Mercedes-Benz plant, mit der neu entwickelten MMA (Mercedes Modular Architecture) Plattform seine Position im Kompakt- und Mittelklassesegment zu stärken. Die Plattform soll sowohl für Elektrofahrzeuge als auch für Modelle mit Verbrennungsmotoren geeignet sein. Der erste Vertreter dieser neuen Plattform, die viertürige Limousine CLA, soll im kommenden Frühjahr debütieren. Danach folgen eine Shooting-Brake-Variante sowie die Nachfolger der SUV GLA/EQA und GLB/EQB.
Die Luxus-Strategie von Mercedes
Die Luxus-Strategie, die Vorstandschef Ola Källenius Mercedes auferlegt hat, wird sich vor allem im Einstiegssegment der Marke bemerkbar machen. Das bisherige Angebot wird rigoros zusammengestrichen. Betroffen sind Modelle wie die A-Klasse als Steilheck und Limousine sowie die B-Klasse. Diese Baureihen werden zwar noch bis 2026 produziert, erhalten aber keine direkten Nachfolger mehr.
Die Autowelt von Mercedes beginnt künftig mit einer viertürigen Coupé-Limousine, dem CLA. Optisch orientieren sich die Stuttgarter eng an der Studie Concept CLA Class, die auf der IAA in München präsentiert wurde. Die Premiere der Serienversion soll noch in diesem Jahr stattfinden. Der Marktstart ist für 2025 geplant.
Technische Details der MMA Plattform
Die MMA Plattform sollte ursprünglich auf "electric only" ausgelegt werden, wurde dann aber auf "electric first" umgeschwenkt. So lässt sich die MMA auch mit hybridisierten Verbrennern bestücken, ausschließlich Vierzylinder. Die Aggregate bezieht Mercedes von Geely aus China, die Produktion der Fahrzeuge erfolgt in Rastatt. Weitere Werke, die auf MMA umgerüstet werden, sind Kecskemét/Ungarn und Peking/China.
Die elektrische Variante des nächsten CLA wird aller Voraussicht nach nicht EQA Limousine, sondern „CLA mit EQ Technologie“ heißen. Die Ladeleistung soll bis zu 320 kW betragen, und bidirektionales Laden wird möglich sein. Mercedes strebt einen Stromverbrauch von zwölf kWh/100 km an und spricht selbstbewusst vom „Einliter-Auto des Elektrozeitalters“. Reichweiten von rund 750 Kilometer wären damit nicht unrealistisch.
Lesen Sie auch: MMA Plattform von Mercedes-Benz
Die neue Plattform ermöglicht eine besonders hohe Ladeleistung von bis zu 320 kW. Damit soll es möglich sein, innerhalb von 10 Minuten, Energie für bis zu 300 km Fahrt nachzuladen. MMA sieht zwei Akku-Größen vor: 58 kWh und 85 kWh. Mit dem größeren Akku sollen bis zu 750 km im CLA möglich sein.
Die Zellen der Top-Variante verfügen über Anoden, bei denen Siliziumoxid zum Graphit beigemischt ist. Im Vergleich zur Vorgänger-Batterie mit herkömmlichen Graphit-Anoden konnte die gravimetrische Energiedichte um bis zu 20 Prozent erhöht werden. Die volumetrische Energiedichte der Zellchemie liegt bei 680 Wh/l - 30 Prozent weniger als bislang. Während die 85 kWh-Variante eine Nickel-Metallydrid-Cobalt-Chemie (NMC) nutzt, sind es bei der 58 kWh-Variante die günstigere Lithium-Eisenphosphat-Kathoden (LFP).
Der Akkupack besteht immer aus vier Modulen mit je 48 Zellen, ist also immer gleich groß (Zwei Meter lang, 1,30 Meter breit). In die Bodenplatte des Gehäuse ist eine Flüssigkeitskühlung integriert, in der wiederum ein Zuheizer steckt, um den Akku bei kalten Außentemperaturen zu erwärmen. Mercedes gibt acht Jahre oder 160.000 km Garantie auf die Batterie.
