Sarah Posner verbrachte ihre Freizeit als junge Erwachsene mit Hip-Hop-Formationsturnieren und Wrestling-Training. Nachdem sie dort in zahlreiche Freundschaftsbücher ihrer SchülerInnen den Traumberuf Autorin eingetragen hatte, fasste sie den Entschluss, ihren Traum wahr werden zu lassen. An einer Grundschule unterrichtete sie damit alles - außer Mathe. 2022 veröffentlichtliche sie ihr erstes Kinderbuch Kira und der geheime Schatz. 2024 folgte Kira ist jetzt Alles-Bestimmerin. Sarah
Im August 1914 wird Emmy Hennings wegen ‘Beischlafdiebstahl’ verhaftet. Erika Süllwold, die für die Suhrkamp Auflage von “Das Brandmal. Emmy Hennings hat sich unentwegt mit der widersprüchlichen Moral ihrer Zeit auseinandergesetzt und die herrschenden Rollenbilder aktiv hinterfragt. Exemplarisch stehen dafür nicht nur „Das Brandmal. Ein Tagebuch“ und „Gefängnis“ sondern auch ihre Kurzprosa, die in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften erschienen ist. Hennings spielt auf der Bühne und in der Literatur mit den Projektionsflächen der weiblichen Rollen, die zu ihrer Zeit möglich waren, erweitert sie, spitzt sie zu, um sich so neue Freiräume zu schaffen. Sie gibt dem Zweifel, dem Verlassensein und der Orientierungslosigkeit in ihren Texten ebenso einen Raum, wie sie daraus Erkenntnisse für sich zieht, die darauf abzielen, „die geschminkte Not“ und das „übertünchte Elend“ in ihrer plastischen Drastik auszustellen und in einen Gesamtzusammenhang zu überführen, bei dem es sich nur um ein grundsätzlich falsches Leben handeln kann.
Wie sollte ich mich nicht verführen lassen? / Verführen mich selbst, verführen mich Tod und Leben / Wie verlockend bist du, magischer Freund! / […] / Vor deiner Pforte streifen mich die Schwingen des Irrseins. // Noch ist mein Unglaube gleich einem schwarzen Vogel. / Allnächtlich umkreist er mein Lager. / Einst wird er seine Fittiche ausbreiten / Über meinem sonneerhellten Blumengrab / […] / Und golden, oh golden glänzt die Verheissung: / Ihr werdet sein wie Gott … //.
Wie hat es Emmy Hennings, die als Emmy Cordsen 1885 in Flensburg geboren wurde und aus einfachen, der Kunst fernen Verhältnissen stammte, geschafft, sich eine eigene künstlerische Identität aufzubauen? Hennings war eine vielseitige Künstlerin, die spielte, tanzte, sang, schrieb und im Cabaret Voltaire mit selbst genähten Puppen auftrat. Die Dadaist:innen kämpften mit allen Mitteln gegen die Agonie und den Todestaumel des ersten Weltkrieges an. Emmy Hennings stand während der rauschenden Abende im Cabaret Voltaire in der Spiegelgasse Nr.1 in Zürich stets im Mittelpunkt.
“Ich habe eine Aversion gegen den Dadaismus gehabt. Es waren mir zuviele Leute entzückt davon. Es war nichts Rares und nichts Bares, weder Fisch, noch Fleisch und die Dadaisten haben ja selbst zuerst nicht gewusst, was es ist. Das ist ein Kompliment. Ihr Freiheitsdrang und ihre Abenteuerlust, die ihr von ihrem Vater, einem ehemaligen Seefahrer, mitgegeben wurde, führten sie auf einen Weg, den sie autonom gewählt hatte. Im späteren Zusammentreffen mit egomanen Schriftstellern wie Johannes R. Becher oder auch Erich Mühsam gerät sie in eine emotionale Schieflage, die auch ihr künstlerisches Fortkommen behindert.
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Hennings Beziehungen zu Hermann Hesse und Hugo Ball hingegen waren geprägt von gegenseitigem Respekt und aufrichtiger Liebe. Die Biographie über Emmy Ball-Hennings von Bärbel Reetz, „Leben im Vielleicht“, gibt im Detail Aufschluss, wen Emmy Hennings als Bohemienne in Berlin noch vor Ausbruch des ersten Weltkrieges kennengelernt hat. Sie ist umgeben von Künstler:innen und Intellektuellen, mit denen sie in einem lebhaften Austausch steht. Emmy Hennings hat sich immer wieder gegen ein kleinbürgerliches Leben entschieden. Sie war Dichterin, Diseuse, Kabarettistin, und sie war auch Mutter. Zunächst wuchs ihre Tochter Annemarie Schütt-Hennings bei der Großmutter auf und auch wenn Hennings sich in Phasen des Zweifels, der Geldnot und des Hungers, ausgemalt hat, wie dieses Leben wäre, folgte sie unbeirrt ihrem eingeschlagenen Weg.
In die Zeit meiner Entdeckung von Emmy Hennings fielen damals zeitgenössische Autor:innen ein, die unter dem zweifelhaften Begriff “Fräuleinwunder” firmierten und die auch für mich lesbar waren. Ich erinnere mich da an Judith Hermann, Zoë Jenny oder auch Karen Duve. Inzwischen gibt es viel Literatur über Hennings und sie ist längst keine vergessene Autorin mehr. So gibt es etwa eine Graphic Novel „Alles ist Dada“ und zahlreiche Autor:innen der Gegenwart folgen ihrem Weg, indem sie schonungslos über ihr Dasein als Künstler:innen schreiben.
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