Die Kultband Karat, die mit Songs wie „Über sieben Brücken“, „Der blaue Planet“ oder „Albatros“ Klassiker schuf, musste in der Vergangenheit mehrfach Konzerte absagen. Ein Blick auf die Bandgeschichte zeigt, dass dies oft verschiedene Gründe hatte.
Schnellstart in den 70ern
Im Kulturhaus «Otto Buchwitz» in Heidenau nahe Dresden wurde am 22. Februar 1975 Musikgeschichte geschrieben: Bassist Henning Protzmann, Gitarrist Ulrich Pexa, Schlagzeuger Konrad Burkert, Keyboarder Ulrich «Ed» Swillms sowie die Sänger Hans-Joachim Neumann und Herbert Dreilich standen das erste Mal gemeinsam auf der Bühne. Ihre Band hieß Karat. Schnell wird die neue Gruppe mit ersten eigenen Titeln wie «Leute welch ein Tag» im DDR-Rundfunk gespielt. 1976 bekommt die junge Berliner Band beim III. Interpretenwettbewerb der Unterhaltungskunst in Karl-Marx-Stadt eine Silbermedaille. Die erste LP erscheint 1978. Nur drei Jahre nach Bandgründung schafft Karat den Sprung nach ganz oben.
Über «Sieben Brücken» bis in die Hitparade
Ein DDR-Fernsehfilm wird zum riesigen Glücksfall. Er heißt «Über sieben Brücken musst du gehn». Keyboarder Ed Swillms, Verfasser vieler Hits der Band, vertont den gleichnamigen Titelsong. Beim Internationalen Schlagerfestival 1978 in Dresden gewinnt Karat mit dem Lied den Grand Prix. Die Single schafft es in der DDR-Jahreshitparade auf Platz 2 - hinter «König der Welt», ebenfalls eine Ballade von Karat. Auch beim «Klassenfeind» westlich der Mauer kommt die Single «Über sieben Brücken musst du gehn» in die Läden. Peter Maffay hört den Titel im Radio und ist so begeistert, dass er ihn covert. Auch diese Version wird ein großer Hit - im Westen Deutschlands. Seit 1990 singt Maffay ihn immer mal wieder zusammen mit seinen Freunden von Karat. Auch viele andere erfolgreiche Sänger haben die «Sieben Brücken» gecovert, etwa Heinz Rudolf Kunze, Helene Fischer, Chris de Burgh und Roland Kaiser.
Devisen für die DDR
Als erste DDR-Band darf Karat ab 1979 alle Platten in Ost und West herausbringen. Sie werden millionenfach gekauft und sind eine wertvolle Devisen-Quelle für den sozialistischen Staat: 80 Prozent der Einnahmen durch Schallplatten und Konzerte im Westen flossen in die Staatskasse der DDR, wie Claudius Dreilich berichtet. 1982 wird das Album «Der blaue Planet» ein Riesenerfolg. Die Single «Jede Stunde / Falscher Glanz» erklimmt die Top Ten in der BRD. Karat tritt in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck auf, schafft es dort mit «Jede Stunde» auf den zweiten Platz. Auch bei «Wetten, dass..?» singen die DDR-Balladenkönige. Moderator Frank Elstner bezeichnet sie als «Diamant der Popgruppen der DDR».
Der lange Schatten der ersten Jahre
Als Karat 15 Jahre alt ist, verschwindet die DDR. Im Jahr 2025 sind es 35 Karriere-Jahre im vereinten Deutschland. Noch immer werden die Berliner als DDR-Band oder Ost-Band bezeichnet. Dreilich hat sich darüber schon viele Gedanken gemacht und ist zum Schluss gekommen: «Es lässt sich nicht wegreden. Ich empfinde es als Güte-Siegel.» Musik von Bands mit DDR-Wurzeln sei ein richtiges eigenes Genre geworden. Alle großen Karat-Hits entstanden vor dem Mauerfall.
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Krebstod und K...!
