Brock Lesnar: Bilanz und Comeback des Jahres in der UFC

Es ist das Comeback des Jahres in der UFC: Brock Lesnar kehrt in den Käfig zurück und kämpft gleich gegen Mark Hunt, einen richtig harten Brocken. Wir stellen die beiden Mega-Fighter vor.

Brock Lesnar: Das WWE-Beast im Octagon

Eigentlich ist Brock Lesnar derzeit in der WWE (World Wrestling Entertainment) zu Hause. Doch der 38-Jährige hat mit der Showkampf-Liga einen Deal ausgehandelt, dass er bei der UFC (Ultimate Fighting Championship) antreten darf. Die UFC ist eine Mixed-Martial-Arts-Organisation, in der die Kämpfer in einem achteckigen Käfig gegeneinander antreten, dem sogenannten Octagon. In dieser Sportart mischen sich verschiedene Kampfkünste wie Boxen, Kickboxen, Karate oder Ringen.

Nun darf er aber erst einmal bei der Jubiläumsausgabe "UFC 200" am 9. Juli in Las Vegas wieder die Bestie rauslassen. Sein Gegner: Mark Hunt.

Im August will Lesnar dann aber wieder in der WWE beim "SummerSlam" ran.

Lesnar, 1,91 Meter groß und 130 Kilo schwer, trägt nicht umsonst den Beinamen "The Beast". Wer bereits einen UFC-Kampf mit ihm gesehen hat, weiß, dass er keine Gnade kennt.

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So holte sich Lesnar auch im November 2008 den UFC-Schwergewichtstitel von Kämpfer-Legende Randy Couture. Ganze 707 Tage lang hielt Lesnar den Gürtel, ehe ihn Cain Velasquez im Oktober 2010 stoppte und ihm den Titel wieder abnahm.

Wenn sein Gegner nur kurz wankt oder sich zurückziehen will, stürmt Lesnar auf ihn los, wirft ihn zu Boden und schlägt mit den Fäusten auf seinen Kopf ein, bis der Gegner sich nicht mehr wehren kann - und der Ringrichter den Kampf abbricht.

Den darauffolgenden Kampf gegen Alistair Overeem verlor Lesnar im Dezember 2011 ebenfalls. Es war sein bis dato letzter Kampf in der UFC. Danach beendete er seine Karriere im Käfig und kehrte zur WWE zurück.

Lesnar UFC-Bilanz: fünf Siege (zwei technische K. o., zwei Aufgaben, ein Punktsieg) und drei Niederlagen (zwei technische K. o. und eine Aufgabe).

Die letzten beiden Niederlagen wurmen Lesnar noch heute. Der 38-Jährige litt damals an der Darmkrankheit Divertikulitis, die ihn laut eigener Aussage immer wieder zurückwarf: "Ich habe das Gefühl, dass ich nie gegen einen Gegner verloren habe, sondern nur gegen die Krankheit."

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Nicht die UFC sei wegen eines Comebacks auf ihn zugekommen, Lesnar habe selbst dort angerufen. Nötig hätte er es nicht, wieder in den Käfig zu steigen, er ist bereits Multimillionär. Lesnar will es aber sich und der Welt beweisen, dass er immer noch "The Beast" ist.

Mark Hunt: Der "Super Samoan" als harter Brocken

Wer glaubt, dass der 42-Jährige nur ein Aufbaugegner für den eingerosteten Lesnar ist, der seinen letzten UFC-Fight im Dezember 2011 bestritt, irrt sich gewaltig. Hunt ist alles andere als Fallobst, sondern ein knallharter Prügler.

Mark Hunt ist ein Kämpfer durch und durch. Angeblich habe es ihm früher völlig gereicht, um ein Sixpack Bier zu kämpfen - so viel Spaß machen ihm Prügeleien.

Vor seiner Zeit in der UFC trat der Kickboxer in der Kampfsport-Liga "K-1" an. Dort bestritt er 43 Kämpfe (30 Siege, 13 Niederlagen). 2001 wurde er K-1-Champion.

Auch in der UFC zählt der 42-Jährige zu den ganz Großen. 23-mal stieg er ins Octagon, zwölfmal verließ er als Sieger den Käfig. Er musste aber auch schon zehn Niederlagen einstecken.

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Derzeit ist Hunt aber wohl in der Form seines Lebens. In der UFC-Schwergewichts-Rangliste belegt er Rang acht.

Zuletzt gewann er gegen Ex-UFC-Champion Frank Mir durch K. o. Davor steckte Antonio "Bigfoot" Silva eine Niederlage durch technischen K. o. gegen ihn ein.

