Der neue Kinofilm "The Iron Claw" erzählt die Tragödie der texanischen Familie von Erich. Doch der Aufstieg und Fall von World Class Championship Wrestling ist noch schockierender, als Hollywood zeigt. Dallas im US-Bundesstaat Texas war ein paar Jahre lang die heißeste Adresse im Wrestlingsport.
Viele Dinge, die heute bei RAW, SmackDown oder Dynamite zu sehen sind, fanden ihren Ursprung bei World Class Championship Wrestling rund um die Von Erichs. Doch auch keine andere Familie hatte in derart kurzer Zeit mit so vielen Tragödien und Todesfällen zu kämpfen. Power-Wrestling.de blickt auf die Geschehnisse rund um die Familie Von Erich und World Class zurück.
Im selben Monat sorgt der Turn der Fabulous Freebirds gegen die Von Erich Brüder bei World Class Championship Wrestling in Texas für Furore. Doch nicht nur die lokalen Wrestlingfans warten gebannt auf die Fortsetzung der erbitterten Fehde. Die jungen Von Erichs werden bald auch außerhalb der Bundesstaats- und Landesgrenzen bewundert werden.
Die wahre Geschichte hinter dem Ruhm
Dies ist die wahre Geschichte von Kevin, David, Kerry, Mike und Chris Von Erich. Die Geschichte von World Class Championship Wrestling - und dem Fluch von Texas.
Die texanischen Brüder David, Mike, Chris und Kerry von Erich waren Teil der populärsten Wrestling-Familie der USA - und starben allesamt viel zu früh.
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- David von Erich, gestorben mit 25 Jahren.
- Kerry von Erich, tot mit 33.
- Mike von Erich, mit 23.
- Chris von Erich, gestorben 18 Tage vor seinem 22. Geburtstag.
Vier der sechs Söhne des Patriarchen Fritz von Erich fanden innerhalb von neun Jahren nacheinander tragisch früh den Tod. Ein fünfter Von-Erich-Spross war schon als Kind tödlich verunglückt.
Die Wrestling-Welt der 80er
Anfang der Achtziger gab es drei große Wrestlingverbände in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie unterschieden sich zum Teil diametral. Die World Wrestling Federation von Vince McMahon operierte von New York aus und konzentrierte sich vornehmlich auf den Nordosten. In Minnesota war die American Wrestling Association von Verne Gagne beheimatet.
Die National Wrestling Alliance war ein Dachverband vieler regionaler Promoter mit einem reisenden World Heavyweight Champion, der von Territorium zu Territorium zog. Eines dieser in ganz Nordamerika verbreiteten Territorien befand sich in Dallas im US-Bundesstaat Texas. Geleitet wurde diese Region seit den späten Sechzigern von Jack Adkisson. Doch die Wrestlingwelt kannte ihn nur unter dem Namen Fritz Von Erich.
Fritz Von Erich: Vom Bösewicht zum texanischen Helden
Obwohl er selbst nie den NWA World Title halten durfte, zählte Fritz in der Rolle des bösen Nazis Ende der 50er- und 60er-Jahre zu den bekanntesten und meistgehassten Wrestlern des Landes. Sein Finishing Move, die eiserne Kralle, sorgte allerorts für Furcht und Respekt. Oft machte er auch mit seinem (unechten) „deutschen Bruder“ Waldo Von Erich die Ringe unsicher.
Doch gegen Ende seiner Karriere veränderte Fritz sein Gimmick. Aus dem verhassten Deutschen wurde ein beliebter texanischer Held. Zwischenzeitlich fungierte dieser sogar als Präsident der National Wrestling Alliance.
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Tragödien im Hause Von Erich
1959 bescherte ihm das Schicksal die erste Tragödie. Der älteste Sohn von Fritz und Ehefrau Doris, Jack Jr., genannt Jackie, verstarb aufgrund eines Stromunfalls im Alter von nur sechs Jahren. Die beiden sollten noch fünf weitere Söhne bekommen: Kevin, David, Kerry, Mike und Chris. Der Vater verlangte von seinen Söhnen bereits in jungen Jahren sportliche Höchstleistungen. Zumeist konnten sie diese in der Lake Dallas Highschool auch erbringen.
Als erfahrener Wrestler und Promoter hatte Fritz von Anfang an große Pläne für all seine Söhne in der Schublade. Bereits während deren Highschool Zeit stellte er die Jungs auf den großen NWA Conventions diversen Promotern als zukünftige Superstars und World Champions vor. Er sorgte dafür, dass seine Söhne immer im Gespräch blieben und auch in den damals enorm wichtigen Wrestling-Magazinen Erwähnung fanden. Und das, bevor auch nur ein einziger von ihnen je einen Fuß in einen Ring setzte.