Nach dem Mauerfall gibt es auch für Karat eine Karriere-Delle, die Fans zieht es zur Westmusik. Aber bald kehren sie zurück. Doch im Oktober 1997 erleidet Sänger Herbert Dreilich bei einem Konzert einen Schlaganfall. Rund ein halbes Jahr später steht er wieder auf der Bühne, aber es bleiben ihm danach nur noch einige Jahre. Im März 2004 gibt das Karat-Management bekannt, dass Dreilich an Leberkrebs erkrankt ist. Am Ende des gleichen Jahres stirbt er - mit 62 Jahren. Für die verbliebenen Musiker folgt bald der nächste Schock: Dreilichs Witwe untersagt ihnen, den Bandnamen weiterzuverwenden. Der Sänger hatte sich 1998 beim Deutschen Patent- und Markenamt die Rechte an der Marke Karat gesichert. Die Band nennt sich deshalb ab 2006 «K...!». 2007 schließlich unterliegt die Witwe vor Gericht. Karat heißt wieder Karat. Gitarrist Bernd Römer schildert später: «Wir waren echt fertig, wir saßen mit zitternden Knien im Gerichtssaal.»
Mikrofon statt Möbelhaus
Zurück ins Jahr 2004: Als sein Vater an Krebs erkrankt, bekommt Claudius Dreilich einen Anruf von der Band. Er wird gefragt, ob er als Sänger einspringen kann. Der Musiker-Sohn hatte eigentlich eine andere Karriere eingeschlagen, Ausbildungen als Hotelkaufmann und Einzelhandelskaufmann absolviert. Er arbeitete bei Ikea, eröffnete die Filiale in Moskau mit. Sechs Monate lang habe er sich dann nicht entscheiden können, welcher Weg der Richtige ist. «Ich bin ja mit Karat aufgewachsen und hab diese Musik geliebt», schildert er. Andererseits habe er mit seinem damaligen Job wirtschaftlich auf festen Füßen gestanden. Schließlich habe er beim damaligen Karat-Schlagzeuger Rat gesucht. «Er sagte mir: "Du wirst immer zu Karat gehören. Aber wenn Du es nicht machst, steht künftig ein anderer auf der Bühne"». Dann entschied Claudius Dreilich, dessen Stimme der seines Vaters verblüffend ähnelt: «Ich muss es wenigstens versuchen.»
Wieviel Karat steckt noch in Karat?
Zwei Gesellschaftssysteme, zwei Sänger, zwei Bandnamen: Karat hat sich immer wieder neu formieren müssen. Beide Musiker waren seit DDR-Zeiten in der Band. Aus der Anfangs-Ära ist noch Gitarrist Bernd Römer dabei. Er stieß 1976 zu Karat. Komplettiert wird die aktuelle Band von Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung. Die Musiker sind 49 bis 72 Jahre alt.
Jubiläumstour: Von Elphi bis Westfalenhalle
50 Jahre Karat, das heißt auch: Es gibt ein neues Album samt ausgiebiger Jubiläumstour. Bis Dezember sind bundesweit knapp 60 Konzerte terminiert - unter anderem in der Hamburger Elbphilharmonie und der Dortmunder Westfalenhalle. Am 22. Februar, dem Band-Geburtstag, erscheint das neue Album «Hohe Himmel». Dreilich beschreibt die Gemeinsamkeit der neuen Songs so: «Es geht einzig und alleine um den Menschen. Um die Schattenseiten und die Sonnenseiten.» Und es gilt weiterhin: «Wir arbeiten viel mit Metaphern und zynischen Andeutungen.
Konzertabsagen und ihre Gründe
Die Kultband Karat musste ihre Konzerte in Güstrow, Stralsund und Binz absagen, die zwischen dem 26. und 28. November geplant waren. Der Veranstalter erklärt, dass die Termine bald nachgeholt werden sollen.
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Die beliebte Band Karat wollte eigentlich am 27. November in der Stralsunder Jakobikirche und am 28. November im Binzer Kurzhaus auftreten. Daraus wird leider nichts und auch das Konzert am 26.
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