Jiu Jitsu zählt innerhalb der Kampfsportarten zu den sog. (nachgebenden) Stilen und geht bis in die Zeit um ca. 1600 zurück.
Ursprünge und Definition
Die waffenlose Selbstverteidigung asiatischen Ursprungs wurde vormals Jiu-Jitsu genannt. Es geht darum, mit möglichst geringem Krafteinsatz und unter Ausnutzung der Bewegung und Kraft des Gegners Angriffe erfolgreich abzuwehren.
Der Begriff Jiu Jitsu setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Jitsu bedeutet Technik, handwerkliches Können, Kunst. Jiu Jitsu wird daher gern als „Die Kunst des Ausweichens“ oder „Die sanfte Kunst“ übersetzt.
Gemeint ist, dass im Jiu Jitsu nicht Kraft gegen Kraft gesetzt wird, wie in einem einfachen Schlagabtausch. Jiu Jitsu versucht hingegen die Kraft des Gegners umzuleiten, ins Leere laufen zu lassen oder durch Ausnutzung von Hebelgesetzen und Schwung gegen ihn selber zu richten.
Der Name beinhaltet Jiu-Jitsu und Karate. Beides sind traditionelle Kampfkünste, die weit verbreitet sind, aber von einigen als nicht (mehr) geeignet für die Selbstverteidigung angesehen werden.
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Jiu-Jitsu-Techniken an. Auf diese Weise können sich z.B. Jiu-Jitsu-Selbstverteidigung den Beinamen „Gentlemens Arts“ ein.
"Ju" bedeutet "sanft", d.h. ausweichen, anpassen, nachgeben."Jutsu" bedeutet "Kunst oder Kunstgriff".Ju-Jutsu ist also die Kunst, durch Ausweichen oder Nachgeben die Kraft des Angreifers zu nutzen und ihn damit zu besiegen.
Falls erforderlich, kann ein Angriff aber auch in direkter Form, z.B. durch Atemi (Schock)-Techniken abgewehrt werden.
Über allen Verteidigungstechniken steht das "ökonomische Prinzip", also "mit dem geringsten Aufwand den größtmöglichen Nutzen zu erzielen". Alle Verteidigungstechniken können in weicher oder harter Form, mit vielen Zwischenstufen nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit angewandt werden.
Sollen Ju-Jutsu Techniken ihre volle Wirksamkeit zeigen, müssen die Prinzipien beachtet werden.
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"Wirksamkeit" heißt nicht Kraft oder Gewalt, sondern richtige Technikanwendung und Ausführung. Nur so ist es auch kleineren oder Schwächeren möglich, sich gegen stärkere Angreifer erfolgreich zu verteidigen.
Merkmale und Techniken
Jiu Jitsu ist eine der umfassendsten Kampfkünste. Sie beinhaltet sämtliche Entfernungen der waffenlosen Verteidigung.
Jiu Jitsu umfasst Tritte und Schläge, wie man sie auch im Tae Kwon Do oder Karate kennt, es umfasst Würfe, wie man sie aus dem Judo kennt, Hebel wie im Aikido, Würgetechniken und Bodenkampf.
Jiu Jitsu erwartet keine Akrobatik. Die notwendige Flexibilität und Fitness des Körpers wird im Laufe des Trainings erworben. Jeder körperlich nicht beeinträchtigte kann Jiu Jitsu ausüben.
In der typischen Trainingssituation simulieren wir einen Angriff auf uns durch einen oder mehrere Angreifer. Dazu gehören sowohl haltende Angriffe, wie Umklammern, Würgen, Griff in die Haare, aber auch Angriffe durch Schläge und Tritte sowie Angriffe mit Waffen, insbesondere mit Stöcken oder Messern.
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Diese Angriffe werden auf adäquate Weise abgewehrt. Wichtig ist uns hierbei die Verhältnismäßigkeit von Verteidigung und Angriff.
Jiu Jitsu enthält daher viele Techniken, die dazu dienen, den Gegner zu kontrollieren. Es ist nicht notwendig jeden Angreifer sofort krankenhausreif zu prügeln. Ein Hebel, der ihn am Boden fesselt, reicht häufig aus.
Durch die Vielzahl der Techniken im Jiu Jitsu ist das Training sehr abwechslungsreich und fordert den gesamten Körper. Dennoch ist es ein System, das man in nahezu allen Altersklassen ausüben kann.
Jiu Jitsu und seine Ableger
Jiu Jitsu ist eine relativ alte Kampfkunst, aus der einige andere Kampfkünste und Kampfsportarten hervorgegangen sind. Hier ist zunächst Judo zu nennen.
Kano hatte selber einen Jiu Jitsu Stil erlernt. Während seiner Studienzeit entwickelte er aus diesem Stil eine Wettkampfsportart, indem er alle Techniken, die ihm als zu gefährlich für den Wettkampf erschienen, aus dem System entfernte, darunter insbesondere sämtliche Schläge und Tritte und einen Teil der Hebel.
Judo wurde von Jigoro Kano Ende des 19.Jahrhunderts entwickelt.
Der Koreaner Choi Yong-Sul hatte während der japanischen Besatzung Koreas den gleichen Jiu Jitsu Stil wie Morihei Ueshiba erlernt. Er kombinierte diesen später mit Techniken der traditionell koreanischen Form Tae Kwon Do und schuf daraus Hapkido.
Ein modernes Derivat des Jiu Jitsu ist das besonders in den USA sehr populäre Gracie Ju Jitsu oder Brazilian Ju Jitsu.
