Judo, wörtlich übersetzt "sanfter Weg", ist eine japanische Kampfsportart mit einer reichen Geschichte, die tief in den Traditionen Japans verwurzelt ist. Die Prinzipien des Judo betonen "Siegen durch Nachgeben" und "maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand".
Ursprünge in Japan
Die Wurzeln des Judo reichen bis in die Nara-Zeit (710-784) zurück, mit Beschreibungen von Ringkämpfen in den Chroniken Kojiki (712) und Nihonshoki (720). Diese Ringkämpfe, bekannt als Sechie-Zumo, wurden jährlich am Kaiserhof abgehalten.
Im Japan der Ashikaga-Epoche (1136-1568) entwickelten sich unterschiedliche waffenlose Nahkampfsysteme. Eine Variante war Kogusoku (kleine Rüstung). Diese Kampfart war nach den in dieser Zeit neu entwickelten leichteren Rüstungen benannt.
Mit dem Aufstieg der Kriegerklasse im 12. Jahrhundert erlebten die Kampfkünste einen starken Aufschwung, wobei das kulturelle Geschehen zunehmend vom Geist der Bushi bestimmt wurde.
Die Entwicklung aus Jiu-Jitsu
Der Judosport entwickelte sich aus der japanischen Kampfkunst des Jiu-Jitsu, dem die Kampftechniken der Samurai im aristokratischen Japan des 4. Bis 12. Jahrhunderts entstammen. Jiu-Jitsu bedeutet übersetzt in etwa „sanfte Kunst“ und enthält neben Wurftechniken auch Schlag- und Tritt-, sowie tödliche Techniken.
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In der Edo-Zeit zwischen 1603 und 1868 entwickelten sich in Japan mehrere verschiedene Schulen, die unterschiedliche Stile des Jiu-Jitsu praktizierten.
Über die Entstehung des Jiu Jitsu existieren unterschiedliche Berichte, die einen legendenhaften Charakter haben. Ihr historischer Wahrheitsgehalt ist schwer nachzuweisen. Die poetisch schönste ist sicherlich die Legende des Arztes Akiyama Shirobei aus Hizen, der in China Medizin und die Kunst der Selbstverteidigung studierte haben soll.
Wieder in Japan, zog er sich in einen Tempel namens Dazai-Tenjin zurück. Der Überlieferung nach war es Winter, und am 21. Tag im Tempel setzte starker Schneefall ein. Er betrachtete die Bäume; ihm fiel auf, dass viele Äste unter der Last des Schnees brachen, die des Weidenbaums aber wegen ihrer Elastizität nachgaben und den Schnee abgleiten ließen. Auf Grund dieses Vorgangs soll der Arzt Shirobei das Prinzip des „Ju“ - Nachgebens - in der Kampfkunst eingeführt haben.
Jigoro Kano und die Gründung des Judo
Jigoro Kano (1860-1938) wuchs in diesem Japan der extremen Veränderungen auf. Kano, der Schüler bei den größten und wichtigsten Meistern des Jiu-Jitsu seiner Zeit war, suchte nach den grundlegenden Prinzipien dieser Techniken. So schuf er den Begriff des Judo.
Dieser setzt sich aus den Silben „Ju“, was soviel bedeutet wie Sanftheit/ Nachgeben und der Silbe „do“, dessen Bedeutung „der Weg“ ist, zusammen.
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Im Alter von 22 Jahren gründete Jigoro Kano 1882 den KODOKAN in Tokyo Japan, die erste Judoschule weltweit. Jigoro Kano besuchte verschiedene Ju-Jutsu und Jiu-Jitsu Schulen. Er erlangte dabei den Meistergrad und die Lehrerlaubnis. Aus den dort erlernten Techniken entwickelte er einen eigenen Stil, bestehend aus Wurftechniken (Nage Waza) und Boden-techniken (Ne Waza).
1882 gründete Kanō Jigorō seine eigene Schule, den Kodokan („Ort zum Studium des Weges“) in der Nähe des Eisho-Tempels im Stadtteil Shitaya in Tokio. Sein System bestand neben Wurftechniken (Nage Waza) aus Bodentechniken (Ne Waza) sowie Schlag-, Tritt- und Stoßtechniken (Atemi Waza), die u. A. (traditionelle Jiu Jitsu Schulen, bei denen Kanō mittlerweile das Menkyo-Kaiden, die universelle Lehrerlaubnis bzw. Meisterwürde innehatte) entnommen wurden.
Im gleichen Jahr gründete Kano seine eigene Schule. Im Mittelpunkt von Kanos Lehre standen zum einen das gegenseitige Helfen und Unterstützen, zum anderen aber auch eine besondere Ehrerbietung gegenüber dem Meister, was sich dadurch äußerte, dass im Dojo (Trainingshalle) große Bilder des Meisters an den Wänden hingen und dieser auch meistens eine erhöhte Position beim Sitzen einnahm.
Des Weiteren integrierte Kano Fallübungen, da Judo durch das Verbieten von Schlägen und Tritten enorm wurflastig wurde.
Nach einem Sieg der Kodokan-Schüler über die Schüler der Ju-Jutsu Schule Ryoi-Shinto Ryu bei einem Wettkampf, verbreitete sich Judo in Japan rasch.
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Ab 1911 war Judo ein Pflichtfach an den Schulen in Japan.
Die Verbreitung des Judo in Deutschland und Europa
Nach Europa gelangte Judo ab 1906, als die Besatzungen japanischer Kriegsschiffe in Kiel gastierten und dort ihre Kampfkünste vorführten. Kaiser Wilhelm II. war begeistert und lies seine Kadetten ebenfalls in Judo und Ju-Jutsu ausbilden.
