UFC und der Ukraine-Krieg: Eine Kontroverse

Der Umgang der UFC mit Ramsan Kadyrow und seinen Kämpfern wird spätestens seit dem Ukraine-Krieg verstärkt kritisiert.

Kadyrow und seine Beziehungen zu Kampfsportlern

Auch Putins Machthaber in Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, inszeniert sich immer wieder gerne als großer Kampfsportfan. Der als „Putins Bluthund“ bekannt gewordene Präsident der russischen Teilrepublik sucht regelmäßig die Nähe zu bekannten UFC-Profis. Kadyrow ist - wie Nurmagomedow - gläubiger Moslem. Im Jahr 2010 erklärte der tschetschenische Machthaber laut der Nachrichtenagentur Reuters, er glaube, dass die Scharia über dem russischen Recht stehe. Die Herrschaft Moskaus über die Kaukasusrepublik zweifle er aber nicht an.

Neben tschetschenisch stämmigen Nationalisten wie dem Weltergewichtler Khamzat Chimaev aus Schweden ließen sich auch US-Sportler wie die UFC-Weltmeister Kamaru Usman und Henry Cejudo oder der erwähnte Gaethje mit Kadyrow ablichten. Darüber berichtet hatte unter anderem das ukrainische Nachrichtenportal Kyiv Post. Während des andauernden Ukraine-Kriegs kritisierten zahlreiche US-Medien die Beziehungen der US-Sportler zu Verbündeten Putins.

Nach dem Kampf wurde Chimaev als tschetschenischer Nationalheld empfangen. In den sozialen Medien machte Kadyrow deutlich, dass Chimaev sein Lieblingskämpfer ist und massiv von ihm - und damit auch Russland - unterstützt wird.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kadyrow die Erfolge Chimaevs für seine pro-tschetschenische Propaganda nutzt. Immer wieder zeigte sich der Tschetschenenführer an der Seite des Kampfsport-Stars und betonte das freundschaftliche Verhältnis der beiden. Kadyrows Söhne Ali und Adam unterstützten Chimaev am Samstag sogar in dessen Ecke.

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Chimaev versteckt seine Freundschaft zu Kadyrow nicht. Im Gegenteil, in den sozialen Medien zelebriert er sie regelrecht. Die UFC ignoriert das gekonnt. Selbst dann, wenn Chimaev dem Diktator im Käfig öffentlich die Treue schwört.

Das Video zeigt, wie Kadyrow am Samstag im Fernsehen den Kampf zwischen Chimaev und dem Nigerianer Kamaru Usman verfolgt. Nach dem Punktsieg für Chimaev sieht man Kadyrow die Fäuste in die Höhe recken und „Allahu Akbar“ (dt. Allah ist groß) rufen. Anschließend kommt es in dem Video zum persönlichen Zusammentreffen von Kadyrow und Chimaev in Abi Dhabi, bei dem der Tschetschenenführer dem MMA-Kämpfer zum Sieg gratuliert. Seite an Seite besteigen die beiden Tschetschenen daraufhin ein Privatflugzeug, das sie nach Tschetschenien bringt. In dem Video sieht man immer wieder, wie Kadyrow seinen Schützling freundschaftlich in den Arm nimmt. Am Flughafen in Grosny angekommen, werden Kadyrow und Chimaev von einer jubelnden Menge erwartet, die tschetschenische Fahnen mit dem Konterfei von Kadyrows Vater, Akhmad Kadyrow, schwenken.

Chimaevs über sechs Millionen Follower wird Kadyrow im Gegenzug als Freund, Mentor und Kampfsport-Fan präsentiert. Hinweise auf die Beteiligung von Putins Bluthund und dessen Soldaten an den Kämpfen in der Ostukraine sucht man vergeblich.

Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang eine Ansprache, die Chimaev am Samstag nach seinem Kampf noch im Octagon - dem achteckigen Käfig, in dem die Kämpfe ausgetragen werden - hielt. Mit Blick auf die Kriege in der Ukraine und in Israel sagte der Sportler: „Es spielt keine Rolle, wo auf der Welt, in der Ukraine, in Syrien, in Afghanistan, in Palästina. USA. Spielt keine Rolle. Wenn Kinder sterben, ist das hart, Jungs. Ich liebe die Kinder.“ Während Chimaev für seine Rede viel Zuspruch auf den sozialen Medien erhielt, zeigten sich einige Nutzer verwundert über die Bilder mit Kadyrow, die er ebenfalls nach dem Kampf teilte.

Die Rolle der UFC

Während das amerikanische Finanzministerium Kadyrow wegen Menschenrechtsverletzungen bereits 2017 sanktionierte und die Maßnahmen 2020 und 2022 anzog, blieb die UFC stumm. Offizielle Stellungnahmen zu Kadyrow gibt es nicht, auf Pressekonferenzen werden kritische Fragen nicht gestellt. Die Journalisten wissen, dass die UFC sie ansonsten auslädt. Die Organisation ignoriert das Thema und will einen größeren öffentlichen Diskurs vermeiden.

