Capoeira Bewegungen: Eine umfassende Liste und Einführung

Capoeira ist eine brasilianische Tanz- und Kampfkunst mit einer reichen politischen Geschichte. Sie kombiniert Elemente aus Tanz, Akrobatik und Musik und ist ein Ganzkörpertraining, das Muskelkraft, Ausdauer und Beweglichkeit verbessert. Capoeira ist nicht nur eine Kampfkunst, sondern auch ein soziales Ereignis und eine Kunstform. Sie wird oft in Gruppen ausgeführt und dient als Mittel zur sozialen Interaktion und Integration.

Die Ursprünge und Geschichte des Capoeira

Susy erklärt, wie sich Capoeira im 16. Jahrhundert während der Zeit der Sklaverei in Südamerika entwickelte. Um sich körperlich behaupten zu können, entwickelten die aus Afrika nach Südamerika verschleppten Sklaven aus den mitgebrachten Tänzen, Kampfkünsten und Ritualen eine frühe Form von Capoeira. Die Ursprünge von Capoeira sind eng mit der Geschichte der Sklaverei und der Kolonialherrschaft der Portugiesen im heutigen Brasilien verbunden und reichen je nach Quelle ins 16. oder 17. Jahrhundert zurück.

Die tänzerisch anmutende Form soll dazu gedient haben, die kämpferische Natur der Bewegungen vor den Plantagenbesitzer zu verstecken. So zumindest lautet eine weitverbreitete These. Unstrittig ist, dass Capoeira immer eng mit dem Befreiungskampf der Sklaven in Brasilien verbunden war. Entsprechend war das Praktizieren lange Zeit de facto nicht erlaubt.

Im 20. Jahrhundert änderte sich die Einstellung zur Capoeira, und sie wurde als kulturelles Erbe anerkannt. Viele Capoeira-Meister begannen, ihre Kampfkunst öffentlich zu unterrichten und zu verbreiten, was dazu beitrug, dass sie weltweit bekannt wurde. Heute ist Capoeira nicht nur eine Kampfkunst, sondern auch eine Kunstform und eine Sportart, die von Menschen jeden Alters und Hintergrunds praktiziert wird.

Capoeira ist heute auf der ganzen Welt verbreitet und wird in verschiedenen Schulen unterrichtet. Dabei unterscheidet man Capoeira Regional (Mestre Bimba) und Capoeira Angola (Mestre Pastinha).

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Grundlegende Konzepte und Elemente des Capoeira

Die Roda

Obwohl man Capoeira als Kampfkunst bezeichnet, spricht man von einem „Spiel“ (port.: jogo). Dieses findet innerhalb einer sogenannten „Roda“ statt: eines Menschenkreises. Die Capoeiristas bilden einen Kreis, die sogenannte „Roda“, in der immer zwei Kontrahenten gegeneinander antreten und spielerisch ein Duell austragen. Die Capoeiristas sind gleichzeitig Gegner und Partner, die gleichzeitig kämpfen, aber auch eine beeindruckende Show abliefern.

Der Kreis stellt jedoch nicht nur das Spielfeld dar, sondern symbolisiert gleichzeitig auch einen gesellschaftlichen Rahmen, in welchem sich die Spieler bewegen. In diesem Raum treffen zwei Spieler aufeinander und versuchen durch eine fließende und harmonische Körpersprache miteinander zu kommunizieren.

Die Musik

Eines der wichtigsten Elemente beim Capoeira ist die Musik. Art und Schnelligkeit des Rhythmus diktieren sowohl den Stil des Spiels als auch seine Intensität. Die Teilnehmer der Roda sind Musiker, die die rhythmische Musik erzeugen. Die Musik besteht aus verschiedenen Instrumenten wie der Berimbau (eine einsaitige Bogenharfe), der Atabaque (eine Art Trommel) und anderen Percussionsinstrumenten.

Malícia

Die Seele des Capoeira ist Malìcia. Dieser Begriff kann als „Bösartigkeit“ gedeutet werden, ist im brasilianischen jedoch eher positiv besetzt und wird mit „Schläue“ oder „Kriegslist“ übersetzt. In den Liedern der Musiker der Roda wird Malìcia oft als listige Schlange beschrieben, die in ihrem Loch auf Beute wartet.

