Judo bedeutet übersetzt „der sanfte Weg“ - doch wer einmal einen spektakulären Wurf gesehen hat, weiß: Judo ist Dynamik, Technik, Kraft und Verstand. Das macht diesen Sport einzigartig.
Die Anfänge des Judo
Die Wurzeln des Judo reichen weit zurück, und seit 1964 ist Judo fester Bestandteil der Olympischen Spiele.
Der moderne Kampfsport wurde von dem Japaner Dr. Jigoro Kano, langjähriges IOC-Mitglied, Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jiu-Jitsu entwickelt und erfreute sich bald auch in Europa großer Beliebtheit.
Dr. Jigoro Kano wird zugeschrieben, Judo in Tokio zum Leben erweckt zu haben, nachdem er 1882 sein erstes Dojo (Judo-Schule) mit dem Namen Kōdōkan eröffnet hatte. Auf Japanisch bedeutet das Wort „Judo“ übersetzt „der sanfte Weg“, allerdings erfordert dieser Sport eine hohe körperliche Kraft.
Dr. Kano kombinierte die philosophischen Prinzipien des Judo mit körperlichen, intellektuellen und moralischen Erziehungsmethoden und verband gleichzeitig viele der gefährlicheren Aspekte des Jujitsu.
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Vier Grundpfeiler machen Judo aus: spektakuläre Würfe (Nage Waza), intensive Bodenkämpfe (Ne Waza), sichere Falltechniken (Ukemi Waza) und die Wurzeln in alten Schlag- und Abwehrtechniken (Atemi Waza).
Judo wird olympisch
Judo startete eigentlich recht spät seine Geschichte im Rahmen der olympischen Sommerspiele. Erst 1964 gab es die ersten Bewerbe, die Frauen hatten überhaupt erst in den 1990er-Jahren erstmals die Möglichkeit, um Medaillen zu kämpfen.
Erstmals in Tokio 1964 olympische Sportart (nur für Männer), bei der Premiere mit den Gewichtsklassen 65 kg, 78 kg, 95 kg (Schwergewicht) und der Offenen Klasse.
Judo 1964 ins Programm zu nehmen war nichts als ein Zugeständnis des IOC ans Gastgeberland Japan.
Alles war bereitet für den umfassenden Erfolg der Athleten der Gastgebernation: eine Halle für 14.000 Zuschauer errichtet, der Ring mit Tatami, der traditionellen Matte aus Reisstroh, ausgelegt.
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In Mexico City 1968 fehlte Judo und war dann ab München 1972 wieder dabei.
In München wurden die Leichtgewichtsklasse (71 kg) und das Halbschwergewicht (95 kg) eingeführt, in Moskau 1980 die 60 kg-Klasse und das Mittelgewicht (86 kg).
Die Offene Klasse fiel nach Los Angeles 1984 aus dem Programm, so dass es heute noch sieben Gewichtsklassen gibt.
Die Frauen kämpfen seit Barcelona 1992 in ebenfalls sieben Gewichtsklassen um Medaillen.
Bei den Sommerspielen 1992 in Barcelona dürfen auch erstmals weibliche Judoka um Edelmetall kämpfen.
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Rein gefühlsmäßig glauben viele, dass Judo seit jeher Teil des olympischen Programms war, doch der Eindruck täuscht - umso mehr, wenn man an die Frauenbewerbe denkt.
Wichtig für den Judosport in der olympischen Geschichte waren auch die Jahre 1972 und 1980, als weitere Gewichtsklassen hinzugefügt wurden und somit eine ganze Reihe an Kämpfe möglich wurden, die die neuen Olympiasieger ermittelten.
Doch blieb auch mit den Erneuerungen gleich, dass es sich um reine Männerbewerbe handelte.
Das änderte sich erst im Jahr 1992, als auch die Damenbewerbe eingeführt wurden.
Seither gibt es bei Frauen und Männer eine ganze Reihe an Gewichtsklassen und die Möglichkeit, um die Goldmedaille mitkämpfen zu dürfen, wobei die Gewichtsklassen natürlich auch nötig sind, um Gerechtigkeit zu ermöglichen.
Aktuell gibt es ganze 14 Gewichtsklassen im Judo, jeweils 7 Gewichtsklassen pro Frauen und Männer und damit viele Chancen auf eine Goldmedaille.
Maximal 400 Sportler (Frauen und Männer zusammengerechnet) dürfen an den Start gehen, in den 14 Gewichtsklassen (Frauen und Männer) je ein/e Teilnehmer/in pro NOK/Land.
