Vom Anfänger bis zum Großmeister durchläuft jeder Taekwon-Do-Praktizierende verschiedene Prüfungen, um sein Können und seine Disziplin unter Beweis zu stellen. Die Prüfungen bestehen aus verschiedenen Elementen, welche je nach Gürtelstufe variieren und im Taekwondo Training geübt werden. Neben praktischen Techniken beinhalten die Prüfungen auch theoretische Kenntnisse über Taekwon-Do. Dazu gehören die Prinzipien sowie die Bedeutungen der verschiedenen Techniken und Bewegungen.
Der Weg zur Meisterschaft: Die Gürtelgrade im Detail
Jeder Schüler kann in der Regel alle 3 bis 6 Monate eine Prüfung ablegen, abhängig von Trainingsintensität und Fortschritt. Ab dem 1. Dan (Schwarzgurt) steigt jedoch die Wartezeit zwischen den Prüfungen, da hier Geduld, Erfahrung und tiefere Kenntnisse gefordert werden.
Die Schülergrade (Kup)
Die Schülergrade unterteilen sich in 10 so genannter „Kups“ 급. In diesen Stufen sind alle Farbkombinationen der Gürtel einmalig. Erst mit erreichen der Meistergrade wird nicht weiter in den Rängen farblich unterschieden.Die KUP-Grade werden von 10 bis 1 rückwärts nummeriert, die DAN-Grade vorwärts gezählt. Der ersten Gurt ist der Weißgurt (10. Kup). Er wird beim Eintritt in die Schule verliehen, der Lehrer gibt dem neuen Schüler damit einen "Vertrauensvorschuss".
- Weißgurt (10. Kup): Der Beginn - Symbol für Reinheit und Unschuld. Der Schüler hat noch keine Kenntnisse über Taekwon-Do. Der weiße Gürtel ist wie ein unbeschriebenes Blatt. Es ist leer und wartet mit Wissen gefüllt zu werden.
- Weißgelbgurt (9. Kup): Die ersten Fortschritte - Die Basis wird gelegt, erste Techniken werden erlernt. der zweite Weißgurt, oder auch der weiß-gelbe Gurt genannt, bestätigt dem Träger, dass er seinen Gurt nicht ohne Grund trägt. Da er den Gürtel mit der Anmeldung in der Schule ohne Prüfung überreicht bekommen hat, beweist er nun, dass er würdig ist, ihn auch zu tragen. Im Taekwon-Do bekommt man nichts "geschenkt" sondern erarbeitet sich alles - also auch den Weißgurt.
- Gelbgurt (8. Kup): Symbolisiert die wachsende Saat - Der Schüler beginnt, ein tieferes Verständnis zu entwickeln. Gelb stellt die Farbe des Erdbodens dar. Es ist die Grundlage allen Wachstums. Zudem ist es die Farbe, des ersten Lichtstrahls, der den Schüler erreicht und der ihn motivieren soll weiter Richtung Himmel zu wachsen.
- Gelbgrüngurt (7. Kup): Der Übergang zum Grün - Erste komplexere Bewegungen werden erlernt.
- Grüngurt (6. Kup): Das Wachstum - Die Techniken werden ausgereifter, das Können nimmt zu. Grün wie das Grün einer Pflanze. Es ist etwas auf dem Boden gewachsen, erste Fähigkeiten sind entwickelt, erste Erkenntnisse sind gewonnen worden. Es ist ein erstes Zeichen dafür, dass sich das Training gelohnt hat und etwas im Schüler heranreift.
- Grünblaugurt (5. Kup): Der Baum wächst - Die Techniken werden fließender und präziser.
- Blaugurt (4. Kup): Symbolisiert den Himmel - Der Schüler beginnt, die höheren Konzepte des Taekwon-Do zu verstehen. Blau ist die Farbe des Himmels. Das Wachstum setzt sich fort und aus dem kleinen Pflänzchen, ist etwas geworden, dass Richtung Himmel wächst. Der Himmel steht sinnbildlich für eine Grenze. Der Schüler muss nun zeigen, dass er in der Lage ist, Höheres anzustreben und auch zu erreichen. Blau deutet auf die Farbe und Weite des Himmels hin und deutet an, daß neben der körperlichen auch eine geistige Entwicklung (Horizonterweiterung) stattgefunden hat, die letztendlich auch zu Höherem befähigt.
- Blaurotgurt (3. Kup): Die Vorbereitung auf den Rotgurt - Kontrolle und Disziplin stehen im Vordergrund.
- Rotgurt (2. Kup): Symbolisiert Gefahr - Der Schüler lernt, Verantwortung für seine Fähigkeiten zu übernehmen. Die rote Farbe ist eine Signalfarbe, einerseits für den Lehrer, die andeutet, dass sich etwas anbahnt und in der Lage ist ein Meister zu werden. Andrerseits soll sie die gleiche Wirkung auf den Schüler haben, denn er hat sich bereits umfangreiche Kenntnisse angeeignet und bis zu einem gewissen Punkt eine körperliche Beherrschung erreicht, die ihm eine Überlegenheit gegenüber nicht trainierten Personen garantiert.