Die Malícia ist ein zentrales Element der Capoeira und bedeutet „Schläue“ und „Kriegslist“. Die Capoeiristas versuchen, sich gegenseitig auszutricksen, Fallen zu stellen, anzutäuschen und dann völlig überraschend anzugreifen. Ein gewisses taktisches Geschick ist hier wichtiger als Technik und Kondition.

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Bei diesem Bildnis wird deutlich, dass der Kampf des Capoeira beim Gegner einen falschen Eindruck erwecken soll.

Grundlegende Bewegungen und Techniken

Die Ginga

Die „Ginga“ ist die Basisbewegung beim Capoeira und sowohl Ausgangs- als Rückkehrpunkt vieler Bewegungen: Angriff, Verteidigung, akrobatische Elemente. Schon an der Ginga lassen sich die verschiedenen Stile und Schulen ablesen. So nutzen manche gezielt die Arme, um während dieses Grundschritts exponierte Körperteile zu schützen, während andere hierauf weniger Wert legen.

Die wichtigste Bewegung ist die Ginga, die wie das Herzstück der Capoeira ist. Aus ihr beginnen alle weiteren Techniken.

So führst du die Ginga aus:

  1. Stell dir vor dir auf dem Boden ein Dreieck vor.
  2. Nun machst du mit dem rechten Bein einen Schritt zur rechten Ecke des Dreiecks.
  3. Anschließend machst du mit dem Linken Fuß einen Schritt zur linken Ecke des Dreiecks.
  4. Diese Position wird ab jetzt die Ausgangsposition, aus der du die Ginga beginnst.
  5. Jetzt stellst du den rechten Fuß wieder auf die hinter Spitze des Dreiecks.
  6. Diese Position ähnelt sehr einem Ausfallschritt nach hinten.
  7. Dein rechter Fuß wird anschließend wieder nach vorn bewegt und der linke Fuß geht in die hintere Position.
  8. Diese Bewegung wird fortlaufend immer wiederholt.
  9. Versuche dabei deinen Körperschwerpunkt so tief wie möglich zu halten, um einen stabilen Stand zu haben.

Esquivas (Ausweichbewegungen)

Esquivas sind Ausweichbewegungen und gehören zu den Meidetechniken im Capoeira. Sie bilden sozusagen die Grundlage deiner Verteidigung.

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So führst du die Esquiva aus:

  1. Aus der Ginga heraus gehst du in die Ausgangsposition, d.h. deine Beine stehen etwas mehr als schulterbreit parallel nebeneinander.
  2. Anschließend senkst du deinen Körperschwerpunkt so tief wie möglich ab und schützt dein Gesicht mit deinem Ellenbogen.

Benção (Gerader Tritt)

Der Benção ist die erste Angriffstechnik die ich die empfehle. Der technische Ablauf ist nicht zu komplex.

So führst du den Benção aus:

  1. Wie gewohnt beginnst du in der Ginga.
  2. Verlagere dein Gewicht auf dein Standbein (z.B. das linke Bein).
  3. Führe dein Schlagbein (das rechte Bein) von hinten gerade nach vorn, indem du das Knie zur Brust ziehst und dann nach vorn streckst.
  4. Während Dessen verlagerst du deinen Oberkörper nach hinten und balancierst dein Gleichgewicht mit dem rechten Arm aus.
  5. Der linke Ellenbogen schützt dein Gesicht vor einem Gegenangriff.

Cocorinha (Ducken)

Neben den verschiedenen Esquivas gibt es noch weitere Meidebewegungen. Eine davon ist die Cocorinha. Mit dieser defensiven Bewegung kannst du besonders gut halbhohen Tritten ausweichen.

So führst du die Cocorinha aus:

  1. Aus der Ginga heraus, begibst du dich in die Ausgangsposition.
  2. Im Anschluss bewegst du deinen Oberkörper nach hinten und stützt dich mit einem Arm auf dem Boden ab, während dein zweiter Arm dein Gesicht schützt.

Meia-lua de Frente (Halbmondtritt nach vorn)

Der Meia-lua de Frente ist die letzte Technik, die ich dir heute vorstelle.

So führst du den Meia-lua de Frente aus:

  1. Wie schon bei der Esquiva lateral startest du auch beim Meia-lua de Fronte aus der Ginga.
  2. Verlagere dein Gewicht auf dein Standbein (z.B. das linke Bein).
  3. Löse dein Schlagbein vom Boden und führe es in einem Halbkreis von außen nach innen vor deinem Körper entlang.

