Aller Anfang ist schwer - das gilt auch für die Karriere von Jean-Claude Van Damme. Jean-Claude Van Damme mag nicht ganz den Status seiner berühmten Action-Kollegen Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger erreicht haben, denn während diese noch immer gut im Geschäft sind, ist der gebürtige Belgier seit Jahrzehnten fast exklusiv in Direct-to-DVD-Flops zu sehen. Doch beiden hat Van Damme seine ausgeprägten Kampfsport-Skills voraus, die ihm 1987 seine erste größere Rolle im Martial-Arts-Kracher „Karate Tiger“ verschafften.
Seine körperlichen Vorzüge musste sich der 63-Jährige dabei hart erarbeiten. Dass seine Bewegungen manchmal fast tänzerisch anmuten, liegt daran, dass er nicht nur Karate, Kickboxen und Taekwon-Do erlernt hat, sondern sich auch vier Jahre lang in einer Ballettschule ausbilden ließ. Seine Kampfsport-Karriere wiederum geht bis zu seinem zwölften Lebensjahr zurück: In diesem noch sehr jungen Alter schickte ihn sein Vater zu einem Karatelehrer, „um ihn auf Vordermann“ zu bringen, wie Van Damme vergangenes Jahr in der Arte-Dokumentation „Jean-Claude Van Damme: Karate-Diva“ verraten hat.
Die Anfänge im Karate
Sein Lehrer Claude Goetz sparte dabei nicht mit harten Worten. Zwar erkannte er das Potenzial seines Schülers, doch anfangs war er alles andere als beeindruckt: „Er war steif wie ein Pfahl, kurzsichtig wie ein Maulwurf und hässlich wie eine Laus“, so Goetz. Doch nach und nach bildete sich sein Talent heraus, sodass der junge Van Damme bald an zahlreichen Wettkämpfen teilnehmen konnte und dabei 44 Mal gewann (nur zweimal soll er einen Kampf verloren haben).
Der Weg nach Hollywood
Doch eigentlich wollte der „Knock Off“-Star Schauspieler werden, und so wanderte er in den 80er-Jahren nach Los Angeles aus, um in Hollywood sein Glück zu versuchen. Dort schlug er sich zunächst mit zahlreichen Gelegenheitsjobs durch, bevor er für den Chuck-Norris-Actioner „Mission In Action“ als Stuntman engagiert wurde.
Der Durchbruch mit "Bloodsport"
Die Legende Jean-Claude Van Damme gilt heute als einer der wichtigsten Actiondarsteller aller Zeiten. Sein vermutlich wichtigster Film dabei allerdings: „Bloodsport“ aus dem Jahre 1988, der dem Martial Arts-Star zum Durchbruch verhalf. Die Geschichte ist relativ banal gehalten, aber auch die Actionszenen haben bei weitem noch nicht die Härte, die in heutigen Produktionen üblich ist. Jeder Schlag, jede Bewegung, jeder Tritt wirkt in „Bloodsport“, als handele es sich um echte Kampfsportszenen - eben ganz ohne Effekte und Greenscreen.
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Zugleich bringt uns der Durchbruch von JCVD auch die Vielfalt der Kampfsportarten näher - was den Streifen umso interessanter für Fans des Martial Arts-Genres macht. Beim geheimen Kumite, um das sich ein Großteil des Streifens dreht, muss der Kampfsportler schließlich gegen Gegner verschiedener Stilrichtungen antreten. Sein klassisches Ninjutsu muss dabei etwa gegen moderne Kampfsportarten wie Muay Thai, Karate oder Streetfighting antreten - was hinsichtlich der Actionchoreographien für eindrucksvolle Szenen sorgte.
Im Hinblick auf die heutigen Übertragungen des sogenannten Mixed Martial Arts (MMA), die genau diesen Mix der verschiedenen Kampfsportarten seit den 1990ern ausmachen und sich trotz des zweifelhaften Rufs immer größerer Beliebtheit erfreuen, war „Bloodsport“ im Jahre 1988 womöglich sogar deutlich seiner Zeit voraus. Jean-Claude Van Damme hat hier trotz des niedrigen Budgets ein Denkmal hinterlassen, das ihm zurecht zum Durchbruch verhalf.
Diese eigentlich banale Story verhalft Actionlegende Jean-Claude Van Damme nicht nur zum Durchbruch als Schauspieler, sondern war zugleich auch ein cineastischer Vorreiter des heute beliebten Mixed Martial Arts. Und spätestens mit seiner berühmten Spagatszene wurde JCVD in „Bloodsport“ auch kurzerhand zur Kultfigur.
Trotz des Erfolgs gab es auch kritische Stimmen bezüglich seiner Kampfsportkarriere. So berichtete unter dem Titel "Aufschneider" das Nachrichtenmagazin "Stern" in der Rubrik "Leute" über die Kampfsportkarriere des Schauspielers Jean-Claude Van Damme u.a. dass er gar kein, wie von ihm des öfteren gern erzählt wurde bzw. Einer, der es wissen muss, ist Geert Lemmens.
Sprich ... unser "Allrounder" Van Damme hat Karate (Sport-Karate), Ballett und später Krafttraining (wer hätte das geahnt?) gemacht. Er hatte ein eigenes Studio das er verkaufte und mit dem Erlös nach Amerika auswanderte um dort sein Glück zu suchen.
