Die Abkürzung “RLS” bedeutet Restless Legs Syndrom - übersetzt: Erkrankung der unruhigen, ruhe- oder rastlosen Beine. Das Restless-Legs-Syndrom (zu Deutsch: das Syndrom der ruhelosen Beine) ist eine Erkrankung des Nervensystems. Bis zu 10 von 100 Menschen sind daran erkrankt.
Was ist das Restless Legs Syndrom?
Das Restless Legs Syndrom (RLS) ist in westlichen Industrieländern mit einer Verbreitung von ca. 10% in der Bevölkerung eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, von den Betroffenen sind 3-4% therapiebedürftig. Frauen sind häufiger als Männer betroffen.
Symptome des Restless Legs Syndroms
Das RLS ist charakterisiert durch einen Bewegungsdrang der Beine, der meist von unangenehmen Missempfindungen ausgelöst oder begleitet wird. Die Missempfindungen werden von den Betroffenen als Ziehen, Stechen, Kribbeln, Ameisenlaufen, Druckgefühl, Elektrisieren, Reißen, Krämpfe/ krampfartiges Ziehen, einschießender oder quälender Schmerz oder brennende Missempfindungen geschildert. Auch kann ein RLS nicht nur an Beinen oder Armen, sondern auch in anderen Körperregionen wie dem Rücken oder im Genitalbereich auftreten. Die Beschwerden können beidseitig oder auch abwechselnd im linken oder rechten Bein auftreten.
Einige Erscheinungen weisen auf das Restless-Legs-Syndrom hin:
- Ausgeprägte und unkontrollierbare Bewegungsunruhe
- Missempfindungen in den Gliedmaßen, wie zum Beispiel Brennen, Ziehen oder Stechen
- Verschlimmerung des Bewegungsdrangs bei Ruhepositionen wie Liegen oder Sitzen
- Beschwerden nehmen abends und nachts zu
- Bei Bewegung vermindern sich der Bewegungsdrang und die Missempfindungen
Die Kriterien, die für die Diagnose eines RLS erfüllt sein müssen, sind:
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- Bewegungsdrang der Gliedmaßen (Beine/Arme), verbunden mit unangenehmen Missempfindungen.
- Verschlechterung der Beschwerden bei Ruhe (Liegen und Sitzen).
- Teilweise oder vollständige Besserung durch Bewegung (Laufen oder Dehnen).
- Die Symptome sind abends oder nachts deutlich ausgeprägter.
Schmerzen werden neben den Missempfindungen in den Gliedmaßen, Schlafstörungen und Bewegungsdrang von RLS-PatientINNen an vierter Stelle der am meisten beeinträchtigenden Symptome genannt. Die Behandlung von Schmerzen hat daher einen hohen Stellenwert. Es sollte bei PatientINNen mit chronischem Schmerz auch an ein RLS als mögliche Ursache des Schmerzes gedacht werden.
Die Beschwerden behindern sowohl das Einschlafen als auch das Durchschlafen. Schlafmangel und Tagesmüdigkeit sind die Folgen. Weil stilles Sitzen für Betroffene kaum möglich ist, werden Aktivitäten wie Kino- oder Theaterbesuche, Einladungen oder Reisen immer weiter eingeschränkt.
Nicht selten werden bei RLS-Patienten auch Angststörungen und/oder Depressionen diagnostiziert. Ob es sich bei dieser Patientengruppe dann um einen ursächlichen Zusammenhang handelt oder diese vielmehr die Folgen chronischer Schlafstörungen oder der massiv eingeschränkten Lebensqualität sind, ist derzeit nicht geklärt.
Diagnose des Restless Legs Syndroms
Oft wird ein Restless-Legs-Syndrom erst spät erkannt, denn es gibt keine Laborwerte oder Röntgen-Befunde, die die Diagnose eindeutig absichern. Die ausführliche Anamnese ist am wichtigsten, wobei die typischen Beschwerden abgefragt werden. Die ärztliche Leitlinie nennt dabei auch einen zwanghaften Bewegungsdrang.
Diagnostisch auszuschließen sind u.a. Muskelerkrankungen, Muskelkrämpfe, Gelenkentzündungen, Fehlstellungen der Gelenke, Gefäßerkrankungen, Störung oder Erkrankungen von Nerven, Fußwippen als Gewohnheit oder die Nebenwirkung von Medikamenten sowie Depression und Angsterkrankungen. Neben einer klinisch-neurologischen Untersuchung sollte unter Umständen eine Messung der Nervenleit-geschwindigkeit sowie eine Muskeluntersuchung erfolgen.
