Die Ost-Berliner Rockband Karat, die auch schon vor der Wende in der BRD bekannt war, wurde spätestens nach ihrem Nummer 1-Hit „Über sieben Brücken mußt du geh‘n“ eine im Westen fest etablierte Rockband. Mit diesen und vielen weiteren Songs haben sie sich in den Analen der Geschichte der deutschsprachigen Rockmusik in den vorderen Reihen fest verankert. 1975 in Ostberlin gegründet, landeten sie schnell auf der Überholspur. Inzwischen sind mehr als 12 Millionen Tonträger verkauft.
KARAT sind die einzige ostdeutsche Band, die schon vor dem Mauerfall im Westteil des Landes Gold einheimste und bei „Wetten dass…“ auftrat. Helene Fischer, Chris de Burgh, Peter Maffay und Matthias Reim, aber auch Scooter, Jan Josef Liefers und Max Raabe haben KARAT-Songs gecovert. Jetzt feiern Bernd Römer (git), Michael Schwandt (dr), Christian Liebig (b), Martin Becker (keyb) und Claudius Dreilich (voc) den 40.Bandgeburtstag.
Die schönsten Geschenke gehen dabei an die Fans: Am 20.Juni laden KARAT zum großen Jubiläumskonzert mit vielen Überraschungsgästen in die Berliner Waldbühne. Und nicht zuletzt: KARAT haben ein neues Album eingespielt, ihr bestes seit langem.
Die Bedeutung von "Jede Stunde"
Das Lied Jede Stunde von Karat ist eine Ode an die Wertschätzung des Lebens in all seinen Facetten. Der Sänger beschreibt, dass manche Menschen nur die Nacht lieben, weil sie geheimnisvoll ist, während andere den Sonnenschein bevorzugen und glauben, dass sie damit glücklich sind. Er vermittelt das Gefühl, dass jeder Tag seine eigenen Geschichten erzählt, und es ihm gleich ist, wie diese zu ihm sprechen.
Besonders markant ist der Moment der Nähe zu einer geliebten Person, in dem die Zeit für ihn zu vergehen scheint, als fallen die Blätter von den Bäumen. Darüber hinaus besingt der Sänger auch, dass er das Leben in all seinen Facetten akzeptiert, selbst wenn er friert oder im Regen steht. Die wiederholte Betonung, dass die Zeit nicht wartet, lässt erkennen, dass das Leben voller flüchtiger Momente ist, die nicht verschwenderisch behandelt werden sollten.
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Die alte Katze, die still und heimlich lacht, steht möglicherweise für die Weisheit des Lebens, die man im Laufe der Zeit erlangt. Insgesamt ermutigt der Sänger dazu, jeden Augenblick zu schätzen, den Zauber des Lebens zu erkennen und das Hier und Jetzt zu genießen.
Die frühen Jahre und der Durchbruch
Ursprünglich hat die Gruppe den Song für den gleichnamigen Fernsehfilm geschrieben, doch schnell wurde das Lied zum eigenständigen Hit. Den Songtext können viele mitsingen, die wenigsten wissen aber, wie Karat auf den Text gekommen sind. Die Lyrics des deutschen Songs stammen aus einer polnischen Fabel. Das Lied dreht sich um die Liebesbeziehung eines polnischen Mannes und einer deutschen Frau.
Die Sehnsucht und das Gefühl von Freiheit spielen auch eine wichtige Rolle. "Wir haben uns in einem verräucherten Club kennengelernt. Und das war ja keine alltägliche Geschichte - eine ostdeutsche Band und ein westdeutscher Sänger", erinnert sich der deutsche Sänger Peter Maffay im MDR-Gespräch. Er coverte das Lied und machte es im Westen erst richtig berühmt.
Das Kulturministerium der DDR verbot Karat, ihren Song im Westen zu spielen. Die vier Lieder von Karat und ihre Geschichten sowie viele weitere tolle deutsche Songs finden Sie hier in unserem Stream "100 Prozent Deutsch". Hören Sie rein!
