Die Bedeutung von Sportvereinen für die Gesellschaft und die Rolle von Karl Lauterbach

Am 20. Mai feiert Sportdeutschland den 3. bundesweiten Trikottag. Der Sport erbringt vielfältige positive Beiträge in zahlreichen Bereichen des gemeinsamen Lebens. Doch wie bewahrt er sich dieses Image?

Die Wichtigkeit des Sports aus soziologischer Sicht

Aus sportsoziologischer Sicht stehen soziale Integration, Gesunderhaltung und Sinnstiftung im Vordergrund. Die soziale Integration betrifft nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund, sondern alle Menschen in einer Gesellschaft. Auch im Wettkampfsport wird das psychische Wohlbefinden massiv erhöht, die Wirkungen des gesamten Sportbereichs sind nachgewiesen und unbestreitbar.

Ergänzende Aspekte

Der Vereinssport ist der größte nonformale Bildungsanbieter in Deutschland. Sportvereine bieten niedrigschwellige Bildungsangebote für Menschen jeden Alters und sozialen Hintergrunds und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zum lebenslangen Kompetenzerwerb. Im Sport lernen wir nicht nur die für ihn notwendigen Bewegungsabläufe, sondern auch Persönlichkeitsentwicklung, den Umgang miteinander und mit Sieg und Niederlage umzugehen, es werden Werte wie Leistung, Disziplin und Fairplay vermittelt, die in der Gesellschaft von großer Bedeutung sind.

Das wichtigste Element ist für viele die Lebensfreude und die damit zusammenhängende Zufriedenheit, die durch Sporttreiben wachsen können.

Die Rolle von Sportvereinen in der heutigen Gesellschaft

Sportvereine sind nach wie vor der Gesundheitsanbieter Nummer eins in Deutschland. In den Sportvereinen wird Gesellschaft durch Sportvereine gestaltet. Sie bieten einen niedrigschwelligen Zugang für Menschen aus allen sozialen Schichten und ermöglichen gelebte Integration in ihrer ganzen Vielfalt.

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Hier kann Selbstwirksamkeit erfahren werden, und basisdemokratische Prozesse werden unmittelbar erlebbar. Der Sport kann auch Vorbild für andere gesellschaftliche Bereiche sein. Zum Beispiel haben wir mit dem Safe Sport Code als erste zivilgesellschaftliche Organisation ein Regelwerk zur Bekämpfung von interpersonaler Gewalt unterhalb der Strafbarkeitsgrenze vorgelegt.

Die Funktionen von Sportvereinen

Sportvereine sichern, dass ein wichtiges Bedürfnis der Menschen, nämlich sich gemeinsam mit anderen sportlich zu betätigen, auch befriedigt werden kann. Der Sportverein hat also auch die Funktion, Bedarfe von Menschen zu decken, die sich von allein nicht unbedingt tragen würden.

Gefahren für die Integrität des Sports

Sportvereine sind grundsätzlich sehr stabile Organisationen, deren Vorteil es ist, dass sie autonom handeln können, auch wenn es monetär durchaus Abhängigkeiten gibt. Es gab und gibt immer wieder Versuche aus der Politik oder aus der Wirtschaft, Vereine zu instrumentalisieren, aber die Organisation Sportverein ist durchaus resilient.

In anderen, autoritär geprägten Strukturen wird der Sport stark instrumentalisiert. Umso wichtiger ist es, für eine stabile Demokratie einzustehen, denn diese ermöglicht uns unser Sportsystem in seiner aktuellen Ausprägung.

Sportvereine sind eine Art letzte Bastion der Basisdemokratie. Auch hier kommen Fehlhandlungen vor, aber die allermeisten Entscheidungen werden von der Basis oder deren Repräsentanten getroffen. Das ist ein wichtiges Strukturmerkmal.

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Der organisierte Sport hat sich qua Satzung und Verfassung Werten verschrieben, die eingehalten werden müssen. Nicht nur eine Unterwanderung durch politische Extreme ist eine Gefahr, sondern auch Ideen, Vereine wie Wirtschaftsunternehmen zu steuern und damit Basisentscheidungen zu vermeiden.