Sie qualifizierten sich über die Weltmeisterschaften und über Ranglisten, die mit Hilfe bedeutender vor-olympischer Turniere und Kontinental-Meisterschaften ermittelt werden.
Judo ist ein Selbstverteidigungs-Sport aus Japan. Ziel ist es, den Wettkampf durch bewertete Griff- und Wurftechniken zu gewinnen.
Ziel des Wettkampfes ist es, den Gegner innerhalb der Kampfzone (9 x 9 m) auf den Rücken zu werfen.
Je nachdem wie erfolgreich ein Wurf war, bekommt der Judokämpfer eine Wertung: Ippon (höchste Punktzahl, der Kampf ist sofort gewonnen), Wazari (ein halbes Ippon, bei zwei Wazari ist der Kampf auch gewonnen), Yuko und Koka (mit diesen kleinen Wertungen - Yuko ist höher als Koka - kann man nicht vorzeitig gewinnen).
Erzielt keiner der Kämpfer vor Ablauf der Kampfzeit ein Ippon, gewinnt der Kämpfer, der die höchste Wertung gesammelt hat, ohne Rücksicht darauf, wieviele Wertungen insgesamt vorhanden sind.
Beendet ist der Kampf auch durch Aufgabe, durch einen Festhaltegriff (25 Sekunden) oder wenn der Erfolg einer Würgetechnik oder eines Armhebels für den Kampfrichter klar ersichtlich ist.
Die Wertung wird offen angezeigt.
Die Kampfdauer beträgt maximal fünf Minuten, die "Kampfsprache" ist Japanisch.
Frauen: Superleicht (48 kg), Halbleicht (52 kg), Leicht (57 kg), Halbmittel (63 kg), Mittel (70 kg), Halbschwer (78 kg), Schwer (+78 kg).
Die Sensation von Tokio 1964: Anton Geesink
Für den umfassenden Triumph fehlte nur noch der Sieg von Akio Kaminaga im Finale der Offenen (Gewichts-) Klasse.
Doch ihm entgegen standen 102 Kilogramm Körpermasse, verteilt auf die 1,98 Meter Körperlänge.
Die des Niederländers Anton Geesink!
Er war kein echter Außenseiter.
Mit einem perfekten Wurf, einem lupenreinen Ippon, zwirbelte Geesink seinen Gegner auf die Matte und wurde zu einem der Helden dieser Spiele.
Bei der Premiere in Tokio gelang dem Holländer Anton Geesink die Überraschung, als er Gold in der Offenen Klasse gewann.
Damals gelang es einem Mann - wenn auch einem Mann von Anton Geesinks überragender Statur - ein ganzes Land in die Knie zu zwingen.
An diesem Herbstabend im Jahr 1964 festigte der Riese aus der europäischen Tieflandebene nicht nur seinen Platz im Pantheon des Judo und in den Geschichtsbüchern der Olympischen Spiele, er veränderte für immer das Gesicht seines Sports und erlangte nicht nur in den Niederlanden Kultstatus.
Kaum zu glauben ist, dass Geesink trotz der darauf folgenden nationalen Trauer auch in Japan zu einem Halbgott erhoben wurde.
Auch sein Tod im Jahr 2010, im Alter von 76 Jahren, löste in beiden Ländern vergleichbare Trauer und Bestürzung aus.
In Utrecht wohnte der zweimalige Welt-, elfmalige Europameister und Träger des zehnten Dan. In der Anton Geesinkstraat betreute er Kinder in seiner eigenen Judoschule. Er starb hochverehrt 2010.
Für die anschließende Stimmung in Japan kennzeichnend waren Gerüchte, Geesinks Kontrahent Kaminaga hätte aus Scham über seine Niederlage Harakiri begangen.
Geesink war fortan als Volksheld beschäftigt.
Wer einmal in Utrecht halt macht, darf die imposante Bronzestatue des vielleicht berühmtesten Sohnes der Stadt nicht verpassen.
Nach Anton Geesink ist auch eine Straße benannt - dieselbe Straße, in der er 1934 geboren wurde.
In dem ungeschliffenen Diamanten Geesink sah Michigami eine Gelegenheit, "einen Modelljudoka zu formen", wie er es später einmal dem japanischen Journalisten Kazunori Iwamoto erzählte.
Der junge Anton war noch nicht der imposante Titan, den jeder bald kennen würde.
Er wog immer noch nur 82 Kilogramm.
"Er hatte einen großen Kopf und einen langen Hals an einem schlanken, länglichen Körper. Für mich sah er aus wie eine Flasche Bier", erinnerte sich Michigami.
Aber auch er sollte feststellen, dass sein Schüler ein begnadeter Schieber war.
