Kampfsportarten ohne Handschuhe erlaubt: Eine Analyse

Bare Knuckle Boxing, oder Boxen mit bloßen Fäusten, ist eine Disziplin, die in der ältesten Geschichte der Kampfsportarten verwurzelt ist. Roh, spektakulär und umstritten erlebt dieser Sport in den letzten Jahren eine Renaissance und zieht immer mehr Fans und Athleten aus der ganzen Welt an.

Geschichte und Entwicklung des Bare Knuckle Boxing

Der Faustkampf ohne Handschuhe reicht Jahrhunderte zurück, mit Spuren von Kämpfen ohne Handschuhe bereits im antiken Griechenland und Rom. Das moderne Bare Knuckle Boxing entwickelte sich jedoch im 18. Jahrhundert.

Die ersten kodifizierten Regeln, bekannt als London Prize Ring Rules, wurden 1743 von Jack Broughton, einem berühmten Boxer jener Zeit, eingeführt. In den 1920er Jahren wurden offiziell Handschuhe im Boxsport eingeführt, zum einen, um die Hände des Boxers zu schützen, da zu dieser Zeit die meisten Athleten hauptberuflich Arbeiter waren, und zum anderen, um längere Kämpfe zu generieren, da viele Bare Knuckle Kämpfe frühzeitig aufgrund von Verletzungen oder Knockout beendet wurden.

Trotz des Aufstiegs des modernen Boxens mit Handschuhen gemäß den Queensberry Rules blieb das Bare Knuckle insbesondere in Untergrundkreisen lebendig.

Bare Knuckle Fight Club: Mehr als nur Sport

Im "Bare Knuckle Fight Club" steht nicht nur der Sport im Mittelpunkt. Hier nutzen Männer das Boxen, um Konflikte aus der Vergangenheit zu überwinden. Blutige Verletzungen und blaugeschlagene Augen nehmen sie in Kauf für den Adrenalinkick.

Lesen Sie auch: Bad Soden: Kampf und Schach

Die Sanitäter im Ring haben die Macht, die Kämpfer jederzeit zu stoppen, nachdem das Startkommando "Fight" - Kämpft - erklungen ist. Für maximal drei Zwei-Minuten-Runden. Wer zu Boden geht, hat 20 Sekunden Zeit, wieder aufzustehen. Beim regulären Boxsport sind es nur zehn Sekunden.

Ein Familienausflug zum Box-Spektakel

Etwa 250 Zuschauer sind in die Boxarena ins nordenglische Carlisle gekommen, sitzen und stehen um einen kleinen Ring, den sie aus schweren Strohballen gebaut haben. Vor allem Männer sind gekommen, aber auch Frauen. Und nicht wenige Mädchen und Jungen, kaum älter als neun Jahre. Es ist ein hartes Milieu, in dem sie Bare-Knuckle-Boxwettkämpfe austragen. Die sind legal in Großbritannien, werden bei Polizei und Behörden ordnungsgemäß vom Veranstalter angemeldet.

Bare-Knuckle-Champion mit Narben

Der ungeschlagene Champion Nathan Dixon, in seinem Alltag ist er Dachdecker, erzählt von seiner Kindheit in einer nordenglischen Kleinstadt. Jeden Tag habe er sich auf der Straße mit anderen Kindern geprügelt, seine Mutter habe ihn angespornt, sich durchzusetzen. Vorher bräuchte er gar nicht nach Hause zu kommen. Die lange Narbe auf seiner Stirn: Vom Kampf mit dem Bruder, der mit einer Glasflasche zuschlug, sagt Nathan Dixon:

Ich bin dann irgendwann weggezogen aus meinem Heimatort. Wäre ich dort geblieben, säße ich heute im Knast. Oder wäre tot.

Ein Sport, der Respekt verschafft

Wie wichtig es für die jungen Männer ist, respektiert zu werden, weiß auch Christian Roberts, Gründer des Spartan Bare-Knuckle-Fight-Clubs. Viele der Kämpfer in den vom ihm organisierten Wettbewerben hätten das nie erlebt. Hier bekämen sie Respekt vom Gegner und von den Fans. Das wollen sie nie wieder aufgeben. Also bleiben sie auf Kurs.

Lesen Sie auch: Alleine Kampfsport lernen – So geht's!

