Kindern fehlt es oft an Selbstbewusstsein und Wertevermittlung, Erwachsene wünschen sich Entscheidungskraft und Stressabbau. Häufig geht es darum, mit sich und anderen im Einklang zu sein, um leichter an das Ziel zu kommen. Hakim Falioune hat in Nidderau eine Kampfsport-Schule mit drei weiteren Inhabern eröffnet und will all dies in Form von Selbstbehauptungstraining, gepaart mit Fitness vermitteln. Die Kurse sind für Kinder und Erwachsene konzipiert.
Im Nidderauer Stadtteil Ostheim hat Falioune bereits die sechste Kampfsport-Schule eröffnet. Der ehemalige Kampfsport- und Fitnesstrainer, der auch Fitnessstudios geleitet hat, hat sich 2010 selbständig gemacht. Weitere Schulen gibt es in Hanau, Rodenbach, Alzenau, Wirtheim und Bad Soden-Salmünster. Zehn Trainer stehen in Nidderau zur Verfügung.
Hintergrund und Motivation
Hakim Falioune, Inhaber der neuen Kampfsport-Schule in Nidderau, ist in Hanau geboren und in einem Stadtteil mit hohem Migrationsanteil groß geworden. Dieser Umstand habe seine Mutter früh veranlasst, ihn, seinen Bruder und seine Schwester schon als Kinder an den Kampfsport heranzuführen. „Meiner Mutter war es wichtig, dass uns Werte vermittelt werden und wir uns verteidigen können“, sagt der 39-jährige gelernte Industriekaufmann.
Nach dem Umzug der Familie 1990 in die Nähe von Gelnhausen, betreibt der 16-jährige Hakim dort Kraftsport. Er trainiert Kickboxen, Thai-Boxen und das klassische Wing Tsun. Neben Selbstverteidigungstechniken erlernt er Disziplin, Respekt und Aufmerksamkeit. „Sport hat mich immer begleitet. Ich habe auch Fußball und Basketball gespielt“, sagt Falioune.
Pädagogische Wertevermittlung und Angebote für Kinder
Kinder die Kampfsport ausübten, hätten zudem bessere Noten: Dies sei auch das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln.
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Pädagogische Wertevermittlungen im Bereich unserer Jugend und Kinderarbeit, liegt im Hauptaugenmerk. Die Anwendung von Kampfsportarten muss gewissenhaft und verantwortungsvoll beigebracht werden, um Situationen genauer einschätzen zu können.
Der 13-jährige Fynn Schyhing aus Hammersbach betreibt seit Anfang März Fitnesstraining mit Kampfsport in der Gruppe der „Wing Teens“. Das Training ist auf die Bedürfnisse von Neun- bis 13-Jährigen zugeschnitten. Ausdauer, Fitness und Konzentration werden gestärkt und praktische Grundlagen der Gewaltprävention vermittelt. Gegenseitiger Respekt im Umgang mit Gleichaltrigen und Erwachsenen steht an oberster Stelle.
Kinder ab fünf Jahre trainieren bei den „Wing Kids“ Strategien der Gewaltvermeidung im privaten Bereich, im Kindergarten und der Schule. Das spielerische Training soll die motorischen, geistigen und sprachlichen Fähigkeiten der Kinder verbessern.
Für Kinder ab drei Jahre gibt es in der Gruppe „Lil’ Dragon“ ein Programm, das feinmotorischen Fähigkeiten fördern und den Kleinsten helfen soll, in jedem Lebensbereich zu selbstbewussten Menschen zu reifen.
Weitere Angebote und Kooperationen
„Der Zuspruch bei Kindern und Erwachsenen ist sehr groß. Alle Kurse sind gut besucht“, sagt Falioune. Weitere Schulen im Main-Kinzig-Kreis und auch in Bayern seien geplant. Der Zuspruch sei in der letzten Zeit größer geworden, berichtet Falioune. Das Kampfsporttraining vermittle Selbstsicherheit in gefährlichen Situationen.
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Früher, sagt er, hat es seiner Ansicht nach weniger Gewalt gegeben, heute würden gewaltsame Übergriffe auf sozialen Netzwerken im Internet gepostet, die Hemmschwelle sei gesunken. Er arbeite deshalb auch mit Schulen und Kommunen zusammen. In Schulen gibt er Kurse und leitet Arbeitsgruppen und biete Ferienspiele in Kommunen an. Von den Eltern bekomme er viele Rückmeldungen, dass den Kindern die Kurse Spaß machten und sie sich positiv entwickelten.
Hakim Falioune ist Athletics Trainer für Kampfsport bei Eintracht Frankfurt seit 2019. Geschwindigkeit, Koordination, Kraft, Ausdauer, Konzentration, Achtsamkeit, Spaß und Teamgeist - all das vereint das Kampfsportangebot.