World Class Championship Wrestling: Eine Revolution im Wrestling
In den frühen Achtzigern vollzog sich im Dallas-Territorium eine wrestlingtechnische Revolution. Die lokale Fernsehstation suchte eine Sendung, die regelmäßig hohe Einschaltquoten erzielen würde. Pro Wrestling war immer ein Garant für diese - wenn auch die bald folgenden Ausmaße zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnt werden konnten.
Die neue Show mit dem Titel World Class Championship Wrestling ging zum ersten Mal am 15. November 1981 auf Sendung. Aufgezeichnet wurden die Kämpfe im berühmten Sportatorium von Dallas. WCCW war auf viele Weise neuartig. Etliche der damals erstmals eingeführten, revolutionären Neuerungen gehören heute zum TV-Standard.
Innovationen im Wrestling-TV
- Moderne Kameraperspektiven
- Nahaufnahmen
- Bis zu sechs Kameras
- Instant Replay und Zeitlupen
- Populäre Rocksongs als Einzugsmusiken
- Kurze Matches
- Videoeinspielungen über die Wrestler
Die Ähnlichkeit zu Monday Night RAW und Co. ist klar ersichtlich und alles andere als zufällig. Sports Entertainment der Neuzeit ist in vieler Hinsicht eine Weiterentwicklung der damaligen World-Class-Sendungen.
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Die Von Erichs: Publikumsmagneten in Texas
Mit Kevin, David und Kerry Adkisson, die allesamt den Gimmick-Nachnamen und die Iron Claw ihres Vaters übernahmen, hatte die Promotion drei junge Publikumsmagneten, die vor allem junge Frauen in die Hallen lockten. Sie träumten von Beziehungen mit den Jungs, während die männlichen Fans selbst wie die Von Erichs sein wollten. Der Hype um John Cena oder Cody Rhodes ist gar nichts verglichen mit der Popularität und dem Status der Von-Erich-Brüder im Texas der frühen 80er-Jahre. Selbst die nachweislich nicht gerade zurückhaltenden Rockstars der damaligen Zeit schauten mitunter neidisch in den „Lone Star State“.
Vor den Kameras verkörperten die Von Erichs das perfekte Saubermann-Image. Sie hatten (offiziell) keine Freundinnen, Frauen oder Kinder, gingen regelmäßig in die Kirche und halfen älteren Frauen über die Straße. An ihrer Seite standen unter anderem von „Iceman“ King Parsons und „Gentleman“ Chris Adams aus Großbritannien. Ein immer wieder gerne gesehener Gast war Bruiser Brody. Auf der Gegenseite fand man mit den Fabulous Freebirds, bestehend aus Michael „P.S.“ Hayes, Terry „Bam Bam“ Gordy und Buddy „Jack“ Roberts, die perfekten Rivalen für die Von Erichs.
Die Fehde gegen die Fabulous Freebirds
Die jungen Südstaatenrocker verkörperten all das, was die Brüder vor den Kameras nicht sein wollten oder durften. Trotzdem wurden sie oft von den Fans bejubelt - solange sie nicht David, Kerry und Kevin gegenüberstanden. Unterstützung erhielten die Freebirds zeitweise von „Gorgeous“ Jimmy Garvin und dessen Valet Sunshine (später durch Precious ersetzt). Andere Bösewichter fanden sich im Stable der Devastation Incorporated mit immer wieder wechselnden Mitgliedern unter der Leitung von Skandor Akbar ein. Ein wichtiger Teil der Shows war auch der NWA World Champion Ric Flair, der immer wieder hereinschaute, um sich mit allen drei Brüdern zu messen. Mike Von Erich stieß wenig später übrigens als vierter Bruder hinzu. Er stand aber meistens im Schatten der anderen.
Der Aufstieg von World Class Championship Wrestling
Obwohl die Erfolge seit Anbeginn der Show passabel waren, schossen die Quoten erst nach Christmas Star Wars, das nichts mit der Filmserie von George Lucas gemein hat, am 25. Dezember 1982 so richtig in die Höhe. In einem No-DQ-Käfigmatch zwischen Kerry Von Erich und Champion Ric Flair schlug Special Guest Referee Michael Hayes dem Texaner die Käfigtüre gegen den Kopf. Die berühmte Fehde der Von Erichs gegen die Freebirds war gestartet. Die Zuschauerzahlen in den Hallen und vor den TV-Schirmen explodierten förmlich.