- Rotschwarzgurt (1. Kup): Der letzte Schritt vor dem Schwarzgurt - Perfektionierung der Techniken.
Die Meistergrade (Dan)
Schwarz und damit der Schwarzgurt ist die Farbe der Meister. Schwarz ist die Farbe der Meister und im Training diesen vorbehalten. Schwarz als Symbol für das Weltall vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die stärkste von allen. Schwarz symbolisiert die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der Meistergrade. Neben der Anzeige der Graduierung erfüllt der Gürtel noch eine Vielzahl weiterer Funktionen.
- Schwarzgurt (1. Dan - 9. Dan): Der höchste Rang - Symbol für wahre Meisterschaft und tiefgehendes Wissen.
- 1. Dan - 2. Dan: Meisterschüler
- 3. Dan - 4. Dan: Meister
- Ab 5. Dan: Großmeister
Anforderungen für die Prüfung zum nächsten Gürtel
Nach erfolgreich abgelegter Taekwondo Prüfung habt Ihr Euch das Recht erworben, den nächsten Gürtel zu tragen. Die Taekwondo Gürtel mitsamt deren Farben sollt Ihr nun in aufsteigender Reihenfolge kurz kennen lernen.
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| Gürtelstufe | Anforderungen für Prüfung |
|---|---|
| Weiß-gelb Gürtel | Der 9. Kup muss sich seinen Gürtel durch einige Grundschultechniken, Steppübungen, Pratzenübungen und einen 1-Schritt-Kampf mit Partner verdienen. Sein Theorieteil besteht aus der Kenntnis der verwendeten Techniken in beiden Sprachen. |
| Gelb Gürtel | Der 8. Kup hat ebenfalls eine Wartezeit von 48 TE und muss zusätzlich erste Freikampfübungen und Selbstverteidigungstechniken gegen Handangriffe zeigen. Weiterhin wird die Kenntnis des Notwehrrechts und der Hintergründe des Taekwondo abgefragt. |
| Gelb-grün Gürtel | Die Taekwondo Prüfung zum 7. Kup beinhaltet zusätzlich die 1. Form Taeguk il-chang sowie die Grundformen der Falltechniken. |
| Grün Gürtel | Bei der Prüfung zum 6. Kup müsst Ihr die 2. Form Taeguk ih-chang beherrschen und Euch in einer gespielten Situation aus der Nahdistanz verteidigen. Theoretische Kenntnisse werden ebenfalls abgefragt und beziehen sich mehr auf die geistigen Hintergründe des Taekwondo. |
| Grün-blau Gürtel | Die Taekwondo Prüfung zum 5. Kup beinhaltet die 3. Form Taeguk sam-chang sowie verschiedene Pratzenübungen, Freikampfübungen und Selbstverteidigung gegen kombinierte Angriffe aus der nahen und mittleren Distanz. |
| Blau Gürtel | Passend zur Taekwondo Prüfung zum 4. Kup müsst Ihr die 4. Form Taeguk sa-chang erlernen. Weiterhin sollt Ihr zeigen, dass Ihr Euch gegen Angriffe aus allen Distanzen verteidigen könnt. Der Bruchtest, also das Zerschlagen von Brettern, ist hier erstmals vertreten, wobei die Brettstärken vorgeschrieben sind. |
| Blau-rot/ blau-braun Gürtel | Als Prüfling zum 3. Kup müsst Ihr Euch nochmals steigern und Euch nun auch gegen abgesprochene Stockangriffe und abgesprochene Angriffe in Bodenlage verteidigen. Die 5. Form Taeguk oh-chang und zwei Bruchtests gehören ebenfalls zum Programm. |
| Rot/ braun Gürtel | Hier erwartet Euch die 6. Form Taeguk yuk-chang und eine Ausweitung der Selbstverteidigung auf abgesprochene Messerangriffe sowie freie Stockangriffe. Zwei Bruchtests und die allgemeine Lernfortschrittskontrolle gehören selbstverständlich dazu. |
| Rot-schwarz/ braun-schwarz Gürtel | Den letzten Schülergrad erreicht Ihr, indem Ihr die 7. Der, der den nächsten Schritt wagt, darf sich Taekwondo Meister nennen. Bei den Prüfungen müsst Ihr die Meistergrade in die Poom Grade für Jugendliche und die bekannten Dan Grade für Erwachsene unterscheiden. Die Wartezeiten bleiben jedoch unverändert. |
| 1. Poom/ Dan | Für den 1. Dan müsst Ihr die 8. Form Taeguk pal-jang beherrschen, Euch gegen verschiedene unbewaffnete wie bewaffnete Techniken verteidigen können, einen 1-Schritt-Kampf sowie Freikampf vorzeigen und 3 Bruchtests absolvieren, wobei Ihr eine 2er Kombination zeigen müsst. |
| 2. Poom/ Dan | Die Prüfung zum 2. Dan beinhaltet die 9. Form Koryeo und 4 Bruchtests, wobei nun eine Sprungtechnik enthalten sein muss. |
| 3. Poom/ Dan | Hier erwartet Euch die 10. Form Kumgang, Selbstverteidigung gegen mehrere Gegner und 5 Bruchtests mit einer 3er Kombination und zwei Sprungtechniken. |
