Arten von Karate: Eine umfassende Übersicht

Karate heißt wörtlich übersetzt „Leere Hand“. Die Geschichte des Karate lässt sich bis ins Okinawa des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Karate von Japan aus zu einer der populärsten Kampfsportarten neben Judo und Jiu-Jitsu.

In Bezug auf die verschiedenen Karate-Arten gibt es viele verschiedene Stile, die auf verschiedene Weise trainiert werden. Jeder Stil hat seine eigene Philosophie, Techniken und Schwerpunkte.

Die vier großen Stilrichtungen im Karate

Es gibt im Karate vier große Stilrichtungen, nämlich Goju-Ryu, Shotokan, Shito-Ryu und Wado-Ryu. Die Stilrichtungen Shotokan, Wado-Ryu, Goju-Ryu und Shito-Ryu sind von der WKF und der EKF anerkannt. Aufgrund ihrer historischen Gründungsrechte haben die Stilrichtungen Shotokan, Wado-Ryu und Goju-Ryu ein Veto-Recht in der Bundesversammlung.

Shotokan

Gegründet von Gichin Funakoshi, dem Okinawa-Meister, der Karate im Jahr 1922 nach Japan einführte. Shoto war das Pseudonym von Funakoshi und in seinem späteren Leben nannten ältere Schüler ihr Dojo Shotokan (wörtlich das Haus des Shoto oder Funakoshi). Als Meister des Shuri-Te-Systems war er mit dem Konzept des Dō im Karate vertraut, und er sicherte dadurch die Akzeptanz im Rahmen des modernen japanischen Lebens. Shotokan zählt zu den vier größten japanischen Seit neuerer Zeit auch von der SKI (Shotokan Karate International, Hirokazu Kanazawa) vertreten und in vielen Verbänden außerhalb Japans vor allem in Europa verbreitet.

Shotokan ist vor allem wegen der Schnelligkeit der Schläge und Tritte bekannt. Außerdem darf man bei Shotokan nicht hart zuschlagen/bei den jüngeren darf man gar nicht berühren sondern muss kurz davor abbremsen. Shotokan = Ist eher auf weite Distanz einzusetzen. Das Ziel ist der sog. One Punch Knockout. Die Katas sind relativ einfach zu merken und lassen sich in einem meist sehr umfangreichen Kumite anwenden. Wenn es um Techniken geht, ist Shotokan eher simpel gehalten.

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Goju-Ryu

Chojun Miyagi, ein Schüler Higashionnas, gründete den Stil Ende der zwanziger Jahre auf Okinawa. 1933 wurde das Goju vom Butokukai auch als japanischer Karatestil anerkannt. Fortgeschrittene Ausbilder des Shukokai sind bzw. wurde gegründet von Chojun Miyagi (1888-1953). Goju wurde aus dem Naha-Te von Kanryo Higaonna entwickelt und spiegelt einen großen Einfluss der südchinesischen inneren Künste wieder.

Das System enthält verschiedene Kata, die für die beiden Elemente „hart“ (go) und „weich“ (ju) stehen und oftmals auf kraftvoller Atmung (Ibuki) basieren. Heute wird der Stil in drei Abteilungen vertreten: auf Okinawa durch Anichi Miyagi und Morio Higaonna, in Japan durch Gogen Yamaguchi und in den USA durch Peter Urban. Goju ryu = kommt aus Okinawa und legt einen deutlichen größeren Fokus auf die praktische Anwendung der Technik, als andere ryuha . Gojuryu ist zur Selbstverteidigung gedacht und nicht für Turniere . Du lernst dort alle möglichen Techniken (Grappling, Takedowns, Hebel etc.). Wichtig ist zu wissen, dass Goju Ryu für den Kampf auf kurze Distanz gedacht ist. Die Kicks sind eher tief und die Bewegungen sind allgemein weniger akrobatisch, als zb.

Shito-Ryu

Gegründet von Kenwa Mabuni als eine Synthese aus Naha-Te und Shuri-Te ist Shito-Ryu nach den chinesischen Schriftzeichen der beiden Lehrer Mabunis, Itosu und Higaonna, benannt. Ein 1939 in Japan gegründeter traditionsbewußter Mischstil aus dem okinawanischen Shorin- und Shorei-Ryu, in dem Kenwa Mabuni die Lehren seiner beiden Meister, Higashionna und Itosu, vereinigte („Shito“ enthält Schriftzeichen aus den Namen beider Meister). Das Shito-Ryu System enthält Katas von allen drei ursprünglichen Okinawa-Systemen, Shuri-Te, Naha-Te und Tomari-Te.

Es gibt eine Reihe von wichtigen Zweigen des Shito-Ryu, die wichtigsten sind Shukokai - Tani, Seikikai - Watanabe, Itosukai - Sakagami, Shitokai - Iwata, Renbukan - Sotokawa, Shito-Ryu - Kenei Mabuni und Hyashi-ha - S. Shito ryu= ist der Karate Stil mit den meisten Katas, was für eine Menge Vorlagen für Techniken sorgt.

