Israelischer Kampfsport: Krav Maga – Techniken des Mossad

Krav Maga kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „Kontaktkampf“. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: KRAV MAGA ist Selbstverteidigung für den Ernstfall - für Situationen, in denen du dich oder andere verteidigen musst. Und darin liegt auch schon der wesentliche Unterschied zu Kampfkünsten und Kampfsportarten. KRAV MAGA folgt keinen traditionellen Bewegungsabläufen oder sportlichen Wettkampfregeln, sondern trainiert den reinen Selbstschutz.

Doch was ist Krav Maga genau? Und was macht Krav Maga so besonders, dass diese effektive Kampfart sogar von der israelischen Armee und dem Geheimdienst Mossad angewandt wird? Ganz einfach: Krav Maga eignet sich für alle Menschen. Unabhängig von Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht oder Fitnesszustand. Sogar Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen können Krav Maga erlernen.

Ursprünge und Entwicklung von Krav Maga

Imi Lichtenfeld gilt als Begründer von Krav Maga. Der gebürtige Ungar wuchs in der Slowakei auf, war leidenschaftlicher Boxer und Ringer und entwickelte Krav Maga bereits in den 1930er Jahren. Ursprünglich diente Krav Maga dazu, die in der Slowakei lebenden Juden vor antisemitischen Übergriffen zu schützen. 1942 reiste Imi Lichtenfeld nach Palästina, wo er Nahkampfausbilder der israelischen Armee wurde. Nach der Gründung des Staates Israel war Lichtenfeld Chefausbilder im Nahkampf der israelischen Armee (IDF = Israel Defense Forces).

Innerhalb der israelischen Sicherheitskräfte haben unterschiedliche Ausbilder Krav Maga ständig weiterentwickelt indem Sie Ihre Erfahrungen aus den jeweiligen Einsatzzwecken und Erfordernissen eingebracht haben. Krav Maga ist somit kein fest definiertes Selbstverteidigungssystem, sondern unterliegt auch heute einem stetigen Wandel.

Erst seit den späten 1970er Jahren wird Krav Maga auch für Zivilisten unterrichtet. Übrigens: 1993 gründete Imi Lichtenfeld die IKMF (International Krav Maga Federation) mit der Idee dahinter, dass es die Organisation möglich macht, Krav Maga weltweit für jeden zugänglich zu machen. Und so kam es auch - mittlerweile ist IKMF Krav Maga in über 90 Ländern mit mehr als 15.000 Schülern vertreten.

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Die Techniken des Krav Maga

Sämtliche Krav Maga Techniken beruhen auf natürlichen Reflexen. Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten ist für Krav Maga kein jahrelanges Grundlagentraining notwendig. Es werden Griff-, Schlag-, Tritttechniken sowie Hebelfertigkeiten und Bodenkampf effektiv genutzt, so dass sie schnell, einfach und selbst unter Stress instinktiv abrufbar sind.

Neben den oben genannten Dirty Fight Techniken macht zudem die eindrucksvolle Didaktik das System einzigartig. So wirst du im Training, natürlich immer unter Berücksichtigung des Sicherheitsaspekts, möglichst nah an reale Gewaltsituationen herangeführt. Du lernst beispielsweise einen Schlag abzuwehren, wenn du dem Angreifer direkt gegenüber stehst, du deine Hände schon zum Schutz oben hast und bereit für die Situation bist. Ebenso lernst du durch ausgefeilte Trainingsmethoden auch Angriffe abzuwehren, wenn diese völlig unvorbereitet kommen und deine Hände etwa unten sind. Auch völlig andere Settings werden trainiert, z.B. im Sitzen, im Liegen, im Dunkeln oder die Verteidigung gegen mehrere Angreifer.