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Vom Karate Kid zum Action-Star
Jean-Claude Camille François Van Varenberg ist der Sohn eines Buchhalters und wuchs in Brüssel auf. Auf Anraten seines Vaters wandte sich der laut eigenen Aussagen sehr schmächtige Junge im Alter von elf Jahren dem Kampfsport zu. Den Einstieg fand er im Shotokan Karate, bevor er sich später auch für Kickboxen, Taekwon-Do, and Muay Thai interessierte. Bereits als Teenager erhielt van Varenberg nicht nur den schwarzen Gürtel in Karate, sondern konnte auch bald einen Mittelgewichts-Titel sein eigen nennen.
Nach einem erfolglosen Hongkong-Abstecher zog es van Varenberg, der mittlerweile den Künstlernachnamen Jean-Claude van Damme angenommen hatte, 1981 nach Hollywood. Dort musste er sich zuerst mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten, bevor ihn Chuck Norris 1984 in dem Actionfilm „Missing in Action“ als Stuntman einsetzte. Doch es dauerte zwei weitere Jahre, bevor van Damme als brutaler Bösewicht in „Karate Tiger - Der letzte Kampf“ endlich ein wenig von seinen Martial-Arts-Qualitäten zeigen konnte.
Action im Akkord
1987 bekam Jean-Claude van Damme eine Hauptrolle in dem in Hongkong gedrehten Kampfsportfilm „Bloodsport - Eine wahre Geschichte“ angeboten. Doch die erste Schnittfassung galt als untauglich für eine Kinoauswertung. Van Damme setzte sich persönlich für einen Recut ein, und der nur 1,5 Millionen Dollar teure Streifen wurde nicht nur zum Kulthit vieler Martial-Arts-Fans, sondern spielte weltweit unglaubliche 30 Millionen Dollar ein. Der Mann mit dem deutlichen Akzent und der „minimalistischen“ Mimik wurde für seine Athletik, inklusive 360 Grad-Kick und Spagat, gefeiert.
Diese körperlichen Vorzüge setzte van Damme auch in höher budgetierten B-Picture-Actionstreifen wie „Leon“ oder „Geballte Ladung - Double Impact“ ein. Ein nächster Schritt in Richtung erste Hollywood-Liga gelang van Damme 1992 als reanimierter Soldat und Gegenspieler von Dolph Lundgren in Roland Emmerichs „Universal Soldier“.
Hilfe aus Hongkong
Jean-Claude van Damme machte nie einen Hehl aus einer Bewunderung für das Actionkino aus Hongkong. Mit John Woo, dessen berühmtestem Vertreter, arbeitete er 1993 bei „Harte Ziele“ erstmals zusammen. Der Mix von Woos ballettartiger Choreographie mit brutaler Gewalt im US-Debüt des Regisseurs ging an den Kinokassen auf. Diesen Erfolg übertraf van Damme ein Jahr später mit dem Zeitreisefilm „Timecop“, sein bis dato größter Hit in den USA.
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Nach einigen privaten Krisen wollte sich van Damme im Anschluss an das „Stirb langsam“-im-Eisstadion-Rip-Off „Sudden Death“ als Regisseur beweisen. Das teure und mit Ex-Bond Roger Moore prominent besetzte Abenteuerspektakel „The Quest - Die Herausforderung“ erlitt an den Kinokassen aber Schiffbruch - ein Trend, der sich in den folgenden Jahren fortsetzen sollte.
Von der Videothekenware…
Nach dem Misserfolg mit „The Quest“ vertraute Jean-Claude van Damme auf Mitstreiter aus Hongkong. Doch weder Ringo Lams Thriller „Maximum Risk“, in dem JCVD mal wieder in einer Doppelrolle zu sehen war, noch Tsui Harks „Double Team“ konnten überzeugen. Für letzteren Film erhielt van Damme sogar den Schmähpreis „Goldene Himbeere“ gemeinsam mit Dennis Rodman als schlechtestes Leinwand-Paar.
Nach diesem Tiefpunkt musste der von zahlreichen Skandalen gezeichnete Belgier, der lange kokainsüchtig war und mit einer bipolaren Störung zu kämpfen hatte, kleinere Film-Brötchen backen. Bis auf wenige Ausnahmen wie die schnell heruntergedrehte Fortsetzung „Universal Soldier - Die Rückkehr“ verdingte sich der in die Jahre gekommene van Damme in schmaler budgetierten B-Pictures mit stereotypen Plots, die auch seine emotionale Seite stärker betonen sollten. Nur selten war das Ergebnis allerdings so vorzeigbar wie bei dem Action-Thriller „Until Death“.
…zur Selbstentblößung
2008 konnte ein junger Regisseur namens Mabrouk el Mechri den gefallenen Actionstar mit einem gewagten Projekt wieder aus der Versenkung holen: In „JCVD“ spielt sich van Damme als abgehalfterter Action-Star, der in einen Banküberfall gerät, selbst. Zum ersten Mal in der Karriere von „The Muscles from Brussels“ wurde er für diese Selbstentblößung mit hervorragenden Kritiken bedacht, auch wenn der große finanzielle Erfolg ausblieb.
In der Folge war van Damme umtriebig, spielte erneut neben Dolph Lundgren in der Fortsetzung „Universal Soldier: Regeneration“, übernahm die Regie und Hauptrolle für die Action-Romanze „The Eagle Path" sowie eine Sprechrolle in „Kung Fu Panda 2“ und den Bösen-Part in der Joel-Silver-Produktion „Dragon Eyes“.
Belgiens medialem Aushängeschild ist es gelungen, eine erfolgreiche Kampfsportlaufbahn in eine erstaunliche Filmkarriere zu verwandeln, die ihren vorläufigen Höhepunkt 2008 in der selbstreferentiellen Actionkomödie „JCVD“ fand.