Sicherheit im Fokus
Mit entsprechenden Abständen zwischen den Batteriezellen sowie dem Aufbau der Zellen und der Zellmodule umfassende wurden Vorkehrungen gegen eine potenzielle thermische Reaktion der Batterie getroffen. Neben den gesetzlichen Vorgaben müssen sowohl das Gesamtfahrzeug wie die Batterien zusätzlich Mercedes-interne, "teils strengere" Prüfnormen bestehen. Untersucht wird dabei auch das Deformationsverhalten der Batterie.
Die Motoren
In der Standard-Konfiguration nutzt der CLA einen Heckantrieb mit einer bis zu 200 kW starken, permanent erregten Synchronmaschine. Die Besonderheit: Dort ist ein Zweigang-Getriebe integriert. Dessen erster Gang ist mit 11:1 recht kurz, der zweite mit 5:1 eher lang übersetzt. So soll der Antrieb über einen weiten Geschwindigkeitsbereich effizient und damit weit fahren können.
Lesen Sie auch: MMA Plattform: Was bringt sie für Mercedes-Benz?
Ebenfalls geschaltet wird der zweite Motor, der bei den traditionell 4matic genannten Allradversionen an der Vorderachse sitzt. Die 80 kW-PSM-Maschine kann bei Nichtgebrauch durch eine Klauenkupplung vom Antrieb getrennt und komplett stromlos geschaltet werden. Noch leistungsstärkere AMG-Varianten sollen folgen.
Natürlich dienen die Motoren beim Bremsen als Generator: Die Rekuperationsleistung beträgt voraussichtlich bis zu 200 kW. So sollen nahezu alle Bremsvorgänge im Alltag mit Hilfe der Rekuperation und nicht mechanisch über die Radbremsen erfolgen können.
Außerdem hilft die Software, um das Maximum aus dem Auto herauszuholen: Für die Berechnung der Route wird der Energiebedarf kalkuliert. Dabei werden Topografie, Streckenverlauf, Umgebungstemperatur, Geschwindigkeit, Heiz- und Kühlbedarf berücksichtigt. Der Fahrer erhält an der Ladestation eine konkrete Empfehlung der optimalen Ladezeit. Die Ladestopps werden so eingeplant, wie es am günstigsten in Bezug auf die Gesamtreisezeit ist.
Der Hybrid-Antrieb
Der Verbrennungsmotor-Antriebsstrang besteht aus einem aufgeladenen Vierzylinder-Turbomotor sowie einem 20 kW-E-Motor, einem 1,3 kWh-Akku und einem 48 Volt-Netz. So lassen sich kurze Strecken rein elektrisch zurücklegen, zudem kann der CLA bis 100 km/h häufig den Verbrenner abschalten. Das intern M252 genannte 1,5-Liter-Triebwerk ersetzt den M260. Es kommt in drei Leistungsstufen mit 136, 163 und 190 PS.
Der Motor arbeitet nach dem sogenannten Miller-Verfahren. Dabei wird das Einlassventil im Ansaughub früher geschlossen, weshalb ein Unterdruck entsteht. Durch die hohe Verdichtung, in diesem Fall 12:1, entsteht dennoch ein hoher Expansionsdruck, der Motor läuft effizienter.
Lesen Sie auch: Neue Elektroauto-Architektur von Mercedes
Integriert ist der Elektromotor samt Wechselrichter in ein neues, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Der Elektromotor unterstützt dann im niedrigen Drehzahlbereich. Die Konstantfahrprofile werden elektrisch abgedeckt, der ineffiziente Betrieb also mit dieser Betriebsart absolviert. Der Motor kann in allen acht Gängen rekuperieren, also bis zu 25 kW Energie zurückgewinnen.