Der Wille, mit dem Sport im Verein soziale Leistungen zu erfüllen, widerspricht nicht der Tatsache, wirtschaftlich zu denken. Aufgrund der hohen Abhängigkeit von freiwilligen Leistungen der Mitglieder braucht es hier durchaus Kreativität. Und es müssen immer wieder neue, für die Mitglieder attraktive Angebote bereitgestellt werden.

Lehren aus der Corona-Pandemie

Eine der wichtigsten Lehren war, dass Menschen gern gemeinsam Sport treiben und sich ihre Bewegungsräume erschließen, wenn sie dazu gezwungen sind. Das erfordert höhere Flexibilität und größere Kreativität in den Sportvereinen.

Obwohl wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, welche positiven Effekte der Sport hat und welche negativen Einflüsse manche Einschränkungen in der Pandemie gehabt haben, hat die Politik auf die gesellschaftliche Relevanz des Sports noch immer nicht adäquat reagiert.

Die Notwendigkeit einer stärkeren Lobby für den Sport

Der Sport hat in Deutschland, vom Fußball abgesehen, eine eher geringe Sichtbarkeit und Wertschätzung. In vielen anderen Ländern hat der Sport kulturell eine höhere Bedeutung. In Deutschland wird er als nicht-geistige Tätigkeit abgewertet und genießt offenbar nicht die gleiche kulturelle Wertschätzung wie beispielsweise die Hochkultur.

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Eine der zehn Forderungen, die der DOSB an die Bundespolitik gestellt hat, ist eine Bundesmilliarde für Infrastruktur - und Infrastruktur ist hier breit gemeint: Investitionen in Sportstätten, aber auch in Qualifizierung von Trainer*innen und in die Digitalisierung zur Unterstützung der Vereinsstruktur. Und die zweite Forderung ist, eine Staatsministerin oder einen Staatsminister für den Sport im Bundeskanzleramt zu implementieren und damit den Sport zentral in der Politik zu verankern, damit er als Querschnittsthema wahrgenommen und behandelt wird.

Die Vermittlung von Grundwerten durch den Sport

Unsere Werte werden durch Bildung, Medien, Gesetze und den öffentlichen Diskurs vermittelt und durch soziale Normen sowie zivilgesellschaftliches Engagement gefestigt. Aber eine so große Organisation wie der Vereinssport hat ein großes Verbreitungspotenzial, und in Bezug auf Basisdemokratie als Strukturprinzip ist der organisierte Sport vielleicht wirklich eine der letzten Bastionen.

Breiten- und Spitzensport

Es ist wichtig, den Breitensport gesondert vom Spitzensport zu betrachten. Auch wenn der Spitzensport das meiste Geld bewegt und die größte Aufmerksamkeit erhält, ist der Breitensport viel wichtiger für die Gesellschaft. Eine Vielzahl von Menschen sind tagtäglich im Sport freiwillig und ehrenamtlich für andere tätig, indem sie Training geben, Ämter übernehmen, Jugendarbeit machen oder als Eltern Fahrdienste für Nachwuchsmannschaften leisten. Dies sind enorme, für die Gesellschaft unheimlich wichtige, positive Ressourcen an unentgeltlicher Leistung, die erbracht werden.

Karl Lauterbach und die Gesundheitspolitik

Im scheidenden Kabinett Merkel IV haben Ausbildung und Verwendung in etwa so viel miteinander zu tun wie ein Drehwolf mit einem Tiergehege. Es wäre also durchaus ein Fortschritt, wenn im werdenden Kabinett Scholz I wenigstens ins Gesundheitsministerium jemand einzöge, der sich seine Kompetenz nicht erst im Amt aneignen müsste, sondern sie schon qua Ausbildung mitbrächte.

Auf Karl Lauterbach, 58, trifft das alles zu. Die SPD wäre ja mit dem Operationsklemmenbeutel gepudert, wenn sie ihn nicht zum Gesundheitsminister machte!