Wado-Ryu

„Der Weg des Friedens“ - japanischer Stil von Hironori Otsuka, einem Schüler Funakoshis. Er gilt als einer der vier großen japanischen Karatestile und basiert auf einem energieökonomischen Bewegungsprinzip. Gegründet von Honorio Ohtsuka (1892-1982). Vor seinem Engagement im Karate war Ohtsuka ein fortgeschrittener Vertreter des Ju-Jutsu im Kodokan (Dojo des Kano Jigero, Gründer des Judo).

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Häufige Ausweichtechniken sind stets verbunden mit gleichzeitigen Angriffen auf Vitalpunkte, die Ausführung der Kata zeichnet sich kurze Stellungen sowie durch Geradlinigkeit und Leichtigkeit aus. Wado ryu = Ist besonders, da die Bewegungen eine Synthese aus Okinawa Karate und Yoshin ryu JuJutsu darstellen. Theoretisch lernt man dort das volle Spektrum an Techniken. Leider ist es so, dass es nur wenige Wado ryu Lehrer gibt, die Wado ryu in seiner ursprünglichen Form lehren.

Weitere Karate Stile und Systeme

  • Kyokushin-Kai: Ein moderner japanischer Wettkampfstil von Masutatsu Oyama, einem Schüler Funakoshis (Shotokan) und Nei-Chu Sos (Goju-Ryu).
  • Shorin-Ryu: Im späten 19. Jhd. wurden die Stile Shuri-Te und Tomari-Te vereinigt und bekannt als Shorin-Ryu.
  • Uechi-Ryu: Ein okinawanischer Stil, der Shorei- und Shorin-Prinzipien kombiniert und in den fünfziger Jahren von Tatsuo Shimabukuro gegründet wurde.

Allgemeine Aspekte des Karate

Alle Stile haben einen „Sensei“ - einen Lehrer -, sowie einen „Senpai“ und „Kohai“ - die Schüler - gemein. Jedes Karatetraining beginnt und endet traditionell mit einer kurzen Meditation, welche die Weglehre des Karate preisen soll. Ebenso wird traditionell eine rituelle Begrüßungszeremonie abgehalten.

Im Karate ist man sozusagen festverwurzelt. Die Techniken zielen immer darauf ab, eine korrekte Verbindung zwischen Boden und Füßen herzustellen. Auf den richtigen Einsatz der Fußgelenke, der Knie, der Ober-Unterschenkel und der Hüfte wird für einen stabilen Stand für die Fußtechniken viel wert gelegt. Ebenso kommt es auf den richtigen Einsatz des Oberkörpers, also der Schultern, des Rückens, der Arme und Ellbogen an.

„Kata“ bedeutet im Karate die Ausführung von Einzeltechniken. Technik, Stand, Blickrichtung, Atmung und die Position im Raum sind einige Aspekte unter deren Betrachtung eine Kata gelehrt, gelernt und ausgeführt wird.

Im Karate wird eine uniforme Trainingskleidung verwendet. Das sogenannte „Karate-Gi“ besteht aus einer einfachen, an der Hüfte geschnürten weißen Hose (Zubon) und einer Jacke (Uwagi). Außerdem wurde aus dem Judo eine Graduierung übernommen, die sich durch farbige Gürtel unterscheidet.

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Gürtelgrade im Karate

Die Schülergrade bezeichnet man als „kyu“. Sie sind weiß, gelb, orange, grün, blau/violett und braun. Es gibt jedoch auch andere Karate-Stile, die verschiedene Gürtelfarben verwenden oder Gürtelsysteme mit mehr oder weniger Gürtelgraden haben.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Erwerb eines höheren Karate-Gürtels nicht nur auf die Dauer des Trainings oder die technischen Fähigkeiten beschränkt ist.

Unterschiede zwischen den Stilen

Es gibt aber keinen "besseren" oder "schlechteren" Karatestil, sondern lediglich gewisse Unterschiede in der technischen Ausführung. Ich empfehle immer ein Probetraining, vollkommen unabhängig von der Stilrichtung. Gefällt dir der Unterricht, dann triff einfach die richtige Entscheidung.

Das kann man in dieser Form eigentlich nicht so stehen lassen, denn kein Karate-Stil zeichnet sich durch mehr oder weniger Kumite- oder Kata-Anteile aus. Das dürften dann eher persönliche Vorlieben des Lehrers sein. Klar, denn hast du vielleicht einen Kata-Spezialisten als Übungsleiter, dann wird er sicherlich seinen Unterrichtsschwerpunkt auf Kata legen. Hast du dagegen einen früheren Freikampf-Spezi als Lehrer, dann sieht es wieder anders aus. Das ist aber keine Frage der Stilrichtung.

Grundsätzlich und vollkommen unabhängig vom Stil sollte Karateunterricht immer "gerecht" gedrittelt werden, also Kumite, Kata und Kihon (= Grundschule). Werden vorwiegend Kata unterrichtet, werden die Schüler oft exzellente Techniker, doch nützt ihnen dies in Kampfsituationen nur bedingt, weil sie das wichtige Timing und Anwendungsformen kaum gelernt haben. Wird umgekehrt zuviel Wert auf reines Kämpfen gelegt, beschränken sich die Bewegungen der Schüler irgendwann nur noch auf Schmalspur-Niveau, (also Kizami-Zuki plus Mae-Geri - überspitzt dargestellt), während die ganze Bewegungsvielfalt des Karate unbeachtet bliebe.