Peter Segals Sportler-Komödie Spiel ohne Regeln ist ein amerikanisches Remake des britischen Remakes eines amerikanischen Films. Wir beginnen unsere kleine Geschichtsstunde im Jahr 1974. Mit Burt Reynolds in der Hauptrolle wurde der Kampf des inhaftierten Profi-Footballers und seines Knacki-Teams unter dem Titel Die Kampfmaschine erstmals verfilmt.
Zwar kein Film, der in die Annalen der Filmgeschichte einging, aber immerhin eine kurzweilige, charmante Komödie für zwischendurch. Das jüngere Publikum wird vielleicht mit der Information etwas anzufangen wissen, dass das Team der Knackis schon damals den Namen Mean Machine trug. Genau unter diesem Titel wurde anno 2001 der Stoff mit leicht modifiziertem Inhalt auf der Insel der Teetrinker und Linksfahrer wiederentdeckt.
Statt Football wurde Fußball gespielt und die wenigen ernsthaften Töne des Originals mussten fast gänzlich dem Unterhaltungsgedanken weichen. Mean Machine war zwar hohl, aber auf eine trashige Art und Weise dennoch amüsant. Vier Jahre später schließt sich der Kreis. Das runde Leder wurde wieder durch das eiförmige Wurfgeschoss ersetzt und Burt Reynolds ist ebenfalls wieder mit von der Partie. Inhaltlich ist das Spiel ohne Regeln allerdings der Mean Machine näher als der 74er-Fassung.
Die Handlung: Ein Quaterback im Knast
Die große Zeit des ehemaligen Star-Quarterbacks Paul Crewe (Adam Sandler) ist längst vergangen. Seitdem gegen ihn wegen Manipulationsvorwürfen ermittelt wurde, macht jedes NFL-Team von der Ost- bis zur Westküste einen weiten Bogen um ihn. Auch die Beziehung mit seiner Freundin Lena (Courteney Cox) hat schon wesentlich bessere Zeiten erlebt. Nach einem Streit lässt er sich sturzbetrunken auf eine wahnwitzige Verfolgungsjagd mit der Polizei ein und wird zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt.
Kaum im Knast angekommen, beginnen die Probleme für Paul erst richtig. Neben seinen politischen Ambitionen ist Gefängnis-Direktor Warden Hazen (James Cromwell) ein Football-Fanatiker durch und durch. In seinem nur aus Wächtern zusammen gewürfelten Semi-Pro-Team stecken Unsummen. Trotzdem ist der Trophäenschrank noch leer. Da kommt Paul wie gerufen. Er soll das Team der Wächter coachen. Um dem Captain des Wächter-Teams (William Fichtner) eins auszuwischen, willigt Paul schließlich ein. Er organisiert mit Hilfe des Caretakers (Chris Rock) und der in die Jahre gekommenen Football-Ikone Nate Scarborough (Burt Reynolds) ein Vorbereitungsspiel.
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Auf der einen Seite die Wächter, auf der anderen die Knackis… Hier geht es um Football, die Hauptfigur ist der ehemalige Quaterback Paul ’Wrecking’ Crew, die jedoch wegen Spielmanipulation aus der Liga ausgeschlossen wurde. Seitdem sorgt er nur für Skandale, der jüngste ist das Fahren des Autos seiner Freundin Lena (Courteney Cox) im Suffkopp, was mit Flucht vor der Polizei und einer Massenkarambolage endet.
Zur Strafe geht es für drei Jahre in den Knast, wobei der Football-versessene Gefängnisdirektor Hazen (James Cromwell) dafür sorgt, dass Paul in seine Anstalt kommt. Da ist es alles andere als rosig, die Wärter prügeln gerne und der Chefaufseher Knauer (William Fichtner) schmiedet Intrigen gegen den Direktor und zwingt Paul dessen Vorschlag das Wärterteam zu trainieren abzulehnen.
Als der Direktor Paul weiter bedrängt, zieht der sich aus der Affäre und bietet an ein Gefangenenteam zu trainieren, an dem sich die Wärter messen können. So geht es dann ohne großen Plot Richtung Entscheidungsspiel, die Zeit dahin ist ausgefüllt mit Rekrutierung, Trainingsszenen und diversen Versuchen sich gegenseitig auszubooten, da passt der deutsche Titel „Spiel ohne Regeln“ wirklich gut. Paul rekrutiert seine Truppe aus Schlägern, die den Wärtern gerne mal eine verpassen wollen, und Spezialisten wie dem schnellen Läufer Megget (Nelly) als Runningback, während der Direktor und seine Mannen versuchen das Spiel für sich zu entscheiden, indem sie Pauls Trainingsfeld sabotieren usw. So schaukeln sich die Fieseligkeiten sich auf amüsante Weise immer weiter auf, z.B.
