Karate: Geschichte und Grundlagen

Karate ist eine Kampfkunst, welche im 19. Jahrhundert auf der japanischen Insel Okinawa aus mehreren japanischen und chinesischen Kampfkünsten, wie zum Beispiel dem Shaolin Kung-Fu, entwickelt wurde. Bereits im 14. Jahrhundert gelangten erste Eindrücke chinesischer Kampftechniken des Quanfa/ Kempo nach Okinawa, wo sie sich mit dem einheimischen Kampfsystem des Te/De (Ryukyu-Dialekt Ti) vermischten und sich so zum Tode (Todi) oder Okinawa-Te (Uchinadi - „Hand aus Okinawa“) weiterentwickelten. Te bedeutet wörtlich „Hand“, im übertragenden Sinne auch „Technik“ bzw. „Handtechnik“.

Die Ursprünge des Karate

Die Geschichte des Karate begann vor ca. 1400 Jahren, als der Gründer des Zen-Buddhismus nach China gelangte, um dort die Lehren des Buddhismus zu verbreiten. Bei diesem Mann handelte es sich um Bodhidharma (chin. Puti Damo, jap. Bodai-Daruma oder einfach Daruma genannt, der tatsächliche Name des Mannes ist nicht bekannt und überliefert). Aus seiner Biografie geht hervor, das Daruma dem Alter nach der dritte Sohn des reichen südindischen Rajas Sugandha war, welcher zur Klasse der Brahmanen gehörte. Während seines Aufenthaltes in China begab er sich in den Shaolin-Tempel. Dabei entfachte seine große Begeisterung für das harte Training von Geist und Körper. Daruma sagte u. a. dazu „für das Durchhalten des Geistes ist es unerlässlich körperliche Kraft zu entwickeln". Um sich für die psychischen Belastungen der langen Zen-Meditation „fit" zu halten wurden spezielle körperliche Übungen entwickelt.

Die Lehre von Daruma verbreitete sich in China und später auch auf den Ryukyu-Inseln und somit auch auf Okinawa, welches Japan vorgelagert ist. Unter der Herrschaft des Königs „Sho Hashi" wurde vor ca. 500 Jahren auf Okinawa ein Waffenverbot erlassen. Die bis dahin für das Training des Geistes und Körpers ausgeübte Kampfkunst gewann eine neue Bedeutung. In diesen chinesischen Gemeinden lebte man seinerzeit recht abgesondert und es wurde das chinesische Kempo betrieben. Einige dieser Einwanderer waren Meister in den Stilen der chinesischen Kampfkünste und begannen nun diese Künste auf Okinawa zu lehren. Es vermischten sich im Laufe der Jahre chinesische Einflüsse mit dem auf Okinawa bekanntem Te (das Wort „Te" bedeutet Hand) und es entstand daraus eine Urform des heutigen Karate.

Der damalige Zweikampf hieß auf den Ryukyu-Inseln einfach nur „Okinawa-Te". Durch die Einflüsse vieler chinesischer Meister wurde über die Jahrhunderte der Grundstein für das heutige Karate gelegt. Es gab kleine Unterschiede in den einzelnen Te-Stilen und man unterschied „Tomari-Te", „Shuri-Te" und „Naha-Te" voneinander. Karate war also ursprünglich eine okinawanische und keine japanische oder chinesische Kampfkunst.

Bedeutung und Philosophie

Der Begriff Karate setzt sich aus den Ausdrücken „Kara“ und „Te“ zusammen, was übersetzt so viel wie „leere Hand“ bedeutet. Übersetzt bedeutet „Karate-Do" soviel wie der „Weg der leeren Hand". Im wörtlichen Sinn heißt das, der Karateka (Karatekämpfer) ist waffenlos, seine Hand ist leer. Das „Kara" (leer) ist aber auch ein ethischer Anspruch, danach soll der Karateka sein Inneres von negativen Gedanken und Gefühlen befreien, um bei allem, was ihm begegnet, angemessen handeln zu können. Im Training, wie im Wettkampf, wird dieser hohe ethische Anspruch konkret: Nicht Sieg oder Niederlage sind das eigentliche Ziel, sondern Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und äußerste Konzentration.

