Wertschätzung von 0,3-Karat-Diamanten

Diamanten sind Millionen Jahre alt, und oft enthalten Nachlässe alte Diamanten mit ebenso alten Zertifikaten. Beim Versuch, diese zu verwerten, erhalten Sie möglicherweise gar keine oder nur unzureichende Ankaufsangebote. Daher ist es wichtig, die Unterschiede zwischen alten und neuen Bewertungen zu verstehen.

Alte Diamanten und die Bewertung

Die größten Unterschiede zwischen alten und modernen Diamanten liegen beim Schliff. Proportionen, Winkel und Maße wurden im Laufe der Jahrzehnte immer weiter verfeinert, da bessere technische Möglichkeiten zu immer präziseren Ergebnissen führten.

Früher wurden Diamantproportionen mit einem sogenannten "Proportion Scope" mithilfe eines Schattenbildes geschätzt. Heute wird der Diamant in einen optischen Scanner gelegt, und man erhält sofort alle exakten Maße, Winkel und Proportionen am Computer.

Ein Beispiel: Ein Zertifikat aus dem Jahr 1978 zeigt einen Zweikaräter mit sehr gutem Schliff. Dabei fällt auf, dass die Schliff-Skala kein "exzellent" kannte und die Tafel mit 66% relativ groß war. Vergleicht man dies mit heutigen Standards, würde der damals "beste" Schliff heute nicht die Bestnote "exzellent", sondern höchstens "sehr gut" erhalten.

Früher wurden große Hauptfacetten bei Brillanten (Tafel) positiv als "großes Gesicht" beschrieben. Beim Umschleifen ist die Politur weniger kritisch. Die Bewertung des Schliffs ist aber nicht das einzige, was sich im Laufe der Zeit geändert hat.

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Bei manchen alten Zertifikaten für Farbdiamanten fehlt die Angabe der Reinheit komplett. Die Lasergravur der Zertifikatsnummer sowie die Online-Verifizierung waren in den 70er Jahren noch gar nicht denkbar. Interessant ist auch, dass HRD-Zertifikate in der Online-Datenbank 10 Jahre lang einsehbar und herunterladbar sind.

Warum ist ein aktuelles Diamant-Zertifikat wichtig?

Oft gibt es Abweichungen in der Bewertung, wenn alte Diamanten neu zertifiziert werden. Ein Beispiel: Ein Diamant von 1,01 ct, der nicht weiter geschliffen werden konnte, wurde 1993 von IGI zertifiziert. Die erneute Zertifizierung bei GIA in 2022 ergab einen besseren Farb- und einen schlechteren Reinheitsgrad. Der alte Diamant war nun nicht mehr "lupenrein", da eine Abplatzung festgestellt wurde, die in den Diamanten geht und als inneres Reinheitsmerkmal gilt.

Es macht durchaus Sinn, bei alten Zertifikaten genau hinzuschauen und diese im Zweifel durch ein neues zu ersetzen, da andere Maßstäbe, Standards in der Bewertung und technische Möglichkeiten meist ein etwas anderes Bild ergeben. HRD beschränkt die Online-Verifizierung ihrer Zertifikate auf 10 Jahre nicht ohne Grund. Verschleißerscheinungen sowie Beschädigungen können vielfältig sein, insbesondere, wenn der Diamant in einem Ring getragen wurde.

Oft werden Diamanten "geblistert" bzw. eingeschweißt verkauft, wobei die Zertifikate platzsparend auf Mikrofilm hinzugefügt wurden. Diese können mit einer Lupe ausgelesen werden.

Mängel beim Schliff

Warum man beim Schliff schnell Äpfel mit Birnen vergleicht, wird anhand der Preise ersichtlich. Alte Diamanten wurden und werden damals wie heute auf Gewicht geschliffen, da das Karatgewicht der wichtigste Preisfaktor ist. Dies erklärt, warum nicht alle Diamanten perfekt geschliffen werden: Ein Einkaräter hat einen ganz anderen Karatpreis als ein Brillant von 0,95 Karat, obwohl optisch meist kein Unterschied zu erkennen ist.

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Mängel beim Schliff können eine unrunde Form (siehe Maße), eine sehr dicke oder sehr dünne Rundiste (Gürtel) oder eine Kalette (nicht spitz zulaufend) sein. Beim Modernisieren von Altschliff-Diamanten beträgt der Gewichtsverlust meist ca. 5-15%.

