Bret Sergeant Hart, besser bekannt als Bret „Hitman“ Hart, ist eine Ikone des Wrestling. Seine Karriere, geprägt von technischen Fähigkeiten und einer Hingabe zum Sport, die ihn zu einem der beliebtesten Wrestler der 1990er Jahre machte, wird in diesem Artikel beleuchtet. Doch sein Weg war auch von persönlichen Tragödien und Kontroversen gezeichnet, die ihn zu einem tragischen Helden machten.
Die Anfänge in Calgary
Schon früh wurde Bret von seinem Vater Stu Hart trainiert. Die Familie lebte Wrestling. Bret Hart hat 8 Brüder, 7 wurden Wrestler, der achte Ringrichter. Die Karriere von Bret Sergeant Hart beginnt zuhause. Sein Vater ist bekannt für seine Wrestling Schule, aber auch für seine Härte. Sein Fokus liegt auf technischem Wrestling, auf Griffen und dem Überwinden von Schmerzen. Diese Schule machte aus Bret früh einen Star in der Promotion seines Vaters.
Vater Stu entsprang einfachen Verhältnissen, musste in der Kindheit mehrere Jahre mit seiner Familie die kalten kanadischen Winter in einem Zelt überstehen. Der stattlich gebaute Stu kam über den christlichen Jugendverein zum Ring, lernte Jahre später in Amerika seine Helen kennen. Sie heirateten 1947. Zusammen bekamen Helen und Stu zwölf Kinder, Bret war eines davon. In Calgary, Alberta, Kanada zog Stu sein eigenes Wrestling-Business auf: „Stampede Wrestling“ wurde zur lokalen Attraktion, weitete sich dann regional aus.
Von einem Wrestling-Bären, der im Vorgarten im Käfig lebte, und vom Dungeon, dem Kellerraum, wo Stu Hart mit seinen Aufgabegriffen jene jungen Männer quälte, die meinten, selbst Wrestler werden zu können, gibt es zahlreiche überlieferte Geschichten, wie die Großfamilie in ihrem „Hart-Haus“ in Calgary lebte. Bei zwölf Kindern und Wrestlern, die auf der Durchreise hier Unterschlupf fanden oder einfach mal mit am Tisch saßen, wurde es nie langweilig.
Die Hart-Jungs zog es bald selbst ins Familien-Geschäft. Sie halfen mit beim Veranstalten, beim Verkaufen von Programmheften oder mimten den Ringrichter. Bret durchschaute früh, dass das Pro-Wrestling nicht so war, wie es vorgab zu sein. Spätestens als Archie „The Stomper“, den Vater Stu am Vorabend noch im Ring zurechtgestutzt hatte, am nächsten Tag bei den Harts vor der Tür stand, um seinen Gehaltsscheck abzuholen und Mutter Helen äußerst freundlich zu ihm war.
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Damit stand für Bret die Entscheidung fest, es doch mit dem Wrestling probieren zu wollen. Genau genommen: Er wollte es nicht nur probieren, sondern perfekt umsetzen: „Ich wollte nicht als der Sohn des Promoters gelten. Ich wollte, dass es funktioniert - der beste Wrestler des gesamten Territoriums werden.“
Der Aufstieg in der WWE
Der Weg in die World Wrestling Federation wurde Bret Hart quasi auferlegt - als Vater Stu sein Territorium in den frühen Achtzigern an Vince McMahon verkaufte. Mutter Helen war heilfroh, das Wrestling endlich los zu sein. Denn so richtig gemocht hatte sie es nie. Der Verkauf von Stampede Wrestling an die Federation war mit der Übernahme einiger Familienmitglieder verbunden: Unter anderem Bret sollte unter Vince McMahon seinen Job behalten.
Stattdessen hatte Hart den Einfall zum Familienverbund: Mit seinem Schwager Jim „The Anvil“ Neidhart (er hatte 1982 seine Schwester Allie geheiratet) schob er ein Team an. Gemeinsam mit Manager Jimmy Hart, der Mann mit dem Megafon. Obwohl auch Jimmy ein Hart war, gab es mit ihm kein verwandtschaftliches Verhältnis. Doch die Chemie des Trios stimmte. Zumal sich Bret und Jim als Wrestler perfekt ergänzten. Der eine stets bedacht und als smoother Techniker unterwegs, der andere mit der schwingenden Keule und ohne Rücksicht auf Verluste.