Wing Tsun Kuen (WTK): Realistische Selbstverteidigung
„Wing Tsun Kuen“ oder „WTK“ wurde der Legende nach Anfang des 19. Jahrhunderts in China von einer Frau entwickelt und nach ihrer ersten Schülerin benannt. Der Vorname der Schülerin "Wing Tsun" bedeutet "Ode an den Frühling", "Kuen" steht für "Faust" oder "Kampfkunst". Ziel bei der Entwicklung des WTK war es, ein System zu erschaffen, das auch einem schwächeren oder langsameren Menschen die Möglichkeit gibt, sich wirkungsvoll zu verteidigen. WTK ist deshalb auch kein Kampfsport, sondern realistische Selbstverteidigung für jeden. Eine besondere Beweglichkeit oder überdurchschnittliche Körperbeherrschung sind keine Voraussetzung. Die mit dem Training einhergehende Selbstsicherheit und die damit verbundene Ausstrahlung wird im besten Fall dafür sorgen, dass ein WTK-Praktizierender sein Können nicht einsetzen muss. Angreifer suchen für gewöhnlich nämlich keinen Gegner sondern ein Opfer. Mit WTK verlässt man die „Opferrolle“ und kommt schon deshalb seltener in gefährliche Situationen. Wenn eine Auseinandersetzung dennoch unvermeidbar ist, hat sich der WTK-Schüler bestens vorbereitet.
Aufgrund der immer detaillierteren Berichterstattung über Gewaltverbrechen in den Medien stehen Selbstverteidigungsseminare hoch im Kurs. In nicht weniger als 3.000 Schulen und einer nicht gezählten Anzahl an professionellen Verbänden wird WTK in Deutschland, Österreich und der Schweiz in einer seiner zahlreichen Varianten und Schreibweisen (z.B. Wing Chun, Ving Tsun, WingTsun) unterrichtet. Sondereinsatzkommandos von Polizei und Militär auf der ganzen Welt werden hierin ausgebildet. Trotz dieser Verbreitung ist die Kampfkunst quasi nicht im Angebot deutscher Vereine zu finden. Der TV Windecken ist stolz auf diese Vorreiterrolle.
Die Kunst des Wing Tsun Kuen
Im Gegensatz zu Kampfsportarten, die den sportlichen und wettkampforientierten Aspekt ihres Stils betonen, sind alle Techniken des WTK auf die tatsächliche Selbstverteidigungssituation zugeschnitten. Unnötige Bewegungen, die nur schön aussehen aber keine praktische Anwendung haben, kennt das WTK nicht. Das Kampfkonzept des Systems sieht vor, den Angreifer während seines Angriffes durch einen Konter zu stoppen. Ist dies nicht mehr möglich und kommt es zu einer Kollision mit den Armen oder Beinen des Gegners, versucht der WTK-Praktizierende sich mit Hilfe der Kraft des Angreifers in die Position für einen Konter zu bringen. Im optimalen Fall wirkt dabei die Kraft des Gegners gegen diesen selbst. Sollte es auch hierfür schon zu spät sein, kennt das WTK eine Reihe von Notlösungen, die dem erfahrenem Anwender immer noch eine Chance auf Erfolg geben, selbst wenn er sein Gleichgewicht verloren hat, bereits gegriffen wurde oder sogar am Boden liegt.
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Das Repertoire des WTK umfasst neben effektiven Verteidigungstechniken auch die Psychologie der Selbstbehauptung und Strategien für gefährliche Alltagssituationen. Des Weiteren wird auch der Umgang mit improvisierten und echten Waffen vermittelt. Die Techniken hierfür stammen aus den fortgeschrittensten Programmen des WTK, dem Langstock und den Doppelmessern. Der Langstock ist eine etwa 2,50 bis 2,85 Meter lange spitzenlose Lanze. Mit dem Langstocktraining erhalten Meister der Kunst eine überdurchschnittliche Schlagkraft. Gleichzeitig verdeutlicht das Langstocktraining die geometrischen Prinzipien des WTK, die dem Anwender im Kampf einen deutlichen Vorteil verschaffen. Bei den Doppelmessern handelt es sich um zwei unterarmlange und etwa handbreite Haumesser. Neben dem Verständnis der einzelnen Waffentypen wird in diesem höchsten Programm des WTK vor allem das visuelle Erfassen von Angriffen geschult. Zudem bieten die wenigen raffinierten Doppelmessertechniken einen realistischen Schutz vor allen denkbaren Bedrohungen mit beliebigen Nahkampfwaffen. WTK ist eine traditionelle Kampfkunst. Sie folgt der Überzeugung, dass ohne einen gegenseitigen respektvollen und höflichen Umgang miteinander ein Selbstverteidigungsstil nicht vermittelt werden sollte.