Dass Kadyrow die russischen MMA-Kämpfer für Propagandazwecke nutzt, ist auch vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass es sich bei der UFC um ein US-amerikanisches Unternehmen handelt. Putins Bluthund steht gemeinsam mit diversen anderen russischen Offiziellen auf den Sanktionslisten der USA und der EU. Doch die MMA-Organisation hat offenbar kein Interesse daran, die Verbindungen zum Tschetschenenführer zu unterbinden. UFC-Präsident Dana White posierte am Samstagabend sogar für ein Foto mit den Söhnen von Kadyrow.

Gegenüber der New York Times betonte die UFC bereits im vergangenen Jahr, man habe „kein Vertragsverhältnis oder kommerzielle Geschäfte mit Ramsan Kadyrow oder einem seiner Familienangehörigen, Partnern oder verbundenen Unternehmen“.

Weitere Entwicklungen im Kampfsport und der Ukraine

Seit über einem Jahr herrscht in der Ukraine Krieg. Jetzt musste das Land ein nächstes prominentes Opfer hinnehmen: Maksym Bordus (23). Der Kickbox-Champion soll laut verschiedenen Medienberichten während eines Kampfeinsatzes in Saporischschja im südlichen Teil der Ukraine von einer russischen Granate getroffen und am 11. Juni verstorben sein.

In einer am Dienstag erschienen Petition an Ukraine-Präsident Selenskyj heißt es: „Maxim war ein gerechter und ehrlicher Mensch. Er war da, wenn Menschen Hilfe brauchten, er war ein echter Anführer!“ Bereits seit den ersten Tagen des Krieges im Februar 2022 soll Bordus für seine Heimat gekämpft haben, erst in der Hauptstadt Kiew, danach im Osten.

Roman Dolidze ist zwar Georgier, zur Ukraine hat der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer aber eine besondere Beziehung zur Ukraine. Das Land ist quasi seine zweite Heimat. Dort hatte der 34-Jährige lange studiert, ein Kampfsport-Gym eröffnet und gelebt, bis die russische Invasion im Februar 2022 startete. In der Hafenstadt Odessa ist auch sein Sohn geboren.

"Meine MMA-Karriere hat in der Ukraine begonnen", so Dolidze. "Und ja, es ist da im Moment gefährlich. Aber ich habe dort noch viele Freunde, die im Krieg sind." MMA-Training finde dort immer noch statt, wenn auch unter schwierigen Bedingungen.

Extrembeispiel Amosov Aus dem MMA-Käfig ins Kriegsgebiet und zurück - diese ungewöhnliche Reise findet im Bellator-Kämpfer Yaroslav Amosov noch ein extremeres Beispiel. Der Weltergewicht-Champion aus der Ukraine, hatte mehr als ein Jahr mit MMA pausiert, um sein Land gegen die russische Invasion zu verteidigen. Ende Februar verteidigte er erfolgreich seinen Gürtel in Dublin gegen Interimschampion Logan Storley.

Kontroverse um russische Athleten

Nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs wurden russische Athleten in diversen Sportarten von den Wettkämpfen ausgeschlossen oder durften nur unter neutraler Flagge antreten. Nicht so in der UFC. Bei der Veranstaltung am Samstag in den Vereinigten Arabischen Emiraten waren russische Sportler in jedem der fünf Hauptkämpfe vertreten. Das „Main Event“ des Abends bestritt mit dem Russen und aktuellen Weltmeister im Leichtgewicht Islam Makhachev einer der absoluten Top-Stars des Sports.

Amon Amarth-Frontmann Johan Hegg hat sein Abo gekündigt, weil die UFC trotz des anhaltenden Kriegs in der Ukraine russische Athleten in den Ring lässt. Hegg schrieb: „Ich glaube, ich muss meinen Standpunkt klarstellen. Was im Moment in der Ukraine passiert, ist eine Tragödie. Es ist der größte Krieg, den wir in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Vor zwei Wochen hat Putin einen Angriff auf die Ukraine verübt. Ein demokratisches, souveränes Land. Damit hat er die größte humanitäre Katastrophe der modernen Geschichte ausgelöst. Putins Armeen begehen Kriegsverbrechen wie den Beschuss von Wohngebieten und Krankenhäusern und schießen sogar auf Zivilisten, die zu fliehen versuchen. Bislang wurden in diesem Krieg über 30 Kinder getötet. Mehr als 70 wurden verwundet."

Heggs schrieb weiter: "Ist es fair, die russischen Kämpfer/Sportler mit Sanktionen zu belegen? Ich denke schon. Es geht nicht darum, dass ich ihnen persönlich schaden will, aber es gibt hier keinen Mittelweg. Athleten haben Einfluss. Ihr müsst nicht mit mir übereinstimmen, ich erwarte das auch nicht von jedem. Athleten repräsentieren ihr Land und ihr Regime. Russischen Kämpfern erlauben, anzutreten, ist Putin zu unterstützen.“