MMA im Vergleich zu anderen Plattformen
Im Wettbewerb mit anderen Herstellern setzt Mercedes auf die MMA-Plattform, um im Bereich der Elektromobilität neue Maßstäbe zu setzen. BMW setzt dagegen auf die lang angekündigte „Neue Klasse“. Den Anfang macht Ende 2025 der BMW iX3, gefolgt von der i3-Limousine Mitte 2026. Diese neue Plattform ist speziell für Elektrofahrzeuge entwickelt und markiert den Einstieg von BMW in die Welt der „software-defined vehicles“.
Ganz anders sieht es bei BYD aus, insbesondere in China der größte Volkswagen-Konkurrent. BYD bietet auf seiner neuen Elektroplattform eine gigantische Ladeleistung von bis zu 1000 Kilowatt an. Die neuen Hypercharger mit speziell flüssigkeitsgekühlten Kabeln schaffen sogar bis zu 1360 Kilowatt.
Die Ladeleistung der neuen Mercedes-Modelle von mehr als 320 kW hilft, die Stromtank-Pausen mit den zukünftigen vier Modellen auf der MMA-Plattform möglichst kurz zu halten. In zehn Minuten soll so Energie für mehr als 300 km in die Akkus fließen, die von Mercedes selbst entwickelt worden und sich durch eine besonders flache Bauweise auszeichnen. Die größeren Akkus haben eine Siliziumoxid-Anode, die anderen sind mit einer Lithium-Eisen-Phosphat-Kathode bestückt.
Klassenvergleich: BMW iX3 vs. Mercedes CLA
Beide Fahrzeuge definieren sich nicht nur durch Design, Antrieb und Komfort, sondern vor allem durch ihre Plattformen und Technologien.
Der Mercedes CLA bietet eine Reichweite von bis zu 750 Kilometern bei einem Normverbrauch von maximal 12 kWh/100 km. Besonders beeindruckend: In nur 15 Minuten sollen 400 Kilometer Reichweite geladen werden können. BMW hingegen setzt auf neue runde Lithium-Ionen-Zellen, die höhere Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten ermöglichen. Der iX3 soll zwischen 200 und 500 PS leisten, mit einem sportlichen „i3M“-Modell, das 2027 über 600 PS bieten wird.
Interieur: Displays und digitale Innovationen
Der Mercedes CLA beeindruckt mit einem durchgehenden Bildschirm, der sich über das gesamte Armaturenbrett erstreckt. BMW kontert mit „Panoramic Vision“, einem digitalen Infoband entlang der Windschutzscheibe, das alle Insassen mit Informationen versorgt.
Preis und Positionierung
Der Mercedes CLA dürfte bei etwa 55.000 Euro starten - ein deutlicher Unterschied zum Tesla Model 3, das bei rund 40.000 Euro beginnt. BMWs iX3 und kommende Modelle der „Neuen Klasse“ sind auf Premium-Kunden ausgerichtet und sollen das Herzstück der Marke bilden.
Zukunftspläne von Mercedes
Mercedes zufolge ist die MMA-Plattform ein zentraler Baustein innerhalb der Strategie, dass die eigene Neuwagenflotte ab 2039 CO₂-neutral fahren soll. Bis 2025 wollen die Schwaben demnach die Entwicklungsaufwendungen für Verbrennungsmotoren um 40, bis 2030 um 70 Prozent reduzieren. Das gesparte Geld benötigen die Entwickler für neue Elektroautos (BEV), deren kompakte Vertreter den MMA-Unterbau nutzen werden.
Mercedes-Benz hat im Rahmen der IAA 2023 nun die ersten Modelle für die neue MMA Plattform bestätigt. Demnach soll nicht nur der CLA, sondern auch der CLA Shooting Brake sowie der GLA und GLB kommen. Mit der Bestätigung der Baureihen für die neue MMA Plattform mit CLA Coupé, CLA Shooting Brake sowie dem GLA und GLB Modell bestätigt Mercedes-Benz aber auch indirekt die Streichung der A-. und B-Klasse.