Für den Kampf zu trainieren, bedeute eben auch, Disziplin wahren zu müssen im Leben. Die Männer lernten, so glauben sie im Spartan-Club, im Ring kontrolliert mit Aggressionen und Gewalt umzugehen. "Knifes down, fists up" ist das Spartan-Motto. Heißt: Weg mit den Messern, kämpft fair mit Fäusten. Denn dann gingen nicht so leicht Leben verloren.

Regeln und Schutzmaßnahmen

Wie in jedem Kampfsport gibt es auch beim Bare-Knuckle-Boxen Regeln. Es gibt Kleinigkeiten, die bei Verband zu Verband unterschiedlich sind. Aber grundsätzlich kann man bei allen Verbänden festhalten: Es wird nach klassischen Boxregeln gekämpft, bedeutet keine Tritte, Knie, Ellbogen oder Schläge zum Mann am Boden. Bei Knockdown wird klassisch angezählt, es kann aber auch ein Standing 8 Count geben bei harten Wirkungstreffern. Die Runden sind 2 Minuten lang.

Bei offenen Verletzungen wird die Zeit gestoppt und ein Ringarzt beurteilt, ob weiter gekämpft werden kann oder nicht. Generell würde ich behaupten, dass die Personen um uns rum, sprich Ringrichter, Ärzte und auch Cutmans, generell schneller einen Kampf aufgrund der Gesundheit beenden als im klassischen Boxen.

Erlaubte Schläge: Es sind nur geschlossene Faustschläge ohne Handschuhe erlaubt.

Verletzungsrisiken und Sicherheit

Generell würde ich sagen, dass oberflächliche Verletzungen wie Cuts und Brüche definitiv häufiger vorkommen als beim klassischen Boxen zum Beispiel. Ich persönlich denke aber, dass die Langzeitfolgen von 10 dumpfen Schlägen mit Handschuhen aufs Gehirn schädlicher sind und vor allem über viel längeren Zeitraum stattfinden als zum Beispiel ein paar harte Hände ohne Handschuhe, die den Kampf vielleicht schon beenden.

Lesen Sie auch: Liste der Kampfspiele für PC

Man sollte generell aber, um Verletzungen zu vermeiden, seinen Körper und seine Hände hätten. Einem muss bewusst sein, dass der Schmerz eines Schlags mit blanker Faust definitiv stärker auf den Körper einbricht. Man sollte seine Beinarbeit und sein Headmovement auf Top Level bringen, um die Geschwindigkeit der Kämpfe standhalten zu können und agil genug zu sein, Schlägen ausweichen zu können, da es nicht viel Deckung gibt ohne Handschuhe.

Bare Knuckle in den Medien

In Cheyenne (US-Bundesstaat Wyoming) hat am Samstag die erste legale Boxveranstaltung mit PUREN Fäusten (englisch: bare-knuckle) 2000 Zuschauer vor Ort in ihrer Bann gezogen - Zehntausende schauten sich die zehn Kämpfe (vier davon Schwergewichts-Fights) im Bezahlfernsehen an. Das berichtet der Veranstalter.

Andere Kampfsportarten ohne Handschuhe

Neben dem Bare Knuckle Boxing gibt es noch andere Kampfsportarten, die ohne Handschuhe oder mit minimalem Schutz ausgeübt werden:

  • Lethwei: Ein traditioneller Kampfsport aus Myanmar, bei dem Kopfstöße erlaubt sind.
  • Kalarippayat: Ein südindischer Kampfstil, der in der altindischen Kriegsführung praktiziert wurde und bei dem Kämpfe bis zum Tod ausgetragen wurden.
  • Vale Tudo: Eine frühe Form des Mixed Martial Arts aus Brasilien, bei der es nur wenige Regeln gab.

MMA-Wettkämpfe: Regeln und Vorschriften

MMA (Mixed Martial Arts) ist ein moderner eigenständiger Wettkampfsport, bei dem verschiedene Kampfstile genutzt werden, um gegeneinander anzutreten. Hier sind einige allgemeine Regeln für alle MMA-Wettkämpfe:

Allgemeines

  • Mitzubringen: Personalausweis oder Reisepass, Nachweis Krankenversicherung. Unter 18 Jahren muss außerdem eine Einverständniserklärung vorliegen.
  • Kleidungsvorschrift: Kurze Hose (Kniegelenk sichtbar), freier Oberkörper für Männer, enges Shirt oder Top für Frauen, keine Schuhe.
  • Körperhygiene: Keine Schuhe, keine weitere Ausrüstung wie Knie-, Ellenbogen- oder Fusspads oder Ohrschützer. Zahnschutz & Tiefschutz (Tiefschutz und Brustschutz für Frauen optional). Lange Haare müssen mit einem weichen Haargummi / -band zusammengehalten werden, keine harten Haarklammern etc. Keine harten Kontaktlinsen, kein Schmuck. Finger- und Fussnägel müssen kurz geschnitten sein. Minimales Auftragen von Vaseline im Gesicht wird von den Offiziellen vor dem Wettkampf gemacht. Ansonsten ist jedweder Gebrauch von Vaseline, Ölen und Cremes etc. (z.B. Thaiöl) verboten.

