Karat Bad Staffelstein: Eine Kultband begeistert

Der Konzertsommer in Bad Staffelstein wurde mit einem hochkarätigen Auftritt fortgesetzt: Karat begeisterte über 1000 Besucher beim Open Air auf der Seebühne. Es wurde ein deutsch-deutscher Abend vor fränkischer Kulisse.

Es begann mit vier Sonnenbrillen und einer Entschuldigung. Claudius Dreilich, Sohn des legendären verstorbenen Karat-Sängers Herbert Dreilich, hob beide Hände zum Victory-Zeichen und bat das Publikum um Verständnis und Geduld. „Noch“, so Dreilich sinngemäß an die Besucher gerichtet, „blende die Sonne zu sehr, aber bald werde man sich in die Augen schauen können.“ Das war freundlich, das war nett, das war vor allem alles andere als kapriziös. Dieser Geist sollte gut zwei Stunden lang über dem Geschehen schweben.

Geboten wurden dabei so ziemlich alle Hits und Klassiker, mit denen sich Karat seinerzeit sowohl in der DDR wie auch in Westdeutschland eine riesige Fangemeinde erspielte. Die Interaktion zwischen Band und Zuschauern war herzlich und intensiv. Jeder Refrain wurde mitgesungen, jede Melodie trug Erinnerungen in sich. Mit einem energiegeladenen Finale verabschiedete sich KARAT von ihren begeisterten Fans, nicht ohne die Aussicht auf ein Wiedersehen: Genau in einem Jahr soll die Band erneut auf der Seebühne stehen.

50 Jahre Karat: Eine musikalische Institution

Kultband KARAT feiert mit neuem Album und brandneuen Songs und Tour den 50. Geburtstag. Es gibt Bands, die muss man eigentlich gar nicht großartig vorstellen, denn ihre Hits kennt man einfach, sie sind gelebte Geschichte und auch ein Teil unseres Lebens.

Und nicht von ungefähr verkauften sie bisher über zwölf Millionen Tonträger und sind die einzige ostdeutsche Band, die schon vor dem Mauerfall im Westteil des Landes Gold einheimste und sogar bei „Wetten dass..?“ oder der „ZDF Hitparade“ auftrat. Helene Fischer, Chris de Burgh, Max Raabe, Peter Maffay und Matthias Reim, aber auch Scooter, Jan Josef Liefers und sogar die Fantastischen Vier haben KARAT-Songs gecovert, was für die überragende Qualität dieser Songs spricht.

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Dabei hat die Band so manchen Schicksalsschlag in 50 Jahren Bandgeschichte wie den Tod ihres langjährigen Sängers Herbert Dreilich oder den langwierigen Streit um den Bandnamen verkraften müssen. Claudius Dreilich, übernahm nach dem Tod seines Vaters 2005, die Stelle des Sängers in der Band. Er sorgte nicht nur dafür, dass KARAT am Leben blieb, sondern auch mit neuen Ideen und neuen Songs für frischen Wind.

Vom ersten Ton des Albums „Immer noch da“ ist die Richtung klar, hier wird nicht mit Härte oder Lautstärke experimentiert, hier gibt es keine aufwendigen Loops oder unschöne und störende technische Spielereien, um sich mit Macht einer Frischzellenkur zu unterziehen. Nein, eher das Gegenteil ist der Fall. Lyrisch, poppig, mal rockig, aber auch ruhig und balladenhaft, sowohl musikalisch und besonders textlich durchdacht, kommen die neuen Stücke daher und sind frisch, doch unverkennbar KARAT.

Denn die Band mit Gitarrist Bernd Römer, Sänger Claudius Dreilich, Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung blickt nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn. Dennoch haben KARAT die alten Bandtraditionen nicht verloren, so wurden alle Songs im Studio live eingespielt, das Ergebnis welches es als Vinyl und CD gibt kann sich dabei durchaus hören lassen.

Dabei sind sie musikalisch und textlich am Puls der Zeit, („Der Mensch“), um hier genau ihre ganz besondere und eigene Vorstellung von deutschsprachiger Pop/ Rockmusik zu unterstreichen. So zeigen KARAT auch das sie nach 50 Bandjahren nicht zur Altherrenriege der Musiker gehören, die sich nur auf alten Erfolgen ausruhen, sondern auch mit neuen und inhaltlich tollen Songs (u.a. geschrieben vom Texterlegende Werner Kama, Martin Becker, Hansi Biebl oder auch Claudius Dreilich) überzeugen, um im Popgeschäft weiter mit mischen zu können.

