Für die einen ist Wrestling stumpfe Unterhaltung, für die anderen eine Religion. Wenn es einen Namen gibt, den in der Wrestling-Welt vermutlich jeder kennt, ist es Vince McMahon. Für Vince McMahon war es sein Leben - bis er 2024 nach schweren Vorwürfen von seiner Position als CEO der WWE zurücktreten musste. Wir haben die Details.
Vince McMahon: Aufstieg und Fall eines Wrestling-Imperators
Schon als kleiner Junge ist er fasziniert von der Schaukampf-Sportart. Sein Vater hat in den 1950er-Jahren mit der Gründung eines Wrestlingverbandes den Grundstein für die heutige WWE (Word Wrestling Entertainment) gelegt und seinem Sohn die Leidenschaft vererbt.
"Mein Vater wollte eigentlich, dass ich etwas Vernünftiges lerne und zum Beispiel Anwalt werden", verrät Vince McMahon in einem Interview. Doch er hält an seinem Traum fest und kauft seinem Vater 1983 die (damals noch) WWF ab.
WWE wird zur Nummer 1 im Wrestling
Innerhalb weniger Jahre führt er sie an die Spitze der Liste verschiedenen Verbände und entwickelt sich zum einflussreichsten Menschen in der Wrestlinggeschichte. Neben seinen Aufgaben hinter den Kulissen tritt er selbst in den Ring als skrupelloser Boss "Mr. McMahon" und gewinnt sogar den Weltmeisterschaftstitel der WWE.
Alle berühmten Namen, die wir heute im Wrestling kennen, sind unter der Leitung von McMahon groß geworden. Dwayne "The Rock" Johnson, Hulk Hogan, John Cena, Dave Bautista - sie alle kämpften für die WWE. Vince ist ein Visionär und hat angefangen, den Kämpfen einen Show-Charakter zu verleihen, was sie für die Medien und auch für das Publikum spannender macht. Zudem werden die Fights ab den 80er-Jahren auch im TV ausgestrahlt und können zeitweise mehr Zuschauende vorweisen als die National Football League.
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Vince scheint seine Rolle perfekt zu spielen und sorgt für Faszination - sowohl für ihn als Person als auch für den Sport. Es könnte für den US-Amerikaner nicht besser laufen. Sogar einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame bekommt er im März 2008. Eine große Ehre, die nicht vielen zuteilwird.
Vince McMahon: Skrupelloser Boss vor und hinter den Kulissen
Im Laufe der Jahre werden aber auch kritische Stimmen immer lauter. Der "skrupellose Boss" soll nicht nur eine gespielte Figur sein, sondern auch im wahren Leben den Charakter des Unternehmers widerspiegeln.
Es kommt vermehrt zu Todesfällen von Wrestlern in Folge von Steroid-Missbrauch, der vom Chef persönlich unterstützt worden sein soll. Damit nicht genug, melden sich 2022 mehrere ehemalige Angestellte zu Wort und werfen McMahon sexuelle Gewalt sowie Machtmissbrauch vor. Angeblich soll er vier Frauen Schweigegeld in Höhe von 12 Millionen Dollar gezahlt haben.
Im selben Jahr tritt die umstrittene Wrestling-Ikone zurück und gibt seinen Posten an seine Tochter Stephanie McMahon weiter. Lang hält Vince den Ruhestand allerdings nicht aus und übernimmt 2023 die Geschäfte wieder von seiner Tochter.
Sein Comeback ist allerdings ebenfalls von kurzer Dauer. Denn 2024 werden neue Details und Anschuldigungen öffentlich gemacht. Das "Wall Street Journal" berichtet von der Klage einer ehemaligen Mitarbeiterin, die Vince McMahon "körperlichen und emotionalen Missbrauch, sexuelle Übergriffe und Menschenhandel bei der WWE" vorwirft.
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Die ehemalige Wrestling-Ikone bestreitet die Vorwürfe zwar, tritt jedoch wieder einmal zurück. Dieses Mal wohl endgültig.
Wer führt die WWE jetzt?
Nach dem Rücktritt von Vince McMahon stellt sich die Frage: Wer steht nun an der Spitze der WWE? Aktuell fungieren Nick Khan und Paul Levesque als Leiter des Verbandes.
Zum ersten Mal in der Geschichte der WWE ist somit kein Mitglied der McMahon-Familie, Teil des Unternehmens. Die WWE wurde zunächst als "Capitol Wrestling Corporation" im Januar 1953 gegründet. Der Gründer des Verbandes war Vincent James McMahon, der Vater von Vincent McMahon.
Im September 2023 fusionierte die WWE mit dem Unternehmen Endeavor zu einer neuen Muttergesellschaft namens TKO Group Holdings.
Netflix-Doku „Mr. McMahon“: Einblick in die Wrestling-Szene und die Kontroverse
Netflix gibt mit ihrer Doku "Mr. McMahon" Einblicke in die Wrestling-Szene.
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McMahon erzählt in der Doku von einer von Armut und Gewalt geprägten Kindheit. In den 80er Jahren kaufte er seinem Vater die World Wrestling Federation (WWF, später 2002 WWE) ab und macht sie zum internationalen Erfolg. Hulk Hogan war eine der Topattraktionen in der WWE.
Das Interview für die Doku mit dem Ex-Chef von World Wrestling Entertainment (WWE) wurde 2021 geführt. Wegen Vorwürfen des schweren sexuellen Missbrauchs beendete McMahon seine Karriere.
Die Netflix-Dokumentation über McMahon entstand überwiegend vor den 2022 bekannt gewordenen Vorwürfen. Die Doku „schlägt den vorhersehbaren Weg ein, den Charakter ,Mr. McMahon‘ mit meinem wahren Ich, Vince, zu vermengen“, so McMahon.
Die Serie verdeutlicht, dass es keinen Unterschied zwischen McMahons TV-Charakter und seinem wahren Selbst gibt. Die „gewalttätigen Ausbrüche, sexuelle Perversion und die Manipulation“, die McMahon in seiner Rolle auslebe, seien „genau das, was Janel Grant jahrelang hinter verschlossenen Türen erlebt hat“.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Ära Vince McMahon in der WWE zu Ende gegangen ist. Die Zukunft des Unternehmens liegt nun in den Händen von Nick Khan und Paul Levesque, die vor der Herausforderung stehen, die WWE in eine neue Ära zu führen.