Verschiedene Stile des Capoeira

Es gibt mehrere Arten und Stile von Capoeira, die in der Welt praktiziert werden.

Capoeira Angola

Dieser Stil ist die älteste Form von Capoeira und betont die Bedeutung von Musik und Gemeinschaft. Angola gilt als ursprüngliche Form von Capoeira, in der mutmaßlich aus noch sehr viele Elemente aus der frühen Zeit zu finden sind. Im Gegensatz zu Regional gibt es bei Angola keinen Erfinder. Dafür aber einen Meister, der als prägend für diesen Stil gilt: Mestre Pastinha.

Capoeira Regional

Dieser Stil wurde in den 1930er Jahren von Mestre Bimba entwickelt und betont die körperliche Fitness und Kampffähigkeiten. Erfunden wurde Regional von Mestre Bimba, der bis heute als einer der wichtigsten Meister gilt und in vielen Liedern besungen wird. Bimba, der aus Salvador da Bahia stammt, integrierte in seinen Stil Elemente anderer Kampfkünste und machte Capoeira somit auch zu einer Verteidigungstechnik.

Typisch für Capoeira Regional sind kraftvolle, schnelle und kämpferische Bewegungen. Auch akrobatische Techniken („floreios“) wie Radschläge, Saltos oder Flick-Flacks sind ein wichtiger Bestandteil.

Capoeira Contemporânea

Dies ist eine modernere Form von Capoeira, die Elemente aus verschiedenen Stilen integriert. Viele der heute großen Schulen sind der Capoeira Contemporânea (z. Dt.: zeitgenössische Capoeira) zuzuordnen, die - wie bereits erwähnt - Elemente beider großen Stile vereinen können.

Capoeira Mandinga

Dieser Stil wurde von Mestre Marcelo Caveirinha entwickelt und betont die Bedeutung von fließenden Bewegungen und einer flexiblen Körperhaltung.

Vorteile von Capoeira

  • Körperliche Fitness verbessern: Capoeira ist ein Ganzkörpertraining, das deine Muskelkraft, Ausdauer und Beweglichkeit gleichzeitig verbessert.
  • Neue mentale Herausforderungen meistern: Das Erlernen einer neuen Sportart fordert nicht nur den Körper, sondern auch den Geist.
  • Motivation durch Abwechslung und Fortschritt: Das Schöne an Capoeira ist, dass es nie langweilig wird. Es gibt immer etwas Neues zu lernen - ob eine neue Technik, ein Song oder eine akrobatische Bewegung.
  • Soziale Interaktion und Gemeinschaft: Besonders bei Capoeira spielt die Gemeinschaft eine zentrale Rolle. Du trainierst in Gruppen, unterstützt dich gegenseitig und lernst in einer freundlichen, inklusiven Atmosphäre.
  • Selbstbewusstsein aufbauen: Capoeira stärkt nicht nur den Körper, sondern auch das Selbstbewusstsein.

Tipps für Anfänger

  • Finde eine Capoeira-Schule: Suche online nach Capoeira-Schulen in deiner Nähe oder frage in Sportzentren oder bei Freunden nach Empfehlungen.
  • Übe regelmäßig: Wie bei jeder Sportart erfordert das Erlernen von Capoeira regelmäßiges Training und Engagement.
  • Sei geduldig: Capoeira ist eine komplexe Kunstform, die Zeit und Geduld erfordert, um sie zu meistern.

Capoeira weltweit

Capoeira ist eine weltweit verbreitete Kunstform und wird in vielen Ländern praktiziert. Brasilien ist als Ursprungsland von Capoeira natürlich einer der führenden Orte für diese Kunstform.

Es gibt eine Vielzahl von Festivals, Messen und Museen, die sich mit Capoeira beschäftigen. Diese Liste ist nur eine kleine Auswahl an Veranstaltungen und Einrichtungen, die es in Bezug auf Capoeira gibt.

Capoeira ist für jeden geeignet, der Interesse am Erlernen der Sportart hat. Egal ob jung oder alt, sportlich oder unsportlich - mit Capoeira kannst du etwas für deine Fitness tun und dabei eine neue, spannende Welt entdecken. Was Capoeira so besonders macht, ist, dass es sich an dein Tempo und deine Fähigkeiten anpasst.

Also, worauf wartest du noch?