Die Judoabteilung im TSV Mainburg blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück.
Ursprung und Entwicklung
Viele Kampfsportarten entstanden bekanntlich in der Abgeschiedenheit asiatischer Mönchskloster. Auch die Judoabteilung im TSV Mainburg hat ihren Ursprung in einem Kloster. Allerdings in einem nicht sehr abgeschiedenen und noch weniger asiatischen Kloster, sondern im ehemaligen Kapuzinerkloster droben auf dem Mainburger Salvatorberg.
Pater Guido Kreppold, OFM Cap, war auf der Suche nach einem attraktiven Freizeitsport für die Kolpingjugend und kam dabei auf die Idee, mit den Jugendlichen der Kolpingfamilie die hohe Schule der Selbstverteidigung zu lernen.
Da die Idee, in Mainburg Judo zu betreiben, besonders bei den Jugendlichen überraschend großen Anklang fand, wurde im Herbst 1967 an die TSV-Vorstandschaft der Antrag gestellt, im TSV Mainburg eine Judoabteilung zu gründen.
In einer konstituierenden Sitzung wurde im September 1967 die Gründung der Judoabteilung beschlossen. Mit Peter Stadler als 1.
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Das Dojo: Ein Meilenstein
Ein Meilenstein in der Geschichte der Abteilung Judo ist der Bau des Dojo. Das „Dojo“ (traditioneller japan. Übungsraum) ist die Kleinsporthalle des TSV 1861 Mainburg.
Nach 34 Jahren intensiver Nutzung durch Grundschule und Verein sprengte die Hallenbelegung den Bedarf seiner Nutzer bei weitem.
Bereits 1990 war die Sanierung und Erweiterung der TSV Turnhalle beabsichtigt. Das Vorhaben wurde aber zunächst aus Kostengründen zurückgestellt.
1993 wagte sich der TSV Mainburg schließlich an das Jahrhundertprojekt. Zwischenzeitlich konnten der damalige Abteilungsleiter Karl Hösl und sein Stellvertreter Willi Seisenberger den Gesamtvorstand von der Notwendigkeit einer Kleinsporthalle, insbesondere für die Judokas, überzeugen.
Bis dahin hatten die rund 200 Judokas nur die Möglichkeit mittwochs und freitags von 18 bis 22 Uhr zu trainieren. Zudem mussten für jedes Training rund 150 qm Mattenfläche auf- und wieder abgebaut werden!
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Am 5. April 1993 begann man mit dem ersten Spatenstich die Arbeiten für die 12 x 15 m große Kleinsporthalle. Am 14. Mai konnte dann bereits Hebauf gefeiert werden.
Von Anfang an beteiligten sich die Judokas zahlreich und tatkräftig an den Arbeiten. Es wurden unzählige Arbeitsstunden von den Mitgliedern der Abteilung Judo geleistet.
Besonders erwähnt sei an dieser Stelle Willi Seisenberger, der mit seinen über 300 (!) Arbeitsstunden alle Rekorde brach.
Am 12. November 1993 fand die feierliche Einweihung statt. Jetzt konnte man endlich den zahlreichen Mitgliedern ideale Trainingsbedingungen bieten.
Über den reinen Trainingsbetrieb hinaus wird die Kleinsporthalle auch für Festivitäten und sonstige Vereinsveranstaltungen gerne genutzt.
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Judo: Mehr als nur ein Sport
JUDO ist eine Zweikampfsportart, bei der es darum geht, den Gegner mit einen den Wettkampfregeln entsprechenden Technik zu besiegen.
Herkunft und geistiger Hintergrund
"Durch gegenseitiges Helfen zum beiderseitigen Wohlergehen" und " Bester Einsatz von Geist und Körper": Wer diese Sätze liest, kann sich nicht unbedingt vorstellen, dass sie als Prinzipien einer Zweikampfsportart zu verstehen sind. Und doch ist es so.
Der Japaner JIGORO KANO stellte sie der von ihm begründeten Sportart JUDO voran, als er 1882 in Tokio seine erste Schule, den KODOKAN ( Schule zum Studium des Weges ), eröffnete.
Ursprünglich kannte man in Japan nur eine Art der waffenlosen Selbstverteidigung, die aus China kommende Kunst des JIU-JITSU.
Von der japanischen Kriegerkaste der SAMURAI, die den europäischen Rittern vergleichbar sind, war das JIU-Jitsu an den Feudalhöfen als Geheimwissenschaften weiterentwickelt worden.
In seiner Anwendung war es für das Schlachtfeld bestimmt und sollte helfen, den Gegner im Notfall auch ohne Waffen zu besiegen.
Als die Samurai in der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch die Meiji-Restauration ihre vererbten Vorrechte verloren, drohte die alte Kunst des Jiu-Jitsu in Vergessenheit zu geraten.
