Die UFC gilt als das Nonplusultra im internationalen MMA. Während Länder wie die USA, Brasilien oder Russland traditionell stark vertreten sind, kämpfen auch einige Athleten mit tschetschenischem Hintergrund unter dem Banner der Ultimate Fighting Championship.
Bekannte tschetschenische UFC-Kämpfer
Mairbek "Beckan" Taisumov
Mairbek "Beckan" Taisumov zählt zu Europas großen Hoffnungen in der Lightweight Division der UFC. Der gebürtige Tschetschene ist in Wien beheimatet und bereitete sich auf seinen Kampf gegen den Top10-Kämpfer Beneil Dariush am 17. Jänner 2016 in Boston, Massachusetts vor. Im ersten Teil des Interviews schildert er uns, wie er zu Mixed Martial Arts kam und seinen Weg bis zum Vertrag mit der UFC.
Mairbek Taisumov wuchs in Tschetschenien auf, Ringen ist in seiner Heimat ein Nationalsport. Er war elf Jahre alt, als sein Vater im zweiten Tschetschenienkrieg verstarb und seine Familie nach Wien auswanderte. "Ich denke dass Tschetschenen hart im Nehmen sind, sie machen sich keine Sorgen um ihre Zukunft. Sie leben in der Gegenwart, was wichtig für einen Kämpfer ist".
Neben dem Kampfsport widmete sich Taisumov in Österreich auch dem Fußball. Dort wurde er "Beckham" gerufen, woraus sich schließlich sein Spitzname "Beckan" entwickelte. Schließlich verschrieb sich Taisumov vollständig dem Kampfsport. Einer seiner Trainer fragte ihn, ob er sich in MMA versuchen will. "Ja, warum nicht? In Tschetschenien kämpfen wir jeden Tag nach der Schule."
In Europa machte Taisumov schnell auf sich aufmerksam, er trat bei vielen Veranstaltungen in verschiedenen Ländern an. Bald meldete sich M1-Global bei seinem Manager. "Ich habe unterschrieben ohne links ohne rechts zu schauen." Der erste Titel ließ nicht lange auf sich warten, ein Angebot von der MMA-Organisation Bellator schneite in Haus. Aufgrund einer unglücklichen Niederlage verlängerte aber Taisumov bei M1. Nach drei weiteren Kämpfen für M1 meldete sich die UFC bei seinem Manager.
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Drei der ersten vier UFC-Kämpfe gewann Taisumov, im Februar 2015 verlängerte er seinen Vertrag für weitere fünf Kämpfe. Den ersten davon gewann er im Juni 2015 in Berlin gegen den davor ungeschlagenen Alan Patrick per TKO und holte sich dafür auch einen 50.000-Dollar-Scheck für die "Performance of the Night" ab.
Nicolas Löckel ist Manager des Gyms M.M.A. Vienna, in dem Taisumov trainiert. "Seine Demut und seine Begeisterung für den Sport ist unglaublich. Ich bin davon überzeugt, dass er den Titel holen kann." Auch Roger Huerta, ehemaliger UFC-Veteran und Trainer im Tiger Muay Thai Camp in Thailand, in dem sich Taisumov auf seine Kämpfe vorbereitet, hält große Stücke auf seinen Schützling.
Abdul-Kerim Edilov
Der ehemalige UFC-Kämpfer Abdul-Kerim Edilov ist im Dezember 2022 im Alter von 31 Jahren verstorben. Der Tod des russischen Mixed-Martial-Arts-Athleten Abdul-Kerim Edilov (†31) wirft auch drei Monate nach seinem Ableben noch viele Fragen auf. Wurde ihm am Ende seine politische Karriere zum Verhängnis?
Edilov war nämlich enger Vertrauter des tschetschenischen Diktators Ramsar Kadyrow (46). Im Jahr 2014 gründete der russische Politiker seinen eigenen MMA-Klub und veranstaltete regelmäßig Wettbewerbe. Edilov gehörte bereits damals zu seinen wichtigsten Kämpfern und unterschrieb anschließend sogar einen Profi-Vertrag bei der UFC.
2017 absolvierte der damals 25-Jährige dann seinen ersten und auch einzigen Kampf bei der UFC. Bei der Fight-Night 115 am 2. September in Rotterdam gewann er seinen Kampf gegen den Serben Bojan Mihajlović (42) durch ein technisches K.O. in der zweiten Runde.
