BJJ für Anfänger: Tipps und Ratschläge für einen erfolgreichen Start

Willkommen in der faszinierenden Welt des BJJ, einer Kampfkunst, die nicht nur physische Stärke und Fitness fördert, sondern auch die geistige Klarheit und die Fähigkeit zur Selbstverteidigung schult.

Was ist Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ)?

Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) ist eine Kampfkunst und ein Wettkampfsport, der seinen Ursprung in Brasilien hat. Es ist eine Form des Jiu Jitsu, die sich auf Bodenkampf und Submission-Techniken konzentriert. BJJ basiert auf der Idee, dass ein kleinerer und schwächerer Kämpfer einen größeren und stärkeren Kämpfer besiegen kann, indem er Techniken anwendet, die auf Hebelwirkung und Gelenkmanipulation basieren.

Die Entwicklung des BJJ

Die Entwicklung des Brazilian Jiu-Jitsus ist im stetigen Wandel, wodurch auch stets neue Techniken entwickelt werden. BJJ wurde in den 1920er Jahren von Carlos Gracie und seinem Bruder Helio Gracie in Brasilien entwickelt. Sie waren beeindruckt von der japanischen Kampfkunst Jiu Jitsu und begannen, diese Techniken in ihre Kämpfe zu integrieren. Im Laufe der Zeit entwickelten sie ihren eigenen Stil, der auf Bodenkampf und Submission-Techniken spezialisiert war.

Die Grundprinzipien des BJJ

Die Grundprinzipien von BJJ beinhalten die Nutzung von Positionierung und Hebelwirkung, um einen Gegner zu kontrollieren und schließlich zur Aufgabe zu zwingen. Allgemein wird versucht den Gegner zur Aufgabe zu zwingen, indem Gelenke und Bänder überstreckt werden oder die Luftzufuhr abgeschnitten wird. Die meisten BJJ Techniken können aus verschiedenen Positionen ausgeführt werden, weswegen es wichtig ist, die jeweilige Technik an sich zu verstehen!

BJJ und Resilienz

Resilienz bezieht sich auf die Fähigkeit, sich von Rückschlägen und Herausforderungen zu erholen und gestärkt daraus hervorzugehen. Resilienz ist wichtig, weil das Leben nicht immer einfach ist. BJJ kann dir helfen, deine Resilienz zu stärken, indem es sowohl körperliche als auch mentale Stärke fördert. Durch das Training wirst du körperlich fitter und lernst, deinen Körper auf eine neue Art und Weise zu nutzen. Du wirst auch mentale Stärke entwickeln, indem du lernst, geduldig und demütig zu sein und dich auf deine Ziele zu konzentrieren. BJJ lehrt auch strategisches Denken und Problemlösung.

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Tipps für dein erstes BJJ-Training

Die richtige Vorbereitung für dein erstes Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ)-Training ist entscheidend, um sicherzustellen, dass du einen positiven und effektiven Einstieg in diese aufregende Sportart hast.

Die richtige Vorbereitung

  1. Wähle die richtige Trainingskleidung: Abhängig von der Art des BJJ-Trainings, das du besuchen wirst (Gi oder No-Gi), musst du die entsprechende Kleidung auswählen. Wenn du Gi-BJJ ausübst, benötigst du einen BJJ-Anzug (Gi) in der richtigen Größe. Stelle sicher, dass dein Gi sauber und in gutem Zustand ist.
  2. Hygiene: Vor dem Training solltest du sicherstellen, dass du frisch geduscht und sauber bist.
  3. Sporttasche: Packe eine Sporttasche mit deiner BJJ-Ausrüstung, einem Handtuch und einer Wasserflasche.
  4. Ruhe und Ernährung: Iss eine leichte, ausgewogene Mahlzeit etwa 1-2 Stunden vor dem Training, um ausreichend Energie zu haben. Vermeide schwere, fettige Mahlzeiten kurz vor dem Training.
  5. Mentalvorbereitung: Mache dir bewusst, dass BJJ ein anspruchsvoller Sport ist, der sowohl körperliche als auch mentale Herausforderungen mit sich bringt. Sei offen für das Lernen und sei bereit, Fehler zu machen.
  6. Kommunikation: Wenn du gesundheitliche Probleme oder Verletzungen hast, teile dies deinem Trainer und deinen Trainingspartnern vor dem Training mit.
  7. Motivation und Aufgeschlossenheit: Gehe mit einer positiven Einstellung und Neugierde in dein erstes BJJ-Training. Sei bereit, von deinem Trainer und deinen Mitschülern zu lernen.
  8. Zeitmanagement: Plane ausreichend Zeit ein, um rechtzeitig zum Training zu erscheinen.

