2025 steht ein besonderes Jubiläum an: 50 Jahre Karat werden gefeiert. Gitarrist Bernd Römer, Schlagzeuger Heiko Jung, Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Sänger Claudius Dreilich laden zu diesem Anlass ein.
Natürlich war es damals im Ostberlin der 1970er nicht abzusehen, als sich Musiker von Panta Rhei und der Horst-Krüger-Band zusammenfanden, dass diese neue Band einmal ihren festen Platz in den Annalen der Geschichte der deutschen Popularmusik einnehmen wird. Andererseits: Dass hier Großes entsteht, war ziemlich schnell zu merken. Und spätestens mit Beginn der Achtzigerjahre - gerade einmal fünf Jahre nach Bandgründung - zählten Karat zu den wichtigsten deutschen Bands - in Ost wie West.
Karat ist ohne Frage ein Schwergewicht im Ostrock. 2025 feiert die Berliner Band ihr 50-jähriges Bestehen. 50 Jahre - das sind zwei Generationen und fast ein Leben. Es gibt nur wenige Bands von Rang, die auf eine solche lange Geschichte zurückblicken. Die meisten davon sind dabei längst zu nostalgischen Coverbands ihrer selbst geworden. Karat sind einen anderen, ihren eigenen Weg gegangen: Dem der permanenten Suche, der ständigen Bewegung und Selbstbefragung.
Die Anfänge und der Durchbruch
Am 21. Februar 1975 stand eine Kombo mit dem Namen "Karat" das erste Mal auf der Bühne im Kulturhaus "Otto Buchwitz" in Heidenau bei Dresden. Es waren überwiegend Jazzmusiker, die sich da zusammengetan haben. Sie kannten sich aus dem vorherigen Projekt "Panta Rhei" in Berlin. Die ersten Probenphasen fanden in einer Mühle im Elbsandsteingebirge statt.
Nach der Gründung 1975 und dem ersten Konzert in Heidenau bei Dresden nahm die Karriere der Musiker um Bassist und Bandgründer Henning Protzmann schnell Fahrt auf. Nach ihrem ersten Konzert in Heidenau gewann die Gruppe schnell an Bekanntheit und produzierte ein gutes Dutzend Aufnahmen. 1976 wird Bernd Römer Gitarrist bei Karat und ist es bis heute. 1977 dürfen Karat zum ersten Mal im Westen spielen, bei einem Pressefest der West-Berliner SED in der "Neuen Welt" (heute Huxleys) in der Neuköllner Hasenheide.
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Im gleichen Jahr wird Herbert Dreilich fester Sänger der Band. Karat gibt live und open air am Waschhaus Potsdam am 08. Juni (Sonntag) um 20 Uhr ein Konzert. Wegen ihrer Erfolge durfte die Band ab 1979 auch "im Westen" auftreten und räumte hier ebenso ab: Für das Album "Der blaue Planet" gab es eine Goldene Schallplatte. Mehrere ihrer Alben erschienen sowohl bei Amiga in der DDR als auch bei Teldec in der Bundesrepublik.
Als das DDR-Fernsehen 1977 eine Band für den Titelsong zum Film "Über sieben Brücken musst du gehen" sucht, setzt sich Karat-Keyboarder Ed Swillms an die Komposition. Der Titelsong zu "Über sieben Brücken musst du gehen" aber entwickelt sich zum erfolgreichen Hit - nicht nur in der DDR, sondern auch in der BRD.
Erfolge und Herausforderungen
Die 1980er-Jahre werden das Jahrzehnt für die Band. 1982 kommt mit "Der Blaue Planet" der größte Erfolg der Bandgeschichte in die Läden. Über 1,4 Millionen Mal verkauft sich das Album in der DDR und der Bundesrepublik. Die Single "Jede Stunde" schießt in die Top Ten der westdeutschen Charts. Als wichtiger Kultur-Exportschlager darf die Band auch im Westen auftreten, unter anderem in der ZDF-Hitparade oder "Wetten, dass ...?". Sie war damit auch die einzige DDR-Band in der Geschichte der Unterhaltungsshow, die dort einen Auftritt hat.
Im Jahr der politischen Wende 1989 gelang ihnen mit der zusammen mit Peter Maffay als Duett aufgenommenen Version von "Über sieben Brücken musst du gehn" nochmal ein Riesenerfolg, bevor es auch um Karat still wurde. Bis Ende der 90er-Jahre kämpfte sich die Band zurück, konnte aber nie ganz an frühere Erfolge anknüpfen.
Nach 15 Jahren Bandgeschichte zerbricht das politische System, in dem Karat aufgewachsen und vor allem erfolgreich geworden sind. Nach der friedlichen Revolution haben nicht nur sie, sondern auch viele andere erfolgreiche DDR-Bands in den folgenden Jahren Probleme, Konzerte zu füllen.
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Der Verlust von Herbert Dreilich und ein Neuanfang
2004 müssen Karat bekanntgeben, dass ihr jahrzehntelange Sänger Herbert Dreilich Leberkrebs hat. Noch im gleichen Jahr stirbt er, nur wenige Tage nach seinem 62. Geburtstag. Das 30. Bühnenjubiläum der Band erlebt er nicht mehr mit. Nach dem frühen Tod von Sänger Herbert Dreilich 2004 war es ein Glücksfall, dass dessen Sohn Claudius eine nahezu identische Stimme besitzt und 2005 an die Stelle seines Vaters trat.