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Anstatt anschließend an seiner internationalen MMA-Karriere zu arbeiten, ging es für Abdul-Kerim Edilov in die Familie von Diktator Ramsar Kadyrow. Dort fungierte der ehemalige UFC-Kämpfer als Babysitter für die drei Söhne (im Teenageralter) von Kadyrow und brachte ihnen unter anderem das Kämpfen bei. Dadurch erarbeitete sich Edilov erst einen Posten als Stabschef und anschließend als stellvertretender Premier-Minister von Tschetschenien.
Nur wenige Monate später wurde der frisch gebackene Politiker wegen Drogen-Konsum verurteilt und anschließend gefoltert. Fünf Wochen nach Rücktritt wurde der Tod von Edilov vermeldet.
Für seine Söhne hat der Putin-Verbündete jedenfalls bereits Ersatz gefunden - sie werden jetzt von UFC-Star Khamzat Chimaev (28) trainiert.
Khamzat Chimaev
MMA-Profi Khamzat Chimaev ist ein Gefolgsmann des Diktators und ein Superstar in der Szene. Chimaev ist nicht nur einer der momentan größten Kampfsportstars, sondern auch enger Freund des tschetschenischen Diktators Ramsan Kadyrow.
Dass inzwischen oft in den Vereinigten Arabischen Emiraten gekämpft wird, ist kein Zufall. Chimaev kämpfte bereits fünf Mal in Abu Dhabi. Nicht nur, weil er sich dem Emirat als Muslim näher fühlt, sondern weil ihm die USA aufgrund seiner engen Verbindungen zu Ramsan Kadyrow ein Visum verwehrt haben.
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Kadyrow inszeniert sich gerne als großen Helden, Anführer und ist das, was man im Westen getrost als toxisches Männlichkeitsideal par excellence bezeichnen kann. Als Vehikel dafür benutzt er den Kampfsport, insbesondere MMA und das Boxen. Chimaev versteckt seine Freundschaft zu Kadyrow nicht. Im Gegenteil, in den sozialen Medien zelebriert er sie regelrecht. Die UFC ignoriert das gekonnt. Selbst dann, wenn Chimaev dem Diktator im Käfig öffentlich die Treue schwört.
Magomed Ankalaev
Magomed Ankalaev, ein weiterer Vorzeigeathlet aus dem Fight Club von Kadyrow, gewann seinen Kampf im Halbschwergewicht und wird den nächsten Titelkampf bekommen. Zwar wurden Magomedov noch keine offiziellen Verbindungen zu Kadyrow nachgewiesen, dafür aber seinem Manager Ali Abdelaziz, der etliche Kämpfer des Fight Club Akhmat vertritt.
Die Dulatov-Brüder
Vier Männer und ihr Traum vom sozialen Aufstieg: Die Dulatov-Brüder flüchteten 2007 aus dem Tschetschenienkrieg nach Deutschland. Heute sind sie gefeierte Männermodels, Kampfsportler und Jungunternehmer. Eine Geschichte über Einwanderung, Erfolg und Eitelkeit
Djibril, Islam, Sulumbek und Tamerlan Dulatov sind eine Erscheinung. Vier MMA-Kämpfer, vier Models, viermal der deutsche Traum vom sozialen Aufstieg. Im Jahr 2007 flüchteten sie vor dem Krieg aus ihrem Heimatland Tschetschenien nach Deutschland. Und seit Djibril, der Älteste, Anfang der 2010er Jahre mit dem Modeln begann, träumen sie von der ganz großen Karriere. Im Sport, im Modelbusiness, ja, eigentlich überall, wo sich Geld, Reichweite und Respekt verdienen lassen.
Der „Rheinischen Post“ sagten sie, sie wollen größer als die Kardashians werden, „weil wir Talent haben“. Deswegen soll bald der Umzug nach L. A. kommen, dann die Aufnahme in die wichtigste MMA-Liga der Welt und damit der Aufstieg zu Popstars.
Im Kampfsportstudio ist alles in Schwarz und Rot gehalten, Scheinwerfer leuchten den Raum aus, es ist stickig und riecht nach Männern, die sich an anderen Männern reiben.
Die Dulatovs gehören zu den Shootingstars der deutschen MMA-Szene. Aber weil der Sport hierzulande wenig profitabel ist, wollen die vier ihre Kampfzone ausweiten. Djibril ist der Chef der Brüder. Er ist so etwas wie der Wegbereiter der Familie. Das erste Model, der erste MMA-Kämpfer, der Manager und manchmal auch das Kindermädchen für die kleinen Brüder.
