Im Judo gibt die Gürtelfarbe Aufschluss über die Fertigkeiten des Trägers. Die Judogürtel werden dabei in einer bestimmten Reihenfolge vergeben. Wir zeigen Ihnen, welche Gürtel es gibt und welche Kompetenzen mit einem bestimmten Gürtel einhergehen.
Die Reihenfolge der Judo Gürtel
Als Faustregel für die Schülergrade gilt: Je dunkler der Gürtel, desto ausgeprägter die Kompetenzen des Trägers. Die Grade werden als Kyū bezeichnet. Ergänzt wird diese Einteilung um eine Abstufung mit Ordnungszahlen, beginnend mit der neun.
- Los geht es mit dem weißen Gürtel (9. Kyū). Dieser stellt keine weiteren Anforderungen an das Alter und wird an Anfänger vergeben.
- Der weiß-gelbe Gürtel (8. Kyū).
- Der gelbe Gürtel (7. Kyū).
- Bei der Vergabe des gelb-orangenen Gürtels (6. Kyū) werden Lernende einer Anwendungsprüfung unterzogen.
- Der orangene Gürtel (5. Kyū).
- Der orange-grüne Gürtel (4. Kyū) wird vergeben, sobald der "freie Fall" beherrscht wird.
- Der grüne Gürtel (3. Kyū) verlangt den Judoschülern fortgeschrittene Boden- und Wurftechniken ab.
- Der blaue Gürtel (2. Kyū) ist ein Indikator dafür, dass Würgetechniken beherrscht werden.
- Der braune Gürtel (1. Kyū) wird nach einer erweiterten Anwendungsprüfung verliehen.
Judo Gürtel Farben und Bedeutung
Jeder Neuling startet mit dem Schülergrad des 9. Kyū und trägt den weißen Judo Gürtel, mit steigendem Schülergrad werden die Gürtelfarben dunkler und führen über gelb, orange, grün und blau nach braun. Die Prüfungen führen schrittweise abwärts bis zum 1. Kyū, dem braunen Gürtel, woraufhin der nächste Schritt die Prüfung zum 1. Dan ist, dem Grad des niedrigsten Judo Meister und somit dem „Schwarzgurt“.
Die Judo Ausrüstung wird noch durch einen Judoanzug komplettiert. Judo Prüfungen existieren bis zum 5. Dan, alle weiteren Grade werden bei großen Leistungen durch entsprechende Verbände verliehen.
Hier eine detaillierte Übersicht über die Prüfungsinhalte der einzelnen Gürtelgrade:
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- Weiß-Gelb Gürtel: Der 8. Kyū, der Hachikyū, trägt den weiß-gelben Gürtel und muss in seiner Prüfung rückwärts und seitlich fallen können. Außerdem werden 2 Wurf- und 2 Bodentechniken verlangt und 2 bis 3 Einheiten Randori von je einer Minute durchgeführt.
- Gelb Gürtel: In der Prüfung zum 7. Kyū mit gelbem Gürtel, dem Nanakyū, müsst Ihr eine Judorolle vorwärts beherrschen, je 2 zusätzliche Wurf- und Bodentechniken und 3 bis 4 Einheiten Randori zu je einer Minute demonstrieren.
- Gelb-Orange Gürtel: Für den 6. Kyū, den Rokkyū, erhaltet Ihr gelb-orange und müsst die Judorolle beidseitig beherrschen. Außerdem erlernt Ihr 5 neue Wurftechniken, bekommt unfangreichere Anwendungsaufgaben und müsst 3 bis 5 Randori-Einheiten zu je 2 Minuten durchhalten.
- Orange Gürtel: Der orangefarbene Gürtelträger nennt sich Gokyū und ist der 5. Kyū. Hier müsst Ihr die Judorolle über ein Hindernis vorführen und erlernt neue Wurftechniken, welche auf einem Bein ausgeführt werden, sowie Hebeltechniken am Boden. Randori bleibt wie beim 6. Kyū.
- Orange-Grün Gürtel: Der Sprung zum orange-grünen 4. Kyū, dem Yonkyū, ist groß und Vorkenntnisse werden von hier an nur noch stichprobenartig geprüft. Hier müsst Ihr erstmals die fortgeschrittene Falltechnik „freier Fall“ demonstrieren. Zu den neuen Wurftechniken zählt der aus Filmen bekannte Tomoe-Nage.