Die Band braucht einen neuen Sänger, bei Dreilichs Sohn Claudius klingelt das Handy. Er zögert zunächst, hat vorher jahrelang erfolgreich in Moskau als Manager eines schwedischen Möbelhauses gearbeitet. Eine neue Ära beginnt mit der vierten Dekade, denn mit Claudius Dreilich als neuem Sänger erleben Karat den Glücksfall, dass die Band den schweren Abschied zur Chance für die Zukunft umgedeutet hat.
Über die Jahre gibt es bei Karat immer wieder Umbesetzungen und Austritte: Zuletzt sind 2023 Heiko Jung als Schlagzeuger und Daniel Bätge als Bassist dazugekommen. Aus der Gründungsphase ist nur noch Gitarrist Bernd Römer Teil von Karat. Die fünfte Dekade steht ebenso für einen weiteren Besetzungswechsel: Daniel Bätge sowie Heiko Jung sind die Neuzugänge an Bass beziehungsweise Schlagzeug. Man kennt die gestandenen Musiker beispielsweise aus ihrer Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken, Jan Josef Liefers oder Clueso. Nun sorgen sie mit Groove, Leidenschaft und musikalischem Können für ein neues Energielevel bei Karat.
Markenrechtsstreit und die Gegenwart
Nach dem Tod von Herbert Dreilich kommt es zu einem fast schon unwürdigen Namensstreit. Karat müssen sich ab 2006 "K…!" nennen. Ohne Wissen seiner Bandkollegen hat sich Herbert Dreilich den Bandnamen 1998 schützen lassen, nach seinem Tod untersagt seine Witwe Susanne der Band die Weiternutzung mit der Argumentation, dass die Rechte an der Marke Karat ihr allein zustehen.
Heute sind die schweren Zeiten vorbei: "Es hat sich immer nur in eine Richtung entwickelt und das ist die, die wir wollen: Nämlich nach vorne", sagt Claudius Dreilich, der seit mittlerweile 20 Jahren Teil von Karat ist.
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Das Jubiläum und die Zukunft
2025 laden Gitarrist Bernd Römer, Schlagzeuger Heiko Jung, Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Sänger Claudius Dreilich zu einem ganz besonderen Jubiläum: 50 Jahre KARAT werden gefeiert. Neben einer umfangreichen, über das komplette Jahr andauernden Geburtstagstournee wird es ein Album mit neuen Liedern sowie ein neues Karat-Buch, das alle fünf Dekaden umfasst, geben.
Womit dem großen Jubiläumsjahr 2025 nichts mehr im Wege steht. Mit einer umfangreichen Tournee, die mindestens so viel Konzerte wie die Band an Jahren hat, mit einem neuen Album, einer TV-Doku, einem neuen Buch und einer großen Jubiläums-Kreuzfahrt mit der AIDAdiva nach Norwegen im nächsten Mai werden KARAT fünf Jahrzehnte Revue passieren lassen und damit auch an die verstorbenen Musiker Herbert Dreilich, Thomas Kurzhals sowie Ed Swillms erinnern. Sie werden aber auch mit jedem Ton deutlich machen, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist und sie weiterhin nicht zur Oldiekapelle mutieren. Denn das ist das besonders Schöne an diesem Jubiläum: KARAT feiern, aber sie verabschieden sich nicht.
Die Band Karat hat in ihrer Heimatstadt Berlin ihren 50. Geburtstag gefeiert - mit einem Konzert im Kino Babylon unweit des Alexanderplatzes. Sänger Claudius Dreilich sagte vor den mehreren Hundert Fans: „Wir sind im Spielfieber. Die neue Musik zündet uns hier oben alle an.“ Zum Bühnen-Geburtstag schenkte die Band ihren Fans bereits am Vortag eine neue Platte, „Hohe Himmel“ heißt sie und enthält 13 neue Songs. Neben den alten Hits wurden die alle gespielt. Außerdem war der Abend der Auftakt für die „Karat 50“-Tour, die ab März durch ganz Deutschland führt. Wer die Band jetzt verpasste, kann sich also freuen: am 19. Dezember spielt Karat wieder in Berlin. Dann aber in der Max-Schmeling-Halle - mit deutlich mehr Plätzen. Oder fährt am 8. März schon nach Frankfurt Oder, da startet die Tour nämlich. Weitere Stopps, die für Berliner interessant sein könnten, ist der am 5. April in Bernau oder der am 8. Juni in Potsdam.
Trotzdem blicken Dreilich und Römer nicht ohne Sorge in die Zukunft. Karat sei keine parteipolitische Band, aber politisch sei man immer, sagt Dreilich dem MDR. "Was hier passiert, in unserem Land, macht uns fassungslos." Die politischen Entwicklungen auf der Welt, aber auch in Deutschland gehen nicht spurlos an den Rockern vorbei, gibt Bernd Römer zu: "Wir sollten uns immer daran erinnern, dass wir Menschen sind.
Insgesamt sind bis heute 15 Studio-Alben erschienen, sieben davon in der DDR. Aus dieser Fülle von Songs eine Auswahl zu treffen, ist schwierig: Musikalisch hat die Band mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen - sicher auch beeinflusst von der über die Jahre immer mal wieder wechselnden Besetzung. Typisch für Karat sind Keyboards, satter Gitarrensound und kraftvolle Drums, die Texte sind berührend poetisch, manchmal philosophisch, auch politisch und manchmal auch von überraschender Leichtigkeit.