| 4. Dan - 7. Dan | Ihr müsst für jede Prüfung 2 Formen vorzeigen. Weiterhin wählt Ihr ab hier eine Form zur Vorkenntniskontrolle und einen freien 1-Schritt-Kampf selbst aus. Der Bruchtest besitzt ab hier ebenfalls keine Vorgaben mehr und Ihr solltet auch ihn daher eigenständig in entsprechender Schwierigkeit wählen. |
| 8. Dan | Die Kontrolle der Vorkenntnisse entfällt. Ihr müsst die Formen Cheonkwon und Hansu beherrschen, Selbstverteidigung gegen einen oder mehrere Gegner vorzeigen, einen freien 1-Schritt-Kampf demonstrieren und einen angemessenen Bruchtest vollführen. |
| 9. Dan | Das Programm ist identisch mit der Prüfung zum 8. Dan, außer dass Ihr hier die Formen Hansu und Illeyo vorzeigen müsst. |
| 10. Dan | Der 10. Taekwondo Dan existiert zu jeder Zeit nur einmal auf der Welt und wird dem Präsidenten der WTF ehrenhalber verliehen. |
Träger eines Taekwondo Poom erhalten einen rot-schwarzen Taekwondo Gürtel, während ein Taekwondo Dan den bekannten schwarzen Gürtel tragen darf. Jegliches Vorwissen kann, nach Ermessen des Prüfers, stichprobenartig abgefragt werden. Ab dem 4. Dan wird das Prüfungsprogramm überwiegend von Euch als Prüfling bestimmt.
Der Dobok: Die traditionelle Taekwondo-Kleidung
Das reguläre Taekwondo Training findet traditionell im Dobok 도복 statt. Dieser ist einheitlich weiß und sollte zudem möglichst wenig Aufdrucke und Firmenlogos aufweisen. Der Dobok 도복 ist stets weiß gehalten, nur Dan 단- und Poom 품-Träger ist gestattet -es ist keine Pflicht- ihre Doboks 도복 zu verzieren. Die weiße Farbe des Dobok 도복 soll ein leeres Blatt darstellen, welches beschrieben werden möchte. Zudem wird durch die einheitliche weiße Farbe die Gleichheit aller Taekwondoin symbolisiert.
Die Auflistung der nachfolgenden Doboks wird für gewöhnlich im Unterricht getragen. Hierbei geht es zu unterscheiden, ob der Verein dem WTF- oder ITF- Dachverband angehört. Die weiße Jacke ist für Schüler gedacht, die den zehnten bis ersten Kup innehaben. Es gibt aber auch Meister und Großmeister, die gerne auf Verzierungen verzichten und eine schlichte weiße Jacke tragen. Dieser Dobok ist für Poom träger gedacht, das sind in den meisten Fällen Kinder, die noch zu jung sind, um einen Dan zu erhalten. So schön dieser Dobok auch zum 1.
Der Dobok mit dem schwarzen Revers ist den Meisterschülern (1. - 3. Dan) und den Meistern (4. Großmeister ab dem 5. Dan dürfen einen karierten Dobok tragen. Wie bei den vorherigen Doboks auch gilt immer, sie dürfen müssen, aber nicht. Die schwarz karierte Jacke ist das Vorgängermodell von der gelb karierten Jacke. Großmeister, die eine gelb karierte Jacke tragen, tragen einfach nur das neuere Model der alten, schwarz karierten Jacke. In beiden Fällen muss der Dan-Träger mindestens den 5.
Bei offiziellen Turnieren der WTF dürfen nur von dem Verband genormte und abgenommene Doboks getragen werden. Auf den Poomsae-Turnieren der WTF werden die Jacken für Meister getragen, wobei auch hier die Unterscheidung gemacht wird, ob der Teilnehmer minder- oder volljährig ist. Kinder tragen dann ihre Poom Jacken. Zudem wird in Abhängigkeit vom Geschlecht zwischen verschiedenen Hosenfarben unterscheiden. Erwachsene Turnierteilnehmer tragen im Vergleich zu den Kindern ihre Meister-Doboks. Bei den Hosen wird aber auch bei den erwachsenen unterschieden.
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Großmeister tragen auf Poomsae-Turnieren eine gelbe Jacke mit schwarzer Hose. Diese dürfen hier antreten, da das Limit Turniere zu bestreiten, nur für den Kampfbereich gilt (an Kampfturnieren darf man nur bis zum 4. Dan teilnehmen). Im Gegensatz zu den beiden anderen Großmeister-Doboks dürfen diese Variante nur Dan-Träger ab dem 7.
Doboks der ITF unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen der WTF, jedoch ist hier das Tragen eines Sang ui, der übereinandergeschlagen wird weit häufiger verbreitet als das Tragen einer "Schlupfjacke". Der markanteste Unterschied bei Danträgern ist hier, dass nicht das Revers verziert, sondern der Saum der Jacke schwarz gehalten wird.
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