- Grün Gürtel: Für den 3. Kyū, auch Sankyū genannt und den damit verbundenen grünen Gürtel müsst Ihr die erste Kata erlernen. Beim Randori existieren weniger Vorgaben, damit ein ungezwungener Übungskampf stattfinden kann. Weitere Wurf- und Bodentechniken runden die Prüfung ab und Vorkenntnisse werden von hier an seltener abgefragt, da diese aus dem Prüfungsprogramm heraus ersichtlich sind.
- Blau Gürtel: Wenn Ihr die Prüfung zum Nikyū, dem 2. Kyū mit blauem Gürtel, antretet, müsst Ihr erste Würgetechniken beherrschen und Euch in 3 Einheiten Randori zu je 3 Minuten gegen einen Gegner behaupten, welcher extreme Körperhaltungen einnimmt. Außerdem wird eine neue Kata gelehrt.
- Braun Gürtel: Der letzte Schülergrad und Braungürtel, der 1. Kyū namens Ikkyū, verlangt Eure höchste Präzision und Flexibilität, denn hier werden keine Fehler mehr geduldet. Die Würfe und Hebel müssen aus verschiedenen Situationen heraus sicher angewandt werden, beim Randori werden 3 verschiedene Übungspartner ausgewählt und die dritte Kata muss zu beiden Seiten ausgeführt werden.
- Schwarz Gürtel (1-10): Die Prüfungsprogramme zu den Meistergraden 1. bis 10. Dan, allesamt Schwarzgurte (oder ab dem 6. Dan rot-weiß oder komplett rot), sind noch deutlich umfangreicher und umfassen neben neuen Techniken auch eine ständige Wiederholung des Gelernten. Ab der 3. Dan-Prüfung kann der Prüfling den Großteil der Techniken frei wählen.
Das neue Kyu-Graduierungssystem des DJB
Der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat unter Leitung von DJB-Ausbildungsleiter Ralf Lippmann und dem ehemaligen DJB-Vorstand Andreas Kleegräfe gemeinsam mit der DJB-Arbeitsgruppe „Graduierung“ das Kyu-Graduierungssystem überarbeitet und neu konzipiert.
Das neue Graduierungssystem soll hierbei sowohl Tradition und Moderne, als auch klare Standards und Flexibilität ermöglichen. Das moderne Technikverständnis und die Kompetenzorientierung weisen hierbei den Weg. Eine Verbindung von Wissen und Können unter Berücksichtigung individueller Entwicklung, Fähigkeiten und Fertigkeiten, gepaart mit individuellen Aufgabenstellungen und selbstständigen Lösungsansätzen werden angestrebt. Dadurch wird ein tieferes Verständnis von Situation und Lösung hergestellt.
Im Mittelpunkt des „modernen Graduierungssystems“ steht neben der „Technik als Lösung einer Situation“ auch der vereinfachte Einstieg in den Judosport. Anders als bisher muss im Rahmen der Graduierung zum 8. Kyu kein erreichtes Fertigkeitsniveau, sondern ausschließlich ein Grundverständnis von und über Judo erlangt werden. Der „neue“ weiß-gelbe Gürtel ist nicht mehr Teil des Graduierungssystems, sondern soll als „Einstiegsgürtel“ das Eintauchen in die Welt des Judosports schneller ermöglichen.
Unter dem Motto „Der weiß-gelbe Gürtel, dein erster Schritt zum schwarzen Gürtel“ haben Vereine die Möglichkeit, in Schnupperkursen, beim „Tag des Judo“ oder im Rahmen anderer Projekte mit einfachen ausgewählten Inhalten elementare Grundlagen spielerisch zu vermitteln und anschließend den weiß-gelben Gürtel auch ohne Vereinszugehörigkeit zu verleihen. So baut der Judoverein direkt eine Bindung auf und motiviert die neuen Judoschüler dazu, die nächsten Schritte im Leben eines Judoka zu gehen. Wer will schließlich nicht einen schwarzen Gürtel besitzen?
