Moshé Feldenkrais: Ein Pionier des körperorientierten Lernens und seine Judo-Wurzeln

Moshé Feldenkrais (*06. Mai 1904 in der heutigen Ukraine, † 01.07.1984 in Israel) berührt und verändert bis heute die Menschen durch seine Bewegungslehre, die nach ihm benannte Methode FELDENKRAIS®. Sie ist eine Lernmethode, die es ermöglicht, sich selbst in Bewegung besser kennenzulernen und so zu einer größeren Handlungsfreiheit zu finden. Dr. Moshè Feldenkrais war einer der Pioniere des körperorientierten Lernens des 20. Jahrhunderts.

Als Sohn einer jüdisch-chassidischen Familie wurde er 1904 in der Ukraine geboren. Als 14-Jähriger wanderte er teils zu Fuß in das damalige Palästina aus. Dort lernte und unterrichtete er die Selbstverteidigungsmethode Jiu-Jitsu, um die jüdischen Siedlungseinheiten verteidigen zu können. Gleichzeitig widmete er sich schwer zu unterrichtenden Kindern als Privatlehrer und war bekannt für seine ungewöhnlichen Methoden.

Vielleicht wurden in dieser Zeit die Grundsteine für seine Arbeit gelegt, vielleicht ist es auch Zufall, dass Feldenkrais sich in Palästina einerseits intensiv mit körperlichen Bewegungsabläufen beschäftigte und gleichzeitig mit der positiven Beeinflussung von Lebenswegen. Beides sind die Hauptthemen der später von ihm entwickelten Methode FELDENKRAIS®.

1928 ging Feldenkrais nach Paris und absolvierte ein Ingenieurstudium in Maschinenbau und Elektrotechnik. Zum Ingenieur- und Physik-Studium ging Feldenkrais nach Paris. Er erwarb an der Sorbonne einen Doktortitel in angewandter Physik und arbeitete mit Frédérik Joliot Curie zusammen in der Atomforschung. Dort arbeitete er von 1933 bis 1940 als Nukleartechniker im Labor von Frédéric und Irène Joliot-Curie (Nobelpreis 1935 für Chemie).

Gleichzeitig gründete er, von Professor Jigoro Kano beauftragt, den Judoclub de Paris und erhielt 1936 als erster Europäer den schwarzen Gürtel zweiten Grades. In Paris lernte Feldenkrais den Judo-Begründer Jigoro Kano kennen, ursprünglich selbst Jiu-Jitsu-Schüler. Feldenkrais gründete den ersten Judo-Club Frankreichs und erlangte als einer der ersten Europäer 1936 den „Schwarzen Gürtel“.

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Anfang der 1920er- und 1930er-Jahre veröffentlichte Moshé Feldenkrais seine ersten drei Bücher, die sich Judo und Jiu-Jitsu widmeten („Jiu-Jitsu und Selbstverteidigung“, „Die Verteidigung des Schwachen gegen den Aggressor“, „ABC des Judo“). Nebenbei lernt er mit großer Begeisterung Judo bei Jigoro Kano. In seinen wissenschaftlichen Aufsätzen konzentrierte Moshé Feldenkrais sich auf Detailfragen des Messens von Quantität und Qualität.

1940 musste Feldenkrais vor den Deutschen aus Paris nach England fliehen. Im Juni 1940 floh ein junger Jude aus dem von den Nazis besetzten Paris, nur wenige Stunden vor der anrückenden Gestapo. In Schottland arbeitete er in der U-Boot-Ortungs-Forschung der Alliierten. Nach seiner Flucht vor der deutschen Besatzung lebte Moshé Feldenkrais ab 1940 in dem kleinen schottischen Ort Fairlie bei Glasgow (1940-1946).

Die Briten hielten hier Wissenschaftler versteckt, deren Arbeiten und Forschungen sie für besonders wertvoll erachteten. Nebenbei hielt er wissenschaftliche Vorträge und gab Judo-Stunden. In dieser Zeit machte Feldenkrais eine alte Knieverletzung zunehmend Probleme. Zeit verschlimmerte sich eine alte Fußballverletzung an den Knien. Da der Wissenschaftler sich nicht operieren lassen wollte, die Ärzte aber keine andere Möglichkeit auf Besserung sahen, nahm er die Genesung selbst in die Hand.

Er verband sein Forschungsdenken aus Physik, Mechanik, Elektronik und Bewegung - und beschäftigte sich mit funktionaler Anatomie: Wie funktioniert so ein Knie im Detail, welche Bewegungen führt es wann aus, welche weiteren Körperteile können hier mit reinspielen? Feldenkrais erkannte, dass auch seine eigenen Bewegungsmuster, seine eigene Art zu gehen, die Beschwerden verursachten.

Wieso bewegt sich der Einzelne genau so, wie er sich bewegt? Welche Erfahrungen, Geisteshaltungen, Gedanken und auch körperlichen Besonderheiten stecken dahinter? Wenn der Einzelne seine Art, sich zu bewegen verändert, wie wirkt sich das auf das Denken aus? Wenn er seine Geisteshaltung ändert, auf welche Art ändert sich dann eine Bewegung oder Körperhaltung?

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Moshé Feldenkrais stellte Fragen, gab sich Antworten - und heilte so nicht nur seine Knieprobleme selbst - er lernte auch, körperlich und geistig zu lernen. Heraus kommt eine sehr strukturierte Methode aufmerksamer Selbsterforschung. Ihm wird bewusst, welche Bewegungsvarianten ihm vertraut und welche noch ungewohnt sind.