Beide fielen den knallharten Punches von Hunt zum Opfer. Mit diesen hat er bereits mehrere Gegner blutig geprügelt. Neun seiner zwölf Siege in der UFC fuhr er dank seiner Faustschläge ein.

Hunt ist Lesnar mit 1,78 Metern Körpergröße und 120 Kilo Gewicht zwar körperlich unterlegen, seine Schlagkraft macht diesen vermeintlichen Nachteil aber wett.

UFC 200: Lesnar vs. Hunt - Ein Kampf der Giganten

Es ist die Newsstory der Woche bzw. des Tages: Brock Lesnar wird, obwohl er nach wie vor bei World Wrestling Entertainment unter Vertrag steht, bei UFC 200 ins Octagon zurückkehren. Dies verkündeten sowohl der MMA-Verband, als auch der Branchenprimus im Wrestling gestern Abend. Der Event findet am 09.07.2016 in Las Vegas, Nevada statt.

Diese Ankündigung ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sowohl Vince McMahon, als auch UFC Chef Dana White keine großen Freunde des Produkt des jeweils anderen sind.

Während sich der Chairman von WWE immer wieder kritisch über den Kampfsport Mixed Martial Arts äußerte, bezeichnete White Wrestling in einem Interview im letzten Jahr noch als "fake". In dieser Aussage steckt natürlich ein gewisser Funken Wahrheit, der nun auch ein Risiko für WWE mit sich bringt. Denn die Gefahr, dass sich Lesnar beim Kampf im Juli ernsthaft verletzen wird, ist natürlich gegeben. Sollte dies der Fall sein, wäre es durchaus möglich, dass er für den rund sechs Wochen später stattfindenden SummerSlam ausfällt, für den er bereits angekündigt ist.

Dass Brock Lesnar mit MMA "noch nicht fertig war", ist ein offenes Geheimnis. Bevor er seinen Vertrag mit WWE kurz vor WrestleMania 31 verlängerte, spekulierte man lange darüber, ob er selbst seine Zukunft eher im Ring oder im Octagon sieht. Schließlich endete Lesnars UFC-Karriere trotz des Gewinnes des Heavyweight Titles und einer Kampfbilanz von 5-3-0 nicht gerade erfreulich. Er verlor seine letzten beiden Kämpfe deutlich. Viele Beobachter sagten, dies sei ein Makel, den er gerne noch ausmerzen wollte, bevor er sich zur Ruhe setzt. Nach seiner Vertragsverlängerung bei WWE im letzten Jahr schien dieses Thema eigentlich endgültig vom Tisch zu sein.

Es darf nun natürlich viel darüber spekuliert werden, warum alle an diesem Deal beteiligten Parteien nun plötzlich einen Sinneswandel erlebt haben. Zweifelsohne werden sich beide Produkte in den kommenden Wochen verstärkt gegenseitig bewerben. Darüber hinaus ist es auch gut möglich, dass die Personalie Ronda Rousey bei diesem Deal eine gewisse Rolle spielt. Nach ihrem Auftritt bei WrestleMania 31 kamen immer wieder Gerüchte auf, wonach sie selbst, als auch WWE liebend gerne ein Match mit ihr ansetzen würden. Allerdings war nicht zuletzt Dana White entschieden dagegen, seinen Top-Star an die McMahon-Promotion zu verleihen.

Brock Lesnar im Interview: „Ich mache das nicht für die Fans!“

Dass der WWE Superstar Brock Lesnar (5-3) bei UFC 200 ins Octagon zurückkehren und einen Fight gegen Mark Hunt (12-10-1) bestreiten wird, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Nun äußerte sich der ehemalige UFC World Heavyweight Champion aber erstmals ausführlich zu seinem Auftritt am 09. Juli in Las Vegas. So führte der 38-Jährige nämlich ein Interview mit seinem Manager und langjährigen Freund Paul Heyman für dessen YouTube Account „HeymanHustle“.

Darin sprach er über die Gründe für seine Rückkehr, seine langwierige Divertikulitis-Erkrankung, sein Trainingscamp, seine Motivation und seinen aktuellen Gesundheitszustand.

Auf die Frage, warum er ins Octagon zurückkehrt, antwortete Lesnar:

„Einfach, weil ich es will. Darum. [...] Als ich die UFC damals verlassen habe, konnte ich nicht nach meinen Vorstellungen gehen. Ich sage aber auch nicht, dass ich jetzt nur zurückkomme, um hier etwas zu beenden, was ich zuvor nicht nach meinen Vorstellungen beenden konnte, denn ich möchte einfach wieder im Octagon stehen. Vor allem möchte ich gesund im Octagon stehen. Ich möchte endlich nach meinen Vorstellungen im Octagon stehen.