Anfangs trat man noch nicht mit identischen Outfits an, weil Bret laut eigener Aussage noch Zweifel über den dauerhaften Fortbestand des Teams hatte. Doch als ein großes TV-Match anstand, da wurden identische Outfits zugelegt. Jim Neidhart gefiel es, das Pink mit in die Ring-Gear zu bringen. Anfangs hatte Bret große Zweifel an dieser wenig furchteinflößend wirkenden Farbe. Doch er ließ sich überzeugen - und sagt heute dazu: „Pink war vielleicht nicht meine Lieblingsfarbe, aber sie wurde zu meiner Glücksfarbe.“ Denn das Pink blieb immer Teil seiner Outfits, wurde zu einem echten Markenzeichen. Genau wie der Name: „The Pink & Black Attack“.
Für Brets Karriere war an dieser Stelle das Funktionieren des Teams mit dem Schwager ausschlaggebend. Wäre diese Nummer nicht geglückt, dann hätte sich ziemlich sicher die Solo-Karriere nicht daran angeschlossen. Was half: Die Damenwelt fuhr mächtig auf Bret ab. Ein Grund, der Vince McMahon dazu bewegte, ihn noch mehr in den Fokus zu rücken, war die Fanpost. Zeitweise wurden im Hauptquartier der Federation in Stamford mehr Briefe für den Hitman als für irgendeinen anderen Wrestler angeschwemmt.
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Mit seiner harten Arbeit legte Bret den Grundstein für diesen Aufstieg. Sein Chef Vince McMahon, der händeringend nach neuen Aushängeschildern suchte, ermöglichte es ihm. Vince war für Bret allerdings mehr als nur ein Boss, auch Mentor und Förderer. „Ich wäre für Vince vor einen Zug gesprungen“, beschreibt der „Hitman“ diese Zusammenarbeit später. Das waren mehr als leere Worte.
Der Beweis: Ein Angebot von World Championship Wrestling, das Hart 1996 erhielt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Vince bereits Scott Hall und Kevin Nash an die Konkurrenz verloren. Und Bret erhielt ein Angebot über 2,8 Millionen US-Dollar jährlich, garantiert für drei Jahre. Doch Bret wollte gar nicht aus der Federation weg. Er fühlte sich McMahon loyal verbunden. Stattdessen gab es ein Langfrist-Angebot, das Bret über 10 Jahre knapp über 10 Millionen US-Dollar bringen sollte. Für den Hitman war die Entscheidung damit klar: Er wollte Vince treu bleiben.
Der "Montreal Screwjob"
Im Chaos-Jahr 1997 wurde Hart erst zu einem Babyface/Heel-Hybrid: in den USA ausgebuht, überall anders auf der Welt bejubelt. Die kreative Neuausrichtung funktionierte, die wirtschaftliche Vereinbarung zwischen Vince und Bret allerdings nicht. Die Federation versuchte von der hohen Garantiesumme ihm gegenüber loszukommen - und plötzlich wollte Vince seinen Ziehsohn dann doch zu World Championship Wrestling gehen lassen. Der Vertrag kam zustande, zum 1. Dezember 1997. Bis dahin war Bret allerdings noch in der Federation unterwegs. Unglücklicherweise als WWE-Champion.
Der persönliche Konflikt zwischen Bret und seinem Erzrivalen Shawn Michaels war mittlerweile so eingefahren, dass der „Hitman“ unter gar keinen Umständen den Titel an ihn abgeben wollte. Vor allem nicht im kanadischen Montreal, am 9. November 1997 bei der Survivor Series. Was an jenem Abend beim „Montreal Screwjob“ passierte, ist der bis heute meist diskutierte Skandal in der Geschichte des Pro-Wrestlings.
Vince und Bret hatten sich auf ein unklares Finish geeignet. Tatsächlich hinterging man Bret aber. Als er in Shawns Sharpshooter steckte, wurde plötzlich die Ringglocke geläutet und der Heartbreak Kid als neuer WWE-Champion ausgerufen. Bret fluchte und bespuckte seinen Noch-Chef. Szenen, die sich in der Erinnerung sämtlicher Fans eingebrannt haben.
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„Er hat mir richtig eine mitgegeben“, schmunzelt McMahon knapp ein Vierteljahrhundert später in der A&E-Dokumentation. Bis heute meint Vince aber auch: „Das, was ich tat, war das Richtige. Zumindest aus meiner Position.“ Und weiter: „Das war wie ein Schauspieler, der sich weigerte, in seiner Rolle zu sterben.“ Die missliche Lage des Promoters lässt sich vielleicht nachvollziehen. Nur: Er hatte Bret in den letzten sechzig Tagen seines Kontrakts kreative Kontrolle zugesichert. Allein deshalb hätte sich McMahon an die Abmachung halten müssen. Abgesehen davon, dass es unter Ehrenmännern eh angebracht gewesen wäre. Bret hatte durchaus angeboten, den Titel an jeden anderen Wrestler zu verlieren - oder den Gürtel am Abend nach der Survivor Series bei Raw niederzulegen, um so sein Gesicht zu wahren.