Es gelingt ihm, sein eigenes Bewegungsverhalten wahrzunehmen und durch neue Bewegungsvarianten zu erweitern. Bald zeigt dieses Vorgehen große Wirkung. Um sich die Zeit während des Exils zu vertreiben, hielten die Wissenschaftler einander Vorträge. Feldenkrais' Vorträge wurden 1949 als erstes Kapitel seines Buches „Body and Mature Behaviour“ veröffentlicht („Der Weg zum reifen Selbst: Phänomene menschlichen Verhaltens“).

Nach Ende des Krieges schlug Feldenkrais das Angebot auf ein eigenes Institut in London aus. Es zog ihn 1949 in den neu gegründeten Staat Israel. 1951 kehrte Moshé Feldenkrais nach Israel zurück. Zunächst leitete er dort die Elektronikabteilung des Verteidigungsministeriums. Bald aber widmete er sich ausschließlich dem Thema Lernen. Endlich dann, ab 1952, widmete er sich ausschließlich seiner eigenen Bewegungslehre und Lernmethode - in Arbeit, Praxis, Lehre und Forschung.

Zusammenhang von menschlicher Entwicklung, Lernen und Bewegung. Er war hierbei Forschender, Praktizierender, Lehrender und Lernender zugleich. Körper-Geist; westliche-östliche-Tradition). Dem Gründer des israelischen Staates, David Ben-Gurion, brachte er sogar einen Kopfstand bei - das Schwarz-Weiß-Bild ging um die Welt.

Seine Methode unterrichtete Moshé Feldenkrais an der Universität von Tel Aviv, er hielt Vorträge in Europa und den USA und publizierte schließlich das erste FELDENKRAIS® Buch („Der aufrechte Gang“, heute „Bewusstheit durch Bewegung“, Frankfurt 1968). In Nordamerika entstehen unter seiner Leitung zwei weitere Ausbildungen mit großer Teilnehmerzahl. Nun erfährt die "Feldenkrais Methode" internationale Anerkennung.

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In den folgenden Jahren und bis zu seinem Tod im Jahr 1984 veränderte und verbesserte er das Leben Tausender Menschen weltweit. Ob körperlich und geistig gehandicapt, ob Durchschnittsbürger mit Schulter-, Knie-, oder Rückenproblemen, ob Leistungssportler oder Musiker mit körperlichen Verschleißerscheinungen - Moshé Feldenkrais nahm sich allen an. Die Methode FELDENKRAIS® hat sich auch nach Feldenkrais' Tod beständig weiter entwickelt und beweist sich immer wieder selbst.

»Ich bin kein Lehrer. Ich bin hier um die Bedingungen zu schaffen, unter denen wir am besten lernen können.« Dr. Moshè Feldenkrais war einer der Pioniere des körperorientierten Lernens des 20. Jahrhunderts.

Als promovierter Physiker arbeitete er mit Frèdèric und Irène Joliot-Curie zusammen, die 1935 den Chemie-Nobelpreis erhalten hatten. In dieser Zeit verschlimmern sich seine Kniebeschwerden, die von einer Fußballverletzung in der frühen Jugend her rührten. Bereits 1949 veröffentlichte er ein Buch: Der Weg zum reifen Selbst - Phänomene menschlichen Verhaltens.

Seit den späten 1950er Jahren in Tel Aviv ging man mit Rückenschmerzen zu Dr. Moshè Feldenkrais: David Ben Gurion, Gründer und erster Premierminister des Staates Israel, ist einer seiner bekanntesten Schüler. Bis kurz vor seinem Tod am 1. Juli 1984 unterrichtete Moshè Feldenkrais und bildete Feldenkrais-Lehrer v.a. in Israel und Amerika aus.

Durch einen Unfall beim Fußballspielen erlitt Feldenkrais einen Kreuzbandriss, den er nicht operieren ließ. Zwei weitere Stürze motivierten ihn, Techniken zu entwickeln, wie er sich trotzdem frei und ohne Schmerzen bewegen konnte. Die Feldenkrais-Methode war geboren.

Feldenkrais’ neurologische Studien waren damals bahnbrechend. Vieles, was heute wissenschaftlich belegt ist, hat er schon als Grundlage für seine Methode genutzt. Moshé Feldenkrais erforschte die Kindesentwicklung, das menschliche Nervensystem und die Psyche. Er nutze sein Wissen um die Kraftgesetze der Physik und des Kampfsports.

Bis an sein Lebensende forschte und verfeinerte Feldenkrais seine Methode und bildete hunderte von Schülern in Amerika zu Feldenkrais-Lehrern aus. Mittlerweile findet man solche Ausbildungsstätten auf der ganzen Welt: von Amerika über Europa bis Japan. Heute können wir viele unserer Handlungen neurologisch über das Gehirn erklären.

In zahlreichen Studien und Aufsätzen hinterlässt Dr. Moshé Feldenkrais ein großes Erbe. "Sich selbst zu erkennen, scheint mir das Wichtigste, was ein Mensch für sich tun kann", war Moshé Feldenkrais überzeugt. Er war ein renommierter Physiker und begeisterter Sportler. Moshé Feldenkrais erhielt früh den Schwarzgurt im Judo und wurde einer der führenden Judo-Lehrer in Frankreich.

Wer mehr über das spannende Leben von Moshe Feldenkrais erfahren möchte, dem sei die 2015 erschienene Biographie "Moshe Feldenkrais - Der Mensch hinter der Methode" von Christian Buckhard empfohlen. Ausserdem gibt es auf English den ersten Teil der Biographie "A Life in Movement" , ebenfalls 2015 erschienen, geschrieben von Mark Reese, einem langjährigen und eng-vertrauten Schüler Dr.