Bei den Paralympics werden im Judo zwei Bronzemedaillen vergeben, was Athleten in der Hoffnungsrunde eine zusätzliche Chance auf eine Medaille ermöglicht.
Das Judo-Wettkampfformat bei Olympia
Seit Tokio 2021 gehört im Judo ein Mixed-Wettbewerb zum Olympia-Programm. Bei der Premiere in Tokio musste Olympia-Gastgeber Japan eine Schmach erdulden. Ausgerechnet im berühmten Kampfkunst-Tempel Nippon Budōkan entrissen die Franzosen mit ihrem Star Teddy Riner den Erfindern des Judo die Goldmedaille. Deutschland gewann Bronze.
Der Teamwettbewerb findet am Tag nach Abschluss der Einzel-Wettbewerbe statt, für die pro Land und Gewichtsklasse jeweils nur ein Athlet startberechtigt ist. Für das Mixed werden 16 Teams zugelassen. Dabei treten Männer und Frauen abwechselnd in insgesamt sechs Gewichtsklassen gegeneinander an. Es werden nicht zwangsläufig die jeweils schwersten Judoka auf die Matte geschickt. Jeder gewonnene Kampf bringt einen Punkt. Ziel ist es, so schnell wie möglich vier Punkte einzusammeln, damit ist die Runde gewonnen.
Bei Olympia geht es nach einer Vorrunde mit Achtelfinale und Viertelfinale weiter. Neben den Halbfinals gibt es auch eine Hoffnungsrunde, deren Sieger gegen die beiden Halbfinal-Verlierer die Kämpfe um Bronze bestreiten. Endet ein Mixed nach den sechs vorgesehenen Kämpfen 3:3 unentschieden, wird ein Entscheidungskampf durchgeführt. Welche Gewichtsklasse noch einmal ran muss, wird jeweils per Los ermittelt. Genau wie im Einzel wird im Mixed jeweils maximal vier Minuten gekämpft. Ist bis dahin keine Entscheidung gefallen, geht es in den sogenannten Golden Score, in dem die nächste Wertung den Sieg bringt.
Geschichte des Judo bei Olympia
Judo war 1964 in Tokio mit vier Männer-Wettbewerben erstmals bei Olympia vertreten. Seit 1972 in München zählt die Sportart fest zum olympischen Programm.
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Das Wertungssystem im Judo
Das Wertungssystem wurde mehrfach überarbeitet. Ein Ippon - ein ganzer Punkt - bedeutet den sofortigen Sieg. Die Wertung wird vergeben, wenn der Gegner kontrolliert auf den Rücken geworfen wird. Ein Waza-ari steht für 70 Prozent von einem Punkt. Er wird beispielsweise vergeben, wenn der Rücken des Gegners nach einem Wurf nur teilweise die Matte berührt oder der Kontrahent mindestens 15 Sekunden gehalten wird. Gelingt ein zweiter Waza-ari, ergeben beide einen Ippon.
Deutsche Erfolge im Para Judo
Die deutschen Para Judoka sind hauchzart an der ersten Medaille bei den Paralympics 2024 vorbeigeschrammt. An ihrem ersten Wettkampftag musste sich Isabell Thal (J2, -48 Kilogramm) im Bronze-Kampf der Türkin Cahide Eke (Weltranglisten-Achte) nach einem Ippon geschlagen geben. Es wäre das erste Edelmetall im Para Judo seit den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro gewesen. Dort hatten die Zwillingsschwestern Ramona und Carmen Brussig Silber gewonnen. Durch die Niederlage belegt Thal den geteilten fünf Rang.
„Die Bronzemedaille hätte ich gerne mitgenommen. Dennoch bin ich stolz auf meinen fünften Platz.
Isabell Thal und das Wiedersehen mit einer alten BekanntenDie 25-jährige Thal, die für Budoka Höntrup (Nordrhein-Westfalen) an den Start geht, erlebte an diesem Tag ein Wechselbad der Gefühle. Im Viertelfinale musste sich die Weltranglisten-Zwölfte gegen Sandrine Martinet aus Frankreich beweisen. In der gut gefüllten Pariser Champ-de-Mars-Arena schwenkten viele Zuschauer mitgebrachte Flaggen und stimmten Fangesänge an. Fast die gesamte Halle stand hinter der Athletin aus dem Gastgeberland. „Eine Stimmung wie im Fußballstadion. Die Unterstützung von den Rängen schien die Weltranglisten-Dritte Martinet zu beflügeln. Sie holte früh ihren ersten Punkt, mit einem Ippon machte sie den 11:0-Sieg perfekt. Ein Ippon bedeutet den sofortigen Sieg. Die Wertung wird vergeben, wenn der Gegner - in diesem Fall Thal - kontrolliert auf den Rücken geworfen wird. Die Essenerin musste in die Hoffnungsrunde, hatte so noch die Chance auf Bronze. In der Hoffnungsrunde traf sie auf eine alte Bekannte: Carmen Brussig. Die 47-Jährige ging jahrzehntelang für die deutsche Para Judo-Nationalmannschaft an den Start und gewann 2012 in London Paralympics-Gold. Seit zwei Jahren tritt Brussig jedoch für die Schweiz an.
Brussig sagte nach dem Kampf: „Enttäuscht bin ich nicht. Ich wusste vorher schon, dass es schwer werden würde.“ In der Vergangenheit seien die Kämpfe beider Athletinnen stets auf Augenhöhe gewesen. „Mal hat sie gewonnen, mal ich. Heute gewann sie. Jetzt liegt der Fokus auf morgen.“ Dort wird Zwillingsschwester Ramona Brussig für das Team D Paralympics auf der Matte stehen.