Im Brasilianischen Jiu-Jitsu treffen die japanischen Kampfsportstile Jūdō und Jiu-Jitsu aufeinander und bilden einen neuen Kampfsport mit dem Schwerpunkt Bodenkampf.
Wurftechniken im Stand sind im Training an der Tagesordnung. Brazilian Ju-Jutsu ist eine Art Effektiv-Judo und von den aufgeführten Sportarten in der Beschreibung anders als Judo eine Kampfsportart, die sich auch bei schmächtigem Körperbau hervorragend eignet.
Der Sport verändert die Mechanik und technische Hebelwirkung des Judos zugunsten zierlicher Personen.
Gründer dieser Kampfkunst sind die Brüder Helio und Carlos Gracie zurück.
In Deutschland gibt es als Besonderheit eine Unterscheidung zwischen Jiu Jitsu und Ju Jutsu.
Ju Jutsu wurde 1969 eingeführt. Mehrere hohe Danträge hatten sich zusammengeschlossen, um ein modernes Verteidigungssystem aus „den wirkungsvollsten Techniken verschiedener Kampfsportarten“ zusammenzustellen.
Jiu Jitsu und Ju Jutsu sind verschiedene Ausprachen der gleichen Kanji. Technisch ist Ju Jutsu dem Jiu Jitsu sehr ähnlich.
Ju Jutsu hat sich völlig von seiner japanischen Herkunft gelöst, was sich zum Beispiel darin zeigt, dass dort nur deutsche Begriffe verwendet werden. Es beinhaltet anders als Jiu Jitsu Wettkämpfe, die allerdings stark einschränkenden Regeln folgen, um schwere Verletzungen zu vermeiden.
Durch den Anspruch die „besten“ Techniken zusammengestellt zu haben, ist Ju Jutsu ein geschlossenes System geworden mit einer Reihe definierter Techniken. Dies zeigt sich auch in der starre Prüfungsordnung, in der die Techniken, die zu jedem Gürtel gezeigt werden müssen, eindeutig festgelegt sind.
Jiu Jitsu ist in seinen Ausformungen vielseitiger. International gibt es eine entsprechende Trennung nicht.
Das deutsche „Ju-Jutsu“ hat neben der Schreibweise und Phonetik übrigens nicht viel mit Jiu-Jitsu Ursprüngen gemeinsam.
Die Entwicklung des Jiu Jitsu
Das heutige, europäische Jiu Jitsu versteht sich als adaptives System. Wir benutzen nicht nur traditionelle Techniken sondern haben auch Techniken aus anderen Systemen reimportiert. Dies ist kein Bruch der Tradition. Jiu Jitsu war auch in Japan nie ein geschlossenes System. Es gab dort immer unterschiedliche Stile und Schulen.
Was wir heute im breiten Spektrum unter Jiu Jitsu (inkl. internationaler Schreibweise: Ju Jitsu / Ju Jutsu) vestehen, wurde von der Schule um Kano Jigoro um das Ende des 19ten Jahrhunderts geprägt.
Vom Mittelalter bis wenige Jahre davor war es mehr ein weites Arsenal von Techniken mit und ohne Waffen - schwerpunktmäßig konzipiert für das Schlachtfeld der Samurai.
Mit der voranschreitenden Globalisierung und Erschließung neuere Handelsrouten um 1900 wurde das Jiu Jitsu in die Welt hinaus getragen. Dort mischte es sich oft mit lokalen Stilen (wie Catch Wrestling, Ringen, etc.) und wurde entsprechend der nationalen Gegebenheiten angepasst bzw. adaptiert.
So zum Beispiel im Brasilien der 1920er Jahre, wo die Brüder Carlos und Helio Gracie es von Mitsuyo Maeda gelernt hatten. Angepasst an die raue Realität von Straßen- bzw „Vale Tudo„-Kämpfen stand der Fokus bald auf Griff- und v.a. Bodenkampf und man verfeinerte die Techniken über die Jahre.
Das Gracie- bzw. Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) war geboren.
In den frühen 1990er Jahren wurden daraus auch die Mixed Martial Arts (MMA) und das größte MMA-Turnier, die Ultimate Fighting Championships (UFC) geboren.
Heute gibt es eine große Menge unterschiedlicher Jiu Jitsu - Arten.
Das Training
Das Training gibt Sicherheit im Alltag. Jeder Ju-Jutsuka lernt, wie er hinfällt, ohne sich zu verletzen. Und wenn man bedroht wird, weiß man, wie man sich wehren könnte.
Ganz nebenbei werden beim Ju-Jutsu sämtliche Muskelgruppen trainiert.
Für alle, die den Sport ein wenig ehrgeiziger angehen wollen, gibt es zwei Varianten. Wer gern an seiner Technik feilt, kann die Prüfungen ablegen und erhält je nach Graduierung eine neue Gürtelfarbe - von weiß über gelb, orange, grün und blau zu braun.
Danach kommen die Meistergrade, erst schwarz, dann weiß-rot und rot.
Weitere Kampfsportarten
Neben Jiu Jitsu gibt es eine Vielzahl anderer Kampfsportarten, die jeweils eigene Schwerpunkte und Techniken haben.
Aikido: Eine japanische Kampfkunst, die darauf abzielt, die Energie des Angreifers umzuleiten und ihn zur Aufgabe zu bewegen.
Boxen: Eine der ältesten Kampfsportarten, bei der Schläge auf den Kopf oder Oberkörper des Gegners ausgeführt werden.
Capoeira: Eine afro-brasilianische Kampfkunst, die Kampf, Musik und Tanz vereint.
Judo: Eine von Jigoro Kano entwickelte Kampfsportart, die sich auf Griffe, Hebel und Würfe konzentriert.
