang an gehabt und deswegen bin ich sehr happy mit meiner Darstellung.“

Kindheitshelden und Inspiration

Wer war dein Lieblings-Wrestler als du noch ein Kind?

Kaiser: „Mein Vater. Er liebte den Ringkampf und war ein so toller und stolzer Wrestler. Er hat mich mit seiner Liebe und Begeisterung für diesen Sport schon in der Wiege infiziert. Als Kind hat er mich in die Garderobe geschmuggelt, weil man erst mit 18 Jahren ins Catch-Zelt durfte. Ich werde nie den Anblick der Catcher vergessen, den Geruch der Umkleide, die Mischung aus Ölen und diversen Lotionen. Daran erinnere ich mich bis heute. Ohne ihn wäre ich heute nicht hier. Er hat mir alles ermöglicht.“

Für dich war dann früh klar, dass du auch Wrestler werden willst?

Kaiser: „Ja, ich wollte einfach das machen, was mein Vater gemacht hat. Um Geld ging es da gar nicht. Ich wollte in seinen Stiefeln selber eines Tages in den Ring steigen und seinen Namen, sein Vermächtnis in die Welt tragen. Mein Vater pochte darauf, dass ich den Sport von der Pike auf lerne - also begann ich mit den Amateursportarten. Zuerst war Boxen dran, da wurde ich mit 12 Jahren sogar Landesmeister. Danach ging es zum Ringen. Meine erste Wrestling-Schule war bei Christian Eckstein in Hannover. Später gings in die von Karsten Kretzschmer in Hamburg. Wie Eckstein eine echte deutsche Wrestling-Legende.

Kaiser: „Ja, voll! Meine Mama hat mich damals extrem unterstützt. Sie hat mir jedes Wochenende Geld zugesteckt, damit ich mit dem ICE nach Hamburg fahren konnte - hat auf vieles verzichtet, um mir das zu ermöglichen. Das werde ich ihr nie vergessen. Sie ist die beste Mama der Welt. Als ein Familien-Umzug anstand, habe ich mich entschieden, alleine nach Hamburg zu gehen.“

Von da an warst du alleine auf dich gestellt?

Kaiser: „Es waren harte Jahre, gerade finanziell - aber wunderschön. Hamburg ist meine Stadt, ich liebe Hamburg über alles. Ich bin Hamburger Junge. Für mich stand nur Wrestling im Mittelpunkt. Zwar habe ich nebenbei im Callcenter gejobbt und eine Ausbildung bei einem Autokonzern in Bramfeld gemacht - aber wichtig war nur Wrestling. Ich bin freitags möglichst zeitig von der Arbeit abgehauen und Montagmorgen komplett zerknittert und kaputt zurückgekommen, weil ich an den Wochenenden immer in den Ring gestiegen bin.“

Und irgendwann wurdest du von der WWE entdeckt?

Kaiser: „Ja - in Deutschland wurde die WXW in Oberhausen mein Zuhause. Aber es ging dann auch schon nach England, Finnland und andere Länder. Ich habe dabei aber immer darauf geachtet, dass es professionell zuging. Das war mir wichtig. Irgendwann wurde die WWE dann auf mich aufmerksam und luden mich zu einem Training nach England ein. Doch daraus wurde nichts, weil ich mir zwei Wochen vor dem Termin das hintere Kreuzband riss.“

Dachtest du, dass dein Traum vorbei sei?

Kaiser: „Klar, jeder denkt so im ersten Moment. Es war ein Albtraum. Aber wie so oft im Leben erkennst du später, dass es vielleicht das Beste war, was dir passieren konnte. Als ich wieder fit war, riefen sie mich an und boten mir einen Vertrag an. Ohne Test-Training, einfach so. Ein paar Wochen später bin ich mit zwei gepackten Koffern in den Flieger Richtung Florida gestiegen und hab ein neues Leben begonnen. Das war ein kompletter Neustart und musste mich von unten wieder nach oben kämpfen.“

Wie hast du dich in der WWE hochgearbeitet?

Kaiser: „Mein Motto lautet: einfach immer weiterackern! Es gibt nur eine Richtung, es gibt nur nach Vorne, es gibt nur Vollgas. Aber einfach ist das nicht. Jeder spürt den Leistungsdruck, mental muss man auch immer alles geben und auch auf vieles persönliche verzichten. Ich habe viele Kollegen kommen und gesehen sehen - wer immer drangeblieben ist, der wurde auch erfolgreich.“

Hattest du jemals Zweifel?

Kaiser: „Der Zweifel kam eher von anderen Leuten. Oft wurde ich belächelt. Wenn ich mal vor 20 Fans angetreten bin, fragten mich manche, ob ich mein Leben vergeuden will. Als die Events größer wurden, hieß es dann: ‘Schön und gut, aber aus Deutschland schaffst du es nie raus.’ So ging das immer weiter. Ich konnte allen Zweiflern eines Besseren belehren. Ich bin der richtige Mann, um Deutschland in der WWE zu repräsentieren und mache das mit stolzgeschwellter Brust. Ich gehe jedes Mal da raus und habe keinen Prozent Zweifel an dem, was ich tue. Das ist genau der richtige Weg. Höre nicht auf die negativen Stimmen, nur auf dich selbst. Daher werde ich auch 2024 nur Vollgas geben.“

Du hast als Kind sicher auch die WWE im Fernsehen gesehen. Wer war da dein Liebling?

