Der Schwanenkönig von Karat: Bedeutung und Interpretation

Die Rockband Karat, gegründet 1975 in Ostberlin, schaffte 1978 mit den Titeln „König der Welt“ und „Über sieben Brücken mußt du gehn“ den endgültigen Durchbruch. Nach dem Erfolg ihres zweiten Albums „Über sieben Brücken“ durfte die Band 1979 kommerziell in West-Berlin auftreten. Im Herbst 1980 sorgte Karat für einen erneuten Andrang von Gästen.

Das lyrischste, was die DDR jemals zu bieten hatte, brachte die Band Karat 1980 mit dem Album „Schwanenkönig“ heraus. Für viele ist diese Platte auch nach Jahrzehnten noch ein Highlight deutsch-demokratischer Musik. Für Karat selbst bedeutete diese Scheibe die endgültige Verschlüsselung der Texte.

Das Album "Schwanenkönig"

Nach einer Tour durch viele Länder stellte sie 1980 ihr neues, lyrisches Album „Schwanenkönig“ vor, das zeitgleich in Ost- und Westdeutschland veröffentlicht wurde. Das Album ist eine Mischung aus Elektrogitarren-Rock und Synthesizer/Elektro-Pop. Die gelungensten Lieder auf dem Album sind „Magisches Licht“, „Das Narrenschiff“, „Tiefsee“ und „Le Doyen II“.

Begonnen wird die Platte mit „Tanz mit der Sphinx“, was wie ein typischer Opener daher kommt. Michael Schwandt spielt maschinenartig sein Schlagzeug zu ungewöhnlichen Klangteppichen. Wie kryptisch Karat auf der Platte sind, hört man schon an diesem Lied. Der „Mitternachts-Blues“ kommt dann als astreiner Reggae daher. Die Rede ist vom Paradies, aus dem er in seinem alten Frack heraus streicht. Nun ja, man kann schon sagen, dass es um einen Stammgast bei einer Prostituierten handelt. Und er ist dort immer, bis der neue Tag schon kommt. Und so weiter und so fort. Wunderbar ist das sphärische Lied „Magisches Licht“ - für mich eins der besten Lieder von Karat überhaupt. Das Lied baut sich ganz gewaltig auf und behält eine besondere Spannung. Das magische Licht ist der Regenbogen, der einen durch die dunkelste Nacht bringt und einen Torweg zu den Kindertagen schlägt. „Der Boxer“ ist dann wieder ein komplett anderes Stück, ein schneller Blues. Er war als Kind der Depp, aber er hat niemals aufgegeben und hat sich seinen Gegnern gestellt. Und so ist er Boxer geworden und hat so die „Schatten“ besiegt. Der erste Teil vom „Schwanenkönig“ wird beendet mit dem verspielten „Le Doyen I„. Hierbei handelt es sich um eine musikalische Erinnerung an Paris. Eine wunderbar verträumte Melodie, wie ich finde. „Das Narrenschiff“ ist dann wieder so eine typische Rocknummer, die wirklich unheimlich gut gelungen ist. Es wird Kritik an menschlichen Lastern und an der Politik geäußert. Natürlich konnte so etwas nicht klar und deutlich geschehen, sondern nur kryptisch, wie das gesamte Album. Dann machen wir uns auf zu Neptun und Poseidon und hören uns die „Tiefsee“ an. Im Alltag gehen Bilder verloren, und diese müssen gezeigt werden. Nur nicht zu oberflächlich werden, lieber tiefgründig sein. Mit der „Großstadt“ kommt eine waschechte Rocknummer daher. Er ist neu in der Stadt, hat noch keine Freunde und weiß nicht wohin. So geht es wohl jedem, der aus der Provinz in die große Stadt zieht. Mit „Le Doyen II“ wird das Album abgeschlossen.

Der Titelsong: "Schwanenkönig"

Das Lied „Schwanenkönig“ ist eine Anspielung auf die aus dem Ballett stammende Symbolik des sterbenden Schwans, ein Symbol für ein Sterben in Anmut. Das lyrische Thema des Schwans, der in Liebe stirbt, ist das bekannteste von Karat. Auch hier geht die Wurzel wie beim „Narrenschiff“ wieder weit in die Vergangenheit zurück, denn Karat greifen eine Fabel von Leonardo da Vinci auf. So wunderbar das Lied auch ist, es kämpft leider mit einem Überschwang an Kitsch.

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Superpoetischer Text und zu dem haben sich Karat von keinem Geringeren als Leonardo da Vinci inspirieren lassen. Ja DER Leonardo da Vinci, der war nämlich nicht nur einer der größten Maler und Erfinder der Renaissance, er hat auch Fabeln geschrieben. Mit Klavierbegleitung und Streichern und teilweise mehrstimmig gesungen, geht diese Ballade total unter die Haut.

Das Lied Schwanenkönig von Karat poetisiert den Abschied und die Vergänglichkeit des Lebens durch die Figur des Schwanenkönigs. Der Schwan ist ein Symbol für Schönheit und Anmut, und sein weißes Gefieder steht für Reinheit und Unschuld. Zu Beginn des Liedes neigt der Schwanenkönig seinen Hals über das Wasser und spiegelt sein Bild im klaren Wasser. Wenn der Schwan singt, hören die Tiere zu, was die Bedeutung und den Respekt des Moments unterstreicht. Der Gesang des Schwans ist ein Ausdruck seiner Liebe zur Erde und seiner eigenen Sterblichkeit. Mit der Zeit verflüchtigt sich sein Gesang immer mehr, während die Abendsonne untergeht und die Trauerweide still ihre Blätter senkt. Diese Bilder verstärken die Traurigkeit und die Vergänglichkeit des Lebens, während der Schwanenkönig sanft in den Tod entschwindet. Die Tiere neigen sich und zeigen damit ihren Respekt und ihre Trauer.

Die Spielweise als Mischung aus Hard- und Art-Rock macht es aus. Teilweise haben es die Texter Norbert Kaiser und Herbert Dreilich auch gnadenlos übertrieben mit Kitsch und blumigen Worten. Aber dieses Album ergibt irgendwie die passende Mischung aus Text und Musik, und auch die Zusammenstellung der Lieder ist irgendwie passend.

Herbert Dreilich und Karats Vermächtnis

Dreilich, ein kleiner, stets ein bisschen rundlich wirkender Mann, war in seinen Liedern ein Romantiker, im richtigen Leben aber ein Kämpfer. Lieder, ganz anders als das Leben hinterm Gitterzaun. Klangbilder gemalt mit dem Sehnsuchts-Pinsel. Sechs Millionen Platten voller Schmelz und grandiosem Gefühlsgesang verkaufte die Band, neben der selbst die Puhdys wirkten wie ein rüpelnder Rocker-Haufen.

Am Ende absolvierte Herbert Dreilich Konzerte auf einem Barhocker sitzend. Wenn er Kraft genug fand, schrieb er weiter Lieder, und zwei davon hat er sogar noch fertig eingesungen. Am Wochenende nun ist der Schwanenkönig verstummt. Herbert Dreilich starb eine Woche nach seinem 62. Geburtstag.

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Karat war für viele in der DDR immer etwas Besonderes, noch viel bedeutsamer als die Puhdys. Und wenn schon nicht so richtig "zusammenwächst", was eigentlich "zusammengehört", so wuchs doch mit diesem Sänger die Sympathie für etwas, was aus dem Osten kam...Wir haben heute einen großen Sympathieträger verloren und trauern mit!

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