Dieser Artikel befasst sich mit der Frage, wie in Kampfsystemen Qualitäten ausgebildet werden. Es geht auch darum, was erforderlich ist, um aus einem System ohne hohen Vollkontaktanteil in ein Vollkontaktsystem hineinschauen zu können und einigermassen unbeschadet, dafür mit neuen Erkenntnissen wieder rauszukommen.
Die physische Vorbereitung
Die physische Vorbereitung ist am einfachsten. Als allererstes sollte man fallen können, ohne sich gleich die Gräten zu brechen - ich weigere mich inzwischen standhaft, mit jemandem bzw. jemanden zu trainieren, der nicht vorab die Fähigkeit zu fallen (im Rahmen des geplanten Vergleichssettings) demonstriert.
Wenn beim Vergleich zudem Schläge erlaubt sind, sollte man zudem vorab mit Schutzausrüstung und Partner geübt haben, um ein Distanzgefühl zu entwickeln und ein paar Treffer einstecken zu können. Das deckt die grundlegende physische Vorbereitung auch schon ab, wobei wir hier von einem Basislevel sprechen, nicht von etwas, was dem Äquivalent eines Meistergrades gerecht würde.
Natürlich ist es auch ein Vorteil, fitter zu sein, aber für einen reinen Einblick in ein anderes System und zu wissen, wo man steht ist das nicht zwingend erforderlich - auch wenn «ich sollte wirklich mehr an meiner Ausdauer arbeiten» ein nicht unübliches Statement nach solchen Vergleichen ist.
Die richtige Einstellung
Die Einstellung, die für einen systemübergreifenden Austausch förderlich ist, ist sowas wie «Wir machen unser Ding, aber was die anderen machen kann auch spannend sein und in bestimmten Kontexten funktionieren». Das soll jetzt keine Kritik an traditionellen Kampfkünsten (oder dem, was heute als solche verkauft wird) sein, aber ich finde, man sollte Tradition und Analyse auch gelegentlich trennen können, und vor allem nicht die intrinsische Überlegenheit des eigenen Stils basierend auf dessen mehr oder weniger verlässlichen Geschichte postulieren, nur weil einem das laufend eingetrichtert wurde.
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Ich weiss, das liegt häufig im Interesse des Anbieters, aber eben nicht zwingend im Interesse des Anwenders, der vermutlich nicht unter Realbedingungen lernen möchte, dass die «ultimative Technik» so ultimativ nicht ist. Technik ist schön und gut, aber sie muss auch für den Anwender funktionieren - und dafür eben auch mal mehr oder weniger adaptiert werden.
Ich glaube, einer der Gründe, warum Vollkontaktler an Vergleichen so viel Spass haben ist, dass das für sie im Rahmen ihres Kontextes ganz normal ist - bei jedem Sparring vergleicht man sich mit anderen, und bei jedem Lehrgang oder Wettkampf vergleichen sich Schulen. Je grösser der Sport, desto grösser die möglichen Vergleichsebenen. Und wer nur immer stur «sein Ding» macht, wird halt nicht über Punkt X hinauskommen, was in vielen Fällen eben bedeutet: schnell mal stagnieren.
Kraft und Technik
Es geht nicht um «Kraft gegen Technik» - Technik ist die korrekte und zeitkritische Anwendung von Kräften und Impulsen. Ungeachtet dessen, wer grad die dickeren Oberarme hat. Anstatt Kraft als negativ abzutun und ewig «Technik schlägt Kraft» zu beten würde ich das alte Dogma umformulieren und sagen, dass es im physischen Teil einer Auseinandersetzung primär um Kräfte geht.
Kräfte werden im Kampfsport primär generiert durch Gewichtsverlagerung (!) und sekundär verstärkt durch Muskelkontraktionen, sowohl die eigenen als auch die des Gegners, die man nutzen kann (sofern man sie denn voraussagen und/oder gezielt provozieren kann). Sie werden verstärkt durch die generierte Geschwindigkeit, Hebel- und Keilwirkung (= Technik, Waffen) sowie gezielte Anwendung (= kampfrelevante Anatomiekenntnisse) und koordiniert durch gezielte Bewegungsabfolgen (= Technik bzw. Technikketten).
Die Fähigkeit, Kräfte zu generieren, ist elementar und wertvoll und muss von jedem Kampfsportler im Rahmen seines Trainings unablässig trainiert und nach Möglichkeit optimiert werden. Ebenso wie Technik der limitierende Faktor bei der praktischen Anwendung von Kräften sein kann, sind Kräfte und praktische Anatomiekenntnisse die limitierenden Faktoren bei der Anwendung von Technik. Mehr Kraft generieren zu können - durch Gewicht, die Fähigkeit zur schnellen Gewichtsverlagerung und/oder durch Muskelkraft - ist erstmal ein Vorteil, jedoch darf ich dabei die anderen Aspekte nicht völlig aus den Augen verlieren.
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Zur Technik würde ich noch einbläuen, dass eine Technik der anderen nicht primär überlegen ist, sondern immer ein Ansatz für einen bestimmten Kontext. Dieser Ansatz eignet sich nicht für alle denkbaren Kontexte gleich gut und muss unablässig geschliffen werden, und dazu gehören Tests nun mal dazu.