Die letzten Male, die ich im Octagon stand, war ich nicht der Mann, der ich sein wollte. Ich habe meine Stärke nur vorgespielt. Ich habe sie vorgespielt, um im Octagon stehen zu können. Ich habe vorgespielt, dass ich stärker war, als eine schwere Krankheit. Nun möchte ich einfach zurück ins Octagon und Spaß haben. Meine letzten Erinnerungen als Fighter sind aufgrund der Krankheit nicht sonderlich gut.

Ich will zurück ins Octagon, um zu beweisen, dass ich diese Krankheit endlich besiegt habe. Ich wurde von Leuten besiegt, von denen ich meiner Meinung nach nie hätte besiegt werden dürfen. Ich habe vor allem gegen die Divertikulitis-Erkrankung verloren. Klar, ich habe gegen Cain Velasquez verloren. Ich habe gegen Alistair Overeem verloren. Aber ich bin gar nicht hier, um diese Niederlagen zu rächen. Ich will eigentlich nur die Niederlage gegen die Divertikulitis-Erkrankung rächen. Oh Gott, ich will es. Ich will es einfach, Paul.

Im Leben dreht sich alles um das richtige Timing, und das Timing hierfür ist perfekt. Ich fühle mich großartig und ich bin einfach bereit dafür. Ich bin schon länger bereit und ich bin dankbar für diese Chance.“

Als nächstes sprach ihn Heyman auf sein Trainingscamp an. Lesnar antwortete:

„Natürlich werde ich ein Trainingscamp durchlaufen. Wir werden dafür den klassischen Weg gehen, genau wie wir es vorher auch schon gemacht haben. Ich habe mir Trainer besorgt, ich habe mir Trainingspartner besorgt und wir sind jetzt schon in der Vorbereitung. Ich bekomme viel Unterstützung. Es gibt viele Leute, die sich total darauf freuen, aber niemand freut sich so sehr wie ich.

Marty Morgan wird mich wieder coachen, aber die Liste geht noch viel weiter. Es gibt etliche Leute, die ein Teil davon sein wollen. Und sie wollen nicht nur ein Teil davon sein, um dabei zu sein, sondern sie wollen ein Teil davon sein, weil sie nette Leute sind und unbedingt helfen wollen. Genau diese Leute möchte ich in meiner Ecke haben.“

Heyman fragte dann, wie Lesnar im Alter von 38 Jahren an den Fight herangeht:

„Ich bin zu 100% darauf fokussiert. Meine Familie und meine Freunde unterstützen mich grandios und deshalb war es keine schwere Entscheidung für mich. Dana White hat mich nicht angerufen. Ich habe ihn angerufen. Du kannst nicht halbherzig ins Octagon steigen. Wenn ich es nur halbherzig wollen würde, dann hätte ich ihn auch nicht angerufen. Ich weiß, wie gefährlich es ist. MMA ist ein gefährlicher Sport. Und deshalb würde ich meine Gesundheit auch nicht mit einer halbherzigen Herangehensweise riskieren. Du musst es zu 100% wollen. Und ich will es zu 100%. Ich will es unbedingt und ich habe keinerlei Zweifel.“

Dann kam der vielleicht interessanteste Part des gesamten Interviews. Lesnar wurde gefragt, ob er irgendjemandem etwas zu beweisen habe:

„Ich denke nicht, dass ich irgendjemandem etwas zu beweisen habe. Ich war schon immer ein Athlet. Ich habe viele tolle Dinge erreicht. Sehr viele tolle Dinge. Ich bin sehr glücklich, dass ich 38 Jahre alt bin, für die WWE arbeite und jetzt auch noch für die UFC ins Octagon steigen darf. Wie viele Leute dürfen das? Einer von einer Million. Und wie viele Leute setzen das um? Einer von einer Million! Und ihr guckt diesen Typen gerade an.

Ich bin nicht hier, um mich mit irgendjemandem zu vergleichen, und ich bin auch nicht hier, um irgendjemandem etwas zu beweisen. Wenn überhaupt, dann geht es für mich darum, die schlimmen Gefühle der letzten beiden Niederlagen im Octagon auszulöschen. Ich denke, jeder Athlet macht diesen Prozess durch. Ich habe aber leider zudem auch noch das Gefühl, dass ich von der Divertikulitis-Erkrankung besiegt wurde. Und mein Nummer 1 Ziel ist es, mir persönlich zu beweisen, dass ich diese Krankheit mittlerweile überwunden habe.

