Die Frage, wer der beste Karate-Meister aller Zeiten ist, ist schwer zu beantworten, da es viele talentierte und einflussreiche Persönlichkeiten in der Geschichte des Karate gab. Dennoch gibt es einige Namen, die immer wieder genannt werden, wenn es um die größten Meister geht.
Die Pioniere des modernen Karate
Drei berühmte Schüler der beiden Meister Kanryo Higaonna und Ankoh Itosu waren Kenwa Mabuni, Chojun Miyagi und Gichin Funakoshi. In späteren Jahren unterrichtete jeder von ihnen in Japan. Zu dieser Zeit gab es keine Namen oder Stile im Karate. Karate wurde einfach nach der Stadt bezeichnet, in der es unterrichtet wurde, entweder Shuri oder Naha.
Erst 1915 wurde Karate auf dem japanischen Festland eingeführt, nachdem einer der besten Karate-Meister Okinawas, Gichin Funakoshi, eine Demonstration für den Kaiser gegeben hatte. Es wurde bald bei den Japanern beliebt und andere Meister wurden ermutigt, aus Okinawa zu kommen, um die Kunst auf dem Festland zu unterrichten, darunter Kenwa Mabuni und Chojun Miyagi. Dieser Unterricht fand hauptsächlich an den japanischen Universitäten statt.
Gichin Funakoshi (1868-1957)
Funakoshi Gichin ist als „Vater und Begründer des modernen Karate“ eine der wichtigsten und bedeutendsten Figuren in der Geschichte der japanischen Karate-Stile. Auch wenn er die okinawanische Kampfkunst der „leeren Hand“ keinesfalls selbst gegründet hat, ist es doch seiner Arbeit und seinem Engagement zu verdanken, dass sie als Sport ihren beispielhaften Siegeszug um die ganze Welt antrat.
Während seines ganzen Lebens versuchte Funakoshi die traditionellen Lehren und Werte des karate-dō zu erhalten und zu unterrichten. Leider ist die Kampfkunst, die heute mit seinem Namen in Verbindung gebracht wird nicht seine eigene, sondern ein genaues Abbild dessen, was Funakoshi zu verhindern suchte.
Lesen Sie auch: Beste Wrestler aller Zeiten
Funakoshi Gichin wurde im Jahr 1869 auf Okinawa im Bezirk Yamakawa cho als einziger Sohn einer verarmten Samurai-Familie geboren. Entgegen aller Erwartungen entwickelte sich Funakoshi Gichin jedoch zu einem normalen gesunden Jungen, der für sein Alter zwar immer recht klein blieb, aber dennoch robust und ungeheuer lebhaft war.
Schon in frühen Jahren war Funakoshi Gichins Interesse in die Kampfkünste geweckt worden; was vermutlich seine Ursache mit darin hatte, dass sein Vater selbst ein fähiger Kämpfer im Umgang mit dem okinawanischen Stock und so wahrscheinlich in der Lage war, seinen Sohn in dieser Kunst auszubilden. Es dauerte jedoch nicht lange, bis dem lerneifrigen Jungen seine bisherige Schulung nicht mehr genügte und er nach interessanteren Lehren zu drängen begann.
Noch zu seiner Grundschulzeit kam der junge Funakoshi schließlich in Kontakt mit Azato Ankō, einem Meister des sagenumwobenen karate, den er darum bat, ihn als persönlichen Schüler aufzunehmen.
Azato selbst war ein innerer Schüler (uchi deshi) Matsumura Sōkons , dem Gründer des matsumura ryū. Als einer seiner besten Schüler und inniger Freund Matsumuras erhielt Azato nach Jahren der intensiven Ausbildung eine Lehrerlaubnis von seinem Lehrer und durfte fortan eigene Wege gehen. Später begann Azato die gelernte Kunst nach eigenen Studien weiter zu verfeinern.
Die Kampfkünste mussten in der damaligen Zeit noch im Geheimen geübt werden, und jeder Meister verlangte von einem Schüler ehe er diesen aufnahm, grenzenlose Loyalität und Verschwiegenheit in der Übung seiner Kunst. Seine Traininge fanden ausschließlich nur nachts im Garten seines Lehrers statt und dauerten oft bis in die frühen Morgenstunden.
Lesen Sie auch: Performance Center Analyse: UFC-Haltung
Meister Azato war ein unerbittlicher Lehrer, der seinen Schüler getreu nach dem Grundsatz hito kata san nen über mehrere Jahre hinweg immer wieder dieselbe kata üben ließ, und ihm erst dann eine neue Form zeigte, wenn er der Meinung war, dass die alte gut gemeistert wäre.