Die Besetzung: Sandler, Rock, Reynolds und Wrestler
Wer einen Film wie Spiel ohne Regeln dreht, ist vor allem auf eines aus: Geld. Viel Geld. Wenn möglich so um die 200 Millionen Dollar. Einen anderen Grund, warum irgendwer Adam Sandler die Rolle eines Star-Quarterbacks geben würde, gibt es nicht. Sandler kann durchaus unterhaltend sein. Auch dass er abseits der Klamauk-Schiene überzeugen kann, hat er mit Filmen wie Punch-Drunk Love und Spanglish zur Überraschung vieler bereits hinlänglich bewiesen.
Trotzdem sind viele Schauspieler für die Rolle eines Football-Stars um ein Vielfaches geeigneter als er. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, Sandler zwischen all den Muskelbergen zu beobachten. Die übrige Besetzung ordnet sich voll dem Kommerz unter. Chris Rock (Bad Company, Das weiße Haus sieht schwarz) spielt einmal mehr den penetrant vor sich hin quasselnden Sidekick, Burt Reynolds (Trouble ohne Paddel, Driven, grandios: Boogie Nights) scheint sich mittlerweile für keine Rolle mehr zu schaden zu sein und das Kinodebüt von Star-Rapper Nelly dürfte auch den einen oder anderen Zuschauer zusätzlich in die Kinos locken.
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Die weiteren Darstellern mussten vor allem drei Dinge mitbringen: Muskeln, Muskeln und noch mehr Muskeln. So wurden unter anderem ehemalige Wrestler und Kickboxer für den Film rekrutiert. Wie zu erwarten war, wurde dabei kein schauspielerisches Talent entdeckt. Spiel ohne Regeln kann trotz seiner 113 Minuten Laufzeit nicht genügend Raum für alle Charaktere bieten, die er darin unterbringen möchte. Das ist schon allein deshalb schade, weil der Cast mit der stärkste Aspekt des Films ist.
Darunter finden sich neben einigen Rappern wie Nelly oder Proof und ehemaligen NFL-Spielern wie Brian Bosworth oder Michael Irvin auch Pro-Wrestler wie Kevin Nash oder Stone Cold Steve Austin. Unabhängig davon gehen die Darsteller komplett in ihren Rollen auf und haben sichtlich Spaß daran, hier mitzuwirken. Allen voran Chris Rock, welcher in seiner hyperaktiven Art noch dazu für die meisten Lacher sorgt.
Die Rolle der Wrestler im Film
Die Karrieren von einigen berühmten Wrestlern lassen sich durchaus sehen, denn sie beschränken sich nicht nur auf die spektakulären Kämpfe im Ring. Das beweist zuletzt John Cena, den Du seit dem 5. Oktober in der Action-Komödie Freelance sehen kannst. Er ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Wrestler als Schauspieler im Hollywood-Business Fuß fassen können.
Im Ring trat Steve Austin unter dem Namen Stone Cold auf. Auf der großen Kino-Leinwand tauchte er ab 2005 auf, zunächst in dem Football-Streifen Spiel ohne Regeln (2005) mit Adam Sandler.
Auch in Spiel ohne Regeln wurden Wrestler für Rollen rekrutiert. Steve Austin, bekannt als Stone Cold, ist einer von ihnen.Denkt man an Stone Cold Steve Austin, sieht man einen gewaltigen Kerl in einem Wrestling Ring vor sich, der sich zwei Dosen Bier zuwerfen lässt, diese fängt, aufreißt und über seinem Kopf zusammenhaut. So ist Stone Cold Steve Austin.
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1989 beginnt Steve Austin mit dem Wrestling. Er war der Chris Adams Wrestling Akademie beigetreten, wo er die Basics des Sports erlernte. Nebenbei tingelte er zwischen Memphis und Texas von Auftritt zu Auftritt - meist für wenige Dollar pro Abend. Steve Austin machte sich selbst wieder zu Steve Austin und ging mit sich selbst in Klausur, um sein Profil zu schärfen. Während seinen Überlegungen erfährt er von dem Killer Richard Kuklinski alias Iceman und ist fasziniert von dessen eiskaltem Auftreten. Das wollte er adaptieren. Er kreierte zudem seinen neuen Look, rasierte sich also eine Glatze und ließ sich einen Goatee stehen.
1996 sollte sich das auszahlen. Nachdem es sich der Wrestler Triple H mit der WWF verscherzt hatte, wurde der für ihn geplante Push ad acta gelegt und Stone Cold Steve Austin sollte ihn stattdessen erhalten. Infolgedessen gewann Austin das King of the Ring-Turnier. Für Stone Cold Steve Austin startete nun ein einzigartiger Run bei der WWF. 1997 trat Stone Cold Steve Austin beim Summer Slam um den Intercontinental Championship Titel gegen Owen Hart an.
