Paddy Pimblett: Ein blonder MMA-Kämpfer erobert die UFC

Die UFC hat einen neuen großen Star: Paddy "The Baddy" Pimblett. Der 27-Jährige verkörpert alles, was sich der Sport wünscht: die Fähigkeit, einen Fight mit allem, was nötig ist, anzuheizen und die sportliche Qualität, um Worten auch Taten folgen zu lassen. Dazu wirkt er geerdet und nutzt die große Bühne für Themen, die gesellschaftlich oft ignoriert werden.

Pimblett heizt den Kampf an

Im Vorfeld des Kampfes mit Jordan Leavitt bei UFC London hatte der Liverpooler Pimblett nichts ausgelassen, um seinen Gegner zu provozieren. Nachdem Leavitt seine Siege bislang regelmäßig mit dem Tanzstil "Twerking" gefeiert hatte, kündigte Pimblett im Falle eines Sieges an, den US-Amerikaner "Teebeuteln" zu wollen. Die Andeutung dieser Sexpraktik sei als Demütigung seines Kontrahenten gedacht.

Beim traditionellen Face-off, der Gegenüberstellung der Kämpfer, grinste Pimblett seinem Gegner frech ins Gesicht, deutete einen Handschlag an, zog aber zurück, als Leavitt einschlagen wollte. Die Fans feierten ihren Lokalhelden für diese Kindergartenaktion, die aber zeigt, dass Pimblett genau weiß, was beim Publikum ankommt.

Der Kampf gegen Leavitt

Und auch wenn Paddy "The Baddy" bei den Presseterminen im Vorfeld der Veranstaltung prognostiziert hatte, wie das Aufeinandertreffen mit Leavitt ablaufen werde - wie so oft im MMA-Sport - so richtig durchplanen lässt sich ein Kampf nicht. So musste der Engländer vor allem in der ersten Runde sein ganzes Grappling-Können aufbieten, um Leavitts Takedown-Versuche abzuwehren. Der Amerikaner schaffte es sogar, Pimblett einmal zu Boden zu werfen.

In einer ausgeglichenen ersten Runde schwang sich Leavitt plötzlich auf, um zum Party-Crasher für die tobende Menge in London zu werden. In der zweiten Runde hatte "The Baddy" dann aber eine Lösung auf den US-Amerikaner, der immer wieder in den Clinch ging. Nach einem Kniestoß gegen Leavitts Kopf, sackte dieser zu Boden.

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Das Manöver ermöglichte es Pimblett, seinen Gegner zu umklammern und zu einem Aufgabegriff anzusetzen. Leavitt konnte den engen Rear-Naked-Choke nur ein paar Sekunden lang abwehren, bevor er per Abklopfen aufgab. Es folgt das angedeutete "Teebeuteln", Leavitt nimmt's mit Humor - beide Kämpfer zollen sich mit einer Umarmung Respekt.

Das Publikum feiert die Aktion und den Sieg frenetisch, die blonden Beatles-Perücken fliegen durch die Luft - Bierduschen inklusive. Auch Pimblett genießt den Moment - und wird im Interview im Oktagon anschließend emotional.

Emotionale Momente und soziales Engagement

Den Sieg widme er "Baby Lee", einem Vierjährigen aus Liverpool, der vor einigen Wochen den Kampf gegen den Krebs verloren hatte. Danach erzählt er von einem weiteren Schicksalsschlag, einer seiner Freunde habe sich vor ein paar Tagen das Leben genommen.

"Es gibt ein Stigma in dieser Welt, dass Männer nicht reden können. Hör zu, wenn du ein Mann bist und eine Last auf deinen Schultern trägst und du denkst, dass der einzige Weg, das Problem zu lösen, darin besteht, dich umzubringen, dann sprich mit jemandem", so Pimblett. Ein Gänsehautmoment. Danach ertönt das Lied, welches zum Liverpooler und dieser Situation kaum besser passen könnte: "You'll never walk alone". Pimblett stimmt kurz mit ein, sackt dann weinend im Käfig zusammen. Unter Tränen verlässt der Publikumsliebling die Arena. Standing Ovations und Beifall für Pimblett.

In der Medienrunde nach dem Kampf gibt Pimblett ein ähnliches Bild ab. Erst verdrückt er gierig zwei Döner in knapp sieben Minuten und greift anschließend das emotionale Thema nochmal auf. "Frauen reden miteinander. Da gibt es dieses Stigma nicht", sagte der 27-Jährige. "In Sekundenbruchteilen kann ein Leben ruiniert sein. Und das ist mir in dieser Woche passiert. Aber Leute wie ich, die im Rampenlicht stehen, die sollten anderen helfen. Und ich denke darüber nach, eine Charity-Aktion für Probleme mit der geistigen Gesundheit ins Leben rufe. In Großbritannien gibt es dafür keine Wohltätigkeitsfinanzierung. Keiner spricht darüber. Menschen bringen sich um und niemanden interessiert's. Das muss sich ändern."