Die richtige Vorbereitung wird dir nicht nur helfen, physisch und mental auf dein erstes BJJ-Training vorbereitet zu sein, sondern auch dazu beitragen, dass du dich wohl und respektvoll in der BJJ-Gemeinschaft bewegst.

Die Etikette auf der Matte

Die Etikette auf der Matte, auch als „Mattenetikette“ bekannt, ist im Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) von entscheidender Bedeutung. Sie schafft eine respektvolle und sichere Umgebung für das Training, fördert die Gemeinschaft und sorgt dafür, dass alle Teilnehmer die bestmögliche Erfahrung machen.

  1. Pünktlichkeit, Hygiene und kein Schmuck: Beide Punkte wurden schon in der Vorbereitung behandelt. Bitte achte auf Pünktlichkeit sowie vor allem auf kurze Finger- und Fußnägel.
  2. Höfliche Begrüßung: Wenn du die Trainingsfläche (die Matte oder „Tatami“) betrittst, begrüße die anderen BJJ-Praktizierenden höflich.
  3. Respekt: Zeige Respekt gegenüber deinem Trainer. Folge seinen Anweisungen und Ratschlägen, und frage höflich, wenn du etwas nicht verstehst. Respekt gebührt auch dein gegenüber deinen Trainingspartnern. Vermeide rücksichtsloses Verhalten, wie zum Beispiel übermäßig hartes oder aggressives Sparring.
  4. Kein Ego: Lass dein Ego außerhalb der Matte. Im BJJ ist es völlig normal, dass du als Anfänger von erfahrenen Praktizierenden besiegt wirst.
  5. Aufmerksames Zuhören: Achte auf die Erklärungen und Demonstrationen des Trainers.
  6. Verletzungsprävention: Achte auf die Sicherheit deiner Trainingspartner. Ziehe Hebel und Würgegriffe niemals zu schnell oder zu stark an, um Verletzungen zu vermeiden.
  7. Aufräumen: Nach dem Training ist es üblich, die Matte aufzuräumen.

Die Einhaltung dieser Etikette-Regeln ist entscheidend, um die Sicherheit aller BJJ-Praktizierenden zu gewährleisten und eine respektvolle und freundliche Trainingsatmosphäre zu schaffen.

Weitere Tipps für BJJ-Anfänger

Auch wenn die folgenden Tips vor allem für Grappling Einsteiger gedacht ist, enthalten diese Wahrheiten, die uneingeschränkt für alle (Grappling) Sportler auf jedem Niveau gelten und ohne deren Beachtung man sich sehr schwer tun wird. Fortgeschrittene Grappler, denen diese Regeln vielleicht ein bisschen albern vorkommen, sollten sich an die eigene Nase fassen und sich an ihre ersten Wochen, Monate und Jahre auf der Matte zurückerinnern.