Die kommende kleine G-Klasse soll im Design auf der großen G-Klasse aufbauen, jedoch sich von den Abmessungen deutlich unterscheiden. Aufbauen wird man das Modell voraussichtlich auf der MB.EA Plattform mit eATS2 Large Antrieb - demnach inkl. 800 Volt Technik und einer Batterie mit hoher Energiedichte.
Mercedes bringt demnächst eine neue Fahrzeugarchitektur auf den Markt. Mit dem Technologieträger Vision EQXX hat Mercedes neue Maßstäbe in Sachen Effizienz gesetzt. Jetzt bringt das Unternehmen die Erkenntnisse aus diesem Projekt in die Serienfahrzeuge ein.
Im neu definierten Einstiegssegment plant Mercedes-Benz eine Familie von insgesamt vier Modellen. Auf intelligente Modularität mit einem skalierbaren Skateboard-Design wird das Unternehmen auch bei künftigen Modellfamilien in anderen Segmenten setzen. Dazu gehört die kürzliche Eröffnung des eCampus in Stuttgart-Untertürkheim als Kompetenzzentrum zur Entwicklung von Zellen und Batterien für die künftigen Elektrofahrzeuge der Marke mit dem Stern.
Die elektrische Antriebseinheit (Electric Drive Unit - EDU 2.0) stellt dabei die erste Ausprägung einer neuen Generation elektrischer Antriebseinheiten von Mercedes‑Benz dar. Die 4MATIC Modelle verfügen zusätzlich über eine 80 kW leistende Drive-Unit an der Vorderachse. Diese ist im Sinne der Effizienz ebenfalls mit einem Inverter der nächsten Generation mit Siliziumkarbid (SiC) ausgerüstet und als Permanenterregte Synchronmaschine (PSM) ausgeführt.
Kunden werden zwischen Batterien mit zwei verschiedenen Zellchemien wählen können. Die Zellen der Top-Variante mit einem nutzbaren Energiegehalt von insgesamt 85 kWh verfügen über Anoden, bei denen Siliziumoxid zum Graphit beigemischt ist. Im Vergleich zur Vorgänger-Batterie mit herkömmlichen Graphit-Anoden konnte die gravimetrische Energiedichte um bis zu 20 Prozent erhöht werden. Es folgt eine vollelektrische Einstiegsvariante mit einer Batterie mit Lithium-Eisen-Phosphat-Kathoden (LFP).
Die Fahrzeuge der MMA-Architektur wird es auch als Hybrid mit 48-Volt-Technik geben. Der Elektromotor mit 20 kW Antriebsleistung wurde samt Wechselrichter in ein neues elektrifiziertes Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (8F-eDCT) integriert. Als Verbrennungsmotor kommt dort ein neuer Vierzylinder-Benziner der modularen Motorenfamilie FAME (Family of Modular Engines) zum Einsatz. Zunächst ist der Hybrid-Antrieb in drei Leistungsstufen mit 100, 120 oder 140 kW erhältlich.
Modellübersicht auf der MMA Plattform
In Zukunft kommen nur noch die folgenden Modelle auf der MMA Plattform:
- CLA Coupé
- CLA Shooting Brake
- GLA
- GLB
Mercedes begründet die Reduktion damit, dass man nur noch Derivate bauen will, die auf der ganzen Welt funktionieren.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Mercedes MMA Plattform | BMW Neue Klasse | BYD Super-E-Plattform |
|---|---|---|---|
| Ladeleistung | Bis zu 320 kW | Unbekannt | Bis zu 1000 kW |
| Batteriechemie | NMC oder LFP | Zylindrische Lithium-Ionen-Zellen | Unbekannt |
| Maximale Reichweite | Bis zu 750 km (CLA) | Unbekannt | Unbekannt |
| Hybride Option | Ja (48-Volt-Technik) | Nein (reine Elektroplattform) | Unbekannt |
