Seit dem 1. Juli 2022 hat der Deutsche Judo-Bund (DJB) ein neues Graduierungssystem eingeführt.
Es löst die „Ausbildungs- und Prüfungsordnung“ ab, die allerdings übergangsweise noch bis zum 31. Dezember 2023 genutzt werden kann.
Der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat unter Leitung von DJB-Ausbildungsleiter Ralf Lippmann und dem ehemaligen DJB-Vorstand Andreas Kleegräfe gemeinsam mit der DJB-Arbeitsgruppe „Graduierung“ das Kyu-Graduierungssystem überarbeitet und neu konzipiert.
Das neue Graduierungssystem soll hierbei sowohl Tradition und Moderne, als auch klare Standards und Flexibilität ermöglichen.
Das moderne Technikverständnis und die Kompetenzorientierung weisen hierbei den Weg.
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Eine Verbindung von Wissen und Können unter Berücksichtigung individueller Entwicklung, Fähigkeiten und Fertigkeiten, gepaart mit individuellen Aufgabenstellungen und selbstständigen Lösungsansätzen werden angestrebt.
Dadurch wird ein tieferes Verständnis von Situation und Lösung hergestellt.
Der weiß-gelbe Gürtel als erster Schritt
Im Mittelpunkt des „modernen Graduierungssystems“ steht neben der „Technik als Lösung einer Situation“ auch der vereinfachte Einstieg in den Judosport.
Anders als bisher muss im Rahmen der Graduierung zum 8. Kyu kein erreichtes Fertigkeitsniveau, sondern ausschließlich ein Grundverständnis von und über Judo erlangt werden.
Eine zentrale Rolle im neuen System spielt der weiß-gelbe Gürtel, der 8. Kyu, der unter dem Motto "Dein erster Schritt zum schwarzen Gürtel" den Einstieg zu unserem Sport erleichtert.
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Mit geringen Anforderungen werden Judo-Newcomer*innen - Kinder und Erwachsene - mit den Grundlagen, Ideen und Werten unserer Sportart vertraut gemacht.
Der „neue“ weiß-gelbe Gürtel ist nicht mehr Teil des Graduierungssystems, sondern soll als „Einstiegsgürtel“ das Eintauchen in die Welt des Judosports schneller ermöglichen.
Unter dem Motto „Der weiß-gelbe Gürtel, dein erster Schritt zum schwarzen Gürtel“ haben Vereine die Möglichkeit, in Schnupperkursen, beim „Tag des Judo“ oder im Rahmen anderer Projekte mit einfachen ausgewählten Inhalten elementare Grundlagen spielerisch zu vermitteln und anschließend den weiß-gelben Gürtel auch ohne Vereinszugehörigkeit zu verleihen.
So baut der Judoverein direkt eine Bindung auf und motiviert die neuen Judoschüler dazu, die nächsten Schritte im Leben eines Judoka zu gehen.
Wer will schließlich nicht einen schwarzen Gürtel besitzen?
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Das kann, muss aber nicht unbedingt im Verein passieren, sondern gern auch in einem anderen Kontext, z.B. bei Schnupperangeboten in Kita und Schule, bei Ferienaktionen in der Kommune und anderen Einführungskursen.
Neuerungen im Kyu-Bereich
Die Kyu-Ausbildung wird nun in verschiedenen Niveaustufen in Grundprogramm (7.-4. Kyu) und Erweiterungsprogramm (3.-1. Kyu) eingeteilt.
Neu sind außerdem viele Techniknamen.
Judo-Deutschland schließt sich den Namen an, die international von Kodokan und der IJF (International Judo Federation) vorgegeben sind.
Ko-uchi-barai (und einige andere) gibt es nicht mehr, Uki gatame (und andere) ist neu im Prüfungskontext, Ashi garami (und andere) bekommt eine neue Bedeutung.
Die Art und Weise, wie Techniken vorzuführen sind, hat sich ebenfalls etwas verändert: Die Unterscheidung zwischen Grundform und Anwendungsaufgabe entfällt.
Das Erlernen grundlegender Wurf-, Halte-, Hebel- und Würgeprinzipien steht weiterhin im Zentrum.
Jedoch gewinnen das Werfen aus verschiedenen Situationen, das Herausstellen der vielfältigen Wurfrichtungen und das Erlernen unterschiedlicher Lösungsansätze im Bodenkampf an Bedeutung.
Als Hilfestellung stehen Prüflingen, Trainer*innen und Prüfer*innen Videos aller zu demonstrierenden Techniken zur Verfügung, die bei der Vorbereitung unterstützen können.
Dan-Prüfungen
Auch für Danprüfungen wird es neue Inhalte und Regularien geben.
Diese treten voraussichtlich am 1. Juli 2023 in Kraft - wiederum mit einer 18-monatigen Übergangsfrist.
Mit der Fortschreibung der Inhalte des Dan-Prüfungsprogramms folgt der Deutsche Judo Bund einer langen Tradition von Prüfungsinhalten, die sukzessive weiterentwickelt werden.
Das vorliegende Programm baut auf vielen Inhalten der ersten gesamtdeutschen Dan-Prüfungsordnung von 1995 auf und schreibt diese fort.
So wurden auch die Begleitmaterialien von 1997 bei der Erstellung dieses aktuellen Skriptes benutzt und weiterentwickelt.
Die Arbeitsgruppe hat sich im Auftrag des Präsidiums, der Mitgliederversammlung und des Fachgremiums des Deutschen Judo Bundes ca. zweieinhalb Jahre, unter hauptamtlicher Leitung, ehrenamtlich mit der Erstellung der Inhalte und Materialien beschäftigt.
Alle Entscheidungen wurden im Gremium ausführlich beraten und innerhalb der Gruppe demokratisch entschieden.
Zwischenergebnisse wurden zweimal dem Fachgremium (Lehr- und Prüfungsreferenten der Landesverbände) und einmal den Präsidenten der Landesverbände zur Zustimmung vorgelegt.
In dem Begleitskript werden sowohl Erklärungen für Entscheidungsfindungen, als auch Erläuterungen zu den Prüfungsinhalten dargestellt.
Weiterhin enthält es Begleitmaterialien, welche Begriffe erklären, mit den Grundlagen und der Geschichte unserer Sportart vertraut machen, Lehrsysteme und Methoden beschreiben und somit dem Prüfling eine umfangreiche Hilfestellung zur Vorbereitung auf die Prüfung geben.
Das neue Dan-Graduierungsprogramm wird zum 1. Juli 2023 mit einer Übergangszeit von 18 Monaten in Kraft gesetzt.
Als logische Fortführung der Inhalte unseres neuen Kyu-Graduierungssystems kann ab dem 1. Juli das neue Dan-Programm in der Praxis ausprobiert werden.
Die Inhalte wurden von der Arbeitsgruppe Graduierung im DJB mit enger Beteiligung der Landesfachreferenten als modernes, kompetenzorientiertes Programm zusammengestellt.
Erläuterungen und Begleitmaterialien zum neuen Dan-Graduierungssystem werden sukzessive und zeitnah veröffentlicht.
Zeitplan und Übergangsfristen
Das neue Kyu-Graduierungskonzept wurde zum 1. Juli 2022 veröffentlicht und allen Landesverbänden und Vereinen zugänglich gemacht.
Nach einer anderthalbjährigen Übergangsphase soll das neue Graduierungssystem zum 1. Januar 2024 implementiert sein.
Die im Kyu-Programm beschriebenen „Anforderungen für Kyu-Grade“ sind integraler Bestandteil der Graduierungsordnung des Deutschen Judo-Bundes.
