Im Folgenden werden verschiedene Vorträge und Präsentationen über Taubenrassen zusammengefasst, die im Rahmen von Monatsversammlungen und Fachvorträgen gehalten wurden. Diese geben Einblicke in die Geschichte, Zucht und Besonderheiten verschiedener Taubenrassen.
Lausitzer Purzler
Zuchtfreund Michael Hüter referierte über die Lausitzer Purzler als Rasse im Wettbewerb des Siegerringes im BDRG 2018.
Die Züchter des Lausitzer Purzlers nahmen hier nicht nur mit einer hohen Meldezahl teil, sondern verstanden es auch durch Präsentationen ihrer Rasse in den einzelnen Farbenschlägen in Volieren sowie einem eigenen Stand Werbung für die Lausitzer Purzler zu machen.
Hierbei wurde bekannt, dass die Ahnen der Elsterpurzler auf stark purzelnde Tauben zurückgehen, auch eine Beziehung ins indische Kaiserreich ist historisch hinterlegt.
In Europa tauchten Tauben dieser Gattung zunächst in Dänemark auf, ehe sie im 18. Jahrhundert nach Deutschland kamen.
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Ihre größte Verbreitung hatten die Elsterpurzler in Süddeutschland und im südöstlichen Teil Deutschlands, vor allem der Lausitz.
Nach den Weltkriegen fanden sich einige engagierte Züchter, welche mit den wenigen verblieben Tieren wieder ihre Zuchten aufbauten.
Im geteilten Deutschland entwickelten sich im Verlaufe der Jahre zwei unterschiedliche Phänotypen der Elsterpurzler.
Sowohl in der DDR, als auch in der BRD vereinten sich die Züchter der Rasse in einer Spezialzuchtgemeinschaft bzw. einem Sonderverein.
Während in der BRD der Rassename Süddeutscher Elsterpurzler verwendet wurde, hieß die Rasse in der DDR gemäß der vorwiegenden Zuchtregion Lausitzer Elsterpurzler.
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Nach der Wiedervereinigung schlossen sich die beiden SV und SZG zusammen zum SV der Elsterpurzler.
Die unterschiedlichen Typen der beiden Verbreitungsgebiete hatten sich vor allem in Punkto Augenrand- und Schnabelfarbe unterschieden.
Trotz Zugeständnissen des Sondervereines nahmen die Zuchten der ehemals Lausitzer Elsterpurzler ab.
So schlossen sich 1993 einige Züchter zusammen und gründeten schließlich, entgegen des Willens des SV der Elsterpurzler, den eigenständigen Sonderverein der Lausitzer Purzler.
Der SV wuchs stetig auf heute über 60 Mitglieder an, welche sich in den vergangen Jahren mit großen Meldezahlen auf den Großschauen beteiligten.
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Anhand des aktuellen Standardbildes ging Zfrd. Hüter auf den Rassestandard ein.
Zudem beschrieb er anhand von aktuellen Bildern des Siegerringwettbewerbes das Zeichnungsbild sowie die einzelnen Farbenschläge der Lausitzer Purzler.
Am Ende des Vortrages stellte Zfrd. Hüter die Rassen des Lausitzer Purzlers und Elsterpurzlers gegenüber.
Hierbei wurde deutlich, dass zwar in der Musterbeschreibung einige Unterschiede zwischen beiden Rassen erkennbar sind, diese aber in Natura kaum sichtbar sind.
Englische Short Faced Tümmler
Zuchtfreund Klaus Roth stellte uns die Englischen Short Faced Tümmler vor, welche er auch selbst in den almond-Farben züchtet.
Zu Beginn seines Vortrages berichtet uns der Referent über eine Ausstellung im englischen Darlington, welche er mit weiteren Zuchtfreunden im Januar 2014 besuchte.
Anhand seiner Impressionen erläuterte er uns das englische Schauwesen.
So konnte er berichten, dass das Standgeld für die ausgestellten Tiere mit ca. 0,50 Cent eher gering ausfällt.
Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Preisrichter kein Geld für ihre Bestenauswahl bekommen, der Aussteller das Futter und Wasser für seine Tiere selbst mitbringen muss und dass es kaum Preise zu erzielen gibt.
So werden durch den Preisrichter, welcher meist ein erfahrener Züchter ohne gesonderte Preisrichterausbildung ist, in jeder Klasse die besten 3 Tiere ausgezeichnet.
Aus den jeweils Besten der Klassen wird dann ein Rassechampion gekührt.
Trotzdem gelang es Zfrd. Roth auf einen 1,0 jung einen 3. Platz zu erringen.
Hierfür gab es ein Zertifikat in Postkartengröße.
Jeder Aussteller bekommt zudem eine Teilnehmerurkunde.
Zuchtfreund Roth gab an, dass die "Shortys" eine sehr spezielle Rasse sind, welche markante Rassemerkmale aufweisen.
Der Standard der Rasse wird durch das Heimatland vorgegeben, sie lassen sich auch von anderen Ländern nicht hineinreden.
Es ist die älteste Rasse in England und die bleibt so wie sie immer war.
Sie sollen eine aufgerichtet Haltung sowie breite Brust aufweisen, die Flügel sollen gut durchgebogen sein, besondere Markanz hat der Kopf.
Dieser soll möglichst breit sein und das Gesicht, also der Abstand zwischen Schnabel und Auge, sehr kurz sein.
Dieses Merkmal ist auch namensgebend (Short faced= kurzgesichtig).
Der Standard verlangt ein Perlauge.
Zfrd. Roth gibt an, dass es auf Grund der Kurzschnäblichkeit immer wieder zu Problemen mit Schnabelfehlern kommt.
Auch die Aufzucht der Jungtiere ist aufwendiger, da die Alttiere die Jungtauben kaum selbst aufziehen können, hierfür sind Ammen erforderlich.
Auch eine Zufütterung durch den Züchter macht sich erforderlich.
Hierzu erläutert der Referent, dass er zur Fütterung Papageienaufzuchtfutter verwendet, welches er aufweicht und in einer Plastikspritze aufzieht.
Als Fütterungshilfe nutzt er ein Stück eines Gummischlauches, welcher für geringe Beträge im Baumarkt zu erwerben ist, dieses wird auf die Spritze aufgesteckt in den Schnabel eingeführt und so der Futterbrei verabreicht.
Von der Verwendung von Plastikaufsätzen rät er ab, da dies zu Verletzungen des Kropfes führen kann.
Anhand von mitgeführten Tauben erläuterte und Zfrd. Roth den Farbenschlag Almond.
Die Grundfarbe der Tiere ist mandelgelb.
Auf dem Körper befinden sich dunkle Flecken und Spritzer, welche sich im Alter verstärken.
Die Schwingen sollen dreifarbig sein, neben der Grundfarbe sollen weiße und schwarze Farbfelder vorhanden sein.
Eine gute Grundfarbe zeigt sich an einer durchgehenden weißen Schwanzbinde.
Er gibt jedoch auch bekannt, dass eine reinerbige Verpaarung in dem Farbenschlag zu Sehschwäche bis Erblindung bei der Nachzucht führen kann.
Daher ist die Verpaarung von Almondfarbenden mit Tiere des Farbenschlages deroy und kite erforderlich.
Beide Farbenschläge basieren auf dem Almondfaktor.
Der Farbenschlag deroy zeichnet sich durch eine orangegelbe Grundfarbe aus, die Federn haben mahagonifarbene Spritzer und Flecken.
