Warum verließ Francis Ngannou die UFC?

Es scheppert in der UFC! Die MMA-Liga schmeißt ihren amtierenden Schwergewichts-Champion Francis Ngannou (36) raus und nimmt ihm den Titel ab.

UFC-Boss Dana White (53): „Ich glaube, Francis ist in einer Situation, in der er kein großes Risiko eingehen will.“, und fügt hinzu: „Wir werden ihn aus seinem Vertrag entlassen.“ - Rumms!

Ngannou und die UFC befinden sich seit Jahren bereits im Dauerkonflikt, nun zieht White die Schlusslinie. „Er hat in seinem Kopf, dass es größere Möglichkeiten außerhalb der UFC gibt, mit schlechteren Gegnern“, tritt der Präsident nach.

Brisant: Der Kameruner wollte mehr Freiheiten in seinem UFC-Vertrag und auch außerhalb der Liga kämpfen, sogar ein Boxkampf mit Box-Gigant Tyson Fury (34) war im Gespräch. Das passte White gar nicht, der bekanntlich kein Fan davon ist, wenn seine Kämpfer einen Ausflug außerhalb des Oktagons unternehmen wollen.

Doch die UFC konnte sich nicht mit Ex-Weltmeister Ngannou einigen. „Wir haben Francis einen Deal angeboten, der ihn zum bestbezahlten Schwergewicht der Ligageschichte gemacht hätte“, verrät der UFC-Präsident. „Er hätte mehr verdient als Brock Lesnar, mehr als alle andere.“

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Im Februar 2020 war Jon Jones das letzte Mal im Oktagon zu sehen, legte danach seinen Halbschwergewichtsgürtel nieder - auch aufgrund eines anhaltenden Geldstreits mit der UFC. Dieser scheint nun geklärt.

Seit mehreren Jahren will der 35-Jährige, der von White als „GOAT“ („Greatest of all Time“) anerkannt wird, hinaufsteigen und im Schwergewicht kämpfen. Dafür hat sich das Ausnahme-Talent ordentlich aufgepumpt und Muskeln rauf gepackt.

Nach dem Sieg über Dillian Whyte im April 2022 stieg Ngannou zu Fury in den Ring, brachte die Fans zum Träumen. „Ob mit Box-Handschuhen oder UFC-Handschuhen, ob im Ring oder Käfig, wir können es wahr werden lassen. Er steht schon länger auf meiner Wunschliste. Er ist ein Gigant, ich bin ein Gigant“, zeigte sich Fury damals interessiert.

Klar ist: Der 36-Jährige hat genügend Möglichkeiten und Angebote.

Ngannous Weg aus der Armut zum UFC-Champion

Lange Zeit hätte Ngannous Traum vom Ruhm nicht weiter entfernt sein können, denn der Kameruner war obdachlos und hasste sein Leben.

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1996 in Batie, einem kleinen Dorf in Kamerun. Ein zehnjähriger Junge namens Francis Ngannou erlebt seinen ersten Tag auf der Arbeit. In einer Sandmine wird er gebraucht. Vier Jahre zuvor hatten sich seine Eltern getrennt und ihn zu seiner Oma geschickt. Dort konnte er jedoch nicht mehr Kind sein, sondern musste helfen, wo es nur ging.

"Wir mussten arbeiten, um zu Hause etwas beizutragen. Wir mussten Öl und Essen kaufen, auch meine Schule musste finanziert werden. Wir hatten keine andere Wahl", blickte Ngannou im Podcast mit Joe Rogan zurück. "Ab diesem Tag ist die Kindheit vorbei."

Ngannou war mit seinem Schicksal nicht alleine. Viele Kinder mussten früh arbeiten gehen, um die Schule finanzieren zu können. Das harte Arbeiten in so jungen Jahren ging nicht spurlos an ihm vorbei: "Ich mochte mein Leben nicht und wollte nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, meine Kindheit zu verpassen."

Für sein Schuften gab es nur selten das mickrige Gehalt, das ihm eigentlich zugestanden hätte. Es wurde aber noch schlimmer, wie er erzählte: "Manche bekamen ihr Geld auch erst nach Monaten. Für diejenigen war es dann aber zu spät, da sie bereits aus der Schule geflogen waren. Sie konnten ja die Gebühren nicht bezahlen."

Für ihn hatte das zur Folge, dass in bestimmen Bereichen noch größere Einsparungen getroffen werden mussten. Und das auf seine Kosten. "Wenn die Schule anfing, ging ich zwar in die Schule, hatte aber meistens gar keinen Stift, um Notizen zu machen und sogar nicht mal einen Block, um darauf schreiben zu können. Manchmal hatte ich sogar keine Schuhe oder Kleidung, weil meine Uniform zerrissen war. Ich war so frustriert, vor allem, wenn ich die Kinder gesehen habe, denen es besser ging", erinnerte er sich. Diese Zeit habe ihn einiges gelehrt.

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Durch seine Arbeit hatte Ngannou bereits früh einen massiven Körperbau. "Er machte die Arbeit für zwei oder drei Arbeiter", sagte ein ehemaliger Arbeitskollege dem MMA-Blog Jokermag. Ngannou war gefragt in seinem Dorf, mehrere Gangs wollten ihn für sich gewinnen. Anders als viele konnte er widerstehen.

Da er merkte, dass sich in seinem Dorf nichts ändern würde, zog er nach Douala, der größten Stadt des Landes. Dort bekam er erstmals die Möglichkeit zu boxen. Finanzieren konnte er sich das Training durch eine Arbeit in der Bekleidungsindustrie, bei der er schwere Säcke hievte.