Das Gleichnis vom Messerschleifen
Wer Erfahrung im Schleifen von Schneidwerkzeugen hat, weiss wovon ich spreche: Erst, wenn ich auf die Erfahrungen unzähliger «Schärfetests» zurückgreifen kann - primär meine eigenen, in zweiter Linie die meines Trainers und in dritter Linie auf die von dessen Trainern - kann ich vielleicht beurteilen, wie und wann ich die richtige Schärfe erreicht habe. Aber auch dann werde ich vermutlich gelegentlich testen müssen oder wollen, um sicherzugehen, dass ich «es nicht verlernt habe».
Man sollte auch beachten, dass nicht jede «Schärfe» - das Resultat aus Stahl, Härte, Klingengeometrie, Schleifwinkel, Körnung des Schleifmediums und Qualität sowie Dauer des Schleifvorgangs - sich für jede Anwendung gleich eignet und Kenntnisse in einer Schärftechnik sich nicht zwingend auf andere Schärftechniken übertragen lassen.
Genau das passiert m.E. aber sehr häufig in den Kampfkünsten - die einzelnen Komponenten wollen oft einfach nicht so recht zueinander und zum propagierten Anwendungsgebiet passen. Der Stahl in dem Gleichnis ist natürlich der Schüler. Es gibt ganz unterschiedliche Stähle, die sich für unterschiedliche Anwendungen von Haus aus unterschiedlich gut eignen.
Die Bedeutung des Sparrings
Vollkontaktsparring und Wettkampf sind dabei gleichzeitig «Schärfmittel» und Schärfetest, verbunden mit einem allgemeinen Belastungstest. Sie sind keineswegs die einzigen Schärfmittel, sondern eher sowas wie der Wetzstahl (steel sharpens steel!) und das Abziehleder, also das, was «den letzten Schliff» gibt.
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Ein Klingenrohling ist zunächst «blank» und kann für verschiedene Anwendungen optimiert werden, auch wenn bestimmte Tendenzen vielleicht schon erkennbar sind, weist er doch eine bestimmte Grobform und Materialzusammensetzung auf. Vielmehr kann diese im Laufe der Zeit und durch diverse Umstände ihr Anwendungsgebiet wechseln.
Tom Kohlrausch: Judo und mehr
Tom Kohlrausch, Träger des 3. Dan Schwarzgurts, begann sein Judo-Training am 20.08.1990 im Judo-Club Erbach e.V.
Graduierung: 3. Dan Schwarzgurt (27.03.2019, verliehen von Thomas Kohlrausch)
Trainerlinie:
Jigorō Kanō (Soke) -> Seizaburō Fukushima (8. Dan) -> Tatsukuma Ushijima (9. Dan) -> Tokio Hirano (8. Dan) -> Frank Thiele (9. Dan) -> Thomas Kohlrausch (8. Dan) -> Philipp Wolf (3.
Bekannte Schüler:
- Helmut Eckstein, 1. Kyu
- Eberhardt Rosewick, 1. Kyu
- Manfred Schneider, 2. Dan
- Eva Spieker, 2. Dan
- Holger May, 2. Dan
- Klaus Pankow, 1. Kyu
- Marijan Harték, 1. Dan
- Klaus Hanelt, 8. Dan
- Tanja Hantel, 5. Dan
- Thomas Kohlrausch, 8.
Sein erster Wettkampf war das traditionelle Herbstturnier des JC-Erbach am 08.11.1992.
Wettkampferfolge:
- TN Herbstturnier Judo, Erbach i. ODW (08.11.1992)
- 3. Platz Bezirksmeisterschaften Judo, Erbach i. ODW (19.09.1993)
- TN Hessenmeisterschaften Judo, Kassel (26.09.1993)
- 4. Platz Opel Polaktunier, Judo (13.03.1994)
Kohlrausch über Judo
Kohlrausch betont die Bedeutung von Happo no Kuzushi (Unbalancing in alle Richtungen). Er ist der Meinung, dass man in alle Richtungen werfen können sollte und nicht darauf warten oder seinen Partner/Gegner nur auf ein Viertel des Wurfkurses für seinen Tokui Waza vorbereiten sollte, auch wenn direkte Angriffe im modernen Judo erfolgreicher sind als Kombinationen.
Er glaubt, dass diese Kata für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet ist (ab Orange- oder Grüngurt). Er verwendet die Würfe, die sie kennen. Die Kata dient zur Shiai (Wettkampf-) Vorbereitung und soll auch die Lücke zwischen Kata und Shiai schliessen. Deshalb hat er beschlossen, keine Griffwechsel von rechts nach links oder links nach rechts zu verwenden.
Die Kata ist für grosse (erster Kreis) und kleine/kurze (zweiter Kreis) Judoka. Kleine Judoka lernen Techniken für grosse Judoka und grosse werden von kleinen bevorzugt. Schrittmuster für diese Kata zur Erzeugung von Kuzushi - die entwickelt werden müssen - sollten seiner Meinung nach kreisförmig sein, sich in Kreisen bewegen und in Wellen werfen.
