Kickbox Weltmeister Ukraine Liste

Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur Leid und Zerstörung gebracht, sondern auch das Leben vieler Sportler beeinflusst. Ein trauriges Beispiel ist der Tod von Kickbox-Weltmeister Maksym Kagal, der im Ukraine-Krieg gefallen ist. Er kämpfte als Teil der umstrittenen Einheit «Regiment Asow» und verteidigte die Stadt Mariupol.

«Leider nimmt der Krieg die Besten», sagte sein Trainer. «Er war der erste Weltmeister aus der Stadt Kremenchug, der erste Weltmeister unter den Erwachsenen in der Ukraine und einfach eine ehrliche und anständige Person.»

Trotz dieser трагических Ereignisse gibt es auch positive Nachrichten aus der Welt des Kickboxens. Luk Messerli aus Bachenbülach ist Europas bester Profi-Kickboxer in seiner Gewichtsklasse. Dieser Titel ist ein grosser Schritt zu einer Profikarriere. Die nächsten Stufen auf dem Weg nach oben sind vier, fünf Prestigekämpfe gegen erfahrene Gegner und dann den Weltmeister seiner Kategorie herausfordern.

Messerli sicherte sich den Profi-Europameistertitel des Kampfsport-Weltverbands Iska im K1-Kickboxen im Hauptkampf der «From Zero to Hero»-Gala in Winkel. Er schlug seinen elf Jahre älteren Kontrahenten in der 3. Runde k. o.

«Es war ein perfekter Leberschlag», lobte René Maier, Messerlis Trainer. «Luk hat den Kampf davor schon dominiert, selbst fast keinen Treffer kassiert, und dann im richtigen Moment gezielt mit der Faust in die Rippen des Gegners gehauen.»

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Luk Messerli nennt als Schlüssel zu seinen jüngsten Erfolgen neben technischen und taktischen Fortschritten sowie der mit jedem Kampf gewachsenen Erfahrung vor allem eines: «Ich habe 20 Kilogramm abgenommen und dabei keine Kraft verloren.»

Tatsächlich errang er 2021 seinen ersten Junioren-Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse bis 95 Kilogramm. 2022 räumte er in seinem letzten Junioren-Jahr an der WM in Antalya (Türkei) gleich drei Titel in verschiedenen Disziplinen ab - in der Klasse bis 78 Kilogramm.

«Ich bin agiler und wendiger geworden», kommentierte er. «Und vor allem muss ich jetzt nicht mehr gegen viel grössere Gegner kämpfen.»

Um 23.45 Uhr steigt am Samstagabend im Klotener Stadtsaal die Spannung. Alle Stühle sind besetzt, ebenso wie die Tribüne ganz hinten. Rechts neben dem Boxring stehen sie gebannt da - rund 50 Fans und Clubkollegen Luk Messerlis vom Bülacher Modern Martial Arts Center.

Doch zuerst sehen sie ihren Helden, von den Klängen des von ihm ausgewählten Raptracks «Freestyle PSG» von Niska ft. Rako, Brigi, Trafiquinté, Madrane untermalt, zum Ring stolzieren. Dabei schreitet er über einen breiten Laufsteg, der von der Mitte der Bühne und des darauf befindlichen Deluxe-Bereichs mit den Galadinner-Tischen zum Ring führt.

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Nach den Hymnen kommt das Nummerngirl. Nach Messerli steigt sein Kontrahent den Ring: Titelverteidiger Dominik Bereczki. Nach den Glocken- und Hardrockklängen seines Einlaufsongs «Hells Bells» von AC/DC wird es für einen Moment fast schon feierlich.

Denn nach den regulären fünf Runden à drei Minuten, die ein Kampf nach K1-Regeln dauert, können sich die drei Kampfrichter noch nicht auf einen Sieger festlegen. Luk Messerli hat lange den Spiess umgedreht und Bereczki, der den Übernamen «The Hunter» trägt, durch den Ring gejagt.