Dabei verbotchte Owen Hart einen Sit-Out Tombstone Piledriver komplett. Steve Austin blieb für Minuten paralysiert im Ring liegen. Er konnte nicht mehr aufstehen, geschweige denn stehen oder laufen. In einem seltsamen Finish gewinnt Steve Austin zwar dennoch, doch er muss befürchten, sich das Genick gebrochen zu haben. Zum Glück ist es nur eine Rückenmarksprellung - mit allerdings heftigen Auswirkungen. Die WWF nutzt den Schock, um Anpassungen an ihren Storylines vorzunehmen. Austin erhält endlich den ganz großen Push. Er darf als Mann aus der Mitte des Volkes gegen das System, verkörpert durch Vince McMahon, aufbegehren.
Als er sich mit den Bossen wieder ausgesöhnt hat und ein Comeback hinlegen will, merkt er schnell, dass sein Körper auch aufgrund des Unfalls ausgezehrt ist. Mehr und mehr versagt er den Dienst. Steve Austin bestreitet im Jahr 2003 gegen seinen engen Freund Dwayne The Rock Johnson ein letztes großes Match bei Wrestlemania 19 und verkündet sein Wrestling-Karriereende.
Die Inszenierung und der Humor
Dass der Film innerhalb seiner Grenzen unterhält, liegt vor allem an zwei Dingen. Auch wenn eigentlich alles altbekannt ist, reicht das allemal für einen passablen Underdog-Film. Während des gesamten Films wird einzig auf das große Spiel hingearbeitet. Und dass die Knackis dort über sich selbst hinaus wachsen, ist nicht nur selbstverständlich, sondern ebenso sympathisch. Nelly bringt das treffend auf den Punkt: Jeder jubelt am liebsten dem Unterdog zu. Recht hat er.
Der zweite Pluspunkt ist die Inszenierung des Matches Knackis vs. Wächter. Hierfür wurde eigens Sportkoordinator Mark Ellis, der schon an Oliver Stones An jedem verdammten Sonntag und Peter Bergs Friday Night Lights beteiligt war, verpflichtet. Entsprechend hochwertig ist das Ergebnis. Auch Football-Muffel werden damit durchaus etwas anfangen können.
Allerdings erfordert Spiel ohne Regeln vom Zuschauer eine sehr, sehr hohe Toleranzschwelle, was die Aufnahmefähigkeit diverser großer und kleiner Schwachsinnigkeiten anbelangt. Teilweise ist es schon mehr als nur grenzwertig, was Drehbuch-Debütant Sheldon Turner einem hier auftischt. Die wohl debilsten Einfälle sind ein Anabolika-Östrogen-Tausch (und seine Folgen) sowie die transsexuellen Cheerleader des Knacki-Teams. Auch der Auftritt von Hollywood-Nervensäge und Sandler-Busenfreund Rob Schneider (Deuce Bigalow: European Gigolo) verspielt einiges an Kredit. Das Schlimme dabei ist, dass der Film dies überhaupt nicht nötig gehabt hätte.
Hauptaugenmerk liegt hier jedoch auf der Komik und die ist recht gelungen. Zwar könnte die Gagdichte etwas höher sein, doch dafür sitzt auch quasi jeder Witz. Adam Sandler spielt die Hauptrolle ziemlich überzeugend, zwar nicht mehr so großmäulig wie in Bulletproof, aber immer noch witzig. Chris Rock ist noch etwas besser, James Cromwell und William Fitchner sowieso einsame Klasse. Burt Reynolds aus dem Original (Spiel ohne Regeln ist ein Remake) hat eine unbedeutende Rolle, die aber dankbarer als sein ähnlich gelagerter Gastauftritt in Trouble ohne Paddel ist. Sandlers Weggefährte Rob Schneider darf wie in Waterboy You can do it! rufen und in den Nebenrollen tummeln sich Wrestler und Ex-Footballprofis, u.a. Alles in allem könnte die Gagdichte höher sein, doch reichlich amüsant präsentiert Spiel ohne Regeln seinen Standardplot schon.
Fazit
Spiel ohne Regeln ist ein Film, der unterhalten kann, aber zuweilen tierisch an den Nerven zehrt. Aber so ist Spiel ohne Regeln eben nur das drittklassige Remake eines zweitklassigen Films mit einem erstklassigen Budget. Immerhin hat es in den USA zu einem Hit gereicht. Bei uns hingegen scheint ein Flop schon jetzt vorprogrammiert.
Tabelle: Vergleich der Filme
| Filmtitel | Jahr | Hauptdarsteller | Sportart |
|---|---|---|---|
| Die Kampfmaschine | 1974 | Burt Reynolds | American Football |
| Mean Machine | 2001 | Vinnie Jones | Fußball |
| Spiel ohne Regeln | 2005 | Adam Sandler | American Football |