Aus heutiger Sicht wirkt der Konflikt geradezu putzig. Vor allem auf Menschen, die rein gar nichts mit Wrestling am Hut haben. Schließlich geht es hier um einen Titel, der nicht in einem sportlichen Wettkampf vergeben wird. Es ist ein Teil der Show. Doch die Show war für alle Beteiligten sehr real. Viel realerer, als WWE heute zu sein scheint. Immer dann, wenn die Gürtel wirklich nur noch wie Requisiten wirken. Und dann wünscht man sich diese Zeit zurück, als es den Leuten hinter den Kulissen doch etwas ausgemacht hat.
Schicksalsschläge und Comeback
Nach der Erfahrung war Bret wütend und enttäuscht - kein Wunder nach 14 Jahren harter Arbeit für Vince McMahon. Seinen Abschied hätte er sich anders vorgestellt. Doch es war erst der Anfang für einige bittere Jahre. Beruflich sollte es in der WCW nicht mehr auf dem bisherigen Niveau weitergehen. Zu wenig wusste man bei der Promotion etwas mit ihrem neuen Spitzen-Wrestler anzufangen. Dann die bitterste aller Katastrophen: der Todessturz seines Bruders Owen Hart beim WWE-Event im Mai 1999. Dieses Unglück nahm die ganze Familie mit. Brets Eltern zerbrachen daran, sie waren bis zu ihrem Tod (2001 Helen und 2003 Stu) nicht mehr dieselben.
Und im Juni 2002: ein Schlaganfall! Diesen massiven Rückschlag erlitt Bret, als er auf seinem Mountain-Bike unterwegs war und stürzte. Es war vermutlich die Folge aus mehreren Gehirnerschütterungen, ausgelöst durch einen fahrlässigen Kick von einem ungehobelten Bill Goldberg. Bret musste das Sprechen und Laufen nach dem Schlaganfall neu erlernen. Gleichzeitig trug er die Last der vergangenen Jahre auch emotional mit sich herum. „Der Montreal Screwjob hatte mich verändert, ich war verbittert“, sagt Hart heute über sich selbst.
Längst war auch seine Ehe mit Julie, die er 1982 - vor seinen Welterfolgen - geheiratet hatte, schwer belastet. Seine vier Kinder Jade (1983 geboren), Dallas (1984), Alexandra (1988) und Blade (1990) hatte er nur nebenbei aufwachsen sein. Das war der Preis, den er dafür zahlen musste, an der Spitze der WWF zu kämpfen. Damals war es die Regel, an rund 300 Tagen im Jahr unterwegs (also quasi nie Zuhause) zu sein. Das belastete den Nachwuchs verständlicherweise.
Erst im Jahr 2005 traf er sich wieder mit Vince McMahon und es wurde die Produktion einer DVD über seine Karriere vereinbart. Außerdem sollte Hart 2006 in die Hall of Fame aufgenommen werden. Diese Ankündigung brach er erst im Jahr 2010 nachdem er sich endgültig mit Vince und Shawn Michaels ausgesprochen hatte.
Bret Hart Heute
Heute ist Bret Sergeant Hart 67 Jahre alt und immer wieder auf Autogrammstunden präsent. Am 16. September 2025 trat Bret „Hitman“ Hart bei einer Veranstaltung von Inside The Ropes in der New Century Hall in Manchester, England, vor einem vollbesetzten Saal auf. In einem offenen Gespräch sprach die WWE-Legende erneut über eines der kontroversesten Kapitel der Wrestling-Geschichte, den Montreal Screwjob bei der Survivor Series 1997.
Trotz zahlreicher Rückschläge bleibt Hart eine Legende im Wrestling. Der emotionale Empfang in Calgary zeigte, dass er auch mit 67 Jahren immer noch eine imposante Präsenz ausstrahlt und in seiner Heimatstadt große Verehrung genießt. Bret Hart lebt noch immer in Calgary - und ist seit 2010 glücklich mit Stephanie Washington verheiratet.
Erfolge von Bret Hart
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1992 | Gewinn des WWE-Titels gegen Ric Flair |
| 1997 | SummerSlam Sieg gegen den Undertaker |
| 2006 | Aufnahme in die WWE Hall of Fame |