Das neue Kyu-Graduierungskonzept wurde zum 1. Juli 2022 veröffentlicht und allen Landesverbänden und Vereinen zugänglich gemacht. Nach einer anderthalbjährigen Übergangsphase soll das neue Graduierungssystem zum 1. Januar 2024 implementiert sein.
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Die im Kyu-Programm beschriebenen „Anforderungen für Kyu-Grade“ sind integraler Bestandteil der Graduierungsordnung des Deutschen Judo-Bundes.
Zusätzliche Informationen
Ein erster Prüfungsbestandteil sind Falltechniken, bei denen der Schüler seinen Schwung abfangen muss, um Verletzungen zu verhindern. Ab dem 3. Kyū muss der Schüler zusammen mit einem Partner noch eine Kata vorführen, die auf den ersten Blick dem Randori ähnelt. Die entsprechenden Techniken für die Prüfung stehen im Prüfungsprogramm und der Judoka muss alle beherrschen, wenn er die Prüfung bestehen will. Prinzipiell sollte der Schüler alle Techniken vergangener Prüfungen verinnerlicht haben. Der Prüfer ist bei höheren Graden auch berechtigt, diese abzufragen. Besonders in Dan Prüfungen machen Prüfer von dieser Option sehr gern Gebrauch und lassen Techniken vorführen, die zum Grundwissen jedes Judoka gehören, im aktuellen Prüfungsprogramm aber nicht speziell genannt sind.
Die Gürtelprüfungen für die unterschiedlichen Gürtelfarben sind vom Aufbau her sehr ähnlich und gliedern sich folgendermaßen:
- allgemeine Grundausbildung (z.B. in Bezug auf Koordination, Dehnung, Ausdauer)
- kickboxspezifische Ausbildung
- soziale Verantwortung (Disziplin, Teamfähigkeit)
- Theorie
- Selbstverteidigung und Gewaltprävention
Die Gürtelprüfungen der Erwachsenen sind ebenfalls vom Aufbau her gleich und gliedern sich in folgende Prüfungsblöcke:
- Kampfstellung und Fortbewegen sowie Schattenkickboxen
- Grundtechniken (Hand- und Fußtechniken)
- Kombinationen der Grundtechniken
- Abwehrkombinationen
- Modellsparring
- Freies Sparring
- Selbstverteidigung
- Theorie
Die Gürtelprüfungen von weiß-gelb bis einschließlich grün werden von unserem Trainerteam Wolfgang Kramer und Manuel Weick abgenommen. Die Gürtelprüfungen von grün-blau und blau müssen von einem Regionalprüfer abgenommen werden (in unserem Fall erfolgt die Prüfung meist in Darmstadt).
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Auf der einen Seite steht der individuelle Rang des Judoka, der am Judo Gürtel zu erkennen ist. Diesen Rang kann er durch das Absolvieren der Judo Prüfung zum entsprechend nächsten Rang erhöhen. Hiervon klar zu unterscheiden ist die Einteilung in Alters und Gewichtsklassen, wie sie beim Wettkampf vorgenommen wird, denn diese hat nichts mit dem Gürtelrang des Judoka zu tun. Wie oben schon erwähnt, repräsentiert der Gürtel Euren persönlichen Grad anhand seiner Farbe.
Wie wählt man die richtige Gürtellänge?
Generell wird die Länge, wie bei Jacke und Hose, nach der Körpergröße bestimmt, denn aufgrund der Bindetechnik reicht es hier nicht aus, einfach, wie bei einer Jeans, den Hüftumfang zu messen. Der Gürtel wird schließlich zweifach um die Hüften geschlungen und vor dem Bauch speziell verknotet.
Wie immer gilt bei der Größenbestimmung: Seid Ihr besonders schlank, kann auch die kürzere Stufe besser passen. Wenn Ihr Zweifel habt, könnt Ihr natürlich auch die anderen Schüler bitten, Euch bei der Längenbestimmung zu helfen. Ein kurzes „Probebinden“ später und schon habt Ihr absolute Gewissheit. Außerdem könnt Ihr Euch bei dieser Gelegenheit gleich zeigen lassen, wie der Gürtel zu binden ist.
Hier ist eine Tabelle zur Orientierung:
| Körpergröße | Gürtellänge (ca.) |
|---|---|
| [Körpergröße hier einfügen] | [Gürtellänge hier einfügen] |