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Zusätzlich können noch vier weitere Kriterien die Diagnose eines RLS unterstützen, müssen aber nicht zwingend vorhanden sein:
- Ansprechen auf dopaminerge Therapie (z.B. 50 % Verbesserung der RLS-Beschwerden im L-DOPA Test).
- Positive Familienanamnese.
- Nachweis von periodischen (wiederkehrenden) Beinbewegungen während des Schlafes in einem Schlaflabor (Polysomnographie).
- Fehlen einer ausgeprägten Tagesschläfrigkeit, obwohl von Ein- und Durchschlafstörungen betroffen.
Eine Einstufung des Schweregrades der RLS-Symptomatik kann dabei anhand der von der International Restless Legs Study Group (IRLSSG) herausgebrachten Schweregradskala mit 10 Fragen und maximal 40 Punkten erfolgen:
| Punkte | Schweregrad |
|---|---|
| 1-10 Punkte | leichtgradiges RLS |
| 11-20 Punkte | mittelgradiges RLS |
| 21-30 Punkte | schwergradiges RLS |
| 31-40 Punkte | sehr schwergradiges RLS |
Ursachen des Restless Legs Syndroms
Die Ursachen für die Entstehung des Restless-Legs-Syndroms sind nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass es sich beim Restless-Legs-Syndrom in erster Linie um eine Störung des Botenstoffwechsels im Gehirn handelt: Der Botenstoff Dopamin wird dabei entweder nicht ausreichend produziert oder vom Nervensystem nicht richtig verwertet. Der Eisenstoffwechsel spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
Wichtige Faktoren sind nach heutigem Wissenstand:
- Ein gestörter Eisenstoffwechsel im Gehirn.
- Mangel am Botenstoff Dopamin im Gehirn.
- Genetische Belastung.
Diskutiert wird z.B. eine gestörte Informationsübermittlung im Nervensystem. Die „unruhigen Beine“ können aber auch begleitend (sekundäres RLS) auftreten, z.B. in Folge eines Eisen- oder Vitamin-B12-Mangels, bei Diabetes oder Morbus Parkinson, Bandscheibenerkrankungen, Rheumatoider Arthritis, Schilddrüsenfunktionsstörungen, einer schweren Funktionsstörung der Nieren oder (dann meist vorübergehend) während einer Schwangerschaft.
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Allerdings gibt es keinen eindeutigen Blutwert, kein Röntgenbild oder anderen sicheren Befund, der das Restless-Legs-Syndrom „beweist“. Somit wird ein RLS anhand der klassischen Symptome und dem Ausschluss anderer Erkrankungen diagnostiziert.
Behandlungsmöglichkeiten
Bei einem RLS kann man nur versuchen, die Beschwerden zu lindern und damit die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Ist das RLS die Folge einer bekannten Krankheit, können durch die Behandlung der Begleiterkrankung die RLS-Beschwerden ganz aufhören.
Nicht immer ist zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms eine medikamentöse Therapie notwendig. Ob eine medikamentöse Behandlung erfolgt, richtet sich nach Schwere und Häufigkeit des Auftretens der Beschwerden. Bei leichten Beschwerden reicht eine Änderung der Lebensgewohnheiten aus. Hierzu zählen vor allem das Einhalten einer guten Schlafhygiene mit regelmäßigen Schlafzeiten sowie eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von Alkohol und Nikotin.
Wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen keine Linderung bringen, sollte eine medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden.
Medikamentöse Behandlung
Eine medikamentöse Behandlung ist erst dann sinnvoll, wenn der Patient sich durch die Symptome beeinträchtigt fühlt. Wenn man z.B. durch die damit verbundene Schlafstörung den Alltag nicht mehr meistern kann. Abhängig von der Schwere der Symptomatik, der zeitlichen Verteilung der Beschwerden und von vorbestehenden medikamentösen Nebenwirkungen ist zwischen einer Therapie mit Dopaminagonisten, Opioiden oder Medikamente zur Behandlung von neuropathischen Beschwerden wie Gabapentin oder Pregabalin abzuwägen.
Zur Behandlung des RLS sollte in Abhängigkeit von den Blutwerten zunächst Eisen eingesetzt werden. Auch bei einer Verschlechterung des RLS im Behandlungsverlauf oder bei einer Augmentation sollte eine Eisengabe erneut erwogen werden. Die Behandlung mit dopaminergen Medikamenten ist die Therapie erster Wahl (sogenanntes First Line Treatment).