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Paralympics-Debütantin Tabea Müller (J1, -48 Kilogramm) musste sich im Viertelfinale mit der Weltranglisten-Zweiten und späteren Bronzemedaillen-Gewinnerin Ecem Çavdar Taşın (Türkei) messen. Zunächst hatte Müller ihre Gegnerin gut im Griff. Die für die SSG Blista Marburg startende 26-Jährige wusste die Angriffsversuche ihrer favorisierten Gegnerin zu kontern und mit eigenen Griffen selbst für Akzente zu sorgen. Punkte gab es dafür aber nicht. Mit einem Ippon nach 81 Sekunden war der auf vier Minuten angesetzte Kampf vorbei. Gegen die Südamerikanerin agierte Müller bei ihren ersten Paralympics mutig, aber die Punkte gingen an Ledesma. Mit einem Ippon sorgte Ledesma für die Vorentscheidung. Müller belegt damit den geteilten sieben Rang.
„In der Trostrunde ging es für beide um alles. Rocio hat mehr Erfahrung auf der großen internationalen Bühne. Ich habe alles gegeben“, sagt Müller im Anschluss. „Ich bin dankbar und stolz, dass ich hier antreten durfte. Es ist die größte Bühne, auf der Athleten kämpfen können. Co-Trainer Krieger fügte an: „Wir analysieren den Kampf in Ruhe und kommen stärker zurück. Bei Tabea ist eine Entwicklung erkennbar, das ist wichtig. In Paris gehen insgesamt sechs deutsche Para-Judoka auf Medaillenjagd.
Den zweiten Wettkampftag dominierten die Judoka aus Nordrhein Westfalen mit sieben Finalteilnehmer*Innen und vier Titelgelgewinnen. Unsere Kämpfer und Kämpferinnen gewannen zwei Bronzemedaillen durch Kathrin Krause (PSV Olympia) bis 52 kg und Lukas Krahn (JC Kano) bis 100 kg. Fünfte Plätze sicherten sich Abdusamad Abdullaev (BC Randori) bis 66 kg und Vincent Cordes (SC Berlin ) über 100 kg.
Weitere Erfolge deutscher Judoka
Stabsunteroffizier Anna-Maria Wagner setzt sich im „kleinen“ Finale beim Halbschwergewicht im Judo gegen ihre Kontrahentin Kaliema Antomarchi aus Kuba durch und holt damit olympisches Edelmetall für Deutschland. Nach dem Weltmeistertitel vor zwei Monaten setzt Stabsunteroffizier Anna-Maria Wagner mit Bronze in Tokio ihren Erfolg fort. Stabsunteroffizier (FAFeldwebelanwärter) Anna-Maria Wagner schrie ihre ganze Freude heraus und jubelte ihrem Erfolgstrainer Claudiu Pusa zu. 48 Tage nach ihrem WM-Triumph von Budapest hat Deutschlands beste Judoka bei den Olympischen Spielen von Tokio Bronze geholt und damit ihren sagenhaften Höhenflug fortgesetzt.
„Ich bin super glücklich. Natürlich ist man hergekommen, um Gold zu holen. Aber den letzten Kampf zu gewinnen und die Medaille mit nach Hause zu nehmen, macht mich einfach super froh.“, sagte Wagner bei Eurosport.Mit dem Griff nach Bronze setzte die Sportsoldatin der Sportfördergruppe Köln, einer Dienststelle der Streitkräftebasis in der Klasse bis 78 Kilogramm eine kleine Serie der deutschen Frauen fort: Nach 2012 (Kerstin Thiele) und 2016 (Laura Vargas Koch) gab es zum dritten Mal in Folge eine Medaille bei olympischen Sommerspielen.
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Im „kleinen“ Finale besiegte die Sportsoldatin die frühere WM-Dritte Kaliema Antomarchi aus Kuba.
Europameisterschaft im Ne-Waza
Olaf Lange und Sylvia Hackel werden Europameister der Ne-waza. Neben den beiden Europameistern Sylvia Hackel und Olaf Lange gewinnen weitere Athleten Medaillen. Anja Silz wird Vize-Europameisterin, Nadine Rößler, Rüdiger Vägs und Wolfgang Löffler gewinnen EM-Bronze. Willy Huber wird Fünfter.
In den Team-Wettkämpfen wird das Frauenteam Ü30 Bronzegewinner. Die Frauen Ü50 werden Vierte.
Weitere Informationen
Der ursprüngliche Grund für die zwei Bronzemedaillen war die fehlende Trostrunde bei Japanischen und Weltmeisterschaften. Wenn es zwei dritte Plätze gibt, kann es keinen vierten geben, das ist immer so, deswegen gibt es zwei fünfte.
Tabelle: Deutsche Medaillengewinner bei internationalen Judo-Wettkämpfen (Auswahl)
| Wettkampf | Athlet/en | Medaille |
|---|---|---|
| Olympische Spiele Tokio 2020 | Anna-Maria Wagner | Bronze |
| Paralympics | Kathrin Krause | Bronze |
| Paralympics | Lukas Krahn | Bronze |
| EM Ne-Waza | Sylvia Hackel | Gold |
| EM Ne-Waza | Olaf Lange | Gold |
| EM Ne-Waza | Anja Silz | Silber |
| EM Ne-Waza | Nadine Rößler | Bronze |
| EM Ne-Waza | Rüdiger Vägs | Bronze |
| EM Ne-Waza | Wolfgang Löffler | Bronze |