Ngannou plante, Kamerun in Richtung Frankreich zu verlassen, weil er glaubte, nur dort könne er als Kämpfer groß herauskommen. Die Leute um ihn herum lachten ihn für seine Vision nur aus. Europa sei kein Himmel, hieß es immer. "Ich sagte ihnen: 'Na und, mache ich halt meinen eigenen Himmel'", entgegnete ihnen Ngannou.

Seinen Plan zog er in der Folge durch. Über seine Flucht reden will er nicht. Überliefert ist nur, dass er zwei Monate in einem spanischen Gefängnis verbrachte, da er die Grenze illegal überquert hatte. Außerdem weiß man, dass er fast ein Jahr lang versuchte, aus Marokko nach Europa zu gelangen.

Obdachlosigkeit in Paris

Schließlich angekommen in Paris hatte er kein Geld, keine Freunde und keinen Platz zum Schlafen: "Ich hatte keine 100 Euro, also musste ich auf der Straße schlafen." An seinem ersten Tag in der Stadt der Liebe machte er drei Dinge: Er lernte, wo es essen gab, wo er schlafen konnte und wo er trainieren konnte.

Nach unzähligen Versuchen fand sich auch ein Trainer, der ihn betreuen wollte. Er bekam von ihm 50 Euro, wovon er sich ein Shirt, eine Hose, ein Handtuch und einen Rucksack kaufen sollte. "Ich hatte keine Boxhandschuhe, keinen Mundschutz, nichts, aber das war mir egal", sagte er einst dem Bleacher Report.

So wurde er zum MMA gebracht. Letztendlich gab er doch nach und fing an, die für ihn neue Sportart zu lernen.

Nach langem Rumfragen fand er schließlich ein Gym, dass immer geöffnet hatte und wo er mit Fernand Lopez zusammentraf. Der Trainer war ebenfalls in Kamerun aufgewachsen. Nachdem er sich Ngannous faszinierende Geschichte angehört hatte, gab Lopez ihm eine Tasche voller Ausrüstung und bot ihm an, ihn im Fitnessstudio schlafen zu lassen.

Das Duo arbeitete fast Tag und Nacht an Ngannous MMA-Techniken. Nach vielen Kämpfen in Pariser MMA-Ligen schaffte Ngannou schließlich 2015 den Sprung in die UFC und startete dort voll durch.

Ngannous Wechsel zur PFL und Rückkehr in den Käfig

Jetzt ist es fix. Francis Ngannou (37) kehrt in den Käfig zurück. Der frühere UFC-Champ wird am 19. Oktober sein Debüt bei der MMA-Liga PFL (Professional Fighters League) feiern. Dabei kämpft er um den Titel im Schwergewicht.

Es wird der erste Käfig-Kampf für Ngannou nach seinem Ausflug in die Box-Welt sein. Im Oktober 2023 hat der Kameruner gegen Superstar Tyson Fury (35) gekämpft und nur ganz knapp nach Punkten verloren. Gegen Anthony Joshua (34) gab es im März dann eine deutliche Niederlage, bereits in der zweiten Runde war nach K.o. Schluss. Der Kampf hatte ihm eine Börse von knapp 20 Mio. Euro eingebracht.

Im Oktober trifft er auf den amtierenden PFL-Weltmeister Renan Ferreira (34). Der Brasilianer misst eine Größe von 2,03 m, hat beim letzten Event Gegner Ryan Bader (41) in nur 21 Sekunden geschlagen.

Der letzte MMA-Kampf von Ngannou ist mehr als zweieinhalb Jahre her. Bei UFC 270 besiegte er den Franzosen Ciryl Gane (34) nach Punkten.

Tragischer Todesfall

Im April musste der Kampfsport-Superstar einen tragischen Todesfall verkraften, als sein 18 Monate alter Sohn plötzlich verstorben ist. In einem herzzerreißenden Statement schrieb er damals: „Ich war die beste Version von mir neben ihm und jetzt habe ich keine Ahnung, wer ich bin. Das Leben ist so unfair, uns dort zu treffen, wo es am meisten weh tut. Wie geht man mit so etwas um? Wie kann man damit leben?“

Einige Monate steigt Ngannou wieder in den Käfig, erklärt im Interview mit „Sky Sports“: „Ich denke, dass ich jetzt eine andere Motivation wegen meines Sohnes habe. Früher habe ich aus vielen Gründen gekämpft, aber jetzt habe ich den größten Grund.“

Ngannou und der tödliche Motorradunfall in Kamerun

MMA-Star Francis Ngannou hat eine Erklärung zu seiner Verwicklung in einen tödlichen Motorradunfall in seinem Heimatland Kamerun abgegeben, bei dem ein 17-jähriges Mädchen seinen Verletzungen erlag.

"Von Anfang an war ich an der Seite der Familie und habe ihr in dieser Zeit Unterstützung, Trost und mein tiefes Beileid angeboten", heißt es in einem Statement Ngannous via TMZ. "Ich habe mich mit ihnen privat getroffen, um ihre Trauer zu teilen, und ich werde ihnen auch weiterhin bei jedem Schritt zur Seite stehen."

"Ich trage ihren Schmerz mit mir, und meine Gedanken und meine Unterstützung bleiben bei ihnen, während sie diesen herzzerreißenden Verlust verarbeiten", so Ngannou.