Die drei Kampfrichter fällen danach ein einstimmiges Urteil. «Neuer Weltmeister ist The Killer Luk Messerli», verkündet der eigens aus Deutschland angereiste Ringsprecher Tobias Gerold unter tosendem Applaus, während Messerli jubelnd auf die Knie sinkt wie einst Roger Federer nach einem Grand-Slam-Sieg.

Die Freude über seinen ersten Weltmeister-Titel in der Profi-Kategorie fällt aber auch aus einem anderen Grund eher verhalten aus. Der 19-Jährige peilt bereits den nächsten goldenen Champion-Gurt an: jenen der International Sport Karate Association (ISKA). Voraussichtlich am 6. Dezember möchte er in Rumänien zum Kampf gegen deren Profi-Weltmeister in seiner Gewichtsklasse antreten.

Die ISKA wurde Mitte der 1980er-Jahre von abtrünnigen Mitgliedern der PKA (Professional Karate Association) gegründet. Diese war 1974 als allererster Profi-Karateverband entstanden. Daneben entstanden weitere Verbände, die der PKA auch kommerziell den Rang abliefen. Unter anderem die japanische Organisation K1.

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An einer «Glory»-Gala vor Tausenden Zuschauenden anzutreten, sei nach dem ersten Profi-WM-Titel nun Messerlis nächstes Karriereziel.

Neben den genannten Athleten gibt es auch weitere talentierte Kämpfer aus der Schweiz, die bei internationalen Meisterschaften erfolgreich waren. Bei der Europameisterschaft in Athen holte das Schweizer Team fünf Bronzemedaillen und eine Silbermedaille. Besonders hervorzuheben sind Emmanuel, der sich mit 18 Jahren den dritten Platz in der Elite-Kategorie im K1 sicherte, und Joachim, der im Viertelfinale gegen einen starken Gegner aus der Ukraine antrat.

Auch im Nachwuchsbereich gibt es vielversprechende Talente. Marsel Fazlic, ein 14-jähriger Schweizer, hat bereits drei Weltmeister-Titel im Kickboxen gewonnen und ist auch im Karate und Boxen erfolgreich.

«Alle meine Trophäen sammle ich in zwei Vitrinen daheim», erzählt er und lacht. «Aber sie sind jetzt bereits überfüllt, es braucht eine Dritte.»

Er sagt: «Ich wurde früher in der Schule gemobbt, auch weil ich übergewichtig war. Ich hatte eher wenig Freunde.» Und da habe er mit sechs Jahren mit dem Kampfsport angefangen. Auch damit er sich wehren konnte, falls man ihn wieder schubsen sollte. Acht Jahre später meint der 14-Jährige: «Jetzt bin ich beliebt. Und die Leute haben Respekt vor mir - endlich.»

Der 14-Jährige selbst hat grosse Ziele: «Ich werde alles dafür geben, dass ich irgendwann Box-Champion bin und in den USA einen Mega-Fight habe.»

Auch im Boxen gibt es bemerkenswerte Leistungen. Yves Studer verteidigte seinen Titel erfolgreich im Berner Kursaal. Sein Kampf gegen Barbosa konnte jedoch nicht ganz halten, was die Affiche versprochen hatte, da der Brasilianer zu selten selber punkten wollte.

Ebenfalls erfolgreich war Vitalij Kopylenko, der seinen bulgarischen Gegner Nikolov in der siebten Runde besiegte. Kopylenko vereint alles, was einen grossen Boxer ausmacht: eine perfekte Athletik, beste boxerische Ausbildung, strategische Intelligenz und die seltene Begabung, mitten im Gefecht das unaufgeregte Coaching Beresinis umzusetzen.

Diese Erfolge zeigen, dass die Ukraine und die Schweiz über talentierte und engagierte Kampfsportler verfügen, die sowohl national als auch international erfolgreich sind.

Erfolge Schweizer Athleten bei der Europameisterschaft in Athen

Athlet Ergebnis
Emmanuel 3. Platz in der Elite-Kategorie im K1
Joachim Viertelfinale