Waage

  • Die Toleranzgrenze beim Wiegen ist 500g. Bei Titelkämpfen gibt es keine Toleranzgrenze.
  • Ist ein Kämpfer über dem vereinbarten Gewichtslimit, hat er bis eine Stunde nach Ende der Waage Zeit, sein Gewicht zur erreichen.
  • Falls der Wettkämpfer mehr als 500g bis zu 1000g über dem vereinbarten Limit liegt, kann der Wettkampf stattfinden, wenn sein Gegner damit einverstanden ist, aber der Wettkämpfer startet mit einem Minuspunkt.

Erlaubte und Verbotene Techniken (Pro-MMA)

Erlaubte Techniken:

  • Schläge mit der gepolsterten Fläche des Handschuhs, Ellenbogenstösse (auch am Boden zum Kopf), Tritte und Kniestösse nur gegen einen stehenden Gegner zum Kopf (ansonsten nur zum Körper), gerade Angriffe auf Gelenke, jede Art von Würger, jeder Hebel des Ellenbogengelenks, des Schultergelenks, des Handgelenks (min. 3 Finger oder Zehen greifen), des Kniegelenks und des Fussgelenks, alle Würfe.

Verbotene Techniken:

  • Tritte und Kniestösse zum Kopf, wenn der Gegner nicht "steht", 12 zu 6 Ellenbogen, Stomps wenn der Gegner nicht "steht", alle Angriffe auf die Wirbelsäule und den Hinterkopf, Headbutts (egal wohin), Angriffe (Greifen oder Schläge) zum Unterleib und zum Kehlkopf / Hals (und der Brust bei Frauen), Greifen in Nase, Mund, und Augen, Ellenbogen, Knie etc. auf Nase, Mund, und Augen drücken, Greifen der Kleidung und der Handschuhe des Gegners (eigene Kleidung darf gegriffen werden), Greifen des Cages, Ausstrecken der Finger in Richtung des Gegners, Wegdrehen, Weglaufen, Hebel der Finger- oder Zehgelenke (min 3. müssen gegriffen werden), anderes unsportliches Verhalten (Beißen, Haare ziehen, Spucken, Schimpfwörter etc.), Angriffe während eines Time out, nach dem Rundenende oder wenn der Gegner unter dem Schutz des Ringrichters ist.

Die soziale und psychologische Dimension

Früher seien die Männer mit ihren Jobs in Stahlfirmen und Kohleminen die Ernährer ihrer Familien gewesen. Dass sich das gewandelt habe, mache einen großen Unterschied für die mentale Gesundheit vieler. Sie schämen sich dafür, dass sie nicht in der Lage sind, für die Familie zu sorgen, und im Job ihre Männlichkeit durch Körperkraft zu beweisen. Deshalb wenden sie sich dem Sport zu, um sich auf andere Weise Respekt zu verschaffen.

Faustkampf sei kein Allheilmittel für alle sozialen Missstände, verändere nicht grundlegend den Umgang mit Gewalt: "Es sind bestimmte Communities, die vom Bare-Knuckle-Kampf angezogen werden. Weil es die Sprache spricht, die sie verstehen. Gewalt hat sie womöglich lange Zeit in ihrem Leben begleitet, sei es häusliche Gewalt, sei es Bandengewalt."

Fazit

Kampfsportarten ohne Handschuhe, insbesondere Bare Knuckle Boxing, sind ein faszinierendes und kontroverses Thema. Sie bieten eine rohe und unverfälschte Form des Kampfes, bergen aber auch erhebliche Risiken. Die soziale und psychologische Bedeutung dieser Sportarten, insbesondere als Mittel zur Selbstfindung und Respektgewinnung, sollte nicht unterschätzt werden. Trotz der Risiken und Kontroversen erlebt Bare Knuckle Boxing eine Renaissance und zieht immer mehr Anhänger an.