Ein schlecht geschliffener Diamant von 10 ct. ist daher bei der Preisfindung nicht vergleichbar mit einem 10-Karäter, der nach heutigem Standard geschliffen ist. Je höher die Farbe und Reinheit, desto größer können die Preisunterschiede sein. Daher muss man die Steine vorab gesehen haben, um eine Einschätzung abzugeben. Tatsächlich lässt sich aber nie zu 100% voraussagen, wie viel Diamantgewicht nach dem Umschleifen bleibt und wie er zertifiziert wird.

Beim Umschleifen von Diamanten kann sich die Reinheit verbessern, beispielsweise wenn Einschlüsse an den Seiten wegfallen. In seltenen Fällen kann die Reinheit allerdings auch schlechter werden. Besonders bei Diamanten, die auf Karatgewicht geschliffen sind und knapp über beliebten Größen (1,00 ct. / 2,00 ct. / 3,00 ct.) liegen, muss genau geprüft werden, ob ein mögliches Nachschleifen in Frage kommt. Denn: Fällt das Karatgewicht unter eine beliebte Größe, liegt sofort ein anderer Karatpreis zugrunde.

Oft macht ein Umschleifen den Stein aber auch überhaupt erst verkäuflich: Gerade bei teuren Diamanten möchte der Käufer ein "exzellent" im Zertifikat sehen statt nur ein "mittel" oder "gut". Dies zeigt sich auch daran, dass ab einer gewissen Güte fast nur exzellent geschliffene Diamanten an der Diamantbörse angeboten werden.

In alten Zertifikaten finden sich Begriffe wie "Vollschliff", "Modernschliff", "Feinschliff", "Moderner Feinschliff" oder Altschliff. Diese sind nicht mit den modernen Schliffstandards vergleichbar und müssen jeweils einzeln bewertet werden. Erfahrungsgemäß modernisieren wir die meisten alten Diamanten.

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Diamanten verkaufen

Beim Verkauf von Diamanten ist es wichtig, einen professionellen Partner zu wählen, der den Wert der Steine genau einschätzen kann. Ein seriöser Ankäufer verfügt über entsprechende Expertise und bietet eine transparente und faire Bewertung.

Der Ankaufspreis für eingefasste Diamanten in Schmuckstücken und losen Diamanten richtet sich nach den sogenannten 4C-Qualitätskriterien: Karat (Gewicht), Colour (Farbe), Clarity (Reinheit) und Cut (Schliff).

  • Karat (Gewicht): Die Größe von Diamanten wird in Karat gemessen. 1 Karat hat ein Gewicht von 0,2 g. Je größer ein Diamant ist, desto wertvoller ist er.
  • Colour (Farbe): Die Farbe von Diamanten wird nach alphabetischer Reihenfolge zugeordnet. Der beste Farbgrad ist "D" (hochfeines Weiß plus), die stärkste gelbliche Tönung haben die Buchstaben "K" bis "Z". Desto gelber ein Diamant ist, umso minderwertiger ist er.
  • Cut (Schliff): Die häufigste und bekannteste Schliffform ist der Brillantschliff. Weitere Formen sind Herzschliff, Prinzessschliff, Smaragdschliff, Marquiseschliff und Tropfenschliff. Von einem Altschliff spricht man, wenn der Stein vor 1908 geschliffen wurde.
  • Clarity (Reinheit): Um das zu bestimmen, wird eine Lupe mit einer zehnfachen Vergrößerung genutzt. Je weniger Einschlüsse ein Diamant hat, desto wertvoller ist er.

Wenn Ihre Diamanten in den Goldpreis einbezogen werden, kann es passieren, dass Sie bei 18 Karat Gold nur etwa 6 € für Ihren wertvollen Diamanten erhalten. Daher ist es wichtig, einen Ankäufer zu wählen, der Diamanten separat bewertet.

Offizielle Diamant-Zertifikate der GIA, HRD und IGI ab dem Jahr 2000 werden von vielen Ankäufern anerkannt. Ein Juwelierpass oder Diamantenpass ist kein offizielles Zertifikat, hilft aber bei der Bestimmung.

Beim Verkauf von Diamanten ist Vertrauen oberste Priorität. Wählen Sie einen Partner, der Ihnen einen guten Service und attraktive Preise bietet. Lassen Sie den Wert Ihrer Diamanten kostenfrei einschätzen und entscheiden Sie selbst, ob Sie verkaufen möchten.

Tabelle: Einfluss von Farbe und Reinheit auf den Preis von Diamanten

Farbe Reinheit Preis (relativ zu D/IF)
D IF 100%
G VS2 30%