Im Universum der japanischen Kampfkünste schwingt das Wort „Oss“ oder „Osu“ häufig mit. Der Begriff Oss besteht in der japanischen Schreibweise aus zwei Schriftzeichen. Das erste ist Osu, das die Aussprache des ganzen Wortes beeinflußt. Dieses bedeutet wörtlich stoßen oder drücken.
Mit der Gründung der Japan Karatedo Federation am 2. ist eine phonetische Übertragung, die aus zwei Schriftzeichen gebildet ist. Das erste Zeichen "osu" bedeutet wörtlich "stossen" oder "drücken", aber auch Würde. Der Gebrauch dieses allgegenwärtigen Wortes OSS reicht vom alltäglichen Gruß bis hin zur Bedeutung "danke", "bitte" oder "ich habe verstanden". Ausgeführt mit einer Verbeugung drückt es Respekt, Sympathie und Vertrauen aus.
Im Karate-Do sollte und wird dieses Wort Oss für fast alles benutzt. Übliche Bedeutungen sind Danke, Bitte, Ich habe verstanden und ist auch ein Grußwort zu einem anderen Karateka.
Allerdings wird zumindest in unserem Dojo "Osu" als "Universalgruß" verwendet, zum Beispiel beim Betreten oder Verlassen des Dojos, wo es ja keinen Sinn machen würde, "Verstanden!" zu sagen.
Ursprung und Verwendung
Der genaue Ursprung dieses Ausdrucks bleibt ein Rätsel. Kurioserweise ist es in Okinawa, das als Geburtsort des Karate gilt, nicht üblich, diesen Begriff zu verwenden. Historische Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass „Osu“ möglicherweise zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden ist.
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Woher kommt das? "Oss" wird fast nur in der Stilrichtung "Shotokan" gebraucht; da er ursprünglich aus dem Umfeld der "JKA" (Japan Karate Association) stammt. "Oss" ist für japanische Muttersprachler vollkommen unverständlich, solange diese über keinerlei Erfahrungen im Karate verfügen.
Das japanische Wort "osu" soll von japanischen Karate-Lehrern gegenüber ihren US-amerikanischen Schülern als eine Art "Universalbegriff" genutzt worden sein. "Bereit!" "Verstanden!" "Ja!" oder als eine Art militärisch anmutender Gruß - diese Funktionen hat der Begriff, insbesondere im Karate übernommen.
Es existieren mehrere Theorien über den Ursprung des Wortes - diese reichen vom Saga Clan, dessen junge Samurai im 18. / 19. Jahrhundert Osu als ersten morgendlichen Gruß verwendet haben, oder, daß sich diese jungen Männer mit dem Osu in ihrem sehr disziplinierten Verhalten gegenseitig gestützt haben, über die erstmalige Verwendung im „Budo Senmon Gakko„, einer Kampfkunstschule, bis zum japanischen Militär des 20. Jahrhunderts, welches aus Gründen der Effizienz den langen Morgengruß einfach gekürzt hat.
Das Wort “Oss” wird nur zwischen Menschen gebraucht, d.h. es wird beim Shomen ni Rei nicht benutzt, sondern nur beim Sensei ni Rei oder dem Otagai ni Rei. Beim Grußritual vor und nach dem Training gibt es beim "Gruß-nach-vorn" (shomen-ni-rei) kein OSS, sondern nur eine stille Verneigung.
Allerdings: Eigentlich ist das „Hai“ die japanische Form von „Ja“.
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Die Bedeutung von Respekt
Mit Oss kann man noch mehr ausdrücken. Du sagst deinen Angriff an (z. B. Schlag zum Kopf - Jodan Zuki) und dein Partner sagt "Oss", wenn er bereit ist und weiß, wie er sich verteidigen will. Das ist eine Respektsbekundung.
Ein Teil dieser Umgangsformen ist der Gruß vor und nach dem Training. Aber auch innerhalb einer Trainingssequenz mit einem Partner erweist man sich gegenseitigen Respekt. Karateka verbeugen sich voreinander, zu verschiedenen Gelegenheiten; vor und nach dem Training, vor und nach einer Partnerübung, vor und nach der Ausführung einer Kata.
Beim An- und Abgrüßen vor und nach dem Training wird sogar eine kleine Zeremonie absolviert, häufig inklusive einer kurzen Meditationsphase. Bei dieser Respektsbekundung stehen sich der (oder die) Meister und die Schüler gegenüber, verbeugen sich im Stehen, gehen dann in den Kniesitz, bilden mit den Händen vor den Knien ein Dreieck und verbeugen sich tief. Anschließend richtet man sich wieder auf.
Dann werden verschiedene Grußformeln gesprochen, die mit einer Verbeugung im Kniesitz beantwortet werden, oder eine Positionsänderung des Meisters zur Folge haben.
Aber letztlich geht es um gegenseitigen Respekt, Vertrauen und Achtsamkeit. Durch die gegenseitige Verbeugung werden wir gleiche unter gleichen.
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Grußformeln
- Gruß zum Lehrer (Sensei - Lehrmeister, Lehrer, ab 3. Dan)
- Gruß zum Meister (Shihan - Begriff für einen hohen Meister, ab 5./6. Dan)
- Gruß zum Senior, (der Ältere, der erfahrene Schüler, 1./2. Dan)
- Gruß zum Ehrenplatz (z.B. Kamiza)
Kritische Betrachtung
Ich osse nicht - im Gegenteil: Die inflationäre Verwendung dieses kleinen Wortes tut meinen armen Ohren weh. Der Begriff „Oss“ wird eigenartigerweise wohl selten in Japan verwendet, auf Okinawa gar nicht. Warum? Weil es ein Slang-Begriff ist, entstanden laut Quellen des allwissenden Internet erst nach dem zweiten Weltkrieg im militärischen Umfeld. Was dem Ostfriesen sein „Moin“, war dem betrunkenen japanischen Soldaten eine genuschelte Form von „Onegaishimasu“.
Wenn man sich noch genauer mit dem Wörtchen beschäftigt, dann erfährt man, dass Oss aus den Schriftzeichen für „Stoßen“/“Drücken“ und „ertragen“/“erdulden“/“erleiden“ besteht. Was also soll das?
Die Kombination aus einem völlig übertriebenen Versuch, sich möglichst „original japanisch“ zu geben, und dem merkwürdigen Hintergrund dieses Begriffs lässt mich verstummen, wenn andere sich im Oss oder Osu versuchen.