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Viele dieser Grundsätze lassen sich auf die Wurzeln des Karate in vom Buddhismus geprägten Kampfkünsten zurückführen. Das traditionelle Shotokan Karate betont die Entwicklung mentaler und physischer Disziplin, Selbstkontrolle, Demut und Respekt vor anderen. Die "Dojo Kun" (Trainingsraum-Grundsätze) fassen diese Prinzipien zusammen und ermutigen die Übenden dazu, nach Vollkommenheit im Charakter zu streben, stets an sich selbst zu arbeiten, die Etikette zu respektieren und sich von gewaltsamem Verhalten zurückzuhalten.

Praktiken und Techniken

Wie der Name vermuten lässt, werden beim Karate also keinerlei Waffen verwendet, das Training konzentriert sich vor allem auf Schlag- und Tritttechniken. Allerdings werden höhergraduierten Schülern auch manchmal Hebel und Würfe, Techniken mit Ellenbogen oder Knien sowie Angriffe auf Nervenpunkte gelehrt.

Das Training im traditionellen Shotokan Karate der JKA umfasst drei Hauptelemente: Kihon (Grundlagen), Kata (Formen) und Kumite (Partnertraining).

Kihon

Kihon beinhaltet die Übung grundlegender Techniken wie Stände, Blocks, Schläge und Tritte. Dies bildet die Grundlage für das Können der Übenden und konzentriert sich auf die Entwicklung von korrekter Form, Balance und Kraft.

Kata

Kata sind choreografierte Abfolgen von Bewegungen, die Selbstverteidigungsszenarien gegen imaginäre Gegner simulieren. Die Übenden führen Kata mit Präzision und Konzentration aus und verinnerlichen Techniken, Übergänge und Timing. Jede Kata hat charakteristische Merkmale und Anwendungen und verkörpert die Essenz der Techniken und Philosophie des Shotokan.

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Kumite

Kumite besteht aus strukturiertem Partnertraining, bei dem die Übenden ihre Techniken in kontrollierten, dynamischen Situationen anwenden können. Die JKA betont den kontrollierten Kontakt und die Bedeutung der Aufrechterhaltung des richtigen Abstands, Timings und der Strategie während der Kumite-Kämpfe. Dieser Aspekt des Trainings fördert Anpassungsfähigkeit, Bewusstsein und die Fähigkeit, die Absichten eines Gegners zu erkennen.

Training und Fortschritt

Der Fortschritt im traditionellen Shotokan Karate wird durch das Erreichen verschiedener Gürtelgrade markiert, die das Wachstum und die Entwicklung der Übenden symbolisieren. Der Fortschritt basiert nicht nur auf körperlicher Stärke, sondern auch darauf, ein tiefes Verständnis für die Prinzipien und Philosophie der Kunst zu zeigen.

Einfluss und Modernisierung

Die Japan Karate Association (JKA) spielte eine entscheidende Rolle bei der Förderung und Bewahrung des traditionellen Shotokan Karate. Im Laufe der Jahre hat das Shotokan Karate international Anerkennung gefunden und wurde in verschiedene Kampfkunstsysteme auf der ganzen Welt integriert. Funakoshi Gichin gilt heute als Begründer des modernen Karate und der Shotokan Stilrichtung. Seiner Überzeugung nach gab es jedoch nur ein Karate und die Zersplitterung in Schulen und Stilen hat er nicht unterstützt.

Professor Nakayama Masatoshi, ein Schüler Funakoshis, studierte 1937-1946 unter anderem in China Kampfkünste. Nakayama entwickelte das Jiyu-Kumite. An der sportwissenschaftlichen Fakultät der Takushoku-Universität in Tokyo wurde Karate unter Leitung von Nakayama erstmals wissenschaftlich betrachtet. Es entstanden Bücher wie Dynamic Karate und die mehrbändige Buchserie Karate-Perfekt.