World Class Championship Wrestling wurde bald nicht nur in Texas, sondern in der ganzen Welt gesehen. Andere lokale Sender hörten von den Erfolgen und kauften die Videobänder für eine eigene Ausstrahlung ein. Unter anderem verzeichnete die Show sogar in Boston, Massachusetts, bessere Quoten als die World Wrestling Federation. Der Bundesstaat war und ist bis heute ein traditionell wichtiger Markt für die von den McMahons geleitete Promotion.
Besonders beliebt waren die Von Erichs auch in Israel. Bei einer damals durchgeführten Umfrage der beliebtesten TV-Persönlichkeiten des Landes fanden sich die drei Brüder auf Platz eins bis drei. An vierter Stelle rangierte Bill Mercer, der Kommentator von World Class. Zu Spitzenzeiten wurde die Sendung von 85 TV-Stationen in 25 Ländern ausgestrahlt.
Dunkle Schatten hinter dem Erfolg
1983 war ein hervorragendes Jahr für die Promotion. Doch hinter den Kulissen machten immer wieder Meldungen von Drogeneskapaden die Runde. Im Juni wurde Kerry bei der Rückkehr aus seinen Flitterwochen am Flughafen verhaftet. Die Beamten fanden allerlei illegale Tabletten bei ihm. Doch in den Zeitungen fand der Vorfall kaum bis gar keine Beachtung.
In der Zeit vor dem Internet und offener Wrestling-Magazine konnte man Vorfälle dieser Art hervorragend unter den Tisch kehren. Die Auflage der Inside-Newsletter, wie etwa dem Wrestling Observer, war nur sehr klein. Fritz wollte auf keinen Fall, dass das perfekte Image seiner Söhne auch nur irgendeinen Kratzer erhielt. Doch zumindest die Promoter und Kollegen wussten, dass die Von Erichs illegalen Drogen gegenüber alles andere als abgeneigt waren.
Der Tod von David Von Erich
Am 10. Februar 1984 bescherte das Schicksal Fans, Kollegen und Verwandten einen schweren Schlag. David, der sich gerade auf einer Wrestlingtour in Japan befand, wurde tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Im Alter von nur 25 Jahren. Als offizielle Todesursache gab man eine akute Enteritis (Darmentzündung) bekannt.
Doch nicht wenige zweifeln bis heute an dieser Tatsache. Unter ihnen auch Ric Flair, der in seinem Buch „To Be The Man“ schreibt: „Jeder im Wrestling glaubt, dass David an einer Überdosis starb und Bruiser Brody (ein enger Freund der Von Erichs; Anm. d. Red.) eine Menge Pillen die Toilette wegspülte, bevor die Polizei ankam.“
Die gesamte Wrestlingwelt war vom Verlust des Jungstars schwer getroffen. Zum Begräbnis in Texas erschienen einige Tausend Trauergäste. Doch getreu dem Motto „The show must go on“ wurde auch bei World Class nach dem Schock weitergearbeitet. Die erste Sendung nach dem Tod Davids präsentierte sich als Tributshow.
Kerry Von Erichs grösster Erfolg
Zu Ehren von David hielt man am 6. Mai die erste David Von Erich Memorial Parade of Champions im Texas Stadium in Irving, der Heimat des berühmten Footballteams der Dallas Cowboys, ab. 32.123 rekordverdächtige Zuschauer füllten das Stadion. Statt der Nationalhymne gab es eine Live Performance von „Heaven Needed A Champion.“ Ein Lied, das zu Ehren von David geschrieben und natürlich auch an den Fanartikelständen auf Käufer wartete. In der Undercard wurden unter anderem die Freebirds von Mike, Kevin und Fritz, der noch einmal aus dem Ruhestand zurückkehrte, besiegt.
Im Main Event forderte Kerry den World Heavyweight Champion Ric Flair heraus. Bereits in der Vergangenheit hatten sich die beiden einige Klassiker geliefert. Zu Ehren seines Bruders trug Kerry dessen Markenzeichen, eine gelbe Rose, auf seiner Robe. Und tatsächlich: Nach knapp zwölf Minuten konnte Von Erich, der den Beinamen „Modern Day Warrior“ trug, den „Nature Boy“ siegreich schultern. Unter ohrenbetäubendem Lärm und vielen Tränen in den Zuschauerreihen wurde Kerry mit 24 Jahren zum jüngsten NWA World Champion aller Zeiten gekrönt. World Class Championship Wrestling befand sich auf dem absoluten Höhepunkt.