Kaiser: „Natürlich. The Rock war damals mein großer Held. Aber auch Shawn Michaels, Mr. Perfect und den Undertaker habe ich abgefeiert.“

Anfang des Jahres tauchte The Rock wieder in der WWE auf.

Kaiser: „Das war so ein verrückter Moment. Ich war selber in der Halle als es passiert ist und die Zuschauerreaktionen waren unfassbar. Das sind genau diese Momente, die du als Fan erleben willst. Das ist atemberaubend, das ist Gänsehaut. The Rock ist für viele Aktive ein Stück Kindheit und das spürten wir alle auch hinter Vorhang.“

Warum wird 2024 ein geiles Jahr für die deutschen Fans?

Kaiser: „Wir haben so viele deutschsprachige Talente in den Shows wie noch nie zuvor. Neben Gunther, Giovani Vinci und mir haben wir noch Ilja Dragonov und Oro Mensah bei NXT. Das ist der Hammer. Fünf deutschsprachige Typen - das zeigt, dass wir alle auf dem richtigen Weg sind. Qualität, harte Arbeit und Talent zahlt sich am Ende immer aus.“

Im August knallt es in Deutschland mit „Bash in Berlin“ so richtig.

Kaiser: „Oh ja - zum ersten Mal eine Großveranstaltung der WWE in Deutschland. Das wird historisch. Wir freuen uns alle tierisch auf die Show. Alle großen Stars werden dabei sein. Ich kann es kaum abwarten, in der Halle die deutsche Fahne zu schwenken. Die ganze Welt wird dabei zusehen, wie wir mit den deutschen Fans die Hütte abreißen.“

Wer ist aktuell dein Wunschgegner in der WWE?

Kaiser: „Unser Kader ist so groß, da fällt es schwer, einen herauszupicken. Ich schaue einfach immer auf den nächsten Kampf, darauf muss immer der Fokus liegen. Am Ende entscheide ich ja auch nicht, gegen wen ich antrete … sondern das Drehbuch. Du musst jedes Match nutzen und abliefern, nur so kommst du weiter.“

Warum ist WWE-Star der schönste Job der Welt für dich?

Kaiser: „Weil ich ihn als kleiner Junge schon machen wollte - für mich und meinen Vater. Geld war egal, ich wollte die besten Jahre meines Lebens einfach in den Ring steigen. Aber natürlich gibt es auch die andere Seite.“

Die Schattenseiten des Ruhms

Wie sieht die dunkle Seite aus?

Kaiser: „Ich sehe meine Familie nur einmal im Jahr und dann auch nur für ein paar Tage. Viel Zeit für meine Freundin habe ich auch nicht. Alle Menschen, die ich gerne habe, sehe ich viel zu selten. Das ist schon hart. Ich habe aber das Glück, dass ich mit meinem besten Freund Gunther zusammen reisen kann. Wir sind immer gemeinsam unterwegs, das liebe ich. Dennoch sehen viele Leute oft nur die positiven Seiten. Es heißt ja immer: ‘Mach das, was du liebst, zu deinem Beruf und dann wirst du keinen kein Tag deines Lebens arbeiten müssen.’ Das stimmt auch, aber bei diesem Sport musst du wirklich an deine Grenzen gehen. Der Leistungsdruck ist hoch, mental wird dir viel abverlangt. Trotzdem kann ich mir kein schöneres Leben vorstellen.“

Was ist dein großer Wunsch für 2024?

Kaiser: „Ein bisschen mehr Zeit mit meiner Mama und meinen Geschwistern verbringen zu können. Aber auch das bekommen wir hin in Zukunft.“

Dein Körper ist fantastisch - wie bleibt man so in Form? Wie oft trainierst du?

Kaiser: „Die Arbeit an meinem Körper ist ein 24-Stunden-Job. Training, Ernährung - alles muss genau geplant sein, da wir so viel unterwegs sind. Neben der Belastung im Ring trainiere ich fünfmal die Woche, dazu kommen jeden Tag Cardioeinheiten. In den USA habe ich mich vor zwei, drei Jahren mit einem Coach hingesetzt. Ich wollte richtig in Shape kommen. 18 Wochen lang habe ich eine Diät durchgezogen - seitdem versuche ich die Figur zu behalten. Aber ohne harte Arbeit schafft man das nicht.“

Dein Kollege Gunther hat ja 2023 geheiratet und sogar Nachwuchs bekommen. Wie sieht es bei dir aus? Wann läuten bei dir und Tiffany die Hochzeitsglocken?

Kaiser: „Wir sind alle ganz happy für ihn. Der Mann hat alles Positive auf der Welt verdient. Tiffany und ich lassen es da ruhig angehen. Wir arbeiten beide super viel, haben daher auch nicht so viel Zeit füreinander. Unser Ziel ist es, dass es für beide auf der Karriere-Leiter weiter nach oben geht, wir uns nicht verletzen und eine ordentliche Basis für unsere gemeinsame Zukunft schaffen.