Marie Leuenberger, bekannt als Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart, überzeugt heute als vielseitige Schauspielerin in Film und Fernsehen. Sie verkörpert starke Frauenfiguren, darunter eine Ermittlerin in einer ARD-Krimireihe und eine politisch aktive Anwältin im Kinofilm „Bis wir tot sind oder frei“.
Die Rollenvielfalt von Marie Leuenberger
Die Schauspielerin Marie Leuenberger spricht im Interview über ihre Begeisterung für den Film „Bis wir tot sind oder frei“, ihre Freude an der sportlichen Rolle einer Ermittlerin in einer ARD-Krimireihe und die Herausforderungen in Bezug auf Gleichberechtigung in der Filmbranche.
Frederike Bader: Eine Kommissarin wider Willen
In den Passau-Krimis spielt Marie Leuenberger eine Kommissarin, die keine sein darf. Genau diese Konstellation fand sie besonders interessant. Oft seien Episodenrollen in Krimiserien interessanter als die der Kommissare. Ihre Figur, Frederike Bader, ist eine leidenschaftliche Kommissarin, die untertauchen muss und dann gemeinsam mit einem österreichischen Privatdetektiv ermittelt. Da sie sich nicht so genau an Gesetze halten muss und ihre eigenen Wege gehen kann, empfindet sie die Rolle als sehr spannend.
Sportlich unterwegs, streckt sie die Bösen in einem Showdown auch nieder. Für die Actionszenen steht ihr ein Stunt-Koordinator zur Seite. So ein Kampf sei ein bisschen wie eine Choreografie. Sie bewege sich gern und das sei auch interessanter, als während einer Autofahrt gefilmt zu werden.
Marie Leuenberger hatte Mitsprachemöglichkeiten bei der Entwicklung der Figur, was sie sehr schätzte und an die Arbeit am Theater erinnerte. Nach dem ersten Teil der Serie setzte man sich mit den drei Hauptrollen und den Fernsehredakteuren zusammen, um ein Brainstorming zu machen, welchen großen Bogen man über die Geschichte ziehen könnte. Dies bereitete ihr viel Freude und ist im Film selten, dass man so miteinbezogen wird.
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Ein Beispiel für diesen Bogen ist die Entwicklung zwischen Frederike Bader und dem Detektiv Ferdinand Zankl, gespielt von Michael Ostrowski. So sagt sie nach der ersten Folge zu ihm: „Wenn Sie noch einmal in mein Leben treten, bring ich Sie um.“ Im zweiten Teil rettet er ihr Leben. Sie merkt, dass er schwer einzuschätzen ist und weiß noch nicht recht: Kann man dem trauen oder nicht? Mit welchen Mitteln arbeitet er? Aber sie ergreift trotzdem seine angebotene Hand, weil sie erkennt, dass hinter der schwammigen eigenartigen Art ein ehrlicher, vielleicht einsamer Mensch steckt. Und sie merkt dann irgendwann, dass sie froh ist, dass sie weiter arbeiten kann, wenn auch anders als zuvor.
Vom Theater zum Film: Ein Neuanfang in Berlin
Marie Leuenberger war am Schauspiel Stuttgart engagiert und dann mit dem damaligen Intendanten Friedrich Schirmer ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg bis 2010. Nun arbeitet sie frei. Der Grund dafür waren Filmangebote, da sie gern beides machen wollte. Da sie aber viel auf der Bühne stand, hatte sie sehr viele Sperrtermine, an denen sie nicht drehen konnte. Außerdem wollte sie immer mal nach Berlin. Obwohl sie in Berlin geboren ist, hatte sie aber nie dort gelebt. Also kündigte sie. In Berlin kamen Drehangebote, aber keine mehr vom Theater. Mit ihren Kindern und den Filmarbeiten ist sie gut beschäftigt, aber sie hätte durchaus wieder Lust, nicht nur ins Theater zu gehen, sondern dort auch wieder zu spielen.