Islam ist der Star der Familie. Der 23-Jährige ist der sportlich Vielversprechendste und hat die größten Modedeals an Land gezogen. Und dann ist da noch Sulumbek, 25 Jahre alt, der Ruhigere, der gerne liest. Und Tamerlan. Mit 21 Jahren der jüngste der vier Brüder und der mit dem schnellsten Mundwerk, dem frechen Grinsen und den Rapper-Ambitionen.
Dass die Brüder so hungrig auf Erfolg sind, liegt zu einem gewissen Teil auch an ihrer Herkunft. „Früher haben wir viel Zeit damit verbracht, uns an anderen zu orientieren“, sagt Djibril nach dem Training auf einer Bank vor dem Käfig. „Heute versuchen wir, uns nur mit uns selbst und unserer Vergangenheit zu motivieren.“
Im Dezember 2007 flüchteten sie aus Tschetschenien. Djibril war damals 13. Er kann sich noch an die Panzer in seiner Heimat nahe der Hauptstadt Grosny erinnern, an die Munition und die leeren Patronenhülsen, mit denen er als Kind gespielt hat.
Aufgewachsen sind die Brüder im Düsseldorfer Problemviertel Rath. Die Perspektiven für vier Jungs aus dem Asylbewerberheim waren begrenzt. Die Brüder entschieden sich für den Sport. Auch weil sie die ersten Jahre in Deutschland zu den Außenseitern gehörten.
Das sportliche Ziel der Brüder ist die UFC. Der größte MMA-Verband der Welt, durch den Kämpfer wie Conor McGregor oder Khabib Nurmagomedov berühmt und sagenhaft reich wurden. Noch treten Islam und Djibril in der GMC an. Der German MMA Championship.
Beim Modeln sind die Klassenunterschiede zwischen ihnen kleiner. Alle vier stehen bei der internationalen Modelagentur IMG unter Vertrag, die auch Kate Moss, Gigi Hadid oder Gisele Bündchen betreut. In Deutschland werden sie von der renommierten MINT-Agentur vertreten.
Seitdem haben sich alle vier Brüder als Models einen Namen gemacht. Nicht nur, aber sicherlich auch, weil die Modebranche gerne provoziert. Manche Angebote lehnen sie aus religiösen Gründen ab. Das Geld aus den übrigen Bookings reinvestieren sie. „Wir haben eine Shisha-Bar, einen Friseursalon und ein Modelabel gegründet“, sagt Djibril. Die letzten Monate betrieben sie auch ein Corona-Testzentrum. Diversifizierung, Dulatov-Style.
Ein Samstagabend im April in einem Gelsenkirchener Industriegebiet. Der Kampf findet auf einem Indoorspielplatz statt, der kurzerhand zum Fightclub umfunktioniert wurde.
Den vorläufigen Höhepunkt des Abends liefert Islam Dulatov gegen Ibrahim Celik. Der groß gewachsene Dulatov, Kampfname „The Ripper“, läuft mit Bandana ein, hinter ihm seine Brüder, von den Rängen wesentlich mehr Applaus als für den Kontrahenten. 20 Sekunden, 13 Schläge und Islams Gegner liegt am Boden. Dulatov hat kurzen Prozess gemacht, anders kann man es nicht sagen.
Nach dem Kampf wird Islam von den Kameras umringt. Die Brüder haben sogar einen eigenen Kameramann dabei, der sie für ihren YouTube- Kanal filmt. Auf Instagram haben sie zusammen eine Reichweite von knapp 140 000 Followern. An die Kardashians reicht das noch nicht heran, für deutsche Kampfsportler ist es trotzdem beachtlich.
Und natürlich schwingt auch bei den Dulatovs eine Trotzhaltung mit. Niemand traute vier Jungs aus dem Asylbewerberheim eine internationale Model- und Profisportlerkarriere zu.
„Vermarktung ist das A und O“, sagt er in der grün gekachelten Umkleidekabine. Auch die Dulatovs verorten sich mehr in der Popkultur als im Nischensport. „Was wir haben, ist so ein klassisches Märchen: von Straßenjungs zu Superstars.“
Sobald die Pandemie vorüber ist, wollen die vier nach Los Angeles übersetzen.