Das dies nicht geschieht, ist dem Deutschen Erwin BÄLZ aus Bietigheim, damals Professor der Kaiserlichen Universität in Tokio, zu verdanken.
Die Hinwendung der japanischen Jugend zu wissenschaftlicher Betätigung und der damit verbundene Mangel an körperlicher Bewegung veranlassten ihn, nach Möglichkeiten des Ausgleichs zu suchen.
Bälz empfahl seinen Studenten, sich in den alten Kriegskünsten zu üben. Der junge Jigoro Kano griff die ihm gebotenen Anregungen auf und entwickelte aus dem überkommenden Jiu-jitsu das heutige Judo.
Dabei verzichtete er auf schmerzhafte und gefährliche, nur der Selbstverteidigung dienende Techniken. Die Fertigkeiten von Angriff und Verteidigung wurden verbessert und so eine in sich geschlossene neue Sportart mit der Möglichkeit des Leistungsvergleichs im fairen, sportlichen Wettkampf geschaffen.
Kano nannte sein System JUDO, den "sanften Weg", im Gegensatz zu Jiu-Jitsu, der "sanften Kunst". Auf diese Weise wollte er ausdrücken, dass die neue Sportart, auf dem Prinzip des Nachgebens basierend, nicht nur eine reine Kunstfertigkeit sein, sondern der Persönlichkeitsentwicklung breiten Raum lassen sollte.
Durch regelmäßiges körperliches Training soll der Judoka ( Judokämpfer ) zu einem gereiften ausgeglichenen Menschen werden, der auch sein sonstiges Leben nach den Prinzipien des Judo bewältigt.
Die in dieser Benennung beinhalteten Gedankengänge des ZEN-BUDDHISMUS werden durch folgendes Zitat verdeutlicht: "Das Wort Übung hat einen doppelten Sinn, denn es gibt zweierlei Übung: Die Übung in einem Können zu sichtbarer Leistung und in Übung zur inneren Reife. Das Üben, dessen Sinn ein Können ist, erfüllt sich in einer vollendeten Tathandlung oder einem gültigen Werk in der Welt.
Spiele dich selbst nicht in den Vordergrund. Sprich über deinen Erfolg nicht mit Übertreibung. Orientiere dich an den Besseren und nicht an denen, deren Leistungsstand du bereits erreicht hast. Kämpfe fair, ohne unsportliche Handlungen und ohne Hintergedanken. Sei bei allen Übungen und im Wettkampf konzentriert und voll bei der Sache. Entwickle eine positive Trainingseinstellung und übe fleißig.
Achte all diese Werte und alle Menschen. Dann wirst du beim Judo unweigerlich Freunde finden. Hilf deinem Partner, die Techniken korrekt zu erlernen. Sei ein guter Uke. Unterstütze als Höher-Graduierter/Trainingsälterer die Anfänger. Hilf den Neuen, sich in der Gruppe zurecht zu finden.
Behandle deine Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde. Zeige deinen Respekt gegenüber jedem Judo-Übenden durch eine ordentliche Verbeugung. Nimm im Randori und Wettkampf dein Herz in die Hand. Gib dich niemals auf, auch nicht bei einer drohenden Niederlage oder bei einem scheinbar übermächtigen Gegner. Begegne deinem Lehrer/deiner Lehrerin und den Trainingsälteren zuvorkommend. Erkenne die Leistungen derjenigen an, die schon vor Deiner Zeit Judo betrieben haben. Achte auf Pünktlichkeit und Disziplin bei Training und Wettkampf. Verliere auf der Matte nie die Beherrschung, auch nicht bei Situationen, die du als unfair empfindest. Erkenne die Leistung jedes Anderen an, wenn dieser sich nach seinen Möglichkeiten ernsthaft anstrengt.
Erfolge und Veranstaltungen
Bezirksliga 2025: TSV Mainburg erneut Meister
Am Samstag, 19. Juli 2025 reiste unsere Herrenmannschaft zum großen Finale der Bezirksliga nach Mitterfels. Vor einer stimmungsvollen Kulisse standen die finalen vier Begegnungen gegen Hohenthann, Mitterfels, Deggendorf und Vilsbiburg auf dem Programm - und unsere Judoka zeigten einmal mehr, warum sie zur Spitze Niederbayerns gehören.
Im ersten Duell traf Mainburg auf Hohenthann. In der Klasse bis 90 kg musste sich Arthur Fuhrmann trotz guter Aktionen und einer frühen Yuko-Wertung letztlich durch Hansoku-make geschlagen geben. Auch Jakob Rank in der Gewichtsklasse bis 66 kg unterlag nach starker Anfangsphase. Doch dann startete die Aufholjagd: Christian Kipperer in der Klasse bis 81 kg holte mit klarem Ippon den ersten Punkt. Florian Birner in der Gewichtsklasse bis 73 kg glich mit einem schnellen Armhebel am Boden aus. Den Schlusspunkt setzte schließlich Sergej Lenz im Schwergewicht über 90 kg mit einem technisch sauberen Soto-maki-komi - am Ende hieß es 3:2 für Mainburg.