Die zur Behandlung von RLS in Deutschland zugelassenen Non-Ergot-Dopaminagonisten Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin sind die Medikation erster Wahl. Die Behandlung mit L-DOPA ist wegen der hohen Augmentationsraten nicht mehr zeitgemäß.
Die Behandlung eines RLS mit Opioiden ist die Therapie zweiter Wahl (sogenanntes Second Line Treatment). Darüber hinaus können auch Medikamente zur Therapie einer Epilepsie bei der Behandlung eines RLS zum Einsatz kommen. Hierzu zählen zum Beispiel Gabapentin und Pregabalin (Lyrica®), die sich auch bei der Behandlung von Nervenschmerzen (Neuropathien) als wirksam erwiesen haben.
Medikamente wie Antidepressiva, Neuroleptika, Antihistaminika und Metoclopramid (Magenmittel) müssen, sofern medizinisch vertretbar, abgesetzt werden, da diese ggf. ein RLS auslösen oder verstärken können.
Es ist wichtig zu beachten, dass verschiedene Arzneimittel ein RLS verstärken oder sogar neu auslösen können. Dies gilt etwa für verschiedene trizyklische Antidepressiva sowie für SSRI-Antidepressiva. Bitte sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn Sie Antidepressiva oder andere Medikamente einnehmen und eine Zunahme oder das erstmalige Auftreten von RLS-Symptomen bemerken.
Behandlung bei Schmerz
Schmerzen, die nicht frühzeitig mitbehandelt werden, können im Rahmen einer zunehmenden Sensibilisierung von am Schmerz beteiligten Nerven auch zu einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit (Herabsetzung der Schmerzschwelle) führen. Wichtig ist es daher, die Schmerztherapie frühzeitig einzusetzen, bevor es zur Ausbildung von chronifizierten Schmerzen kommt.
Zu einer guten und wirksamen Schmerztherapie beim RLS gehört ein umfassendes Konzept, das neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Therapien berücksichtigt. Schmerzmediziner sprechen hier von einer „multimodalen“ Schmerztherapie. Sollte es unter nicht-opiathaltigen Schmerzmitteln zu keiner deutlichen Linderung kommen, können bei einzelnen PatientINNen, nach strenger Abwägung, auch Opioide eingesetzt werden.
Ergänzende Therapiemöglichkeiten
Als nicht-medikamentöse Optionen für die RLS-Behandlung ist zunächst die Einhaltung einer guten Schlafhygiene mit regelmäßigen Bettzeiten und das Vermeiden von Schlafentzug durch Nachtschichtarbeiten wichtig. Zur unmittelbaren Symptomlinderung können physikalische Maßnahmen wie Massage, kühlende Gele oder Bäder angewendet werden.
Auch eine regelmäßige moderate körperliche Aktivität kann sich positiv auswirken, sportliche Aktivität mit Beinarbeit sollte jedoch in den Morgenstunden erfolgen, da viele PatientINNen nach Joggen oder ausgedehntem Wandern sowie nach Gartenarbeit am Nachmittag oder Abend dann nachts verstärkte RLS-Beschwerden haben. Auch eine gedankliche Ablenkung durch geliebte Hobbys wie z.B. Bastelarbeiten, Spielen, Lesen kann die Symptome erträglicher machen.
Manche Patienten machen gute Erfahrungen mit kalten (in einigen Fällen auch warmen) Güssen, Wechselduschen, kalten oder warmen Wickeln wie sie z.B. in der Kneipp-Therapie seit langem erfolgreich anwendet werden. Regelmäßige Bewegung und ein leichtes körperliches Training - auch ein abendlicher Spaziergang vor dem Schlafengehen - können in einigen Fällen langfristig die Symptome lindern.
Eine ausgewogene Ernährung mit vielen frischen, wenig verarbeiteten, saisonalen und regionalen Lebensmitteln kann ebenfalls positive Effekte erzielen - die enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe können u. U. z.B. die Aufnahme von Eisen ins Blut verbessern, die Muskulatur entspannen, Krämpfen vorbeugen und die Nerven stärken.
Selbsthilfe
Viele RLS-PatientINNen haben einen langen Leidensweg hinter sich, deshalb bilden gerade die heimatnahen Selbsthilfegruppen von der Deutschen Restless Legs Vereinigung (RLS e.V.) ein gutes Forum, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.