Das Ziel dabei ist es, schnell aus einer gefährlichen Situation sicher und selbstständig herauszukommen. Und das mit allen möglichen, dir zur Verfügung stehenden Mitteln. Bei Krav Maga lernst du den richtigen Umgang in Gefahrensituationen aller Art. Du lernst in jeder Lage, ob stressig, brenzlig oder gar lebensbedrohlich, einen kühlen Kopf zu bewahren, Gefahr zu neutralisieren und sichere und schnelle Lösungen zu finden.

Krav Maga als Selbstverteidigungssystem

Streng genommen ist Krav Maga kein Sport. Es ist ein reines Selbstverteidigungssystem und verzichtet deshalb auf Wettbewerbe. Stattdessen trainiert Krav Maga für den Ernstfall im Alltag auf der Straße.

Krav Maga gibt jedem die realistische Chance, eine Bedrohung unbeschadet zu überstehen. Gleichgültig ob Mann oder Frau, ob geringe Körpergröße oder schwächere Konstitution, das System kann leicht erlernt werden, ist höchst effizient und steigert Fitness und Stressresistenz gleichermaßen. Das System nutzt die natürlichen Reaktionsmuster und Reflexe des Menschen. Diese Reflexe müssen nicht erst langwierig antrainiert werden und sind auch unter extremem psychischem Druck abrufbar.

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Krav Maga verzichtet auf artistische Elemente und motorisch anspruchsvolle Techniken. Vielmehr werden die bestehenden Fähigkeiten des Menschen weiter ausgebildet. Gerade deshalb führt regelmäßiges Training zu einer ausgewogenen Fitness und einem guten, gesunden Körpergefühl.

Taktische Konzepte im Krav Maga

Bei der Namensgebung für unsere Firma stand folgende Überlegung Pate: Krav Maga ist keine Aneinanderreihung von Kampfsport- bzw. Selbstverteidigungstechniken, sondern ein sich logisches Konzept, das taktischen Leitlinien und Grundlagen folgt (daher Tactical Concepts).

Gemeint ist hiermit, dass der Schüler lernt, seine Umgebung bewusst wahrzunehmen und sich situationsgerecht zu verhalten. Dies beginnt damit, dass er sich nicht leichtfertig in Gefahr begibt (z.B. in Lokale mit zweifelhaftem Ruf geht), nicht mit dem Ohrhörer im Ohr im öffentlichen Raum (Straße, öffentliche Verkehrsmittel etc.) herumläuft und geht weiter über das taktisch sinnvolle (und der Situation angemessene) Verhalten bei Annährung unbekannter Personen bzw. Ansprachen durch diese.

Darüber hinaus ist Aktion immer schneller als Reaktion. Dies wiederrum dazu, dass es nahezu unmöglich ist, auf jeden Angriff mit einer dazu passenden Verteidigung zu antworten. Dem muss taktische Selbstverteidigung Rechnung tragen:

  • Wir gehen immer davon, dass Waffen im Spiel sind.
  • Wir gehen immer davon, dass der Angreifer Unterstützung hat.
  • Wir arbeiten mit möglichst wenigen Techniken, die gegen so viele Angriffe wie nur irgend möglich wirksam sind.
  • Die verwendeten Techniken werden weitgehend so auswählt, dass sie auch mit (improvisierten) Waffen und gegen diese funktionieren.

Last but not least ist Krav Maga nicht reaktiv. Sobald der Gegner die persönliche Grenze der Wohlfühldistanz überschritten hat, initiieren wir proaktiv den Angriff und bringen den Konflikt schnell und konsequent zu Ende.

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Krav Maga heute

Krav-Maga-Kurse gibt es inzwischen in den meisten Städten. In großen Kampfsport-Studios, Volkshochschulen und Universitäten zählen sie zunehmend zum Standardkursangebot, zudem haben sich auf Krav Maga spezialisierte Kampfsportschulen etabliert. Welche Techniken unterrichtet werden, hängt vom jeweiligen Kurs ab. Das Kampfsystem basiert mehr auf Prinzipien als auf einer Sammlung bestimmter Techniken.