Karat und die deutsch-deutsche Geschichte

Unter strahlend blauem Himmel und sommerlicher Hitze lockte die legendäre Rockband KARAT am vergangenen Wochenende ein ausverkauftes Haus an die Seebühne Bad Staffelstein. Gegründet im Jahr 1975, steht KARAT wie kaum eine andere Band für die Rockmusik aus der ehemaligen DDR - mit Texten, die von Freiheit, Hoffnung und der Sehnsucht nach einem besseren Morgen erzählen.

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KARAT waren bei ihrer Gründung im Jahr 1975 keine pickligen Teenager mehr, die ihre ersten wackeligen Schritte auf der Bühne unternahmen. Sie hatten ihre Meriten in bekannten Rockbands, vor allem „Panta Rhei“ und „Horst-Krüger-Band“, bereits gesammelt. Die Band um Sänger Herbert Dreilich und Keyboarder Ed Swillms, aus dessen Feder die großen KARAT-Hits stammen, kam zusammen, die Nummer eins zu werden und schnell war klar, dass sie dazu in der Lange sind. Das Besondere dabei: die Erfolge endeten nicht an der ehemaligen Zonengrenze.

Zweifelsohne Balsam für die ostdeutschen Musikfans: Denen war immer schmerzlich bewusst, dass das meiste, was sie auf dem heimischen Markt live oder von legal erworbener Konserve konsumierten, eine Art Ersatz für die Großen der Rock- und Pop-Welt hinter der Mauer war. KARAT gaben das erste Mal das Gefühl, auch zu Hause oder in der eigenen Stadthalle etwas zu hören, das mehr war als popmusikalischer Mocca-Fix, also Ersatzprodukt.

Schon 1979 wurde das zweite KARAT-Album (im Osten: „Über sieben Brücken“) in der BRD unter dem Titel „Albatros“ herausgebracht - die schlauen Vermarkter hatten den „König der Welt“ zusätzlich drauf gepackt. Es verkaufte knapp unter Goldstatus. Den knackten KARAT dann im Gefolge von „Der blaue Planet“, eins der erfolgreichsten Alben der Ostrock-Geschichte, das auch im Westen fast ein ganzes Jahr lang ununterbrochen in den Charts lag.

KARAT waren nicht nur wegen ihrer Musik allein ungeheuer wichtig, sondern weil diese Musik eine gesamtdeutsche Sache war, die aus dem Osten kam. Es scheint müßig, weil hinreichend bekannt, im Zuge von 45 Jahren KARAT auf die großen Klassiker wie „Schwanenkönig“, „Gewitterregen“, „Magisches Licht“, „Jede Stunde“, „Mich zwingt keiner auf die Knie“ sowie „Blumen aus Eis“ (und nicht zuletzt auf die bereits genannten) zu verweisen.

Auf die vielen KARAT-Coverversionen von Gregor Meyle, Heinz Rudolf Kunze, Peter Maffay, Helene Fischer, Chris de Burgh, Jan Josef Liefers und Max Raabe, um nur einige zu nennen. Auf die ausverkaufte Waldbühne ganz ohne DDR-Publikum, auf den Umstand, als erste und einzige Band des Ostens bei „Wetten dass...“ gewesen zu sein. Denn so wichtig diese Stationen in der KARAT-Laufbahn sind, es ist nur ein Teil der Geschichte.

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Bernd Römer (git), Michael Schwandt (dr), Christian Liebig (b), Martin Becker (keyb) und Claudius Dreilich (voc) haben nie aufgehört, kreativ zu sein. Es war nie ihr Ding, sich auf den erreichten Lorbeeren auszuruhen. Stets überzeugen sie live - rockig, sinfonisch, balladesk, in Kollaborationen mit Orchestern oder befreundeten Musikern sowie unplugged.

Dass KARAT 2020 die Tour zu ihrem 45. Geburtstag spielen werden, hat auch und vor allem mit der Personalie des Frontmannes zu tun. Damit, dass Tragik und Triumph oft nicht nur eng beieinander liegen, sondern sich zum Teil auch regelrecht bedingen können: Der tragische Krebstod von Herbert Dreilich, der viel mehr als nur der Sänger dieser Band war, sondern ihr Gesicht und ihre Seele verkörperte, schien im Jahr 2004 das Ende von KARAT zu markieren. Aber am Ende ermöglichte er der Band - mit seinem Sohn Claudius als neuem Frontmann - wie der berühmte Phönix aus der Asche zu steigen.

Claudius Dreilich führte die bewährten Kontinuitätslinien nicht nur authentisch fort, er pumpte frische Energie in das Unternehmen und eröffnete den gestandenen Männern neue Perspektiven.