Die musikalische Vielfalt von Karat
Keyboarder Ulrich „Ed“ Swillms war der kreative Kopf der Band von Beginn an und hat alle die Songs, die bis in die heutige Zeit alle Live-Konzerte der Band bestimmenden Titel komponiert. Angefangen beim „König der Welt“, selbstverständlich „Über sieben Brücken“, der immer noch hoch aktuelle „Blaue Planet“ und „Jede Stunde“.
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Ihre Musik ist publikumsnah und inhaltlich anspruchsvoll. Ein Spagat, der bei KARAT nicht peinlich berührt. Teilweise Pop und Schlager, hauptsächlich aber Deutsch-Rock mit klassischen Elementen. Ed Swillms komponierte die meisten Songs basierend auf seiner Prägung durch sein Studium in Cello und Klavier, in dem er mit klassischer Musik in Berührung kam.
Wie vielen Künstler*innen in der DDR, hatte auch die Gruppe KARAT mit der Bürokratie zu kämpfen. Es wurde darauf geachtet, dass sie auch im Sinne des Sozialismus unterwegs waren. Vieles, was gesagt werden musste, konnte nur verschlüsselt gesungen werden. So geht es bei dem Lied „Albatros“ sicher nicht nur um diesen Seevogel. Das Lied trifft einen Nerv der DDR-Jugend und ihrer Sehnsucht nach Freiheit.
KARAT verstand sich nicht als politische Band im Auftrag der Partei, war aber auch nie Opposition. Sie waren und sind auf Themen konzentriert, die alle angehen. Lieder allein werden die Welt nicht veränderen, aber sie tragen zum Nachdenken bei und das ist bei der Gruppe KARAT garantiert.
Karat heute
Claudius Dreilich, der seit mittlerweile 20 Jahren Teil von KARAT ist, erklärt: „Es hat sich letztlich für die Band immer nur in eine Richtung entwickelt, und das ist die, die wir wollen: Nämlich nach vorne. Die politischen Entwicklungen auf der Welt, aber auch in Deutschland gehen nicht spurlos an den Rockern vorbei, gibt Bernd Römer zu: „Wir sollten uns immer daran erinnern, dass wir Menschen sind.
Wie schon des Öfteren, blicken die Mitglieder der Band auch im 50. Jahr nach vorne. Anstatt eines großen Best-of-Albums gibt es zum Jubiläum ein weiteres, das 16. Studioalbum. Dennoch, auf „Hohe Himmel“, so der Titel, klingen auch die Wurzeln der Band durch. „Wir haben hier stark mit alten Soundelementen gearbeitet. Aber trotzdem, glaube ich, dass wir es auch geschafft haben, im Jetzt zu sein“, sagt der Sänger Claudius Dreilich.
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„Wir wollten nicht zurückgucken, weil wir immer nach vorne gucken - da muss man sich ein bisschen orientieren. Deswegen ist es ein Album, was vielleicht die Leute in dieser Art und Weise erst mal überrascht. KARAT hat im Laufe der Jahre mehrere Besetzungswechsel erlebt. Die Musik und die Texte von KARAT treffen auf ein Lebensgefühl und erreichen die Leute: Ihre Songs begleiten viele Menschen schon ihr Leben lang und wecken Erinnerungen. Aber auch junge Leute entdecken die Musik von KARAT für sich und füllen die Konzertsäle.
Musik als Kraftspender in schwierigen Zeiten. Dinge, die nicht gesagt werden durften und Befindlichkeiten mit und gegen den Staat in lyrischen Worten ausdrücken. So entstehen ganze Welten mit ihren Liedern, und die Gruppe muss kreativ sein und bleiben, um Dinge auf Umwegen und verklausuliert zu sagen.
Die Bandmitglieder sind ein streitbares Völkchen und ringen gemeinsam um den richten Sound, die passende Liedzeile. „KARAT ist man nicht nur auf der Bühne. KARAT muss man leben.“ (Adele Walter, Managerin) Die Bandmitglieder bleiben aktiv und neugierig und stehen mitten im Leben. „Die Konstante bei KARAT ist die ständige Veränderung!“ so ein Mitglied der Band beim Blick zurück auf 50 Jahre und behaupten selbstbewusst von sich und ihrer Musik: „Wir waren gestern da. Wir sind heute da.