Egami Shigeru empfand Nakayamas Weg als zu sportlich und gründete 1958 das Shotokai Karate, welches er weiter entwickelte.

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Die verschiedenen Stilrichtungen des Karate

Aus diesen Ursprüngen unserer Kampfkunst heraus entwickelten sich im Laufe der Jahre verschiedene Karate-Stilrichtungen.

  • Shotokan: Beim Shotokan-Stil handelt es sich wohl um die am weitesten verbreitete Stilrichtung des Karate. Der Shotokan-Stil entstammt der Shuri-Te Familie und zeichnet sich durch tiefe Stellungen und den sehr gradlinigen direkten Techniken aus.
  • Wado-Ryu: Beim Wado-Ryu gibt es weiche Techniken und eng geführte Bewegungen, welche vor allem das Ausweichen betonen. Dieses Ausweichen ist immer von einem Schlag auf einen Vitalpunkt begleitet und kann mit einer Wurftechnik enden.
  • Goju-Ryu: Der Name GOJU setzt sich aus zwei Silben zusammen, welche soviel bedeuten wie GO = hart und JU = weich. Im GOJU-Ryu werden kraftvolle und stabile, aber auch geschmeidige und weiche Stellungen praktiziert. Die Abwehrbewegungen sind kreisend und stammen aus den südlichen Stilen Chinas. Eine Besonderheit beim GOJU-Ryu ist die extreme Zwerchfellatmung (Ibuki), welche den Körper gegen starke Angriffe schützen soll.
  • Kyokushinkai: Er gründete die Schule des Kyokushinkai. Oyama erwarb sich abseits der menschlichen Gesellschaft in den Bergen und in Klöstern sensationelle Fähigkeiten. Er trainierte jahrelang Tag und Nacht sehr hart und meditierte viel, um „den Weg der Erleuchtung" kennen zu lernen.

Die Dojo-Regeln

  1. Für uns Karateka ist unsere Übungsstätte/ Dojo eine Stätte der inneren Sammlung und Ruhe, ein Ort der Konzentration und der Höflichkeit.
  2. Beim Betreten oder Verlassen unseres Dojo grüßen wir mit einer leichten Verbeugung. Dieser Gruß gilt zunächst der Übungsstätte und dem Karate - Do, aber auch unserem Lehrer (Sensei) und unserer Übungsgruppe.
  3. Vermeide es unbedingt verspätet zum Karate - Unterricht zu kommen.
  4. Das Verlassen des Dojo während des Trainings gilt als unhöflich. Ist es dennoch einmal unumgänglich, so zeige deinem Lehrer die Absicht durch eine leichte Verbeugung an und warte auf seine Bestätigung.
  5. Unterbrich nicht den Unterricht durch Fragen oder gar durch kluge Einwände! Die meisten Fragen lassen sich durch eigenes Nachdenken selbst beantworten, stiehl daher nicht durch deine Denkfaulheit den anderen Karateka und deinem Lehrer die Zeit.
  6. Sei höflich! Zeige deinem Übungspartner, dass du ihn respektierst. Streng dich an, ein fairer und guter Partner zu sein. Nimm deinen Partner ernst, unterschätze ihn niemals, trainiere aber auch nicht überheblich oder gar herablassend mit ihm.
  7. Sei sauber! Bei einer Kampfsportart kommen Menschen miteinander auf „Tuchfühlung" und in Kontakt. Daher müssen gewisse hygienische Grundbedingungen erfüllt und beachtet werden. Wasche dir grundsätzlich vor dem Unterricht die Füße, schneide Finger- und Fußnägel kurz und halte sie sauber. Achte auf die Sauberkeit deines Karate-Gi. Alkoholgenuss vor dem Karateunterricht: unmöglich! Du willst doch nicht zur Gefahr für deine Partner werden? Ringe, Halsketten, Stecker jeder Art haben im Karateunterricht keinen Platz.