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  • Entspannung ist der Schlüssel: Voraussetzung für ein produktives Training ist es, sich auf der Matte sicher und wohl zu fühlen. Teile dir deine Kräfte ein! Verpulvere nicht deine ganze Energie in den ersten Minuten. Lerne, dass es alles andere als ein gutes Gefühl ist, wenn dir beim Rollen die Luft ausgeht. Verkrampfe nicht! Alle Muskeln deines Körpers anzuspannen ist nicht funktional, macht dich langsam und frisst deinen ganzen Sauerstoff. Schwer zu glauben, aber nicht alle deine Muskeln müssen die ganze Zeit voll kontrahiert werden. Nicht ausrasten! Nicht in schlechten Positionen, und erst recht nicht, wenn du in einem Aufgabegriff landest. Erstens bist du nur im Training und zweitens sind die Chancen, deine Position zu verbessern bzw. dem Aufgabegriff zu entkommen deutlich größer, wenn Du versuchst, ruhig und technisch zu bleiben, anstatt in Panik zu geraten.
  • Technik vor Kraft: Versuche Techniken nicht schneller auszuführen als nötig oder als dein Können es dir erlaubt. Nehme das was da ist, nicht nur das, was Du willst. Hört sich einfach an, aber du wirst schnell merken, dass es unter Druck schnell vergessen gerät.
  • Konsistenz ist entscheidend: Wenn du echte Fortschritte machen möchtest, ist konsistentes Training der Schlüssel! Einfach im Training aufzutauchen ist nicht genug. Niemand außer dir selbst macht dich zu einem besseren Grappler. Gute Trainer können dich führen, aber an dir arbeiten musst du selbst. Schaue genau hin und höre gut zu - nur so nimmst du maximal viel aus einer Stunde mit.
  • Fragen stellen: Wenn Du etwas nicht verstehst, frage! Frage erfahrenere Trainingspartner oder den Trainer. Wenn du immer wieder mit den gleichen Techniken erwischt wirst, frage unbedingt was du falsch machst. Finde den richtigen Zeitpunkt zu fragen.
  • Tap frühzeitig: Getapped werden gehört selbstverständlich dazu. Das ist das Spiel. So ziemlich jeder Grappler mit etwas Erfahrung kann sich an die eine oder andere Situation erinnern, in der er (oder sie) besser weniger falschen Ehrgeiz gezeigt und lieber rechtzeitig getapped hätte.
  • Respektiere deine Partner: Nehme Rücksicht auf weniger erfahrene und körperlich schwächere Trainingspartner. Gebe ihnen Möglichkeiten zu arbeiten. Wenn du den Kampf steuern willst, erreich das mit Technik und nicht mit körperlicher Überlegenheit. Gelingt dir ein Aufgabegriff, beende diesen kontrolliert mit langsam und gleichmäßig ansteigendem Druck.
  • Lerne durch Beobachtung: Man kann unglaublich viel beim Beobachten anderer Grappling Sportler lernen. Zu beobachten wie erfahrenere Garppler sich bewegen, sich positionieren und welche Techniken tatsächlich funktionieren, sollte Teil deines Trainings sein. Sei dir bewusst, dass jeder Grappler seine eigene Interpretation des Sports hat und nicht alle Techniken gleichgut für jeden Körpertyp / bei jedem Partner funktionieren.
  • Entwickle dein Game organisch: Es wird ein Punkt kommen, ab dem dein Wissensdurst schier unermesslich wird und du am liebsten jede Stunde 100 Sachen fragen und ausprobieren möchtest. Es ist aber sehr, sehr wichtig, dass du dein Game langsam und organisch entwickelst. Arbeite in jedem Training an einer (maximal 2) neuen Techniken. Du bist im Training um zu lernen, nicht um zu kämpfen. Es geht nicht ums Gewinnen, sondern darum besser zu werden.
  • Konzentriere dich auf die Basics: Wie schon angedeutet machen das Halten von guten und das Befreien aus schlechten Positionen einen guten Grappler aus. Befreiungstechniken, Guard Passing, Haltegriffe und Sweeps sind, besonders am Anfang, die wichtigsten Aspekte deines Games. Submissions machen Spass und sind auch einfach eine coole Sache. Halte dich an die Basics.
  • Setze dir Ziele: Du solltest dir permanent realistische Ziele stecken, die du dir im Training erarbeiten kannst. Z.B. “Diese Woche sweepe ich jeden meiner Trainingspartner mit meinem Lieblings Half‐Guard Sweep”. Gelingt es dir, diese Techniken anzuwenden, auf die du gezielt hingearbeitet hast, belohnst du dich selbst und hast deutlich mehr Spass im Training.
  • Kümmere dich um dich selbst: Wer hart trainiert, muss sich auch entsprechende Ruhephasen gönnen. Nimm Verletzungen Ernst! Ernähre dich ausgewogen und gesund. Halte deine Ausrüstung stets sauber und wohlriechend. Halte dich selbst immer sauber und wohlriechend. Respektiere jeden Menschen auf der Matte.

Zusätzliche Ressourcen

Es kann nicht schaden, sich auch noch neben em Training weiterzubilden. Der einfachste Weg scheint erstmal Youtube zu sein. Dort gibt es massenhaft Videos zu allen erdenklichen Techniken, jedoch ist das auch das Problem. Eine gute alternative bieten dort die klassischen Bücher. In diesen sind die Inhalte meist klar geordnet, und man bekommt sie in einer sinnvollen Reihenfolge vorgelegt.

Buchempfehlung

Das beste Buch, was ich bis zum jetzigen Zeitpunkt gelesen habe, ist ganz klar Saulo Ribeiros (6-facher brazilian Jiu-Jitsu World Champion) Jiu-Jitsu University*. Die Fülle an Techniken ist riesig, alle sind leicht verständlich erklärt, und es wird auf Details eingangen, um die jeweiligen Techniken zu perfektionieren. Ribeiros Jiu-Jitsu hat einen sehr sauberen und klassischen Stiel, welcher viel Spaß beim Lesen, und noch mehr bei der Durchführung bereitet.

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