Nach dem rein körperlichen Training erhielt Funakoshi von seinem Lehrer oftmals zusätzlich Unterricht in der Psychologie und Philosophie des Karate. Ein angemessenes Benehmen, würdige Verhaltensformen und eine gut Beobachtungsgabe gehörten für Azato zur Essenz seiner Kampfkunst. „Das Geheimnis des Sieges,“ betonte er immer wieder, „ist, sowohl dich selbst als auch deinen Gegner genau zu kennen. Auf diese Weise wirst du niemals überraschend besiegt.“
Einer dieser Besucher, der ebenfalls unter Matsumura Sōkon trainiert hatte und daher seit Jahren mit Anko Azato befreundet war, war Yasutsune Itosu.
Yasutsune Itosu (1830-1915)
Yasutsune Itosu (die „heilige Faust des shuri te“) wurde 1830 in Shuri no Tobaru als Sohn eines samurai geboren. Im Alter von 16 Jahren brachte sein Vater ihn zu „Bushi“ Matsumura Sōkon, einem der größten Kampfkunstexperten des shuri te jener Zeit, um ihn durch die strenge Hand des Lehrers erziehen zu lassen. Nach dieser Zeit verließ er seinen Lehrer, um bei verschiedenen anderen Kampfkunst-Meistern Unterricht zu nehmen.
Die Erfahrungen und Fähigkeiten, die er durch die verschiedenen Kampfkunststile der Meister erhielt, ermöglichten es ihm schließlich, zu einem unbesiegbaren Kämpfer zu werden. Tatsächlich gibt es jedoch über Itosus unheimliche Stärke viele Legenden. So soll er zum Beispiel mit bloßer Hand einen dicken Bambusstab zerquetschen können.
Lesen Sie auch: Selbstverteidigung: Welcher Kampfsport?
Nachdem er die meisten kata des shorin ryu in einem System konzentriert, sie überarbeitet, abgeändert oder vereinfacht hatte, begann er mit ihnen an die Öffentlichkeit zu treten. Seiner Meinung nach war „Karate eine Art zu leben, ein Weg, um absolute Sicherheit und Furchtlosigkeit zu erreichen. Ein Mensch, der die Kata übt, kann durch bestimmte Schwerpunktlegungen in ihnen seine individuellen Fähigkeiten bis zur äußersten Grenze verbessern.“
Diese wertvollen Inhalte, insbesondere der gesundheitliche Aspekt des Trainings, sollten laut Itosu nicht weiter geheimgehalten werden. Als er dann 1901 endgültig mit dem alten Tabu brach, indem er erstmals an der Grundschule Shuris karate unterrichtete, verärgerte er viele der alten Meister.
Nachdem karate Jahrhunderte lang im Geheimen nur ausgesuchten Schülern unterrichtet worden war, mussten seine Lehren nun der breiten Masse zugänglich gemacht werden. Viele Techniken mußten kämpferisch entschärft und sportbetonter werden. Die okinawansichen kata wurden zumgrößten Teil verfälscht und der Wert der Lehre verlor neben der Technik an Bedeutung. Obwohl dies nie Itosus Absicht gewesen war, legte er mit seinem Karate-Konzept den Grundstein für den heutigen Werteverlust der Kampfkünste.
Trotz dieser vielen Gegensätze, die Meister Azato und Meister Itosu voneinander unterschieden, verstanden sich die beiden Lehrer jedoch prächtig. Ganz im Gegenteil, immer, wenn sie sich in Azatos Haus trafen, unterhielten sie sich über die philosophischen Aspekte der Kampfkunst und schon nach kurzer Zeit, beteiligte sich auch Itosu an Funakoshis Unterricht.
Die Entwicklung verschiedener Stile
Shito-ryu war der Name, den Kenwa Mabuni wählte. Er hatte sowohl bei Ankoh Itosu als auch bei Kanryo Higaonna in Okinawa studiert und der Name „Shi-to“ besteht aus den japanischen Schriftzeichen für ihre Namen. Shito-ryu ist der Karate-Stil, den wir praktizieren. Die Shito-ryu Karateschule wurde von Mabuni Sensei gegründet.
Bei der Entwicklung von Shito-ryu, bezog Mabuni Sensei sowohl das Naha Te- als auch das Shuri Te-System mit ein. Zusammen mit Katas aus dem chinesischen Kung Fu im Stil des weißen Kranichs (bekannt als Wu Xianhui), welches er vom legendären Go Ken KI, einem chinesischen Teehändler, gelernt hatte. 1929 verließ Mabuni Sensei Okinawa und siedelte sich in Osaka, auf dem japanischen Festland, an.
