Samuel Giger: Triumph, Zahnschutz und der Weg zum Schwingerkönig

Samuel Giger (27) sorgte am Thurgauer Kantonalen nicht nur mit seinen sportlichen Leistungen für Aufsehen, sondern auch mit seinem strahlend weissen Lächeln. Doch hinter diesem Lächeln verbirgt sich eine Geschichte von einem Trainingsunfall und einem ungewöhnlichen Schutz.

Triumph am Thurgauer Kantonalen

Schwinger Samuel Giger triumphiert am Thurgauer Kantonalen. Mit vier Siegen und einem Gestellten zog der Einheimische souverän in den Schlussgang ein. Im Schlussgang bodigte Giger seinen Klubkollegen Domenic Schneider. Nach etwas mehr als einer Minute lag der 150 Kilo schwere Schneider auf dem Rücken. Den Zuschauern und sich selbst zuliebe beendete Giger den Schlussgang schnell.

Der Zahnschutz als unerwartetes Accessoire

Sekunden später löste Giger das Rätsel um sein Zahnpasta-Lächeln. Unter dem Applaus des Publikums zog er seinen weissen Zahnschutz aus. Den trägt der Lastwagenchauffeur erst seit dieser Saison. Grund dafür war ein schmerzhafter Zwischenfall im Training. «Es brachen mehrere kleine Zahnstücke ab», erklärt Giger.

Es passierte im Zweikampf mit dem Eidgenossen Ott. «Ich bin ihm voll auf den Kopf geknallt», erinnert sich dieser zurück. Da es während eines Trainingswochenendes passierte, konnte der Unspunnensieger erst am Montag zum Zahnarzt. «Das Essen und Trinken war sehr mühsam. Und wenn ich Hunger habe, kann ich unangenehm werden», meint er lachend. Um so etwas in Zukunft zu verhindern, trägt er neuerdings einen Zahnschutz.

Das Duell mit Armon Orlik

Neben seinem Zahnpastalächeln sorgte vor allem sein erster Gang gegen Armon Orlik (29) für Diskussionen. Die Spitzenpaarung endete gestellt - wie viele weitere Duelle der Topleute. Blick-Leser überraschte das nicht. Weil die Nordostschweizer Topleute in diesem Winter so viel zusammen trainiert haben wie noch nie, neutralisierten sie sich. So gab es auch beim Duell Giger gegen Orlik nur wenige Offensivaktionen. Und wenn, dann gingen sie von Giger aus. Trotzdem erhielten beide die Note neun. Und damit einen Viertelpunkt mehr als üblich. Dass vor allem Orlik für sein passives Verhalten belohnt wurde, kritisierten einige Betreuer aus der Nordostschweiz.

Lesen Sie auch: Schwingen live sehen

Orlik sieht das anders: «Auf diesem Platz wurde schon bei früheren Kämpfen ähnlich bewertet. Deshalb finde ich es richtig, dass sie ihre Linie durchziehen.» Dass von ihm nicht mehr Offensivaktionen kamen, begründet er mit der Stärke seines Gegners. «Wenn du gegen Sämi voll angreifst, wird es brutal gefährlich. An einem anderen Schwingfest, in einer anderen Situation, wird sicher mehr kommen.»

Verletzung und Vorbereitung auf das Eidgenössische

Am Sonntag kommt es in Domat/Ems nicht zu einem erneuten Aufeinandertreffen zwischen Samuel Giger und Armon Orlik. Der 27-jährige Thurgauer ist angeschlagen und tritt am Bündner-Glarner Fest nicht an.

Laut «Blick» leidet Samuel Giger an einer leichten Muskelverletzung. Eine Teilnahme am Nordostschweizer Teilverbandsfest in zwei Wochen in St.Gallen sei aber nicht in Gefahr, heisst es weiter.

Im mentalen Bereich habe er schon länger gearbeitet, im Winter ist der 30-fache Kranzfestsieger aber zum Schluss gekommen, dass er etwas ändern will. Mit Adrian Brüngger engagierte der Unspunnen-Sieger einen neuen Mentaltrainer. Der einstige Coach der Handballer von Pfadi Winterthur betreut auch Zehnkämpfer Simon Ehammer und ist ausgebildeter Hypnosetherapeut. «Die Hypnose ist der Schlüssel zum Unterbewusstsein», erklärt Giger. Negative Emotionen und Gefühle - wie beispielsweise aus der Vergangenheit - liessen sich so umpolen. Das Engagement von Brüngger, der in Interlaken ebenfalls vor Ort war, hat sich für Giger bisher vollends ausgezahlt.

Gigers Karriere im Überblick

Mit 120 Kilogramm verteilt auf knapp 2 Metern ist Giger Samuel ein Mannsbild der besonderen Art. Der erfolgreiche Kranzschwinger fiel bereits im jugendlichen Alter auf und gewann mit 17 Jahren sein erstes Kantonalschwingfest. Mittlerweile steht der aus einer erfolgreichen, traditionellen Appenzeller Schwingerfamilie stammende Giger bei 60 gewonnen Kränzen und damit im Rampenlicht des Schweizer Schwingsports. Unter Schwingfans ist er bekannt für sein ruhiges, überlegtes und bescheidenes Auftreten auf dem Platz.

Lesen Sie auch: Emmentalisches Schwingen – Rangliste

Im Jahre 1998 geboren ist Samuel Giger noch jung. Das ist auch mit der Grund, warum der erfolgreiche Schwinger zum ganz engen Kreis der Favoriten fürs nächste «Eidgenössische» zählt. 60 Kränze, davon 3 an Eidgenössischen Festen zeichnen die erfolgreiche Karriere des Sennenchwingers aus.

Tabelle: Samuel Gigers Eckdaten:

Merkmal Wert
Sportart Schwingen
Verein Schwingclub am Ottenberg
Senne/Turner Senne
Geburtsdatum 24.03.1998
Grösse 194cm
Gewicht 123kg
Wohnort Ottoberg
Beruf Zimmermann, aktuell LKW-Chauffeur
Erfolge 60 Kränze, 3 Eidg.

Lesen Sie auch: Livestream: Schwägalp Schwinget