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Pimbletts Zukunftspläne

Der Kämpfer mit dem blonden Beatles-Haarschnitt ist sich seiner Popularität bewusst und der Hype um ihn reißt nicht ab. Die britischen Fans werden wohl künftig auf Pimblett-Heimspiele verzichten müssen. Zu groß ist die Anziehungskraft und der Fansupport für den 27-Jährigen geworden. "Das wird für ein paar Jahre mein letzter Kampf in Großbritannien sein, bis wir im Anfield Stadion antreten. Danach werde ich auf Pay-per-Views kämpfen", orakelte Pimblett bereits vor dem Kampf. Die UFC verliere zu viel Geld, wenn er in den USA auf der günstigeren Bezahlplattform ESPN+ kämpfe.

Für ESPN+ zahlen Kunden im Monat rund 7 Dollar, PPVs der UFC kosten in den USA knapp 75 Dollar. Dann sollte es auch die Gagen geben. Millionengagen, davon träumt auch Pimblett. Aber ganz uneigennützig. Wenn er einmal "McGregor-Money" verdienen werde, soll kein Kind in Liverpool Hunger leiden, so Pimblett im März. Er werde mit dem Geld die Lebensmitteltafeln in seiner Heimatstadt unterstützen.

Weitere Fakten über Paddy Pimblett

Patrick Mark Pimblett, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, wurde am 3. Januar 1995 in Huyton, Merseyside geboren. Als Scouser, wie die Bewohner Liverpools auch genannt werden, bekommt man die politische Einstellung beinahe in die Wiege gelegt. Teil seines Erfolgs ist wohl auch sein markantes Aussehen.

Name: Patrick Mark Pimblett

Cage-Name: "The Baddy"

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Geburtstag: 3. Januar 1995

Während im Mixed Martial Arts früher viele Fighter verschiedener Kampfsportarten zusammen kamen, kommen heutzutage immer mehr Kämpfer mit MMA-Ausbildung in die UFC. So auch Paddy Pimblett, der bereits im Alter von 15 Jahren explizit mit MMA begonnen hatte. Grund hierfür war der Kampf Vitor Belfort vs. Damals startete er bei Next Generation MMA Liverpool, bei denen er bis heute trainiert.

Drei Jahre nach seinen Anfängen machte er sein Debüt, nach drei First-Round-Siegen in Folge ging er bereits zu den Cage Warriors. Vier Siege und eine Niederlage später holte er sich den ersten Titel im Federgewicht - jedoch noch bei Full Contact Contender. Durch diese Erfolge wurde auch die Ultimate Fighting Championship (UFC), die Königsklasse des MMA, auf den Engländer aufmerksam.

Seine beiden ersten UFC-Fights gewann er jeweils in der ersten Runde. Einmal durch einen KO, einmal durch eine Submission (Rear-Naked-Choke). Den dritten Kampf gewann er in der 2. Runde ebenfalls via Rear-Naked-Choke. Was uns zum Gehalt von Patrick Pimblett bringt. Sein Sieg beim ersten UFC London brachte dem Engländer nämlich ’nur‘ 24.000 Dollar, wie er danach verriet. Die Summe gehört damit nicht zum oberen Ende der UFC.

Pimblett selbst sagte gegenüber Barstool Sports: „Die Summe steigt mit jedem Fight, aber man ist eben unter Vertrag. Einen großen Teil davon liefert, neben den zahlreichen Titelkämpfen und Boni, aber Sponsoring. Allerdings sind die beiden miteinander verlobt und feierte im Jahr 2022 zweijähriges Jubiläum. Am 3. Kinder haben die beiden derzeit aber noch keine.

Sein zweiter Kampf war obendrein bei UFC London, wo er vom eigenen Publikum angeheizt wurde. Ein Zeichen dafür wie groß der Hype vor allem in seiner Heimat ist. Außerdem erzählte White: „Auf Instagram habe ich das Faceoff des Main Events [Aspinall vs. Volkov, Anm.] gepostet, mit 120.000 Views. Den größten Beef hat Pimblett derzeit mit dem deutsch-georgischen UFC-Kämpfer Ilia Topuria. Dieser wiederum beleidigte den Engländer, weshalb Pimblett ihm Homophobie vorwarf.

Bekannte weibliche MMA-Kämpferinnen

Neben Paddy Pimblett gibt es auch zahlreiche bekannte weibliche MMA-Kämpferinnen:

  • Pearl Gonzalez
  • Felice Herrig
  • Holly Holm
  • Bec Rawlings
  • Kyra Gracie
  • Ronda Rousey
  • Cat Zingano
  • Paige VanZant
  • Maegan Goodwin
  • Anastasia Yankova
  • Rachael Cummins
  • Lena Ovchynnikova
  • Angelica Chavez