Beim Taekwondo handelt es sich um eine aus Südkorea stammenden Kampfkunst, bei der Füße und Hände benutzt werden.
Die historischen Wurzeln: Korea vor der Moderne
Bereits im alten Korea existierten Kampfkunstsysteme, die als Vorläufer des heutigen Taekwondo gelten.
- Taekkyon, eine traditionelle Kampfkunst mit tänzerischen Tritttechniken und fließenden Bewegungen.
- Hwa Rang Do, ein Ehrenkodex junger Krieger des Silla-Königreichs, eine bedeutende Rolle für das Verständnis von Kampfkunst als moralischer und körperlicher Schulung.
Diese frühen Formen prägten das Selbstverständnis koreanischer Kampfkünste als Weg der Disziplin, Verteidigung und Persönlichkeitsbildung.
Der Einfluss der japanischen Besatzung (1910-1945)
Während der japanischen Kolonialzeit wurde das Ausüben koreanischer Traditionen unterdrückt. Viele Koreaner lernten in dieser Zeit japanische Kampfkünste wie Karate und Judo - und brachten diese Techniken nach der Befreiung 1945 zurück in ihre Heimat. Daraus entstanden zahlreiche Schulen (Kwan), die verschiedene Stile miteinander verbanden.
Die Gründung des Taekwondo (1955)
Der Begriff „Taekwondo“ wurde erstmals 1955 offiziell geprägt - als Ausdruck für eine eigenständige, koreanische Kampfkunst. Der Name bedeutet übersetzt „Weg des Fußes und der Hand“ (Tae = Fuß, Kwon = Faust, Do = Weg). Choi Hong Hi gilt als eine der Schlüsselfiguren der Bewegung. Er war maßgeblich an der Systematisierung der Techniken beteiligt und verbreitete Taekwondo in den folgenden Jahren auch international.
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Internationale Verbreitung und Wettkampforientierung
Ab den 1960er-Jahren verbreitete sich Taekwondo durch Demonstrationen, Militärkooperationen und Auslandsmissionen rasch weltweit. Damit wurde ein modernes, sportlich orientiertes Taekwondo-System geschaffen - inklusive internationaler Wettkämpfe und standardisierter Regeln. World Taekwondo (WT) entwickelt ein einheitliches Taekwondo System weiter und optimiert Taekwondo für Wettkämpfe.
Taekwondo bei den Olympischen Spielen
Taekwondo ist ein weiterer Kampfsport, der den Eingang in das olympische Programm gefunden hat. 1988 feierte Taekwondo seine Premiere als Demonstrationssport bei den Olympischen Spielen in Seoul. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul im Mutterland Südkorea sowie 1992 in Barcelona war Taekwondo eine Demonstrationssportart, erstmals ins olympische Programm aufgenommen wurde es für Frauen und Männer 2000 in Sydney. Austragungsort 2024 in Paris ist das Grand Palais, ein architektonisches Meisterwerk im Herzen der französischen Metropole. Seit 2000 ist es fester Bestandteil des olympischen Programms. Die Premiere feierte Taekwondo dann bei den Olympischen Sommerspielen 2000 mit acht Bewerben, jeweils vier für Damen und für Herren.
Gekämpft wird bei Olympischen Spielen jeweils in vier Gewichtsklassen, bei WM und EM gibt es je acht Kategorien. Gekämpft wird nach strengen Regeln, der Sieger wird nach Punkten, durch KO oder durch Aufgabe des Gegners ermittelt. Die Kämpfe werden in drei Runden ausgetragen, während dieser versucht der Kämpfer Treffer zu erzielen, für die er Punkte erhält. Ziel des Kampfes ist es, erlaubte Angriffe auf den Trefferflächen zu platzieren.
Das Regelwerk im Olympischen Taekwondo
Das Regelwerk im Olympischen Taekwondo ist vielfältig. Es gibt viele Vorschriften und Regelungen, an die sich die Kämpferinnen und Kämpfer, aber auch die Coaches auf dem Coach-Stuhl halten müssen.
Es gibt zwei unterschiedliche legale Angriffsregionen:
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- Die Bereiche des Oberkörpers, die von der Schutzweste bedeckt werden; hier darf mit dem Fuß (unterhalb des Knöchels) und der Vorderseite der Faust angegriffen werden.
- Die zweite Angriffsfläche bildet das Gesicht einschließlich der Vorderseite des Halses. Dieser Teil darf nur mit dem Fuß angegriffen werden.
Um einen Punkt zugesprochen zu bekommen, muss der Treffer kraftvoll in den erlaubten Regionen gelandet und von mindestens zwei Punktrichtern gesehen werden.
Deutsche Erfolge bei Olympia
Die erste deutsche Olympiamedaille bei den Männern gewann Weltergewichtler Faissal Ebnoutalib bei der Premiere in Sydney. Zwölf Jahre später holte Ex-Europameisterin Helena Fromm in London Bronze. Bisher konnte die DTU bei den Olympischen Spielen zwei Medaillen gewinnen. Silber durch Faissal Ebnoutalib und Bronze durch Helena Fromm.
Taekwondo heute
Taekwondo ist ein traditioneller koreanischer Kampfsport und zugleich eine moderne olympische Disziplin, seit Anfang 2015 auch paralympische Disziplin. Dementsprechend groß ist die Bandbreite des Taekwondo: Sie reicht von der Kampfkunst mit tiefen Wurzeln in der koreanischen Philosophie bis zum attraktiven, dynamischen Wettkampfsport. Der koreanische Nationalsport wird heute in weit über 200 Nationen organisiert betrieben, die Deutsche Taekwondo Union vertritt rund 60.000 Sportler.
Die Deutsche Taekwondo Union (DTU)
Die Deutsche Taekwondo Union wurde im Jahr 1981 gegründet und zählt aktuell ca. 60.000 eingetragene Mitglieder. Der Verband ist der einzig anerkannte Fachverband für olympisches Taekwondo. Besonders stolz ist die DTU auf die Austragung der 16. Weltmeisterschaft Taekwondo, die vom 24. - 28. September 2003 in Garmisch-Partenkirchen stattfand.
Taekwondo ist nicht nur als Sportart selbst interessant und die Bewerbe spannend, es ist auch die Vielzahl an Nationen, die in den ersten Bewerben bereits Medaillen erreichen konnten, bemerkenswert. Nationen, die sonst eher weniger Medaillenchancen haben, können auf erfolgreiche Vertreter zurückgreifen wie Afghanistan oder Nigeria sowie Iran.
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Ein Name, der Programm ist
Die koreanischen Begriffe „Tae - Kwon - Do“ bedeuten wörtlich übersetzt „Fuß - Faust - Weg“. Damit sind zugleich die wichtigsten Grundbegriffe des Taekwondo genannt: „Fuß“ und „Faust“ stehen für die Techniken: Kicks in allen Variationen, in Bauch oder Kopfhöhe, gedreht, gesprungen, doppelt oder dreifach und Fausttechniken, vor allem Fauststöße zum Angriff und Blocks zur Verteidigung. „Weg“ hingegen beschreibt die persönliche Entwicklung, die jeder durchläuft, der Taekwondo ernsthaft betreibt: Vom Weissgurt zum Schwarzgurt, vom Schüler zum Meister. Dabei geht es um viel mehr, als um sportliche Fortschritte. Wird Taekwondo richtig gelehrt und erlernt, wird es zur Charakterschule.