Die Shukokai Karate Schule wurde von Tani Sensei gegründet. Er begann sein Karate-Studium an der Junior High School (Gymnasium), wo er Goju-ryu praktizierte. Er setzte seine Ausbildung an der Doshisha-Universität in Kyoto fort, wo er bei Chojun MIYAGI studierte, dem großen Karate-Meister (der der Gründer von Goju-ryu war und der bei Higaonna Sensei trainierte). Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Tani Sensei Karate auf einem Parkplatz unter freiem Himmel im Zentrum von Kobe zu unterrichten.
Weitere einflussreiche Karateka
Neben den bereits genannten Meistern gibt es noch viele weitere Karateka, die einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Karate hatten. Hier sind einige Beispiele:
- Masahiko Kimura (1917-1993): Gilt als der beste Judoka aller Zeiten.
- Yip Man: Emblematische Figur des Wing Chun und Meister von Bruce Lee.
- Jigaro Kano (1860-1938): Begründer des Judo.
- Choi Hong Hi: Der General der südkoreanischen Armee ist der symbolische Vater des Teakwon-do.
- Masutatsu Ōyama (1923-1994): Begründer der Karateschule Kyokushinkai.
- Bruce Lee: Begründer des Jeet Kune Do und einflussreicher Verfechter der Demokratisierung der Kampfkünste.
Viele von ihnen erreichen jedoch nicht die höchste Ausbildungsstufe, den 10. Dan. Einer der weltweit bekanntesten Karateka unserer Zeit heißt Hirokazu Kanazawa. Während seines Studiums ließ er sich die Gelegenheit, unter Funakoshi Gichin (dem hochangesehenen Gründer des Shotokan) zu trainieren, nicht entgehen und stieg über die Jahre zu einer angesehenen Person im Karate auf. 1977 verließ er die JKA (Japan Karate Association) und Gründete seine eigene Organisation, die S.K.I., um ein eigenes Konzept durchzusetzen. Kanazawa ist seit 2002 Träger des 10. Dan und bekam außerdem den Budo-Ehrentitel „Hanshi“ verliehen, was soviel bedeutet wie „Vorbild“.
Erfolgreiche Karateka im Wettkampf
Es gibt seit Jahren erfolgreiche Frauen in Kampfsportarten, sei es Judo oder Karate. Die erste Goldmedaille für die Frauen bei einer Weltmeisterschaft holte Alexandra Witteborn bei der Weltmeisterschaft 2000 in München. Sie gewann den 1. Platz in Kata. Als eine der einflussreichsten Frauen solltet Ihr Nadine Joachim, geboren als Nadine Ziemer, kennen. Sie holte in ihrer aktiven Zeit diverse Goldmedaillen in der Kategorie Kumite, unter anderem bei den World Games 2005 in Duisburg. Außerdem ist sie ehemalige DKV-Trainerin und entwickelt in Kooperation mit Toni Dietl ein Konzept, das die Vermittlung von Karate an Kinder unter Zuhilfenahme von Musik vorsieht.
In Wettkämpfen der Kategorie Kata hat sich Jasmin Bleul inzwischen einen Namen gemacht. Die 1993 geborene Aschaffenburgerin gewann bereits diverse Titel bei deutschen und europäischen Meisterschaften. Ihr größter Erfolg war die Zugehörigkeit zu jenem Frauenteam, welches bei der Karate Weltmeisterschaft 2014 in Bremen den 1. Platz belegte.
Karateka im Film
Die meisten, die nicht aktiv Karate ausüben, kennen bekannte Karateka aus Film und Fernsehen. Chuck Norris, berühmt für seinen Roundhouse-Kick, lernte hauptsächlich Taekwondo und Tang-Soo-Do, war aber auch in der Welt des Karate aktiv. Steven Seagal lebte 15 Jahre lang in Japan und lernte in dieser Zeit unter anderem Karate. Die Karriere von Jean-Claude Van Damme konnte zwar auf der Leinwand länger keine großen Erfolge mehr feiern, dafür stellt er aber eine Größe im Kampfsport dar.
Der legendäre Bruce Lee, welcher im Alter von 32 Jahren starb, wird in Filmen (Karate Tiger) oft fälschlicherweise dem Karate zugesprochen, praktiziert aber in Wahrheit einen eigenen Kampfstil, welcher sich Jeet Kune Do nennt.