Und das beweise ich niemand anderem. Ich mache das nicht für die Fans. Wenn es Fans gibt, die sich darauf freuen, dass ich ins Octagon zurückkehre, dann ist das toll, aber ich mache das nicht für sie. Ich mache das nur für mich. Falls am 09. Juli zwei Millionen Menschen einschalten, um mich kämpfen zu sehen, dann ist das so. Das wäre toll. Das wäre wirklich klasse und ich würde das auch sehr schätzen, aber es wird nichts daran ändern. Hier geht es nur um mich. Tut mir ja leid, aber es ist so, hier geht es wirklich nur um mich. Und warum sollte es auch um irgendjemand anderes gehen?“

Abschließend sprachen Heyman und Lesnar noch über Lesnar’s aktuellen Gesundheitszustand:

„Ich spiele euch nichts vor. Ich muss hier nicht sitzen und der Welt erzählen, wie gut ich mich fühle. Fühle ich mich besser als je zuvor? Das kann ich nicht sagen. Ich weiß aber, wie es sich anfühlt, sich wie Sch***e zu fühlen, und so fühle ich mich zum Glück nicht mehr.“

Weitere UFC-Kämpfer mit bemerkenswerten Comebacks

Die Welt des MMA ist voll von Geschichten über Kämpfer, die nach Rückschlägen, Verletzungen oder persönlichen Problemen triumphal zurückgekehrt sind. Hier sind einige bemerkenswerte Beispiele:

  • Royce Gracie: Kehrte 2016 nach über 9 Jahren Pause zurück, um gegen Ken Shamrock zu kämpfen.
  • Andrei Arlovski: Kämpfte sich nach einer Serie von Niederlagen zurück in die UFC und klopfte sogar noch einmal an der Spitze an.
  • Michael Bisping: Gewann 2016 überraschend den Mittelgewichtstitel, nachdem er bereits mehrere schwere Verletzungen überstanden hatte.
  • Robbie Lawler: Kehrte nach 8 Jahren Abwesenheit von der Weltspitze in die UFC zurück und wurde Weltergewichtschampion.
  • Anthony „Rumble“ Johnson: Stieg vom Weltergewicht zum Halbschwergewicht auf und wurde zur absoluten KO-Maschine.
  • Mark Hunt: Lehnte ein Angebot der UFC ab, sich aufs Altenteil zurückzuziehen, kämpfte seinen Vertrag aus und verdiente sich sogar eine Chance auf den Interims-Titel im Schwergewicht.
  • Chael Sonnen: Schoss sich mittels deftiger Sprüche in große Kämpfe und forderte Mittelgewichtschampion Anderson Silva heraus.
  • Georges St. Pierre: Kehrte 2017 nach einer vierjährigen Auszeit triumphal zurück und nahm Michael Bisping den Mittelgewichtsgürtel ab.
  • Matt Serra: Knockte 2007 Georges St. Pierre aus und krönte sich kurz vorm Karriereende noch einmal zum UFC-Champion.

Brock Lesnars beeindruckende Karriere in verschiedenen Sportarten

Es ist selten, dass ein Sportler gleich in mehreren Sportarten talentiert ist und Erfolge vorweisen kann. Brock Lesnar ist ein Paradebeispiel dafür.

  • Amateurringen: Rekord von 106-5 in seiner Collegezeit, zweimaliger NJCAA All-American, NJCAA Schwergewichtsmeister, zweifacher NCAA All-American und zweimaliger Big Ten Conference Meister. Gewinn der NCAA Schwergewichtsmeisterschaft im Jahr 2000.
  • Profi-Wrestling (WWE): Schneller Aufstieg und Gewinn des WWE Weltmeistertitels.
  • NFL: Teilnahme am Trainingscamp der Minnesota Vikings.
  • MMA (UFC): Gewinn des UFC-Schwergewichtstitels.

Die Kontroverse um Brock Lesnar

Eingefleischten MMA-Fans war WWE-Star Brock Lesnar seit seinem UFC-Debüt 2008 ein Dorn im Auge. Dass der Show-Wrestler einfach so die Disziplinen wechseln und auch noch den Schwergewichtstitel von Randy Couture gewinnen konnte, war unerhört. Als Lesnar 2011 wieder abtrat, um zum Wrestling zurückzukehren, fehlte dann aber doch etwas, auch weil er viele neue Fans mit dem MMA-Sport vertraut gemacht hatte.

Diese Tabelle fasst die wichtigsten Daten aus Brock Lesnars Karriere in der UFC zusammen:

Kategorie Details
UFC-Bilanz 5 Siege, 3 Niederlagen
UFC-Schwergewichtstitel Gewonnen im November 2008 gegen Randy Couture
Titelverteidigungsdauer 707 Tage
Letzter UFC-Kampf vor Comeback Dezember 2011 gegen Alistair Overeem (Niederlage)
Comeback-Kampf UFC 200 gegen Mark Hunt