1906 wurde schließlich in Berlin die erste deutsche Jiu-Jitsu Schule von Erich Rahn gegründet.
Weitere Pioniere im Judo sind Alfred Rhode und Heinrich Frantzen (Köln).
So entstand schließlich 1932 der Deutsche Judo-Ring, der allerdings bereits 1933 in das Fachamt Schwerathletik des Deutschen Reichsbundes eingegliedert wurde.
In den Jahren des Nationalsozialismus wurde bis 1941 jährlich eine deutsche Meisterschaft ausgerichtet.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Judo zunächst, weil es als Kampfsportart galt, von den Alliierten verboten.
1953 gründete sich schließlich der Deutsche Judo-Bund in der BRD und 1958 der Deutsche Judoverband in der DDR.
Ende 1990 schloss sich der der Deutsche Judoverband dem Deutsche Judo-Bund an, der heute als einziger nationaler Verband vom Kodokan anerkannt ist.
Judo als Wettkampfsport
Im Laufe der Zeit (insb. ab 1947, nachdem das Kodokan nach 2-jähriger Zwangspause nach dem 2. Weltkrieg wiedereröffnet wurde) entwickelte sich Judo immer mehr zu einem reinen Wettkampfsport. Schlag-, Tritt- und andere, den Gegner ernsthaft verletzende Techniken wurden als für den Wettkampf unnötig nicht mehr unterrichtet und gerieten dadurch z. T. in Vergessenheit.
Die verbliebenen Techniken sind hauptsächlich Würfe (jap. Nage Waza), Falltechniken (jap. Ukemi Waza) und Bodentechniken (jap. Katame Waza).
Judo heute
Judo ist eine Sportart, bei der man kämpft. Diese Kampfsportart kommt aus Japan. Sie wurde um das Jahr 1882 erfunden: Ein Japaner hat mehrere Kampfstile zu einem neuen vereint. Judo bedeutet so viel wie „der sanfte Weg“, weil der Kämpfer nachgeben können muss.
Noch heute wollen viele Schulen, dass Schüler in einer Sportgruppe sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte man aus Judo mehr einen Sport. Man vermied Bewegungen, mit denen man den Gegner wirklich verletzen kann. Darum wird beim Judo nicht mehr geschlagen oder getreten.
Bei Judo-Wettkämpfen wirft oder drückt man den Gegner auf den Boden. Wichtig sind dafür gekonnte Griffe und die Art, wie man die Füße bewegt. Man lernt zum Beispiel, den Gegner gut festzuhalten. Dabei kommt man dem Gegner sehr nahe: Judo ist also ein Kontaktsport wie das Ringen.
Man sagt jetzt vor allem: Mit Judo verbessert man seinen Körper, aber auch den Geist. Man soll besser denken und fühlen können. Der Judo-Kämpfer soll lernen, zu helfen und seinen Körper und seinen Geist gut zu verwenden. Den Gegner behandelt man mit Respekt.
Judo bei den Olympischen Spielen
Bei den Olympischen Spielen in Tokio, 1964, war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen. Bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964 war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen. Der aus Köln stammende Wolfgang Hofmann gewann als erster Deutscher eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen.
Seit den Olympischen Spielen 1972 in München gehört Judo beständig zum olympischen Programm. War Judo zunächst eine Männerdomäne, so wurde 1988 Frauen-Judo bei den Olympischen Spielen in Seoul als Demonstrationswettbewerb vorgestellt. Seit den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 ist auch Frauen-Judo im olympischen Programm.
Judo bei den Paralympics
Im Jahre 1988 war Judo erstmals bei den Paralympics in Seoul mit dabei. Seit 2004 in Athen gibt es auch Frauen-Judo im Programm der Sommer-Paralympics. Judo wird bei diesen Spielen von Blinden und Menschen mit geringem Sehvermögen praktiziert. Die paralympischen Athleten folgen denselben Regeln wie die Nichtbehinderten.
Graduierungen im Judo
Traditionell tragen Judoka eine knöchellange weiße Baumwollhose (Zubon) und darüber eine halblange weiße Jacke (Uwagi) aus Baumwolle, die durch einen farbigen Gürtel (Obi) zusammengehalten wird (Judo-Gi). Um in Wettkämpfen die beiden Kontrahenten besser unterscheiden zu können, trägt bei internationalen Meisterschaften ein Judoka einen blauen Judogi.
An der Gürtelfarbe kann man den Ausbildungsstand eines Judoka erkennen. Es gibt die Schüler- und Meistergrade. Der Prüfling demonstriert dabei Fallübungen, Stand- und Bodentechniken, die nach Höhe der Graduierung immer schwieriger werden.
Hier ist eine Übersicht über die Schülergrade (Kyu) im Judo:
- 9. Kyu: Weiß
- 8. Kyu: Weiß-Gelb
- 7. Kyu: Gelb
- 6. Kyu: Gelb-Orange
- 5. Kyu: Orange
- 4. Kyu: Orange-Grün
- 3. Kyu: Grün
- 2. Kyu: Blau
- 1. Kyu: Braun
Die Meistergrade (Dan) werden durch schwarze Gürtel dargestellt, wobei höhere Dan-Grade besondere Kennzeichnungen haben können:
- 1. bis 5. Dan: Schwarz
- 6. bis 8. Dan: Rot-Weiß
- 9. und 10. Dan: Rot