Drogenprobleme und ein kurzer Titel-Run
Doch bereits vor dem Titelwechsel war dem Board der National Wrestling Alliance klar, dass Kerry kein langfristiger Champion war - obwohl er auf den ersten Blick alle Voraussetzungen mitbrachte. Viel zu sehr war das Drogenproblem inzwischen aus den Fugen geraten.
18 Tage nach der Parade der Champions verlor Kerry den NWA World Heavyweight Titel in Japan wieder an Ric Flair. Doch Drogenprobleme hin oder her, das Territorium war populär wie nie zuvor. Die Fans glaubten nach wie vor an das Saubermann-Image der Brüder und füllten die Hallen.
Weitere Schicksalsschläge für die Familie
Infolge mehrerer Verletzungsrückschläge wurde klar, dass sein Traum nicht realistisch war. Chris bekam Depressionen, erschoss sich im September 1991.
Als Texas Tornado feierte er Anfang der Neunziger auch bei WWE Erfolge, nachdem World Class seine Pforten geschlossen hatte. Er hielt kurz den Intercontinental Title der damaligen WWF - trotz eines amputierten Fußes, die Folge eines Motorradunfalls 1986.
Hinter den Kulissen geriet Kerrys Leben aus den Fugen, seine Ehe ging in die Brüche, er hatte Drogenprobleme, Suizidgedanken.
Nachdem er wegen Kokainbesitzes zum wiederholten Male verhaftet wurde und sich auf eine Gefängnisstrafe einstellen musste, erschoss er sich am 18. Februar 1993 auf der väterlichen Ranch.
Das Erbe der Von Erichs
Fritz von Erich starb vier Jahre nach Kerrys Tod an Lungenkrebs, ein gebrochener Mann, spät geschieden von der 2015 verstorbenen Ehefrau Doris, beladen nicht nur vom Tod seiner Söhne, sondern auch von Vorwürfen, sie mitverursacht zu haben.
Der investigative Journalist Irvin Muchnick beschuldigte Fritz von Erich in einer viel beachteten Reportage, er hätte seine Söhne körperlich und seelisch ausgebeutet, sie förmlich in den Tod getrieben.
Nur Kevin, der Zweitälteste (geboren 1959), überlebte seine Eltern, scheint sich von schlechten Einflüssen stets ferngehalten zu haben. Nach seiner Karriere führte er ein skandalfreies Leben als Geschäftsmann und Familienvater von vier Kindern, wohnt heute auf Hawaii.
Kevins Söhne Ross und Marshall - seit Mai 2019 unter Vertrag bei der Liga MLW (Major League Wrestling) - folgten ihm ins Showkampfgeschäft, ebenso wie Kerrys 1986 geborene Tochter Lacey - die sich 2010 aus dem Ring zurückzog und nun eine Werbeagentur in Kalifornien leitet.
"The Iron Claw": Eine filmische Aufarbeitung
WWE kaufte 2006 die Rechte an World Class und betrachtet sich damit auch als Erbe des Von-Erich-Vermächtnisses. 2009 nahm sie die von Erichs in ihre Hall of Fame auf, Kevin nahm die Ehrung stellvertretend auch für seinen Vater und seine Brüder entgegen.
In diesem Jahr soll eine Verfilmung der Tragödie in die Kinos kommen: In „Iron Claw“ spielt Hollywood-Star Zac Efron die Hauptrolle als Kevin, auch mit dabei: Maxwell Jacob „MJF“ Friedman.
Sean Durkins „The Iron Claw“ zeichnet ein tiefgreifendes Porträt der legendären Wrestling-Familie von Erich, die durch Tragödien und Triumphe gleichermaßen geprägt wurde. Der Film greift dabei die realen Ereignisse um den vermeintlichen Familienfluch auf, der alle Brüder bis auf Kevin von Erich tatsächlich hingerafft hat.
Die Todesfälle der Familie Von Erich im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die tragischen Todesfälle der Familie Von Erich zusammen:
| Name | Todesjahr | Alter | Todesursache (offiziell) |
|---|---|---|---|
| Jack Jr. | 1959 | 6 | Stromunfall |
| David Von Erich | 1984 | 25 | Akute Enteritis (Darmentzündung) / Überdosis Drogen (umstritten) |
| Mike Von Erich | 1987 | 23 | Überdosis |
| Chris Von Erich | 1991 | 21 | Suizid |
| Kerry Von Erich | 1993 | 33 | Suizid |
| Fritz Von Erich | 1997 | 68 | Lungenkrebs |