Gegen den Gastgeber Mitterfels ließen unsere Athleten anschließend nichts anbrennen. Arthur Fuhrmann, Jakob Rank, Christian Kipperer, Florian Birner und Leander Hölzl gewannen ihre Kämpfe teils spektakulär mit kraftvollen Würfen und schnellen Haltegriffen. Die Halle tobte, als Mainburg mit einem souveränen 5:0-Sieg die Matte verließ.
Die dritte Begegnung des Tages war hart umkämpft. Christian Kipperer in der Klasse bis 90 kg und Florian Birner bis 66 kg mussten sich jeweils geschlagen geben. Arthur Fuhrmann brachte die Mainburger mit einem Sankaku-Sieg im Boden zurück ins Rennen. Jakob Rank, der diesmal eine Gewichtsklasse höher startete, zeigte anschließend großen Kampfgeist und holte mit Harai-goshi und Tani-otoshi den Ausgleich. Im entscheidenden Schwergewicht unterlag Leander Hölzl jedoch seinem Kontrahenten, sodass der Sieg mit 3:2 an Deggendorf ging.
In der letzten Begegnung des Tages traf Mainburg auf Vilsbiburg. Der Gegner konnte zwei Gewichtsklassen nicht besetzen. Zudem punkteten die Mainburger souverän in den Klassen bis 73 kg und bis 66 kg und gaben lediglich in der Kategorie bis 90 kg einen Kampf ab. Mit einem klaren 4:1 schloss die Mannschaft den Kampftag ab.
Mit einer herausragenden Mannschaftsleistung sicherte sich die Herrenmannschaft des TSV Mainburg erneut den Meistertitel der Bezirksliga Niederbayern. Trotz einer knappen Niederlage gegen Deggendorf bewiesen unsere Judoka in den übrigen Begegnungen Kampfgeist, Technik und Teamspirit. Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Team!
Mit dieser starken Saisonbilanz geht es nun als amtierender Seriensieger mit breiter Brust in die nächste Saison.
TSV Mainburg Judo - weiterhin das Maß der Dinge in der Bezirksliga!
Jugendkombiausbildung zum Trainerassistenten
Vom 20. bis 22. Juni 2025 fand in Kirchdorf am Inn die Jugendkombiausbildung zum Trainerassistenten des Bezirks Niederbayern statt. Mit dabei waren auch vier engagierte Nachwuchssportler*innen des TSV Mainburg: Hanna Fischbäck, Lea Fischbäck, Matthias Limmer und Jakob Rank.
Der Lehrgang begann am Freitag mit Kennenlernspielen und der Einteilung in Gruppen, in denen anschließend verschiedene Spiele durchgeführt wurden. So wurde der Grundstein für ein gutes Miteinander und Teamarbeit gelegt.
Der Samstag startete sportlich mit Lauftraining und Gymnastik. Danach folgte eine intensive Trainingseinheit mit Koordinationsleiter und Medizinball, gefolgt von Techniktraining, bei dem unter anderem Kumi Kata und Selbstverteidigung geübt wurden. Ein Erste-Hilfe-Kurs rundete das Programm ab, bevor der Tag bei einer gemütlichen Grillparty ausklang.
Am Sonntag standen erneut Lauftraining und Gruppenarbeit auf dem Programm. Die Teilnehmer*innen beschäftigten sich mit dem neuen Graduierungssystem und der Geschichte des Judosports. Im Anschluss gab es eine Einführung in das Kampfrichterwesen - inklusive Handzeichen und Bestrafungssystem.
Ein besonderes Highlight war die trainingsbegleitende Prüfung von Lea Fischbäck, die erfolgreich ihren Orange-Grüngurt ablegte. Zum Abschluss erhielten alle Teilnehmer*innen ihre Urkunden als Anerkennung für ihre Leistungen und ihr Engagement.
Der TSV Mainburg ist stolz auf seine jungen Judoka und gratuliert herzlich zur erfolgreichen Teilnahme.
Gürtelprüfung zum 5. Kyu (Orangegurt)
Am Dienstag, 3. Juni 2025, stellte sich die zweite Gruppe der Altersklasse U11/U13 mit großer Aufregung der Prüfung zum 5. Kyu (Orangegurt).
Die intensive Trainingszeit in den Wochen zuvor spiegelte sich in der hohen Trainingsbeteiligung und den durchwegs passablen bis guten Leistungen während der Prüfung wider.