Die Faszination des Theaters
Auf der Bühne zu stehen, findet Marie Leuenberger mutig. Es sei beeindruckend, Schauspielerinnen und Schauspielern zuzusehen, was die alles preisgeben und wie viel Energie da freigesetzt wird. Man teilt sich im Theater Zeit und Raum. Anders als im Film und Fernsehen spürt man ja auch ganz direkt das Publikum. Man merkt, ob das Publikum da ist, aufmerksam ist oder ob es abschaltet.
Gleichberechtigung in der Filmbranche
Während des Lockdowns haben Schauspieler mit dem Manifest #ActOut mehr Diversität und interessantere, vielschichtigere Figuren gefordert. Marie Leuenberger hat den Eindruck, dass sich die Frauenrollen verändern und dass mehr Gleichberechtigung gewünscht wird. Sie hat jedoch kürzlich eine Studie gelesen, die eine statistische Auswertung der Arbeit von Männern und Frauen an Fernsehsendern abbildet: Was Gagen und Diversität betrifft, sind wir noch lange nicht bei der Gleichberechtigung angekommen. Schon gar nicht, wenn Schauspielerinnen älter als 30 Jahre alt sind, da gibt es einfach immer weniger Rollen als für Männer. Sie hofft, dass sich das grundlegend ändert.
Historische Rollen: Frauenrechtlerin und Anwältin
Marie Leuenberger hat in dem Film „Die göttliche Ordnung“ eine Frauenrechtlerin in den 1970ern gespielt und verkörpert nun in „Bis wir tot sind oder frei“ eine linke Anwältin in den 1980ern. Sie mag historische Themen. „Bis wird tot sind oder frei“ ist schlicht das beste Drehbuch, das sie gelesen hat, und die spannendste Frauenfigur, die sie bisher gelesen hat. Eine Anwältin, die Walter Stürm, der achtmal aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, verteidigt. Eine tolle Frau, die fluchen und trinken darf, an Krücken geht und doch stark ist. Sie hat seine Öffentlichkeit benutzt, um auf ein ungerechtes Justizsystem in der Schweiz aufmerksam zu machen und sich für die Freiheit im Allgemeinen einzusetzen. Sie blieb in Wirklichkeit immer eher im Schatten, hat aber viel erreicht, etwa, dass Amnesty International anerkannt hat, dass das Schweizer Justizsystem gegen Menschenrechte verstößt.
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Marie Leuenberger: Eine vielseitige Karriere
Marie Leuenberger wurde 1980 in Berlin geboren und wuchs in Basel auf. Nach ihrer Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München war die Schauspielerin am Bayerischen Staatsschauspiel München und in der Saison 2004/2005 am Schauspiel Stuttgart engagiert, danach bis 2010 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Seither arbeitet sie als freie Film- und Theaterschauspielerin und lebt in Berlin mit ihren zwei Kindern.
Film und Fernsehen
Zwei Folgen der Passau-Krimis werden in der ARD ausgestrahlt: Die Folge „Zu jung zu sterben. Ein Krimi aus Passau“ ist am 31. März um 20.15 Uhr zu sehen, „Der Fluss ist sein Grab. Ein Krimi aus Passau“ am 7. April um 20.15 Uhr. Der Film „Bis wir tot sind oder frei“ kommt am 31.
"Bis wir tot sind oder frei": Ein Film von Oliver Rihs
In den Hauptrollen von Oliver Rihs Drama „Bis wir tot sind oder frei“ glänzen Marie Leuenberger, Joel Basman und Jella Haase. Oliver Rihs, geboren 1971 in Männedorf (Schweiz), lebt und arbeitet seit 2001 in Berlin. Bis 1997 ist Rihs als Dokumentarfilmer für das Schweizer Fernsehen SRF tätig gewesen.
Marie Leuenberger spielt die Rolle der Barbara Hug. Joel Basman verkörpert Walter Stürm und Jella Haase spielt Heike Vollmer.
Der neue Film von Oliver Rihs, „Bis wir tot sind oder frei“, spielt in den 80ern in der Schweiz. In dieser Zeit steht die hartnäckige Anwältin Barbara Hug vor Gericht und kämpft gegen das veraltete Justizsystem an.
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